Ich möchte hier einen aktuellen Servicefall teilen, der mich doch sehr nachdenklich stimmt und zeigt, wie automatisierte Garantieprozesse komplett zulasten von uns Kunden ausgelegt werden.
Der Sachverhalt:
Im Oktober 2025 habe ich eine ASUS ROG Astral LC GeForce RTX 5090 OC für ca. CHF 2'300.- gekauft. Vor Kurzem trat ein minimaler Defekt am Radiatorstecker auf (ein Wackelkontakt beim Magnet-Stecksystem, das die Lüfter und die RGB-Beleuchtung versorgt). Man musste regelmässig am Kabel rütteln, damit der Strom wieder fliesst. Da volle Garantie auf dem Gerät war, habe ich die Karte im Mai 2026 zur Reparatur eingesendet. Die Karte selbst und der Grafikchip liefen einwandfrei.
Die Abwicklung durch den Händler:
Anstatt diesen Stecker zu reparieren oder das Lüfterkabel auszutauschen, wurde der Fall vom Servicecenter als „nicht wirtschaftlich zu reparieren“ eingestuft. Es wurde – komplett ohne Rücksprache mit mir – eine automatische Gutschrift über den alten Kaufpreis von CHF 2'300.- ausgestellt und der Fall geschlossen. Als ich darauf beharrte, mir meine Karte einfach unrepariert wieder herauszugeben, damit ich das Kabel zur Not selbst fixieren oder reparieren lassen kann, wurde mir das auf allen Instanzen (bis hoch zum Customer Care Team) strikt verweigert. Die Hardware sei „nicht mehr im Bestand“.
Das wirtschaftliche und logische Problem:
Aufgrund der aktuellen Marktlage und massiver Knappheit liegt der Wiederbeschaffungswert der RTX 5090 heute bei ca. CHF 3'400.-. Durch diese ungefragte Zwangsgutschrift entsteht mir ein direkter finanzieller Schaden von über CHF 1'100.-, wenn ich die gleiche Leistung wiederbekommen möchte. Das Argument des Supports, man könne Kunden aufgrund des hohen Volumens im Vorfeld grundsätzlich nicht fragen, hinkt gewaltig: Bei einer erfolgreichen Reparatur funktioniert der Rückversand der Hardware zum Kunden logistisch ja schliesslich auch fehlerfrei.
Fazit:
Es ist zutiefst enttäuschend, wie hier das volle Marktrisiko und die Inflation bei Hardware-Knappheit über starre Prozesse einseitig auf den Käufer abgewälzt werden. Indem die Herausgabe des defekten, aber immer noch extrem wertvollen Eigentums verweigert wird, wird einem jede Möglichkeit genommen, den Schaden selbst zu minimieren.
Mich würde interessieren, ob andere hier schon ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ist die Garantie mittlerweile ein finanzielles Risiko für den Käufer geworden, sobald ein Produkt im Marktwert steigt?