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Alles zur neuen Fujifilm X-H1

David Lee
David Lee
Zürich, am 15.02.2018
Video: Stephanie Tresch

Fujifilm bringt im März eine neue Top-Kamera. Ich konnte sie bereits ausprobieren.

Fujifilm hat den Medien in Lissabon eine Kamera vorgestellt, die es in sich hat. Die X-H1 ist das neue Topmodell des Herstellers – einmal abgesehen von der Mittelformatkamera GFX 50s. Ich habe einerseits in Lissabon viel damit fotografieren können, sowohl frei als auch in geführten Workshops. Andererseits hatte ich schon im Januar Gelegenheit, die Kamera mal auszuprobieren. Somit kann ich bereits einiges aus der Praxis erzählen.

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Was ist neu?

Aber zuerst mal noch kurz die wichtigsten Merkmale und Neuerungen. Zuerst fällt auf, dass die X-H1 aussieht wie eine Mini-Ausgabe der GFX. Besondere Kennzeichen: Ein kantiges Magnesium-Gehäuse und ein kleiner Zweitbildschirm auf der Oberseite der Kamera.

X-H1 Body (24.30 Mpx, APS-C / DX)
Fujifilm X-H1 Body
24.30 Mpx, APS-C / DX
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Dem kleinen Display zum Opfer gefallen ist das Rad für die Belichtungskorrektur, für das kein Platz mehr vorhanden war. Die Belichtungskorrektur regelt der Benutzer nun halt über das allgemeine Drehrad, was immer noch easy ist.

Der Haupt-LCD ist ausklappbar und lässt sich auch auf die Seite drehen. Laut Fujifilm bietet er einen höheren Dynamikumfang als frühere LCDs. Wichtiger ist aber, dass die Auflösung im Sucher von 2,36 auf 3,69 Megapixel erhöht wurde. Er hat eine Bildwiederholrate von 100 fps.

Nicht neu ist der Sensor. Es ist derselbe wie im bisherigen Flaggschiff X-T2 mit einer Auflösung von 24 Megapixeln.

Erster Fuji-Body mit Bildstabilisierung

Die X-H1 ist die erste Kamera von Fujifilm mit Bildstabilisierung im Kameragehäuse (IBIS, in body image stabilization). Der Bildstabilisator umfasst fünf Achsen und soll eine fünf Stufen längere Belichtung ermöglichen. Falls ein Objektiv angeschlossen wird, das für bestimmte Achsen eine bessere Stabilisierung hat, schaltet sich die entsprechende Achse im Body aus und die Kamera nutzt für diese Bewegungsrichtung die Stabilisierung der Kamera.

Falls du es genau wissen willst, habe ich hier eine Tabelle aus der Fujifilm-Präsentation.

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Für Sport, Action und Wildlife

Die X-H1 hat einen deutlich grösseren Handgriff als die X-T2, ebenfalls von der GFX inspiriert. Sie richtet sich unter anderem an Sport- und Wildlife-Fotografen. Da ist ein anständiger Handgriff natürlich sehr sinnvoll, weil grosse und schwere Teleobjektive zum Einsatz kommen.

Fujinon XF 100-400mm f/4.5-5.6 R LM OIS WR
Fujifilm Fujinon XF 100-400mm f/4.5-5.6 R LM OIS WR
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Ebenfalls passend für die Zielgruppe: der verbesserte Autofokus. Er arbeitet auch bei wenig Licht schnell und zuverlässig. Ich konnte im Test sogar in nahezu kompletter Dunkelheit teilweise noch automatisch fokussieren.

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Im Serienfeuer zeigt der Sucher ständig, was du fotografierst – kein Blackout mehr. Die Geschwindigkeit liegt bei 8 fps ohne und 11 fps mit Batteriegriff, mit dem elektronischen Verschluss erreicht die Kamera 14 fps. Der Batteriegriff ist natürlich auch neu, da die Kamera ein neues Gehäuse hat.

VPB-XH1 Batteriegriff für X-H1 (Batteriegriff)
Fujifilm VPB-XH1 Batteriegriff für X-H1 (Batteriegriff)

Video

Mit der X-H1 will Fujifilm auch Video-Producer ansprechen und bietet einige passende Features. So kann das neue Modell F-Log direkt auf die SD-Karte aufzeichnen, es braucht dafür keinen externen Rekorder mehr. Bei 4K lassen sich die Datenübertragungsraten 50, 100 oder 200 Mbit/s wählen. Full HD ist in 120p möglich. Die neue Filmsimulation Eterna ist speziell für Video geeignet. Sie bietet weniger Kontrast und weniger knallige Farben, was im Video-Bereich meist erwünscht ist. Das Gehäuse ist besser vor Überhitzung durch den internen Prozessor geschützt. Dadurch kann die Kamera längere Videos aufzeichnen als etwa die X-T2.

Normale Bildeinstellung:

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Filmsimulation Eterna:

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Fujfiilm hat zudem für Juni 2018 zwei spezielle Cinema-Objektive angekündigt, das MKX 18-55mm und das MKX 50-135. Sie bieten stufenlose Blendenregelung (T2.9), sie halten den Fokus und die optische Achse beim Zoomen ganz stabil und beim Scharfstellen gibt es kein «Lens Breathing».

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Doch nicht alles klingt wie Musik in den Ohren von Video-Fans. Noch immer lässt sich am Body selbst kein Kopfhörer anschliessen – nur am optionalen Batteriegriff. Ausserdem beherrscht die Kamera kein 10bit.

Meine Eindrücke aus der Praxis

Die Beispielbilder in diesem Artikel sind alles JPEGs. Ich habe zwar auch RAW aufgenommen, doch die Kamera ist so neu, dass Lightroom und ähnliche Programme die Rohdaten noch nicht lesen und bearbeiten können.

Hier ist ein Bild mit 1/20 Sekunde aus der freien Hand geschossen. Ich hätte auch wesentlich länger belichten können, aber das war hier gar nicht nötig (500 ISO, F4).

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Im Weitwinkel verwackeln ja die Bilder auch ohne Stabilisator nicht so schnell. Etwas anders sieht es mit 55 mm Brennweite aus, da wäre 1/20 schon sehr kritisch. Mit dem Bildstabilisator kein Problem. Viel schwieriger ist, dass die Personen sich nicht bewegen.

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Nun wollte ich doch wissen, ob der Bildstabilisator wirklich 5 Belichtungsstufen kompensiert. Eine Faustregel besagt, dass bei 50 mm Brennweite 1/50 Sekunde unkritisch ist. Runden wir auf 1/60 auf, dann wären fünf Stufen eine halbe Sekunde. In meinem kurzen Test ist es mir gelungen, so lange zu belichten, ohne zu verwackeln. Allerdings nur in einem von drei Versuchen. Mit anderen Worten: fünf Stufen sind zwar möglich, aber keineswegs garantiert.

1/2 Sekunde belichtet bei Brennweite 50 mm:

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In der Vergrösserung sind noch immer keine Verwackler zu sehen:

Vergrösserung: immer noch keine Verwackler zu sehen
Vergrösserung: immer noch keine Verwackler zu sehen

Die X-H1 ist aus mehreren Gründen eine sehr gute Lowlight-Kamera. Der Bildstabilisator ist einer davon. Toll finde ich, dass ich bei schwachem Licht nicht nur lange, sondern auch sehr kurz belichten kann. Das ist zwar nichts Neues im Vergleich zur Fujifilm X-T2, aber es ist beeindruckend und macht Spass.

Den herumtigernden Tiger im Zürcher Zoo durfte ich höchstens mit 1/500 Sekunde ablichten, sonst gab es Bewegungsunschärfe. Da war ich froh, dass ich die ISO entsprechend hochschrauben konnte. Hier konnte ich auf 1/320 runter, da sich das Tier mal kurz hingelegt hat.

Posieren für die Kamera
Posieren für die Kamera

Noch stärker auf hohe ISO angewiesen war ich in der Masoala-Halle, die an jenem nebligen Januartag doch recht dunkel war. Hier waren satte 6400 ISO nötig. Die Qualität ist erstaunlich.

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Ausschnitt aus dem obigen Foto:

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Was mich begeistert: Die Farben verblassen selbst bei wirklich hoher Empfindlichkeit kaum. Hier 12800 ISO.

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Ob die Bedienelemente gut angeordnet sind, muss jeder für sich selbst beantworten. Jede Person fasst die Kamera ein wenig anders an. Ich selbst hatte beim Testen überhaupt keine Probleme, der eine Kollege jedoch verstellte unabsichtlich ständig das Moduswählrad, der andere drückte etwa 50 Mal versehentlich auf die Q-Taste. Einig waren wir uns alle, dass der kleine Joystick eine sehr praktische Sache ist, etwa zum Wählen des Fokusfeldes.

Der Auslöser geht sehr leicht los. Ich fand es schwierig, nur scharf zu stellen, ohne ganz durchzudrücken. Das ist anscheinend so gewollt, Fujifilm hat extra eine Blattmechanik dafür entwickelt. Ich finde es gewöhnungsbedürftig. Scharfstellen könnte ich zwar auch mit der Taste AF-On (ebenfalls neu). Auch daran müsste ich mich aber erst gewöhnen.

Fazit

Die Kamera schränkt mich auch unter schwierigen Lichtbedingungen kaum ein. Ich kann nach Belieben kurz oder lang belichten, die Blende öffnen oder schliessen. Die Kamera erledigt alles Weitere. Das macht Spass.

Die Neuerungen der X-H1 ergeben durchweg Sinn. Fujifilm erkannte offensichtlich, wo Handlungsbedarf bestand und hat sich auf diese Punkte konzentriert. Das Resultat ist eine Kamera, die in fast jeder Hinsicht überzeugt. Sie liegt gut in der Hand, hat einen erstklassigen Autofokus, der auch im Dunkeln zuverlässig arbeitet, sie ist schnell und hat eine brauchbare Videofunktion. Auch wenn sie keinen neuen Sensor bringt, ist ihr Rauschverhalten trotzdem immer noch top, die JPEGs sind wie bei Fujifilm gewohnt vom Feinsten. Der einzige Negativpunkt, den ich ausmachen konnte: die Akkulaufzeit ist mirrorless-typisch kurz. Spiegelreflexkameras leeren den Akku im normalen Gebrauch deutlich weniger schnell.

Hinweis: Fujifilm hat die Reise und den Aufenthalt bezahlt.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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