Produkttest

Arlo Pro 4 im Test: Diese Überwachungskameras sind NSA-tauglich

Martin Jungfer
07.11.2022

Der Herbst ist Saison für Einbrecher. Zum Schutz vor dunklen Gestalten habe ich mir ein Set Überwachungskameras angeschafft – und fühle mich seitdem wie der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Jetzt entgeht mir nichts mehr. Der Robotermäher legt los? Der Postbote bringt ein Galaxus-Paket? Nachbars Katze schleicht durch den Garten? Ich sehe fast alles. Dank meiner drei Arlo-Kameras, die ich rund ums Haus verteilt habe. Eine überwacht den Hauseingang, zwei weitere den Garten.

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Ich bin grundsätzlich kein ängstlicher Mensch oder blauäugig. Jedenfalls Einbrecher fürchte ich nicht, nicht zuletzt weil die Zahl der Einbrüche seit Jahren sinkt. Zum anderen gibt es bei mir nicht viel zu holen. Aber von vermeintlichen Home Improvements bin ich zu leicht zu begeistern. Und so musste ich das Set mit drei Arlo-Pro-Kameras einfach ausprobieren, das der Hersteller der Redaktion zum Testen zur Verfügung gestellt hat.

Schnell und unkompliziert installiert

Die Installation der Pro-Kameras ist in der vierten Generation noch einmal einfacher geworden. Im Gegensatz zum Vorgängermodell brauche ich jetzt nicht einmal mehr eine eigene Basisstation, um die Kameras ins WLAN zu bringen. Ich kann sie in wenigen Schritten per Arlo-App ins vorhandene Netz integrieren. Die Identifikation passiert, wenn ich einen QR-Code auf dem iPhone vor die Kameralinse halte.

In der Kamera steckt ein Akku. Das Ladekabel musst du nicht einmal einstecken, es hält magnetisch und Strom fliesst über einen USB-C-Stecker. Einmal geladen hält der Akku für mindestens drei Monate und bis zu einem halben Jahr. Kalte Temperaturen und eine häufige Aktivierung der Kamera reduzieren die Laufzeit.

Die geladene Hardware lässt sich einfach anbringen. Im Set befinden sich magnetische Halter für die Kameras. Das ist praktisch, weil du sie so zum Laden einfach abnehmen kannst und nicht abschrauben musst. Ich montiere einen Halter mit Schrauben an einer Holzlatte, für den zweiten benutze ich eine Metallverstrebung am Wintergarten und komme ohne Schrauben aus. Die dritte Kamera befestige ich am Regenfallrohr. Dazu brauche ich Zubehör.

Auf der Metallplatte mit Vorbohrungen hält die Magnethalterung von Arlo. Ich richte die Kamera so aus, dass sie den gewünschten Bereich gut im Blick hat. Dazu nutze ich das Smartphone, das mir mit einer kleinen Verzögerung von etwa zwei Sekunden ein aktuelles Bild vom Blickwinkel der Kamera anzeigt. Sie erfasst alles in einem Winkel von 160 Grad. Damit entgeht meiner Überwachung nichts. Alternativ kann ich auch nur einen Sichtwinkel von 125 oder 110 Grad einstellen.

Funktionen, die auch die NSA glücklich machen würden

Problem ist nur: Ich erhalte von nun an permanent Meldungen von der Arlo-Secure-App, auch bei kleinerem Winkel. Push-Nachrichten füllen meinen Homescreen: eine Person im Bereich Hauseingang entdeckt, Fahrzeug im Bereich Garten West entdeckt, Bewegung im Bereich Wintergarten entdeckt. Auf den Videos, die Arlo zu den Ereignissen in der Cloud-Bibliothek speichert, erkenne ich den Grund. Die Kamera erfasst im Innenhof vor dem Hauseingang auch den Nachbarn, der mit dem Auto die Garage verlässt. Und im Bereich des Gartens entdeckt sie auch Personen und Autos auf einer kleinen Zufahrtsstrasse. Meldungen dazu kann ich vermeiden, indem ich den Erfassungsbereich der Kamera genauer definiere. Dazu ziehe ich in der App oder im Portal von Arlo ein Polygon so zurecht, dass sich innerhalb seiner Linien nur noch der Bereich befindet, in dem ich Verdächtiges gemeldet bekommen möchte. Das sieht dann zum Beispiel so aus.

Ohne definierte Zonen schaltet sich die Kamera an und setzt eine Meldung ab, sobald sie irgendwo im Sichtfeld eine Bewegung erkennt, also zum Beispiel auch auf dem Zufahrtsweg rechts im Bild.
Ohne definierte Zonen schaltet sich die Kamera an und setzt eine Meldung ab, sobald sie irgendwo im Sichtfeld eine Bewegung erkennt, also zum Beispiel auch auf dem Zufahrtsweg rechts im Bild.
Hier habe ich die Zone markiert, die überwacht werden soll. Passanten auf dem Weg oben bleiben jetzt unbehelligt von meiner Überwachung.
Hier habe ich die Zone markiert, die überwacht werden soll. Passanten auf dem Weg oben bleiben jetzt unbehelligt von meiner Überwachung.

Ich kann zusätzlich einstellen, ab welcher Objektgrösse die Kamera aktiv wird, sprich mir eine Meldung schickt und ein Video speichert. Damit kann ich verhindern, dass eine im Garten hüpfende Krähe für einen Eindringling gehalten wird. Richtig nützlich finde ich, dass ich einen Zeitplan einrichten kann. Wenn die Familie morgens das Haus mit Ziel Schule und Arbeit verlässt, lässt das die Kamera kalt.

Alternativ kann ich die Kameras aktivieren, wenn ich eine Verbindung zu den Standortdiensten meines iPhones erlaube. Sobald ich jetzt den definierten Kreis ums Haus verlasse, schaltet sich die Überwachung ein und entsprechend wieder ab, wenn ich zu Hause bin.

Es ist auch möglich, die Kameras mit Alexa, der digitalen Sprachassistentin von Amazon, zu koppeln. Dann sagt der Alexa-Lautsprecher Bescheid, wenn sich draussen etwas tut. Das habe ich aber schnell wieder abgeschaltet, weil mir der Push aufs Smartphone genügt. Die Arlo-Kameras sind in alle gängigen Smarthome-Systeme einzubinden – auch mit Google Assistant, IFTTT und Samsung Bixby. Willst du sie ins Apple Home Kit integrieren, ist jedoch zusätzlich eine Arlo-Basisstation nötig.

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Falls du fleissig online einkaufst, interessiert dich vielleicht die Paketerkennung. Stellt der Postbote ein Paket vor die Haustür, erkennt die KI das und meldet den Fund auf dem Videobild. Nur im Milchkasten bleibt die Lieferung unentdeckt. Da verlasse ich mich dann auf die Personenerkennung. Auf der Aufzeichnung sehe ich den Pöstler in seiner Uniform. Meistens sogar schneller als ich die Zustellbestätigung als E-Mail bekomme.

Wie viel Überwachung braucht es und ist erlaubt?

Ich kann mit meinem Set von drei Kameras Hauseingang und Garten lückenlos überwachen. Mir würde nicht einmal verborgen bleiben, wer aus unserem Quartier einen Spaziergang unternimmt oder wer die Werbeprospekte bei uns in den Briefkasten steckt. Muss man das alles wissen? Sicher nicht. Und rein rechtlich darf ich selbst den gemeinsamen Innenhof nur filmen, wenn die Nachbarn dem auch zugestimmt haben. Was ausserhalb meines Grundstücks auf dem öffentlichen Fussweg passiert, darf ich nicht filmen. Über die Filmaufnahmen auf dem eigenen Grundstück muss ich Personen informieren. Da genügt ein Hinweis in Form eines Schildes. Im Arlo-Set ist praktischerweise ein Aufkleber zu finden, den ich im Bereich des Hauseingangs anbringe.

Der Aufkleber zeigt es an: Hier wird gefilmt.
Der Aufkleber zeigt es an: Hier wird gefilmt.

Vermutlich ist genau dieser Aufkleber Teil des Schutzes vor Einbruch. Vielleicht lässt ein Einbrecher ja noch von seinem schändlichen Tun ab, wenn er bei uns vor der Tür das Brecheisen ansetzt und im Augenwinkel noch erkennt, dass er jetzt gefilmt wird. Oder es gelingt mir, ihn durch einen per App ausgelösten Alarmton oder einen gleissend hellen Lichtstrahl aus der Kamera zu vertreiben. Sonst könnte ich auch noch bis zum Äusserten gehen und per App die Kamera als Lautsprecher ansteuern und dem Kriminellen mitteilen, dass ich ihn sehe. Die Arlo Pro 4 ist mit diesen Zusatzfunktionen nicht nur ein Überwachungssystem, sondern auch ein wenig Alarmanlage.

Die Videoschnipsel, die mir meine Kameras liefern, sind so gut aufgelöst – 4K, wenn ich ein Arlo-Secure-Abo habe –, dass ich eine gefilmte Person später auch in der Realität wiedererkennen würde. Sogar bei Dunkelheit liefert die Arlo Pro 4 ein ordentliches Schwarz-Weiss-Bild, mit eingeschaltetem Scheinwerfer-Strahl sogar in Farbe.

Falls der Einbrecher sich nicht um meine Kameras scheren würde, habe ich hinterher immerhin Aufnahmen von ihm. In wie vielen Fällen solches Videomaterial bei der Aufklärung von Einbrüchen schon geholfen hat, kann mir die Polizei im Kanton Zürich auf Anfrage aber nicht mitteilen. Solche Daten würden nicht erhoben. Es gibt auch keine Statistik, die klar beweisen würde, dass Überwachungskameras das Risiko eines Einbruchs verringern. Auch in der Forschung zur Kriminalprävention gibt es keine eindeutigen Aussagen zur Wirksamkeit von Kameras. Häufig würden Diebe und Einbrecher entweder von der Existenz einer Kameraüberwachung nichts wissen oder sie nehmen an, dass die gewonnenen Aufnahmen sie nicht identifizieren lassen, wie hier in einem Projektbericht von Präventionsforschern aufgeführt wird.

Würde es also womöglich sogar ausreichen, Kamera-Attrappen zu montieren, um Einbrecher abzuschrecken? Wohl nicht, denn einige Kriminelle dürften durchaus in der Lage sein, Fake-Kameras zu erkennen. Interessant ist hierzu auch eine Studie der University of North Carolina. Hier wurden 400 verurteilte Straftäter befragt. 80 Prozent von ihnen gaben an, dass sie vor einem Einbruch zum Beispiel das Objekt auf Warnschilder zu Sicherheitsmassnahmen überprüft haben. Die Hälfte würde in so einem Fall den Einbruchsversuch abbrechen. Ein ähnliches Ergebnis hat eine Umfrage einer britischen Versicherungsgesellschaft geliefert. Demnach waren Überwachungskameras der häufigste Grund, die Missetat sein zu lassen. Noch vor bellenden Hunden.

Lohnt sich das Arlo-Secure-Abo?

Für einige der Funktionen, die ich dir bis hierher vorgestellt habe, brauchst du ein Abo von Arlo. Das Abo nennt Arlo übrigens «Mitgliedschaft», weil dadurch wohl auch die Leistungen stärker betont werden sollen als die Kosten. Egal ob Abo oder Mitgliedschaft: Pro Kamera und Monat werden (Stand November 2022) 3,49 Franken fällig. Eine unbegrenzte Zahl an Kameras kostet 11,49 Franken. Nach Installation der Kameras darfst du immerhin drei Monate lang die Abo-Dienste kostenlos nutzen. Im Euro-Raum sind es drei bzw. zehn Euro. Der Schweiz-Aufschlag hält sich also in Grenzen.

Nach der Probezeit bleiben dir ohne Abo nur Livevideos und Bewegungserkennung als Service. Sollte also tatsächlich bei dir eingebrochen werden, hast du keine gespeicherten Videoaufzeichnungen. Damit ist das Abo fast ein Muss, falls du die Kameras kaufst, um bei einem Einbruch wenigstens den Täter identifizieren zu können. Zahlst du regelmässig die Gebühr für die «Mitgliedschaft» bleiben die Videodateien 60 Tage in deiner Cloud gespeichert. Zudem kannst Du dann einen Notfallkontakt hinterlegen, der angerufen wird, sollte sich Verdächtiges im Sichtbereich deiner Kameras tun. Hier bietet sich zum Beispiel jemand aus der Nachbarschaft an.

Der Screenshot aus dem Überwachungsvideo zeigt eine Katze auf nächtlichem Kontrollgang. Der Strahler wurde hier nicht aktiviert, weil ich die Katze in der Steuerung als zu kleines und ungefährliches Objekt eingestuft habe.
Der Screenshot aus dem Überwachungsvideo zeigt eine Katze auf nächtlichem Kontrollgang. Der Strahler wurde hier nicht aktiviert, weil ich die Katze in der Steuerung als zu kleines und ungefährliches Objekt eingestuft habe.

Fazit: Sicherheit und Spielerei

Wie viel dir die Sicherheit deines Zuhauses wert ist, musst du selbst entscheiden. Die Kameras von Arlo sind sicher kein Schnäppchen, bieten dafür aber auch viel. Sie sind solide verarbeitet, praktisch anzubringen, halten lange durch und bieten zahlreiche Funktionen – Abo vorausgesetzt. Smarthome-Enthusiasten haben hier ebenso Freude wie verhinderte NSA-Agentinnen. Als Kontrollfreak könntest du mit der Arlo Pro 4 das Treiben im heimischen Garten in Echtzeit beobachten. Egal ob du dort eine Schar Hühner hältst, die den Fuchs fürchtet. Oder deiner Katze bei der nächtlichen Jagd nach Vögeln zusehen möchtest.

Ich habe die Kamera inzwischen seit etwa vier Monaten in Betrieb. Ich freue mich auch immer noch, wenn ich einen Push bekomme, weil meine Galaxus-Lieferung zugestellt wurde. Braucht’s das? Natürlich nicht. Wüsste ich nicht auch dank einer anderen App, dass der Rasenroboter zum Mähen ausrückt? Ja, sicher. Aber die Katze, die nachts gelegentlich auf unserer Gartenlounge schläft und Haare hinterlässt, hätte ich ohne Sicherheitssystem nicht enttarnt. Sie ist nachts grau. Wie alle Katzen.

Ich weiss, dass ich auch Einbrecher sehen könnte. Auf diese Erfahrung würde ich trotzdem weiterhin gerne verzichten. Sollen die Kameras die dunklen Gestalten ruhig weiterhin fernhalten.

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Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln. 


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