Philips Hue Secure: einfach installierbar, viele Möglichkeiten – aber teuer
Produkttest

Philips Hue Secure: einfach installierbar, viele Möglichkeiten – aber teuer

Lorenz Keller
16.1.2024

Philips erweitert das smarte Lichtsystem mit Kameras und Sensoren. Im Test zeigt sich: Die Vernetzung mit den Hue-Lampen ist die grosse Stärke, das Abo-Modell ein viel kritisierter Schwachpunkt.

Über 400 Produkte findest du in unserem Shop, wenn du nach Philips Hue suchst. Niemand sonst bietet eine so grosse Auswahl an Lampen, Leuchten und Schaltern, die alle miteinander vernetzbar und über eine App steuerbar sind. Im Bereich smarte Beleuchtung ist die Marke führend.

Nach elf Jahren im Geschäft kommt nun ein ganz neuer Geschäftszweig dazu. Unter dem Label «Philips Hue Secure» will der Hersteller aus Holland auch im Bereich Heim-Sicherheit
mitmischen. Kontaktsensoren und Kameras sind die ersten Produkte, die auf den Markt kommen. Ich habe sie ausprobiert.

Fragwürdig: Zum Kaufpreis kommt ein Abo-Modell dazu

Starten wir mit dem Elefanten im Raum, der schon bei der Lancierung im Herbst 2023 für viel Kritik sorgte. Wer sich eine kabelgebundene Kamera mit Standfuss kauft, zahlt über 200 Franken oder Euro – und zusätzlich ein Abo.

Philips Hue Secure kabelgebundene Kamera mit Standfuß (1920 x 1080 Pixels)
Netzwerkkamera

Philips Hue Secure kabelgebundene Kamera mit Standfuß

1920 x 1080 Pixels

Philips Hue Secure kabelgebundene Kamera mit Standfuß (1920 x 1080 Pixels)
Netzwerkkamera

Philips Hue Secure kabelgebundene Kamera mit Standfuß

1920 x 1080 Pixels

Der Preis ist an der oberen Grenze für eine Netzwerkkamera, die nur HD-Auflösung bietet. Zum Vergleich: Von unserer Community gut bewertete Netzwerkkameras mit 4K gibt es schon für deutlich weniger Geld. Die TP-Link Tapo C225 kostet beispielsweise weniger als 60 Franken, die Reolink Argus 3 Pro 120 Franken.

Umstritten ist aber vor allem das Abo-Modell. Schon bei der Lancierung hat die Community dieses scharf kritisiert. Zu Recht, wie ich nach dem Test finde. Ohne Abo hast du nämlich nur eine teure Kamera, die keine Videos aufzeichnet und abspeichert. Du musst auch auf Zusatzfunktionen wie den Fokusbereich für Bewegungen und die Erkennung von Personen, Tieren oder Paketen verzichten.

Um alle Funktionen nutzen zu können, braucht es ein zusätzliches Abo.
Um alle Funktionen nutzen zu können, braucht es ein zusätzliches Abo.
Quelle: Lorenz Keller

Für die meisten Userinnen und User macht Philips Hue Secure wohl nur mit einem Abo Sinn: Hier zahlst du entweder 50 Franken pro Kamera pro Jahr – die Videos werden 30 Tage in der Cloud gespeichert. Oder 125 Franken für bis zu 10 Kameras und 60 Tage Aufzeichnung.

Fairerweise muss ich aber anmerken, dass Philips nicht der einzige Hersteller mit solchen Abo-Modellen ist. Konkurrent Arlo ist nach der neuesten Preiserhöhung mit 59 bis 189 Franken sogar noch teurer.

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Richtig gut: Installation einfach gemacht

Was du ausserdem wissen musst: Hue Secure funktioniert nur mit der Bridge von Philips. Diese kannst du für unter 50 Franken separat bestellen – oder zusammen mit einem Lampenset. Wer schon Hue-Lichter nutzt, kennt das schon. Denn Philips verwendet nicht das WLAN zu Hause, um sich mit den Geräten zu verbinden, sondern baut ein eigenes Netz auf.

Schaltzentrale ist die zugehörige App. Die Installation der Bridge ist kinderleicht, Gleiches gilt für die Security-Kamera. Du wirst Schritt für Schritt durchgeführt. Neu braucht die App auf jeden Fall einen Account, was viele bestehende Kundinnen und Kunden nicht toll finden. Aber zumindest mit integrierten Sicherheitskameras und Sensoren ist das durchaus verständlich.

Alle Kameras und Lichter werden über die Hue-Bridge verbunden.
Alle Kameras und Lichter werden über die Hue-Bridge verbunden.
Quelle: Lorenz Keller

Als zusätzliche Sicherheit kommt jede Kamera mit einem individuellen QR-Code – sozusagen einem Masterpasswort. Das wird bei der Installation eingescannt und sollte dann gut aufbewahrt werden.

Nach 15 Minuten habe ich die Bridge, eine Lampe und die Hue Cam installiert. So sollte es immer sein! Die getestete Kamera braucht übrigens einen Stromanschluss, ist aber trotzdem für den Aussenbereich geeignet. Sie lässt sich magnetisch in der Halterung positionieren, ist so aber weder gegen Diebstahl noch gegen die Kappung der Stromzufuhr geschützt.

Umfangreich, aber verständlich: Alarm und Benachrichtigung

Der ganze Sicherheitsbereich ist voll in die Hue-App integriert. Es gibt also kein separates Menü, du findest alles Wichtige unter «Einstellungen». Dort, wo du auch die Lampen und Lichter konfigurierst.

Generell gibt’s zwei Zustände, die du konfigurieren kannst. «Zu Hause» und «Bei Abwesenheit». Du kannst jeweils für jede Kamera und jeden Sensor festlegen, worauf er reagieren soll und was er machen soll. Zusätzlich kannst du das System auch ganz deaktivieren.

Die App ist übersichtlich, auch wenn es sehr viele Optionen gibt.
Die App ist übersichtlich, auch wenn es sehr viele Optionen gibt.
Quelle: Philips Hue App

Im Bereich «Sicherheit» findest du die generellen Einstellungen. Es lohnt sich am Anfang, hier Punkt für Punkt durchzugehen. Du stellst hier beispielsweise ein, wann du eine Benachrichtigung bekommst und was bei einem Alarm passieren soll.

Unter «Kameras» kannst du dann noch für jedes Gerät bestimmen, ob es bei «Zu Hause» oder «Bei Abwesenheit» aktiviert sein soll oder nicht. Du kannst zudem einstellen, in welchen Bildausschnitten Bewegungen getrackt werden sollen.

Zusätzlich lassen sich ganz viele Details definieren. Etwa ob die Nachtsichtfunktion oder das Mikrofon genutzt wird, wie lange der aufgezeichnete Clip bei einem Alarm maximal sein soll und ob gewisse Bereiche im Bild ganz ausgeblendet werden sollen. So kannst du beispielsweise Bewegungen rund ums Babybett tracken – das Bett selber ist aber nicht zu erkennen.

Clever: Die Kamera ist auch ein Bewegungssensor

Alle Cams von Philips Hue Secure lassen sich auch als Bewegungssensor nutzen, ohne ein Bild aufzunehmen. Sobald eine Bewegung erkannt wird, löst das eine Aktion aus. Und zwar je nach Uhrzeit auf Wunsch etwas anderes.

Ich habe zum Beispiel eingestellt, dass tagsüber ein schönes Dekolicht gezeigt wird, Abends eine dezente Beleuchtung und in der Nacht das Nachtlicht. Stehe ich etwa in der Nacht auf und will einen Schluck Wasser trinken, dann tappe ich auf dem Weg zum Kühlschrank nicht im Dunkeln.

Zuverlässig: Die Cam erkennt sogar Katzen

Für den Test spiele ich verschiedene Szenarien durch. Zuerst die einfache Bewegungserkennung. Diese funktioniert ausgezeichnet: Sobald ich den gewählten Bildausschnitt betrete, bekomme ich eine Benachrichtigung und sehe mich selbst in einem kurzen Videoclip.

Zu jedem Ereignis wird ein Clip aufgezeichnet.
Zu jedem Ereignis wird ein Clip aufgezeichnet.
Quelle: Lorenz Keller

Die HD-Videoauflösung ist in Ordnung, im Standardmodus tendiert die Kamera dazu, helle Bereiche zu stark zu belichten. Das kannst du manuell justieren. Die im Nachtmodus aufgezeichneten Videos sind ebenfalls brauchbar.

Die Begrenzung des Bereiches, in dem Aktivitäten erkannt werden, funktioniert zuverlässig. Als Beta-Test bietet Philips auch die Möglichkeit, dass nur Personen, Fahrzeuge oder Tiere erkannt werden. Personen und Tiere konnte ich in der Wohnung testen, das Auto hat leider nicht in den Lift gepasst.

Wähle ich nur «Person» aus, gibt es tatsächlich nur bei Menschen eine Benachrichtigung. Die zwei Katzen und der Staubsaugerroboter bleiben unerkannt. Wähle ich dagegen «Tier» aus, kann ich immer mal wieder Katzenvideos schauen.

Zu guter Letzt gibt es auch noch die Paketerkennung. Hier legst du einen Bereich fest, in dem die Kamera dann ein abgelegtes Paket erkennen soll. Das hat im Test leider weder mit grossen noch mit kleinen Galaxus-Paketen zuverlässig geklappt. Da Philips dies ebenfalls als «Beta» kennzeichnet, ist das nicht weiter schlimm. Diese Funktion wäre aber auf jeden Fall im Ausseneinsatz sehr sinnvoll.

Ganz klar ein Paket: Die Hue-Kamera hat es aber noch nicht erkannt.
Ganz klar ein Paket: Die Hue-Kamera hat es aber noch nicht erkannt.
Quelle: Lorenz Keller

Umstritten: Die Alarmanlage ist der User selber

Was ich beim Einstellen und Konfigurieren auch schnell merke, Philips Hue Secure ist sicher kein Ersatz für eine Alarmanlage. Und das nicht nur, weil die Kameras selbst kaum geschützt sind.

Wenn die Kamera einen Alarm auslöst, bekommst du zuerst einmal eine Nachricht und ein Videoclip wird aufgezeichnet. In der App kannst du dann entscheiden, was du machst. Du klickst auf «Alle sicher», es passiert nichts weiter. Mit «Deaktivieren» schaltest du die Überwachung ab. Und mit «Aktion starten» reagierst du auf den Alarm.

Bei einem Alarm wirst du benachrichtigt und kannst eine Aktion auslösen.
Bei einem Alarm wirst du benachrichtigt und kannst eine Aktion auslösen.
Quelle: Lorenz Keller

Du hast die Wahl: Ausgewählte Lichter blinken und/oder die Kamera einen nicht wirklich lauten Alarmton spielen lassen. Direkt aus der App sind auch Anrufe an Kontaktpersonen oder gar Notrufe möglich. Einen Automatismus gibt es aber vorerst nicht. Es geht also nicht gleich die Sirene ab, sobald eine Bewegung erkannt wird.

Übrigens: Auch ohne Abo sind Basisfunktionen vorhanden. Du wirst benachrichtigt, sobald die Kamera eine Bewegung erkennt. Du kannst auch einen Alarm auslösen und dir die Live-Aufnahmen der Kamera anschauen. Nur ein Clip aufgezeichnet wird dann nicht. Was ebenfalls nur mit Abo möglich ist: Die Unterscheidung nach Mensch, Paket, Tier oder Fahrzeug sowie die Festlegung von Ausschnitten, in denen die Aktivitäten gemeldet werden. Ohne Abo wird einfach immer das Vollbild genommen.

Ergänzend: Kontaktsensor statt Kamera

Mit der Kamera ist aber noch lange nicht Schluss: Das Philips Hue Secure System soll weiter ausgebaut werden. Eine batteriebetriebene Kamera ist soeben auf den Markt gekommen.

Schon erhältlich ist der Kontaktsensor, den du an Türen, Fenstern oder Schränken anbringen kannst. Er funktioniert mit Batterie und zeigt an, ob das Objekt offen oder geschlossen ist. Der Sensor kann natürlich auch wieder Lichter und Lampen einschalten oder Benachrichtigungen und Alarme generieren. Im Test hat das sehr zuverlässig funktioniert.

Fazit: ideale Erweiterung des Hue-Systems

Was nach dem Test klar ist: Philips Hue Secure lohnt sich nur, wenn du auch sonst Lampen und Leuchten des Herstellers nutzt – oder darauf umsteigen willst. Nur dann kann das System seine Stärken ausspielen: nämlich die gute und unkomplizierte Integration in eine App. Dann lohnt sich die Investition von Gerätepreis und Abo auch eher: Weil alles zuverlässig funktioniert, die Installation einfach ist und die Kameras auch gleich als Bewegungssensoren funktionieren.

Die Konkurrenz bei den Netzwerkkameras ist übrigens riesig. Wir haben über 5000 Varianten von mehreren Dutzend Herstellern im Sortiment. Komplettsysteme mit App fürs Smarthome gibt es beispielsweise von Arlo, Eufy, Netatmo, Nest, Reolink, TP-Link, Xiaomi oder auch Eve – teilweise deutlich günstiger und mit der Möglichkeit, Videos lokal zu speichern.

Titelfoto: Lorenz Keller

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Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.


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