Beyoncé hat zum Thema «schwarze Arielle» nichts zu sagen
Hintergrund

Beyoncé hat zum Thema «schwarze Arielle» nichts zu sagen

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 26.07.2019
Sie solle einen Kommentar gemacht haben zur schwarzen Arielle in Disneys Live Action Verfilmung des Zeichentrickfilms. Doch nur weil es im Internet steht, muss es noch lange nicht wahr sein. Ein Blick nach Namibia gibt Aufschluss.

In Beyoncé Knowles Video zur Single «Spirit» tanzt die Musikerin durch die Wüste. Ihr zur Seite: Tänzerinnen und ihre Tochter Ivy Blue. Sie alle haben dunkle Haut und rotbraunes Haar. Das Internet vermutet dahinter eine geheime Botschaft.

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Twitter User mandy-hive (backup) lässt verlautbaren, dass der Haarton der Künstlerin ein Kommentar zum Casting von Halle Bailey als Arielle, die kleine Meerjungfrau, sei. Eine Konversation wolle Beyoncé damit ansprechen.

Falsch.

Wenn das eine Anspielung sein soll, dann wahrscheinlich auf die Mitglieder des Stammes der Himba. Aber mit Arielle hat das höchstwahrscheinlich rein gar nichts zu tun. Ferner ist nach wie vor nicht bestätigt, dass Beyoncé irgendein Statement jenseits von Ästhetik machen will.

Der Ocker in den Haaren

Die Himba – singular OmuHimba, plural: OvaHimba – sind einer der letzten nomadischen Stämme Afrikas. Sie leben im Norden Namibias, insbesondere der Region Kunene. Sowohl aus Hygiene- wie auch aus Ästhetikgründen reiben sich die OvaHimba, vor allem die Frauen, mit Otjize ein.

Eine OmuHimba bereitet Otjize zu
Eine OmuHimba bereitet Otjize zu
Hans Hillewaert/Wikimedia Commons

Otjize wird aus Steinen gewonnen. Wenn die OvaHimba geeignete rote Steine finden, dann eröffnen sie an dieser Stelle eine Art Mine. Diese Mine wird über einen längeren Zeitraum hinweg gebraucht. Die Steine werden zu Pigmentstaub gemahlen. Dieser wird dann mit Milchfett und Holzasche vermischt und auf die Haut aufgetragen. Manchmal wird ein Gewächs der Familie Commiphora als Parfumierstoff verwendet.

Die OvaHimba tragen Otjize zwei- bis dreimal auf ihre Haut und Haare auf. Damit halten sie sich sauber, denn Wasser ist in ihrem Lebensraum knapp. Zudem schreiben sie der Farbe Rot grosse Bedeutung zu. Rot steht für die Erde und das Blut, die Essenz des Lebens. Daher ist das der Haut und den Haaren durch Otjize verliehene rot das Schönheitsideal der Himba.

Die Fehler in der Zeitlinie

Die Theorie der mandy-hive geht schon von der Zeit her nicht auf. Oder wenn, dann nur ganz knapp. Das Video zu Spirit ist am 19. Juli 2019 auf Youtube veröffentlicht worden.

Das heisst, dass es vor dem Tag produziert hat werden müssen. Das Klatsch-und-Tratsch-Magazin TMZ berichtet, dass Beyoncé am 10. Juli 2019 zum Dreh nach Arizona geflogen ist. Sie sei mit dem Helikopter in ein für Touristen zeitweise abgesperrtes Touristengebiet geflogen, habe fünf Stunden gedreht und sei dann wieder abgedüst. Die Location waren die Havasu Falls im US-Bundesstaat Arizona. Eine lokale Zeitung berichtet, dass Beyoncé oder einer ihrer Vertreter «vergangene Woche» angerufen habe, ob sie am kommenden Tag am Wasserfall drehen dürfe. Instagram User scottbailey68 hat am 11. Juli Beyoncé am Wasserfall gesichtet.

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Die Post-Produktion des Videos hat also weniger als sieben Tage gedauert. Das ist schwer beeindruckend.

Die Produktion des Videos selbst aber, damit eine Post-Produktion von sieben Tagen möglich ist, muss von langer Hand her geplant sein. Ein Kamerateam wartet nicht einfach mal so darauf, dass Beyoncé anruft und sie für den kommenden Tag bucht. Ein Helikopter, egal ob gemietet oder privat, muss auch reserviert und gewartet sein. Damit der Dreh selbst reibungslos abläuft, müssen die einzelnen Szenen ins Detail geplant werden. Dazu gehören in einem Musikvideo Choreografie, Kostüme, Tänzerinnen und Tänzer und noch viele weitere Elemente.

Halle Bailey wurde am

  1. Juli
als Arielle bestätigt.

Vom Timing her möglich, aber extrem knapp.

Und was lernen wir daraus? Die Himba aber sind verdammt cool und bleiben der Menschheit hoffentlich noch lange erhalten. Und nur weil etwas im Internet steht, heisst das noch lange nicht, dass es wahr, sinn- oder gehaltvoll ist.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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