Patricks Parfüms: «Oud Wood» von Tom Ford hat zwei Probleme
Hintergrund

Patricks Parfüms: «Oud Wood» von Tom Ford hat zwei Probleme

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 03.12.2021
Bilder: Patrick Bardelli

Ein Parfüm ist ein Kunstwerk, Parfümeure sind Künstler:innen und ich bin ein Sammler ihrer Kreationen. Tom Fords «Oud Wood» ist fantastisch, hat aber zwei Haken.

Es war wieder einer dieser Momente. Es muss ungefähr ein halbes Jahr her sein. Ich konnte nicht widerstehen und betrat die Parfümerie meines Vertrauens. Mich ein wenig umschauen, vielleicht das eine oder andere Müsterli mitnehmen. Das war der Plan. Nach Hause ging ich mit 30 Millilitern von Tom Fords «Oud Wood» aus seiner Privat Blend Collection. Nach diesem komplett überflüssigen Impulskauf lag der Duft unbenutzt in einer Schublade.

Die Krux mit Tom Fords «Oud Wood»

Vor ein paar Wochen zog ich um und stiess beim Auspacken einer Kiste auf das noch ungeöffnete Flacon. Freude herrschte. Diese wich jedoch rasch einer Ernüchterung, Enttäuschung trifft’s besser. Das Eau de Parfum ist nicht langlebig und das ist der erste Haken an «Oud Wood». Zumindest auf meiner Haut verflüchtigt sich der Duft wie ein scheues Reh während der Jagdsaison. Drei, zwei, eins weg ist er – auf Nimmerwiederriechen. Das war mir beim Probeschnüffeln in der Parfümerie entgangen.

Haken Nummer 2: «Oud Wood» von Tom Ford enthält kein natürliches Oud. Das sage nicht ich, sondern der Reviewer im Video unten. Bei einem Preis von knapp 150 Franken für 30 Milliliter fühle ich mich von Herrn Ford respektive der Estée Lauder Company, zu welcher der Brand seit vielen Jahren gehört, abgezockt. Also entweder natürliches Oud rein oder mit dem Preis runter.

Wie riecht Oud?

Der Duft ist intensiv und polarisiert entsprechend: Du magst ihn oder du magst ihn nicht. Dazwischen gibt es nichts. Er ist animalisch und sexy und hat eine warme, holzige Note. Parfüms mit dem wertvollen Inhaltsstoff sollen übrigens am besten auf dem Adamsapfel aufgetragen werden. Durch die Vibration beim Sprechen entsteht Wärme, die den Duft intensiver wirken lässt.

Tradition im Orient

Im Orient ist Oud bereits seit 2000 Jahren ein begehrter Rohstoff. Er wird aus dem Harz des südostasiatischen Adlerholzbaumes gewonnen und entsteht nur, wenn der Baum von einem speziellen Pilz befallen ist. Er schützt sich, indem er ein duftendes Harz absondert. Aus diesem mit Harz getränkten Holz stammt das kostbare Oud, das einige zehntausend Franken pro Kilo kosten kann. Je nach Alter und Lebensraum des Baumes kann der Duft stark variieren.

Sticks aus dem Adlerholzbaum, auch Agarh-Holz oder Agarwood genannt. Shutterstock
Sticks aus dem Adlerholzbaum, auch Agarh-Holz oder Agarwood genannt. Shutterstock

Hype im Westen

Seit 20 Jahren dauert er nun an, der Hype um Oud. Zumindest bei uns im Westen. 2002 kam «M7» von Yves Saint Laurent auf den Markt und wurde mit einer viel beachteten Werbekampagne mit einem nackten Mann lanciert. Der Designer hinter «M7» ist Tom Ford.

M7 (Eau de Toilette, 80 ml)
YSL M7 (Eau de Toilette, 80 ml)
1

2007 lancierte der Modeschöpfer dann im Rahmen seiner Tom Ford Private Blend Collection das Parfum «Oud Wood». Er beauftragte dafür Richard Harpin, der auch schon Düfte für Calvin Klein oder Ralph Lauren entworfen hat.

Modedesigner Tom Ford 2016 am Venedig Film Festival. Shutterstock
Modedesigner Tom Ford 2016 am Venedig Film Festival. Shutterstock

Oud soweit das Auge reicht

Kürzlich war ich wieder in der Parfümerie meines Vertrauens, um an Tom Fords «Oud Wood Intense» zu schnüffeln – in der Hoffnung, dass dieser Duft länger auf meiner Haut halten würde. Was jedoch nicht der Fall war. Ausserdem mag ich die intensive Version überhaupt nicht. Sie riecht mir zu lederig und kostet noch mehr als «Oud Wood».

Ach ja, ich bin dann mit 30 Millilitern von Tom Fords «Tobacco Oud Intense» nach Hause gegangen. Ich glaube, ich bin ein hoffnungsloser Fall. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mein Name ist Patrick. Bardelli, nicht Süskind. Wie der Autor des Buches «Das Parfüm». Trotzdem bin ich auch ein Parfüm-Fan und schreibe hier regelmässig über gute und schlechte Düfte. Meine textlichen Ausdünstungen sicherst du dir, wenn du mir als Autor folgst. Immer der Nase nach.

22 Personen gefällt dieser Artikel


Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • Skeleton Loader

    Skeleton Loader

  • Skeleton Loader

    Skeleton Loader

  • Skeleton Loader

    Skeleton Loader