Bose Sleepbuds: Schäfchen zählen musst du immer noch selbst

Bose Sleepbuds: Schäfchen zählen musst du immer noch selbst

Livia Gamper
Livia Gamper
Zürich, am 29.08.2018
Bilder: Thomas Kunz

Bose hat entschieden, etwas gegen Schlaflosigkeit zu unternehmen. Die Sleepbuds sollen dich in süsse Träume wiegen. Die Buds, die bisher das kleinste Produkt Boses sind, spielen aber keine Musik ab, sondern sollen nur Geräusche überdecken. Ich habe das ausprobiert.

Boses Sleepbuds werfen Fragen auf. Denn die Sleepbuds sind keine Kopfhörer. Musik abspielen kannst du mit ihnen nicht. Es sei mega wichtig, dass ich das im Test erwähne, sagt mir unser Produktmanager gefühlte hundert Mal bevor er mir die Kiste mit den Buds in die Hand drückt. Ach ja, und bevor ich's vergesse: Die Buds haben kein aktives Noise Cancelling.

Anstelle von Noise Cancelling wollen die Sleepbuds den Lärm maskieren. Das schreibt Bose auf ihrer Webseite. Laut Bose funktioniert das so: Die verschiedenen Klangfrequenzen werden im Innenohr vereint. Wenn die verschiedenen Töne die richtige Übereinstimmungen der Frequenzen haben, und der Maskierungsklang gerade lauter ist, als der störende Klang, kann dein Innenohr und dein Gehirn den störenden Klang nicht erkennen. Kommst du bei diesem Marketing-Geschwafel draus? Ich auch nicht.

Nach dem Soundwear Companion, dem Hals-Lautsprecher, sind die Sleepbuds das nächste Kuriosum aus dem Hause Bose, das ich teste.

Auf den Test der Sleepbuds freute ich mich. Nicht nur, weil ich Bose-Produkte mag – die Sachen sind meistens gut; eben Bose halt – sondern weil ich an einer der meistbefahrenen Strassen Zürichs wohne. In einer Studenten-WG. Mit Studenten-Nachbarn. Die kein Problem dabei sehen, morgens um drei Uhr Schlagzeug zu spielen oder spontan am Montagabend eine Techno-Party bis vier Uhr morgens zu schmeissen. Dazu kommt noch mein schnarchender Freund. Schlafen mit Ohropax ist für mich so zur Gewohnheit geworden.

Ich habe für den Test fünf Nächte mit den Sleepbuds verbracht und versucht, den maskierten Schlaf zu finden.

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Die Buds sind nicht viel grösser wie ein Fingernagel

Keine Musik, weil Gründe

Mit den Sleepbuds kannst du keine Musik abspielen. Das stört mich. Denn wenn ich was in den Ohren habe, hätte ich gerne Musik. Bose begründet diesen Entscheid mit mehreren Argumenten. So sind die Buds, oder genauer gesagt, die Batterien zu klein, um Musik abzuspielen. Dies hat Bose aufgrund des Komforts so gelöst. Und damit haben sie Recht: Die 1,4 Gramm leichten Teile sitzen bei mir sehr bequem in den Ohren. Auch wenn ich auf dem Ohr liege, spüre ich sie kaum. Das ist bei einem Kopfhörer undenkbar.

Der zweite Grund ist, dass Bose sogenannte Soothing Sounds, also beruhigende Töne, in ihrer App bereitstellt. Die App findest du hier für iOS und da für Android. Momentan kannst du zwischen zehn Beruhigungstönen wählen: Regenschauer, Meereswogen, Höhenflug, Kaskade, Zirkulation, Bachlauf, sanftes Rauschen, Windrascheln, Stille und Lagerfeuer stehen zur Auswahl. Später sollen mit einem Update noch mehr Geräusche dazukommen. Mein Favorit ist der Stille-Ton. Der ist zwar nicht still, sondern eine sich wiederholende Abfolge von angenehmen meditativen Klängen, aber er ist mit Abstand der beste von allen. Mit den anderen Tönen habe ich Mühe. Der Regen scheppert mir zu fest und ein Lagerfeuer hört sich in der Wirklichkeit einfach ganz anders an. Der Meereswogen-Sound ist auch angenehm, aber mit der Zeit ging er mir dennoch schon beim Einschlafen auf den Wecker.

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Boses Windrascheln sieht schick aus in der App

Die Töne sollen dich beruhigen, damit zu besser einschlafen kannst. Bei mir hat das nur funktioniert, wenn meine Nachbarn wirklich laut waren, mein Freund gefühlt Bäume zersägt hat oder meine Mitbewohner spontan beschlossen haben, um zwei Uhr morgens ihre Sachen für zwei Wochen Ferien zusammenzusuchen. Ansonsten bin ich lieber ohne die Buds und deren Töne eingeschlafen und habe Schäfchen gezählt. Du brauchst die Buds also nur, wenn du abends wirklich oft störenden Geräuschen ausgesetzt bist.

Feuerwehrautos dringen durch, schnarchende Partner nicht

Ich habe einen leichten Schlaf. So wache ich mehrmals pro Nacht wegen irgendwelchen Geräuschen auf. An diesem Punkt schaffen die Buds das erste Mal wirklich Abhilfe. Als ich nach gefühlten stundenlangem Stille-Sound hören eingeschlafen bin, habe ich die Nacht durchgeschlafen. Meinen schnarchenden Freund können die Buds übertönen. Du musst den Sound aber je nach Lautstärke des Schnarchens oder deiner Nachbarn hochdrehen. Das Lärm-Maskieren von Bose bedeutet also nichts anderes, wie dass du einfach die Stör-Geräusche übertönst.

Bist du über einem gewissen Lautstärke-Level, gibt dir die App eine Warnung, dass du wichtige Geräusche nicht hören könntest. Ich höre trotzdem meinen Wecker sowie Türen, die meine Mitbewohner zuknallen.

Auch die Feuerwehrautos, die freitagnachts zum Grossbrand am Zürcher Hauptbahnhof ausgerückt sind, habe ich mit den Buds etwa eine Stunde lang gehört. Leiseren Lärm, und vor allem konstanter Lärm, wie etwa Schnarchen oder die Musik deiner Nachbarn, können die Buds aber gut übertönen – oder eben maskieren, wie Bose den Vorgang nennt. Aber sobald ein Geräusch plötzlich auftritt, wie eine Sirene, eine knallende Tür oder ein aufheulender Automotor, hörst du das mit den Buds. Das ist aber auch gut so – vor allem wenn du ein Babyphone oder Ähnliches neben dir hast. Einen Wecker kannst du dir übrigens auch über die Buds stellen.

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Die Sleepbuds in ihrem Böxli

Willst du nicht die ganze Nacht Regen-Töne in deinen Ohren haben, kannst du einen Timer stellen. Dann schalten die Töne nach 30 oder 45 Minuten, beziehungsweise nach einer, anderthalb, zwei, vier oder sechs Stunden ab. Diese Funktion nennt Bose Einschlafautomatik und versteckt sie in den Einstellungen, sodass du zuerst die Wiedergabe-Funktion verlassen musst.

Wenn du besorgt bist, dass du wichtige Geräusche nicht hörst, schafft dieser Timer Abhilfe. Standardmässig werden die Töne während der ganzen Nacht abgespielt.

Die Sache mit Verbindung und Trennung

Immer, wenn ich die Sleepbuds abends benutzen will, habe ich Probleme, die Teile via App mit meinem Phone zu verbinden. Also nehme ich ein anderes Phone. Das Problem bleibt. Bis ich realisiere, dass das daran liegt, dass ich meine Bluetooth-Kopfhörer auch verbunden habe. Okay, mein Fehler. Je nach Bluetooth-Protokoll kann’s zum Problem werden, wenn du mehrere Geräte mit Bluetooth gekoppelt hast. Aber die Sleepbuds spielen keine Musik ab und du kannst sie sowieso nur mit der App koppeln und nicht im Bluetooth-Menü. Dass die Buds dann nicht mit Bluetooth-Kopfhörer koexistieren können, nervt.

Im Bluetooth-Menü erscheinen dir der Linke und der Rechte Bud getrennt – warum auch immer. Denn nur bei einem einzelnen Bud Töne abzuspielen ist nicht möglich.

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Hoopla. Die Fehlermeldung gibt's inklusive Rechtschreibfehler

Beim Aufladen musst du aufpassen, dass das Lämpchen wirklich leuchtet, sodass beide Buds geladen werden – vor allem wenn du die grösseren, mitgelieferten Aufsätze montierst, wird’s eng im Case. Wenn die Buds nicht korrekt auf den Lade-Ports sitzen, stehst du mit einem leeren Akku da.

Die Buds selbst kannst du nur abschalten, indem du sie ins Case legst. Wegen meinen Verbindungsproblemen hätte ich mir einen Reset-Knopf gewünscht. Den gibt’s aber nicht. Nachdem ich meine Bluetooth-Kopfhörer immer vorher getrennt habe, hatte ich aber auch keine Probleme mehr.

Fazit: Die Schlaf-Revolution bleibt aus

Die Sleepbuds sind schön und gut und Bose leistet auch hier Qualitätsarbeit. Dennoch: Ich würde mir die Earbuds nicht kaufen. Nicht für den Preis. Für das, dass sie so teuer sind, können sie zu wenig. Um schlafen zu können, kannst du dir auch einfach für ein passives Noise Cancelling Ohropax in die Ohren stecken. Die kosten nicht mal einen Bruchteil der Buds.

Ohropax solltest du dir nicht jede Nacht in die Ohren stecken, da riskierst du Gesundheitsschäden und wirst immer empfindlicher auf Geräuschstörungen. Bevor du aber so viel Geld für ein Schlaf-Gadget ausgibst, wäre es gescheiter, deine Nachbarn zusammenzustauchen, beziehungsweise deinen schnarchenden Partner herauszuwerfen – oder ihm ein Anti-Schnarch Pflaster aufzudrücken.

Brian Mulcahey, Boses Category Director Wellness sagt zu den Sleepbuds:

I really believe that, with this solution to this really massive problem … we’re going to change millions of people’s lives. It’s that simple.

Übersetzung: Ich glaube wirklich, dass wir mit dieser Lösung dieses wirklich massiven Problems ... das Leben von Millionen von Menschen verändern werden. So einfach ist das.

Nein, lieber Herr Mulcahey, da haben sie nicht Recht. Die Buds wären ein nettes Gadget – wenn sie nicht so teuer wären. So einfach wie Sie sagen, ist es also leider doch nicht. Schlafen Sie doch nochmals über diese Ideen.

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Livia Gamper
Livia Gamper

Junior Editor, Zürich

Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival.

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