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Triple Espresso
Kritik

«Copa City» im Test: Zwischen Fanmarsch und Fehlplanung

Kim Muntinga
26.6.2026
Bilder: Kim Muntinga

«Copa City» macht nicht die Mannschaft, sondern den gesamten Spieltag zum Managementproblem. Die ungewöhnliche Perspektive überzeugt zunächst, wird jedoch von umständlicher Bedienung, flachen Systemen und schnell wiederkehrenden Abläufen ausgebremst.

Zwei Tage bis zum Anpfiff. Auf dem Rasen ist noch nichts passiert, trotzdem fühlt sich der Abend bereits nach Arbeit an. In der Innenstadt sammeln sich die ersten Fans, vor dem Stadion entstehen Engpässe. Eine Fanzone ist voller als erwartet, an anderer Stelle fehlt Verpflegung und irgendwo zwischen Bahnhof, Innenstadt und Stadion droht meine Planung zu kippen.

Normalerweise entscheide ich in Fußball- und Manager-Sims über Pressinghöhe, Flügelspiel oder den nächsten Transfer. In «Copa City» geht es darum, ob die Fans rechtzeitig ankommen, genug zu essen haben und sich nicht gegenseitig in die Quere kommen.

Diese Idee ist die große Stärke des Spiels. «Copa City» interessiert sich nicht für Tore, Taktik oder sportliches Drama, sondern für das, was klassische Fußballspiele ausblenden: Anreise, Sicherheit, Fanbereiche, Catering, Medien, Stadionlogistik und öffentliche Stimmung. Es ist ein Fußballspiel über alles, was passieren muss, bevor der Ball rollt.

Wo andere Fußballspiele auf den Rasen schauen, richtet «Copa City» den Blick auf die Straßen davor.
Wo andere Fußballspiele auf den Rasen schauen, richtet «Copa City» den Blick auf die Straßen davor.
Quelle: Triple Espresso

Das Spiel vor dem Spiel

Dieser Perspektivwechsel gehört zu den frischesten Ideen, die das Fußballgenre seit Jahren hervorgebracht hat. Nur trägt er nicht immer so weit, wie er müsste. «Copa City» denkt den Spieltag als urbanen Ausnahmezustand, übersetzt ihn aber zu oft in brave Management-Routinen. Wo Chaos, Stimmung und Massendynamik entstehen könnten, fehlt dem Spiel die Reibung, die aus dieser Ausgangslage eigentlich entstehen müsste.

So bleibt «Copa City» ein kluges und ungewöhnliches Managementspiel, aber auch eines, das in der Theorie aufregender wirkt, als es tatsächlich ist.

Die Stadt wird zum Spielfeld

Mein wichtigstes Werkzeug ist kein Taktikbrett, sondern der Stadtplan. Dort kaufe ich Flächen, richte Fanzonen ein und verteile Verpflegung, Unterhaltung und Sicherheit. Gleichzeitig muss ich darauf achten, dass die Wege zwischen Bahnhof, Innenstadt und Stadion funktionieren.

Die Taktikkarte zeigt, welche Flächen für den Spieltag verfügbar sind und wie sie über die Stadt verteilt liegen.
Die Taktikkarte zeigt, welche Flächen für den Spieltag verfügbar sind und wie sie über die Stadt verteilt liegen.

Die Planung endet nicht vor der Arena. Auch um und im Stadion müssen Eingänge, Versorgungsbereiche und Fanblöcke sinnvoll organisiert sein. Rivalisierende Gruppen sollten sich möglichst nicht begegnen. Familien benötigen andere Angebote als Ultras, und zu lange Wege oder überfüllte Bereiche drücken die Stimmung.

Auch im Stadion müssen Eingänge, Verpflegungsbereiche und Fanblöcke vorbereitet werden.
Auch im Stadion müssen Eingänge, Verpflegungsbereiche und Fanblöcke vorbereitet werden.

Am stärksten ist «Copa City», wenn dieses Zusammenspiel sichtbar funktioniert. Dann strömen Tausende Fans durch die Stadt, halten sich in den vorgesehenen Bereichen auf und erreichen rechtzeitig ihre Plätze. Für einen Moment entsteht tatsächlich der Eindruck eines sorgfältig organisierten Spieltags.

Nur bleibt das System meist einfacher, als es zunächst wirkt. Viele Probleme löse ich, indem ich ein weiteres Modul platziere oder einen Wert erhöhe. Fehlt Verpflegung, baue ich einen Essensstand. Mangelt es an Unterhaltung, stelle ich die passende Attraktion auf. Die drei unterschiedlichen Fangruppen (Familie, Ultra und Core) verändern meine Planung zwar, aber selten grundlegend.

In den Fanzonen kombiniere ich Essensstände, Sicherheitsmodule und Unterhaltungsangebote.
In den Fanzonen kombiniere ich Essensstände, Sicherheitsmodule und Unterhaltungsangebote.

Dadurch wirkt die Stadt weniger wie ein lebendiger Raum als wie eine große Aufgabenfläche. Die Fans sehen nach Bewegung aus, verhalten sich spielmechanisch aber oft wie eine Ressource, die von einer Station zur nächsten geleitet wird.

Das reicht für einige befriedigende Momente. Für eine wirklich dynamische Simulation des Fußballchaos ist es jedoch zu berechenbar.

Ein Tutorial als erste Auswärtshürde

Bevor mich die Kampagne selbstständig Veranstaltungen planen lässt, führt sie mich schrittweise durch die wichtigsten Systeme. Grundsätzlich ist das angesichts der vielen Planungsebenen sinnvoll. «Copa City» erklärt seine Abläufe jedoch ausgerechnet dort besonders schlecht, wo es Orientierung schaffen müsste.

Aufgaben werden zwar eingeblendet, ihre praktische Umsetzung bleibt aber häufig unklar. Das Spiel fordert mich beispielsweise auf, einen bestimmten Bereich zu kaufen oder ein Objekt zu platzieren, zeigt mir jedoch nicht zuverlässig, wo ich die entsprechende Fläche oder Funktion finde. Dann suche ich nicht nach einer cleveren Lösung für ein logistisches Problem, sondern nach dem richtigen Knopf in einem verschachtelten Menü.

Der Frust entsteht dabei nicht durch die eigentliche Planung. Ich scheitere nicht an komplizierten Zusammenhängen, sondern daran, dass das Spiel wichtige Funktionen schlecht erklärt oder in unübersichtlichen Menüs versteckt. Statt über meine Strategie nachzudenken, suche ich nach der richtigen Schaltfläche.

Besonders ärgerlich ist, dass sich die Einführung über weite Teile der ersten Kampagnenabschnitte zieht. Viele Missionen stellen noch immer einzelne Funktionen vor und lassen mir dabei wenig Freiheit. Wer direkt selbst planen möchte, kann zwar ins freie Spiel wechseln. Innerhalb der Kampagne fühlt sich der Einstieg dennoch unnötig lang und kleinteilig an.

Die Szenario-Roadmap zeigt, wie lange sich die Einführung durch die ersten Missionen zieht.
Die Szenario-Roadmap zeigt, wie lange sich die Einführung durch die ersten Missionen zieht.

Mit dieser Kritik bin ich offenbar nicht allein. Mittlerweile haben die Entwickler darauf reagiert und angekündigt, dass sie den Einstieg überarbeiten wollen. Die Kampagne soll sich künftig ohne abgeschlossenes Tutorial starten lassen. Für kommenden Juli sind Anpassungen an der Benutzeroberfläche geplant, für August ein neues Tutorial und ein spielinternes Nachschlagewerk.

Auch nach der Einweisung bleibt die Bedienung unnötig sperrig. Das Spiel wechselt zwischen verschiedenen Planungsebenen, Kartenansichten und Detailmenüs. Dabei führt nicht jeder Klick dorthin, wo ich es erwarte. Beim Zoomen lande ich mitunter unbeabsichtigt in einer anderen Ansicht, und Objekte lassen sich nicht immer präzise auswählen.

Einzelne Unannehmlichkeiten ließen sich verschmerzen. In ihrer Summe bremsen sie aber jede Planung. Ich kämpfe häufiger mit der Oberfläche als mit den eigentlichen Herausforderungen des Spieltags.

Viel Mikromanagement, wenig echte Planung

Habe ich mich mit der Bedienung arrangiert, beschäftigt mich «Copa City» mit vielen kleinen Aufgaben. Ich platziere Einrichtungen, beobachte Bedürfnisse und reagiere auf neue Anforderungen. Anspruchsvolle Entscheidungen entstehen daraus jedoch nur selten. Meist erkenne ich einen Mangel und stelle die passende Lösung bereit.

Wie abstrakt diese Systeme bleiben, zeigt das Freiwilligenzentrum. Dort akquiriere ich zusätzliche Helfer, die anschließend weder Namen noch erkennbare Aufgaben haben. Sie sind keine Figuren, die ich einteile oder weiterentwickle, sondern lediglich Zahlen, die für bestimmte Anforderungen hoch genug sein müssen.

Ordner werden über ein Rekrutierungsmodul ausgebildet, bleiben danach wie Freiwillige aber anonyme Ressourcen.
Ordner werden über ein Rekrutierungsmodul ausgebildet, bleiben danach wie Freiwillige aber anonyme Ressourcen.

Das wäre weniger problematisch, wenn mich das Spiel regelmäßig zu schwierigen Abwägungen zwingen würde. Platzbedarf, Einnahmen, Sicherheit und Zufriedenheit könnten miteinander konkurrieren. Solche Konflikte deutet «Copa City» zwar an, vertieft sie aber zu selten, um mehrere gleichwertige Lösungen entstehen zu lassen.

So verbringe ich viel Zeit mit einzelnen Handgriffen, ohne entsprechend viel strategischen Einfluss zu spüren. Ich erfülle Vorgaben und erhöhe Werte, entwerfe dabei aber nur selten ein System, das sich wirklich nach meiner eigenen Lösung anfühlt.

Nach dem Spiel ist vor derselben Planung

Nach mehreren Veranstaltungen zeigt sich ein weiteres Problem: Kaum etwas von meiner Arbeit besitzt dauerhaften Einfluss. Ich bereite eine Partie vor, erfülle die notwendigen Anforderungen und beginne anschließend mit der nächsten Aufgabe. Die Stadt ist dabei weniger ein Ort, den ich langfristig entwickle, als eine Kulisse für voneinander getrennte Spieltage.

Der Titel «Copa City» weckt andere Erwartungen. Ich hatte gehofft, Verkehrswege auszubauen, Hotels und Parkflächen einzuplanen, Bahnhöfe besser anzubinden oder das Stadion über Jahre hinweg weiterzuentwickeln. Stattdessen fehlt ein verbindendes Gerüst wie eine komplette Saison, ein langfristiger Wettbewerb oder die dauerhafte Entwicklung eines Heimvereins.

Berlin ist einer von nur drei Austragungsorten in «Copa City».
Berlin ist einer von nur drei Austragungsorten in «Copa City».

Auch der überschaubare Umfang macht die Wiederholung schnell sichtbar. Mit Bayern München, Borussia Dortmund, Arsenal, Flamengo, Beşiktaş und Olympique Marseille stehen nur sechs lizenzierte Vereine zur Auswahl. Gespielt wird in Berlin, Warschau und Rio de Janeiro. Die Vereine bringen eigene Farben, Gesänge und Fangruppen mit. Die grundlegende Planung verändert sich dadurch aber nur begrenzt.

Sechs lizenzierte Vereine sorgen für bekannte Namen, aber nur begrenzt für Abwechslung.
Sechs lizenzierte Vereine sorgen für bekannte Namen, aber nur begrenzt für Abwechslung.

Eine neue Paarung sorgt deshalb eher für eine andere Kulisse als für einen neuen Spielablauf. Wieder prüfe ich Flächen, platziere Einrichtungen, erfülle Bedürfnisse und erhöhe die Match Readiness. Nach einigen Veranstaltungen kenne ich nicht nur meine Werkzeuge, sondern auch einen großen Teil der Lösungen.

Ein Karrieremodus hätte dieser Routine mehr Bedeutung geben können. Einnahmen aus erfolgreichen Veranstaltungen könnten in dauerhafte Verbesserungen fließen, schlechte Organisation den Ruf der Stadt beschädigen. Vereine könnten langfristige Verträge anbieten oder abspringen, Turniere mehrere Partien mit wachsender Belastung verbinden. Ein Pokalfinale müsste dann nicht nur höhere Zielwerte verlangen, sondern meine über längere Zeit entwickelte Infrastruktur auf die Probe stellen.

Die Städte wirken wie große zusammenhängende Spielräume, entwickeln sich zwischen den Veranstaltungen aber nicht dauerhaft weiter.
Die Städte wirken wie große zusammenhängende Spielräume, entwickeln sich zwischen den Veranstaltungen aber nicht dauerhaft weiter.
Quelle: Triple Espresso

So bleibt jede Veranstaltung weitgehend für sich. «Copa City» beschäftigt mich von Spieltag zu Spieltag, gibt mir aber kaum das Gefühl, tatsächlich eine Fußballstadt aufzubauen.

«Copa City» wurde mir von Triple Espresso S.A. zur Verfügung gestellt. Das Spiel ist seit dem 16. Juni für PC, PS5 und Xbox Series X|S verfügbar.

Fazit

Frische Perspektive, flache Umsetzung

«Copa City» betrachtet den Fußball aus einer Perspektive, die andere Spiele fast vollständig ausblenden. Fanzonen, Menschenströme, Versorgung und Stadionlogistik bilden die Grundlage für ein Managementspiel, das sich deutlich von klassischen Fußballtiteln abhebt.

Zu oft bleibt es jedoch bei der guten Idee. Das umständliche Tutorial und die sperrige Benutzeroberfläche erschweren bereits den Einstieg. Dahinter wartet ein Spiel, das mich mit vielen kleinen Aufgaben beschäftigt, aber nur selten vor wirklich interessante Entscheidungen stellt. Bedürfnisse werden durch passende Einrichtungen erfüllt, Freiwillige bleiben anonyme Zahlen und unterschiedliche Vereine oder Fangruppen verändern den Ablauf kaum.

Am schwersten wiegt die fehlende langfristige Entwicklung. Ohne Saison, dauerhafte Investitionen oder einen echten Karrieremodus wiederholen sich Abläufe, Vereine und Austragungsorte schnell. So bleibt «Copa City» originell, aber deutlich oberflächlicher und monotoner, als es sein Konzept verdient.

Pro

  • ungewöhnliche, frische Perspektive auf den Fußball
  • grundsätzlich reizvolle Verbindung aus Stadt- und Stadionplanung
  • lizenzierte Vereine mit eigenen Farben und Gesängen

Contra

  • langgezogener Kampagneneinstieg
  • sperrige Bedienung und schwache Benutzerführung
  • viel Mikromanagement, aber wenig strategische Tiefe
  • keine langfristige Stadt- oder Vereinsentwicklung
  • Fans, Ordner und Freiwillige bleiben sehr abstrakt
  • überschaubarer Umfang und schnell wiederkehrende Abläufe
Titelbild: Triple Espresso

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