Dank NFT-Methode zum einzigartigen Kunstobjekt
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Dank NFT-Methode zum einzigartigen Kunstobjekt

Pia Seidel
Pia Seidel
Zürich, am 07.04.2021
Das Unternehmen Bocci verkauft das Rezept ihrer ungewöhnlich geformten Kerze als NFT. Es steigt damit in einen brandneuen Markt ein und erfreut Sammlerherzen. Doch das Ganze hat seinen Preis.

DIY-Anleitungen findest du im Netz en masse. Aber dass du sie dir von einem Designobjekt kaufen kannst und das selbstgemachte Werk später ein Original nennen darfst, ist neu. Die sogenannten nichtfungiblen Token machen's möglich. Sie verleihen digitalen Werken eine virtuelle Signatur, sodass diese nicht reproduzierbar sind. Die kanadische Marke Bocci nutzt die NFT-Methode erstmals, um DIY-Kits ihrer 64er-Kerze in limitierter Auflage zu generieren. Auf diese Weise wird die Kerze nicht nur einzigartig, sondern lässt sich überhaupt erst in der analogen Welt verkaufen.

Bisher waren Skulpturen, die aus 280 einzelnen kugelförmigen Glaslampen bestehen und an kupfernen Fäden 30 Meter von der Decke herunter hängen, für Bocci kein Problem. Die Beleuchtungs- und Design-Firma mit angeschlossener Glasmanufaktur ist für aufwendige Lichtinstallationen bekannt, die sich an der Schnittstelle zur Kunst bewegen. Doch der Entwurf der 64er-Kerze aus dem Jahr 2018 stellte Designer und Creative Director Omer Arbel vor eine Herausforderung. Nicht etwa die Umsetzung des Prototyps, sondern dessen Verkauf: Die Kerze entsteht schrittweise, indem heisses Wachs in ein mit Eisscherben gefülltes Gefäss hineingegossen wird und darin abkühlt. Dadurch bilden sich zahlreiche filigrane Ranken, die bei einem Transport kaputt gehen können.

Um die Kerze heil von A nach B zu bringen, müsste sie in einem Eisblock transportiert werden. Bild: Bocci.
Um die Kerze heil von A nach B zu bringen, müsste sie in einem Eisblock transportiert werden. Bild: Bocci.

Die Kerze müsste in einen festen Eisblock gegossen und dann wie frischer Fisch transportiert werden, damit die Sammlerinnen und Sammler das Eis vor Ort schmelzen lassen können und das Wachskunstwerk unversehrt erhalten, erklärt Arbel in einem Artikel auf Dezeen. Das sei zu aufwendig und teuer. Mit dem Aufkommen der NFTs könne nun aber die Idee hinter dem speziellen Kerzen-Design reisen.

60 von insgesamt 64 DIY-Kits sind bereits verkauft. Bild: Bocci.
60 von insgesamt 64 DIY-Kits sind bereits verkauft. Bild: Bocci.

Seit Ende März kann das Geheimrezept in einer limitierten Auflage von 64 Stück für jeweils 0,05 Ethereum (ETH) – die Kryptowährung, die dieses System nutzt – auf der Plattform Rarible ergattert werden. Das entspricht ungefähr 80 Franken. Jedes DIY-Kit enthält Anweisungen zur Herstellung sowie ein Prozessvideo und ist mit einem NFT verknüpft. Dieser ist – anders als ein Bitcoin – nicht austauschbar, nutzt aber dieselbe Blockchain-Technologie, die du von Kryptowährungen kennst. Das macht ein virtuelles Kunstwerk einmalig und gibt vielen Kunstschaffenden die Möglichkeit, mit ihren virtuellen Werken im Netz Geld zu verdienen. Und Design-Begeisterte können nun auch virtuelles Design wie die 3D-Renderings der Künstlerin Charlotte Taylor sammeln, für die es vorher keinen Markt gab.

Wie du jetzt trotzdem reisen kannst
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Wie du jetzt trotzdem reisen kannst

Im Fall von Bocci kannst du dir das exklusive Designerteil nach dem Kauf selber machen. Trotzdem hat das Ganze einen oder genau genommen zwei Haken. Zum einen wird es mit dem Wiederverkauf der 64er-Kerze in der «echten» Welt ohne Eisblock-Technologie schwierig. Zum anderen warnen Kritikerinnen und Kritiker wie der britische Künstler Memo Akten vor dem hohen Stromverbrauch, der bei der Erstellung – dem sogenannten Mining – eines einzelnen Tokens entsteht. Um mit Ethereum zahlen zu können, musst du zuerst an diese Währung kommen. Dazu braucht es viel Rechenleistung, die massenhaft CO2 generiert. Das könnte dem boomenden Verkauf von Werken mittels NFT-Methode – so aussergewöhnlich diese auch sein mögen – bald einen Dämpfer verpassen, sofern Kunstschaffende Wert auf die Nachhaltigkeit ihrer Werke legen.

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Kunst und Kryptowährungstechnologie: Ein gelungenes Joint Venture?

Titelbild: Cerruti Draime für Bocci

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Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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