Das Keyboard 4 Ultimate – Mein lauter Traum

Das Keyboard 4 Ultimate – Mein lauter Traum

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 08.12.2016
Schwarze Tasten und eine Menge Lärm sind die Hauptcharakteristiken der Tastatur, die einfach nur Das Keyboard heisst. Sie wiegt auch viel. Trotz all dieser merkwürdigen Attribute ist Das Keyboard das beste Keyboard mit dem ich je arbeiten durfte.

Schwarz. Das ist so die Haupteigenschaft von Das Keyboard. Die Tastatur ist eine der merkwürdigsten Tastaturen im Internet. Der Grund? Sie sieht so aus:

Keine Tastenbeschriftung? Kein Problem.

Das ist keine Produktionsskizze oder so etwas. Der texanische Hersteller Metadot hat 2005 die erste Tastatur ohne Beschriftung auf den Markt gebracht. Das damals noch jüngere Internet hat gelacht. Hardcore-Coder aber haben bereits auf das Gerät geschworen und dem ersten Das Keyboard folgten technologisch noch ausgeklügeltere Versionen bis zur aktuellen Version, dem Das Keyboard 4 Ultimate.

Tastatur
150,–
Das Keyboard 4 Ultimate (USB, EU, Kabel, MX-Brown)

Unbeschriftete High-End-Tastatur mit hochwertiger Verarbeitung, vergoldeten Kontakten und Cherry-MX-Brown-Tasten

Mein Hauptproblem war, dass ich die Idee der unbeschrifteten Tastatur lustig finde, den Preis aber nicht wirklich. Auch irgendwelche Verkaufsargumente konnten mich nicht restlos überzeugen, dass Das Keyboard das Gerät für mich ist. Weil es könnte ja ein totaler Reinfall sein und sollte das der Fall sein, dann habe ich eine Menge Geld ausgegeben für etwas, das ich einfach nur lustig finde, aber nicht wirklich brauchen kann.

Daher: Ein Testgerät muss her.

Der Journalist und sein Werkzeug

Beim Auspacken des Das Keyboard 4 Ultimate fällt mir auf, dass das Teil extrem schwer ist. Gut, bis dato habe ich an meinem Arbeitsplatz mit einer Logitech K120 geschrieben. Zu Hause liegt aus Gründen der Einfachheit eine Rapoo Wireless Ultra-Slim herum.

21,–
Logitech Keyboard K120 for Business (USB, CH, Kabel)
Tastatur
Rapoo E9270P (USB, CH, Kabellos)
11

Die K120 ist eine Tastatur, die auf jedem Bürotisch rumliegt. Sie macht nichts falsch, du kannst drauf rumtippen und sie hält viel aus. Die Rapoo war ein Kauf aus Notwendigkeit. Ihr Vorgänger ist eines Abends kurz vor Ladenschluss abgekratzt und wichtige Tasten wie die Leertaste und komischerweise der Buchstabe T haben nicht mehr funktioniert. Daher: Rein in den nächsten Elektronikhändler, Tastatur kaufen. Mit der Rapoo habe ich einen Glücksgriff gelandet, denn ich mochte das Ding recht gut, weswegen ich sie bis heute nicht ersetzt habe.

Aber ich bin heikel. Mir war schon an meinem ersten Arbeitstag am neuen Arbeitsplatz klar, dass die K120 keine Zukunft bei mir hat. Ich weiss ja nicht, wie es dir geht, lieber Leser, aber ich lege Wert auf gutes Arbeitsmaterial. Als Journalist ist das bei mir Schreibmaterial wie mein treuer Alltagskugelschreiber der Caran d’Ache 828 Frosty in Anthrazit.

Bei Tastaturen verhält es sich ähnlich. Ich will eine Tastatur, die gut zu handhaben ist. Also soll sie keinen zu niedrigen Druckpunkt haben, weil ich ich sonst versehentlich während einer Denkpause zeilenweise einen Buchstaben schreibe. Kabellos oder gekabelt ist mir mehr oder weniger egal, so lange ich nicht alle zwei Tage die Batterien ersetzen oder aufladen muss. Media Keys? Gerne, muss aber nicht sein. Preis: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Das Keyboard ist definitiv über meinem Budget, und das Risiko ist hoch, dass ich sie total bekloppt finde.

Das sind so die Gedanken, die ich als Tastatur-Tester während dem Verkabeln mache, denn über viel andere Dinge lässt sich unter einem Bürotisch während der Arbeitszeit nicht nachdenken. Gut, allenfalls habe ich über Review-Kriterien nachgedacht und dabei übersehen, dass das USB-Kabel von Das Keyboard – ich kann mich übrigens nicht an den grammatikalischen Alptraum gewöhnen, der durch den Artikel im Produktnamen entsteht – angenehm lang ist. Länger als ich es bei manch anderen Tastaturen erlebt habe. Das eröffnet einiges an Freiheit bei der Positionierung des Computers. Schön. Ein Problem weniger.

Ein Hagel an Anschlägen

Der Moment ist da. Die ersten Anschläge. Ich bin noch vorsichtig, weil irgendwie ist mir die unbeschriftete Tastatur noch nicht ganz geheuer. Woher soll ich wissen, welcher Buchstabe wo ist? Und ich bin mir sicher: Ich mache eine Million Tippfehler pro Minute. Was nützt mir eine Tastatur, auf der ich laut Herstellerwerbung schneller tippen kann, dafür aber mehr Tippfehler mache? Die Idee mit Das Keyboard – Grammatik pfui – scheint mir total bekloppt. Dümmste Idee aller Zeiten. Was habe ich mir da eingebrockt?

Mein Bürotisch ist immer unordentlich, aber ich bitte dich, dein Augenmerk auf die Tastatur zu legen.

Ich öffne meinen Texteditor, Brackets, wie ich das immer tue. Ich drücke auf meiner Tastatur die Windows-Taste und beginne das Wort Brackets zu schreiben, bis der Eintrag der einzige ist, der von der Suche angezeigt wird und drücke Enter. Diesen Vorgang habe ich schon zigtausendfach hinter mir, weswegen ich rückblickend eigentlich lachen muss.

In Brackets erfolgen meine ersten Tippversuche. Das geht doch! Eigentlich geht das sehr gut. Meine Finger fliegen über die Tastatur, meine Fehlerquote ist niedrig. Ich freue mich. Nicht nur, weil ich nach wie vor mit meinem Tempo schreiben kann, sondern auch weil die Mechanik der Key Switches – der Bauteile, die den Druckpunkt der Tastatur bestimmen – mir sehr gut behagt. Ich kann locker mal kurz innehalten und meine Finger auf der Tastatur lassen, ohne, dass ich gleich eine Zeile sssssss habe. Bei mir ist es immer S, keine Ahnung, warum. Mein linker Ringfinger scheint irgendwie eine Macke zu haben.

Nach fünf Minuten schreiben ist klar: Ich kann extrem gut mit der Tastatur arbeiten. Denn, sind wir ehrlich: Du und ich, wir wissen doch eigentlich, wo die Tasten auf unseren Tastaturen sind. Ich habe vor etwa 25 Jahren zum ersten Mal meinen Namen auf einer Tastatur getippt, das Zehnfingersystem offiziell in der Schule im Jahre 1997 erlernt und nie einen Job gehabt, in dem ich nicht oft auf einer Tastatur getippt habe. Ich brauche die Beschriftung nicht. Auch meine Mutter nicht, denn auch wenn sie niemals so schnell tippt, wie ich, sie weiss, wo die Tasten sind. Tastaturen haben sich in unser kollektives Gedächtnis gefressen. Beschriftungen sind zwar nett, aber sie sind überflüssig.

Es donnert in der Redaktion

Je länger ich mit Das Keyboard – Wäh, Grammatik – arbeite, desto schneller werde ich. Es stellt sich heraus, dass ich trotz meiner Sattelfestigkeit in Punkto tippen immer noch auf die Tastatur schaue. Die Folge: Eine Sekunde Verzögerung oder so. Das hat mich zwar nie wirklich gestört, aber ich bin doch froh, dass ich das nicht mehr habe. Aus meinem schon schnellen Gehacke auf der Tastatur wird ein regelrechtes Maschinengewehrfeuer an Anschlägen. Ich mache immer noch Tippfehler, aber nicht wirklich mehr als zuvor. Oder weniger. Von mir aus ist das total okay.

«Hey, Alte...», höre ich meinen Redaktionskollegen Phil sagen. Er lacht und fragt, ob es mir gut gehe, dass ich so einen Riesenlärm veranstalte. Der seitenlang andauernde Trommelwirbel an Tastaturanschlägen ist ihm nicht entgangen und auch Praktikant Ramon schüttelt nur grinsend den Kopf.

Mir wird sofort klar, dass Das Keyboard – Hey, die Grammatik geht für einmal auf – im Büro keine Zukunft hat. Mich hat das «Tak Tak Tak» nicht gestört, weil ich es veranstaltet habe. Im Gegenteil, mich erfreut es. Doch mir ist auch klar, dass Das Keyboard lauter ist als jede andere Tastatur, die ich bisher in einem Büroumfeld benutzt habe.

Das Keyboard macht in der Nacht einen lustigen blauen Kreis an die Decke.

Doch hergeben will ich die Tastatur nicht. Sie ist einfach zu gut. Sie ist mit Abstand die beste Tastatur, auf der ich je getippt habe. Sie fühlt sich so an, als ob sie für mich gemacht wurde. Die Cherry MX Brown Switches, laut Hersteller optimiert für Schreibarbeit, haben den perfekten Widerstand und die Textur der Tasten fühlt sich genau so an, wie sie es sollte. Der Lautstärkeregler oben rechts ist nicht nur angenehm gross, damit ich die Lautstärke meiner Musik blitzschnell runterschrauben kann, sondern auch schön ins Design integriert.

Das Keyboard hat meine Rapoo ersetzt. Hat mich zwar einen Batzen gekostet, aber ich bereue keinen Rappen. Nicht einen einzelnen.

Kurz: Das Keyboard ist die Tastatur, die du haben willst. Du weisst es einfach noch nicht. Aber bitte, überwinde deine Vorsicht, investiere in die Tastatur. Selbst wenn wir sie grade nicht an Lager haben sollten, bestell sie dir. Sie wird in Kürze verfügbar sein. Denn es lohnt sich. Versprochen.

Für mein Büro geht die Suche weiter. Ich suche eine mechanische Tastatur, die leise ist und die austauschbare Tasten hat. Wenn du also eine kennst, hinterlasse mir deine Empfehlung doch bitte in einem Kommentar.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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