Das sagt der Dermatologe zu Augenringen

Das sagt der Dermatologe zu Augenringen

Vanessa Kim
Vanessa Kim
Zürich, am 24.03.2021
Seit vielerorts Maskenpflicht herrscht, sind deine Augen im Fokus – und die Schatten darunter. Ein Hautarzt verrät, was du gegen Augenringe tun kannst und warum du die Finger von Hämorrhoiden-Salben lassen solltest.

«Schau mir in die Augen, Kleines!» Das legendäre Filmzitat aus dem Streifen «Casablanca» (1942) ist aktueller denn je. Seit Beginn der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Maskenpflicht erleidet die Kosmetikindustrie herbe Rückschläge. Vor allem der Verkauf von Lippenstiften ist stark rückläufig. Statt auf deine Lippen sind nun alle Blicke auf deine Augen gerichtet. Dumm nur, wenn du am Abend zuvor mal wieder bis spät in die Nacht Netflix gestreamt oder etwas zu tief ins Glas geschaut hast. Nebst der Veranlagung bestimmt nämlich auch dein Lifestyle, wie stark die Schatten unter deinen Augen ausgeprägt sind. Ob und was du dagegen tun kannst, verrät Martin Kägi, leitender Facharzt am «Hautzentrum Zürich», im Interview.

Wie und warum entstehen Augenringe?
Dr. med. Martin Kägi: Augenschatten haben verschiedene Ursachen. Sie können die Folgen eines ungesunden Lifestyles sein, im Rahmen von Allergien wie Heuschnupfen auftreten oder ein Anzeichen für Mangelerscheinungen oder Krankheiten sein. Beispiele hierfür sind ein lang anhaltender Schlafentzug, Flüssigkeits- oder Eisenmangel, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen, aber auch der Konsum von Alkohol, Drogen und Zigaretten. Die gute Nachricht: Bei kurzzeitigem Schlafmangel, Jetlag oder einem Glas Wein zu viel verschwinden Augenringe wieder von selbst.

Weitere mögliche Auslöser können Duftstoffe in Kosmetika und Parfums oder zu viel Sonne sein. In diesem Fall handelt es sich um Pigmentstörungen, die bräunliche Verfärbungen rund um die Augen verursachen. Nicht zu vergessen sind die altersbedingten Schatten. Ein schleichender Prozess, bei dem das Unterlid an Unterhautfett verliert und dadurch schlaffer wird. Die Folge ist, dass die Blutgefässe bläulich durch die Haut schimmern.

Sind Augenringe auch genetisch bedingt?
Ja, Dermatologen unterscheiden auch hier zwischen blauen und braunen Schatten. Erstere erkennst du an der typisch blau-violetten Verfärbung des Unterlids. Der Hauptgrund für die Entstehung ist eine Gefässschwäche, bei der Blutbestandteile austreten und oxidieren. Die Ablagerungen dieser Bestandteile schimmern durch die Haut durch und werden als Augenringe wahrgenommen. Braune Schatten hingegen entstehen aufgrund einer angeborenen lokalen Pigmentstörung. Infolge einer Hyperpigmentierung entstehen bräunliche Verfärbungen am Unter- und selten auch am Oberlid.

Hand aufs Herz: Wie effektiv sind Pflegeprodukte?
Cremes und Co. lassen Augenringe nicht komplett verschwinden. Die tägliche Pflegeroutine kann jedoch die Entstehung von altersbedingten Augenringen vorbeugen und verlangsamen. Hierfür eigenen sich Augencremes mit Wirkstoffen, die Feuchtigkeit spenden (Hyaluronsäure), die Haut vor Sonnenschäden (Retinol/Vitamin A) schützen und einer Überpigmentierung entgegenwirken. Diese Inhaltsstoffe festigen die Epidermis, polstern feine Linien von innen heraus auf und lassen die darunterliegenden Blutgefässe weniger durch die Haut schimmern. Verfärbungen lassen sich zusätzlich mit einem Concealer kaschieren.

Im Internet kursieren diverse Hausmittelchen. Gibt es ein No-Go?
Hausmittel wie das Auflegen von Teebeuteln, Gurkenscheiben und das Einmassieren von Honig wirken beruhigend und haben einen kühlenden Effekt. Dadurch ziehen sich die lokalen Blutgefässe zusammen und die Haut ist optisch minim geglättet. Bläuliche Verfärbungen sind dann weniger sichtbar. Der Effekt ist nur von kurzer Dauer. Bei einer Hyperpigmentierung bewirken diese Methoden nichts.

Ich lese immer wieder, dass Hämorrhoiden-Salbe ein Wundermittel sein soll. Ist da was dran?
Hämorrhoiden-Salben haben eine gefässverengende und abschwellende Wirkung. Das darin enthaltene Kortison oder verwandte Substanzen können der empfindlichen Gesichtshaut jedoch bei einer langfristigen Anwendung schaden.

Wann ist der Gang zum Dermatologen ratsam?
Bei plötzlich auftretenden oder länger bestehenden Augenringen, die sich nicht durch Schlafmangel etc. erklären lassen. Insbesondere dann, wenn weitere Symptome wie Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme auftreten. In erster Linie gilt es, mögliche Mangelerscheinungen in der Ernährung oder Krankheiten auszuschliessen und zu behandeln. Bei einer Pigmentstörung hingegen stehen verschiedene Medikamente zur Auswahl, die das Melanin in der Haut reduzieren und somit einen bleichenden Effekt haben. Solche Produkte dürfen nur unter Anleitung eines Arztes aufgetragen werden, da sie starke Nebenwirkungen haben können.

Bei einer Gefässschwäche rate ich von bleichenden Cremes ab, weil sie die Haut noch dünner und transparenter machen. Stattdessen empfehle ich wie bei altersbedingten Augenschatten eine Behandlung mit Hyaluronsäure-Fillern. Hyaluronsäure ist ein natürlicher, vollständig abbaubarer Stoff. In Kombination mit Fillern – sprich: vom Körper natürlich abbaubare Füllstoffe – wird sie unter die Haut gespritzt und versorgt sie dort nachhaltig mit Feuchtigkeit. Dadurch wird die Haut praller. Kleine Falten und die Schatten rund um die Augen werden reduziert.

Das klingt schmerzhaft…
Die Filler-Behandlung ist schmerzarm bis schmerzfrei: Ich betäube die zu behandelnden Stellen vorab mit einer anästhesierenden Creme. Danach spritze ich mit einer feinen Nadel die Hyaluronsäure unter die Haut. Je nach Hauttyp und Injektionstechnik hält dieser Effekt rund 9 bis 24 Monate an. Wichtig ist, dass diese Behandlung durch einen ausgebildeten Facharzt durchgeführt wird. Durch die Nähe zum Auge und zu wichtigen Gefässen drohen bei einer falschen Durchführung Nebenwirkungen, die bis zur Erblindung führen können. Bei diesem Eingriff geht es schliesslich um die Augen.

Dr. med. Martin Kägi ist Gründer und leitender Facharzt am «Hautzentrum Zürich», Schaffhauserstrasse 355, 8050 Zürich; www.hautzentrum-zuerich.ch

45 Personen gefällt dieser Artikel


Vanessa Kim
Vanessa Kim

Editor, Zürich

Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren