
Der Herbst wird zur Gaming-Hölle – und «GTA 6» ist schuld
Der September-Terminplan platzt aus allen Nähten. Gleich mehrere GOTY-Anwärter erscheinen innerhalb weniger Tage. Schuld an diesem Gaming-Massaker ist «GTA 6».
Wir schreiben das Jahr 2026 nach Christus. Das Jahr, in dem uns Rockstar endlich mit dem Game-gewordenen Messias «Grand Theft Auto 6» segnet. Was für Fans ein wahr gewordener Traum ist, ist für Publisher die Hölle auf Erden.
Rockstars Gangster-Epos wird Rekorde brechen. Millionen von Spielerinnen und Spielern werden wochenlang nichts anderes tun, als in Vice City rumcruisen. Niemand wird sich mehr für neue Game-Releases interessieren. Gaming-Publikationen und Mainstream-Medien werden wochenlang nur noch über «GTA» schreiben. Dich interessiert das Game nicht? Pech, du wirst trotzdem überall davon lesen und alle werden darüber reden – ein bisschen wie bei der bevorstehenden WM.
Kurz: Die Welt wird stillstehen und «GTA 6» zocken.

Quelle: Rockstar Games
Die Konsequenz des Hypes: «GTA 6» wird von der Gaming-Industrie wie eine Atombombe behandelt, in deren Nähe man sich weder vor noch nach dem Launch am 19. November befinden möchte.
Das beweist auch die gestrige «State of Play»-Präsentation von Sony, an der zahlreiche Releasedaten angekündigt wurden.
Publisher platzieren ihre Games so weit weg von «GTA 6» wie möglich. Es zeichnet sich ab, dass deshalb der September einer der krassesten Monate in der Gaming-Geschichte sein wird.
Hier eine Übersicht – die wichtigsten Blockbuster-Releases habe ich fett markiert:
- «The Blood of Dawnwalker» – 3. September
- «Marvel's Wolverine» – 15. September
- «Trails in the Sky 2nd Chapter» – 17. September
- «Warhammer 40,000: Dawn of War IV» – 17. September
- «Dune: Awakening» (Konsolen) – 22. September
- «Harvest Moon: Echoes of Teradea» – 24. September
- «Control Resonant» – 24. September
- «Silent Hill: Townfall» – 24. September
- «Onimusha: Way of the Sword» – 25. September
- «Ace Combat 8: Wings of Theve» – 29. September

Quelle: Sony
Doch damit nicht genug. Auch der Oktober füllt sich langsam mit (zu vielen) hochwertigen Releases:
- «No Rest for the Wicked 1.0» – Oktober
- «Rayman Legends: Retold» – 1. Oktober
- «Dynasty Warriors 3: Complete Edition Remastered» – 1. Oktober
- «Star Wars: Galactic Racer» – 6. Oktober
- «Planet Zoo 2» – 13. Oktober
- «Toy Story 3 Complete Edition» – 15. Oktober
- «Call of Duty: Modern Warfare 4» – 23. Oktober
- «Phantom Blade Zero» – 29. Oktober

Quelle: Activision
Noch nicht genug Stress nach der «State of Play»? Diese Games sollen noch 2026 erscheinen, haben aber kein konkretes Releasedatum:
- «Transport Fever 3»
- «Minecraft Dungeons 2»
- «Star Wars Zero Company»
- «Metro 2039»
- «Castlevania: Belmont's Curse»
- «Tropico 7»
- «Kena: Scars of Kosmora»
- «Halo: Combat Evolved»
- «Gears of War: E-Day»
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Publisher auch diese Titel noch vor der «GTA»-Atombombe raushauen, ist gross.
Mehr Infos werden bei den anstehenden Showcases im Rahmen des Summer Game Fest erwartet.
Keine schlaue Strategie
Schaue ich mir diesen Release-Kalender an, bekomme ich Bauchweh. Wie zum Teufel soll ich all diese hochwertigen Games in so kurzer Zeit zocken? Mein «Pile of Shame» ist schon gross genug – und innerhalb weniger Wochen wird er sich verdoppeln.
Meine Befürchtung ist, dass sich viele Publisher mit der September/Oktober-Strategie selbst ins Knie schiessen. Der Gaming-Herbst wird ein regelrechtes Massaker, aus dem nur wenige Spiele siegreich emporsteigen. Die Dichte an hochwertigen Releases ist für neue Titel ebenso schädlich wie das Veröffentlichungsfenster von «GTA 6». Gamer haben nicht unendlich viel Zeit und Geld. Leider. Zudem frage ich mich: Wie viele dieser Titel werden rausgehauen, obwohl sie noch nicht ganz fertig sind? Werden wir im Herbst eine Welle an verbuggten Games erleben?

Quelle: Bandai Namco
Muss Ubisoft «Rayman Legends» ums Verrecken noch vor «GTA» bringen? Wie stark überschneiden sich die Zielgruppen tatsächlich? Ich fänd's ganz cool, zwischen meinen «GTA»-Sessions ab und zu eine Runde «Rayman» zu zocken. «Star Wars: Galactic Racer» wäre doch auch ein schöner Weihnachtstitel. «Silent Hill: Townfall» und «Control Resonant» am selben Tag ergeben keinen Sinn. Ersteres würde sich doch perfekt für die Spooky Season vor Halloween anbieten. Und «Phantom Blade Zero» war schon so lange in Entwicklung – das könnte man doch easy noch auf Anfang 2027 verschieben.
Besonders bitter: Der November ist – abseits von «GTA 6» – noch komplett leer. Im Dezember ist aktuell noch gar nichts los.
Liebe Publisher, traut euch doch, ein paar eurer Games nach hinten zu verschieben. Microsoft geht mit gutem Beispiel voran und hat unlängst «Fable» in den Februar 2027 verschoben, «damit es den Raum bekommt, den es verdient». Gut so, denn für ein solches Rollenspielmonster muss man sich Zeit nehmen. Zeit, die im Herbst nicht mehr vorhanden ist.

Quelle: Microsoft
Wildcard Nintendo
Noch völlig unklar ist, wie Nintendo mit der «GTA 6»-Situation umgehen wird. Fest steht: «Star Fox» kommt am 25. Juni, «Rhythm Paradise Groove» am 2. Juli und «Splatoon Raiders» am 23. Juli. Für 2026 bestätigt sind zudem der Switch-2-exklusive Fromsoft-Titel «The Duskbloods» sowie Nintendos Strategie-Kracher «Fire Emblem: Fortunes Weave».

Quelle: Nintendo
Das werden ziemlich sicher nicht die einzigen Games für 2026 sein, die Nintendo noch in der Pipeline hat. Gerüchten zufolge plant das Unternehmen ein grosses Remake von «The Legend of Zelda: Ocarina of Time», um das 40. Jubiläum der legendären Spielreihe zu feiern.
Wie wird Nintendo dieses Switch-2-Highlight platzieren? Das Unternehmen befindet sich in der Gaming-Branche in seiner eigenen Bubble, in der es sich nicht allzu sehr um andere Publisher und Konkurrenz kümmern muss. Aber ein Event wie «GTA 6» kann auch ein Einhorn wie Nintendo nicht komplett ignorieren.

Quelle: Nintendo
Mehr Infos zu Nintendos Plänen werden an einer Nintendo Direct erwartet, die sehr wahrscheinlich im Juni stattfinden wird. Ich bete zu Miyamoto und CEO Furukawa, dass die Neuauflage des Klassikers nicht auch noch in den Herbst gequetscht wird. Lasst euch Zeit. Der Dezember ist leer und «Zelda» wäre das perfekte Weihnachtsgeschenk für Nintendo-Fans.
Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.
Hier liest du eine subjektive Meinung der Redaktion. Sie entspricht nicht zwingend der Haltung des Unternehmens.
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