

Dezenter als ein Festivalarmband: Google Fitbit Air im Test
Mir sind Smartwatches zu klobig und ausserdem lenken mich ihre Displays ab. Der Fitbit Air ist ohne Screen, nicht so klobig und hält eine Woche durch – bestens für Sport und Festivals.
Endlich ein Fitnesstracker, den ich nachts und in den Ferien tragen kann – ohne dass ich mich ablenken lasse oder mir Sorgen um die Akkulaufzeit machen muss. Statt auf dem Wearable sehe ich meine umfangreichen Gesundheitsdaten in der Google-Health-App. Der kostenpflichtige KI-Coach hat seine Macken, ist aber liebenswürdiger als meine dauernd meckernde Garmin-Uhr.
Design, Hardware und Tragekomfort
Beim ersten Anlegen des Google Fitbit Air bin ich kurz überrascht, dass er dicker ausfällt, als es auf den Produktfotos vorab den Anschein machte. Das stört mich aber sehr schnell nicht mehr. Im Gegenteil: Ich merke das weiche Textilband im Alltag kaum und trage es beim Malen, Schlafen und auf Konzerten. Meine Garmin Venu 3s ziehe ich in solchen Situationen jeweils genervt aus.

Das Textilband mit dem leichten Metallriemen lässt sich von 13 bis 21 cm Handgelenksumfang tragen. Für alle, die mich aus der Community bereits gefragt haben: Das Band ist gross genug für mein Fussgelenk. Nur stimmen die Messdaten dort nicht mehr genau: Beim Schrittzählen beispielsweise interpretiert der Tracker Fussbewegungen anders als den Schwung am Handgelenk. Auch benötigt das Band guten Hautkontakt, das ist am Fussgelenk schwieriger. Ich empfehle also das Tragen am Handgelenk.

Der Tracker hält die Herzfrequenzraten im 2-Sekunden-Rhythmus fest. Das reicht, um auch beim Sport vergleichbare Werte wie bei meiner Garmin Venu 3s zu erhalten. Der Tracker ist wie meine Garmin wasserdicht bis 50 Meter.
Der Fitbit Air speichert einen Tag an Workout-Daten, sieben Tage an detaillierten Bewegungsdaten und die tägliche Gesamtübersicht für 30 Tage. In der App werden die gesammelten Informationen abgelegt, sobald sich mein Smartphone via Bluetooth mit dem Tracker verbindet.

Nach sieben Tagen vibriert der Tracker jeweils und ich erhalte am Smartphone eine Benachrichtigung: «Die Batterie hält noch weniger als 24 Stunden». Dann hänge ich den Tracker über das mitgelieferte magnetische Ladegerät an den Strom. Das dauert 90 Minuten, dann bekomme ich wiederum eine Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone, dass der Tracker wieder bereit ist. Die sieben Tage Laufzeit sind nicht überragend für einen Tracker ohne Display, ich finde sie dennoch sehr alltagstauglich.
Die App ist das Kernstück
Da der Fitbit Air kein Display hat, schaue ich alle gesammelten Daten in der Health-App von Google nach. Die gibt es gratis, der personalisierte Health Coach kostet, dazu aber weiter unten mehr. Die App hat Google pünktlich zum Start des Trackers überarbeitet und damit die bisherigen Apps «Fitbit» und «Google Health» zusammengelegt.
«Health» hat noch Luft nach oben: Nicht alles ist klar gegliedert oder finde ich auf Anhieb – gegen meine Garmin-App ist sie aber äusserst aufgeräumt. Und ich kann die Darstellung anpassen. Wenn mein Fokus beispielsweise auf verbrannten Kalorien und Schritten liegt, setze ich diese Kacheln auf der Startseite ganz nach oben.

Neben der Tagesübersicht kann ich zu drei weiteren Ansichten wechseln: Fitness, Schlaf und Gesundheit.
Im Fitnessteil finde ich eine Trainingsmediatek für diverse Sportarten. Da ich lieber meine eigenen Gym-Sessions durchziehe, benötige ich die Sachen nicht. Für Inspiration oder coole 30-Minuten-Homeworkouts sind sie aber nice to have. Hier befinden sich auch die letzten Aktivitäten und verschiedene Messwerte, wie verbrannte Kalorien, Ruhepuls, und zurückgelegte Distanzen.

In der Ansicht «Schlaf» sehe ich Schlafenszeiten, Tiefschlafphasen oder die Schlafeffizienz. Habe ich Einschlafprobleme, bietet Google hier Musik an. Von entspannenden Klängen bis hin zu Einschlafgeschichten. Die Dauer der Musikstücke variiert von 10 bis 60 Minuten.

Beim letzten Tab «Gesundheit» finde ich eine Übersicht meiner Trainingstage und persönlichere Dinge wie Gewicht und Zykluseinträge. Hier könnte ich auch medizinische Daten hochladen, die ich über meinen Arzt oder meine Ärztin erhalten habe, wie Impfungen, Laborergebnisse und dergleichen. Allerdings muss ich hierzu den jeweiligen Arzt in der Liste finden. Die ist leider noch sehr mager und exkludiert unter anderem die Schweiz. Persönlich brauche ich das allerdings auch nicht.
Alltagstest: zwischen Gym und Festivalbühne
Während ich meine Garmin-Watch bewusst für die Uhrzeit und das Tracken von Workouts nutze, geht bei der Fitbit Air von Google ganz vieles nebenher. Beispielsweise wenn ich abends spontan auf ein cooles Tanzvideo stosse, und eine Stunde die Choreografie übe. Hier erkennt der Tracker die Bewegung und trägt sie als Tanz-Workout ein. Meine Garmin hätte in diesem Fall entweder nix erkannt oder gejammert, ich solle meinen Arsch hochkriegen.
Ebenfalls hilft mir die Watch, mich im Gym auf meine Session zu konzentrieren: Ich starte das Workout einfach über die App und sehe so minimalistisch, wie lange und intensiv ich gerade trainiere. Mehr brauche ich nicht. Nach Beendigung bekomme ich detaillierte Infos über meinen Fitnesszustand und dergleichen. Verwirrend hier: Der Fitbit Air hat mir einmal aus einem Gym-Workout ein Lacrosse-Training gemacht. Solche Fehler sollten nicht sein, wenn ich die Sportart selbst gewählt habe.

Weil ich den Tracker kaum bemerke und er eine Woche durchhält, weiss ich nun, dass ich an einem Festival-Weekend sogar besser geschlafen habe als die Woche davor. Vielleicht dank der über 20’000 Schritte täglich und den vielen Tanzeinlagen vor der Bühne? Was auch immer es ist, ich finde es angenehm, alle Infos zu bekommen, ohne aktiv an eine Aufzeichnung denken zu müssen – oder mich über eine unbequeme Uhr aufzuregen.
Der Health Coach: personalisierte Motivation
Die bereits vorgestellten Gesundheitsfunktionen wie Herzfrequenz, Schlaf-Tracking und Kalorienmessung nutzt du über die Google-Health-App kostenfrei. Möchtest du den Health Coach in Anspruch nehmen, musst du ein Abo freischalten – drei Monate sind beim Kauf des Trackers inkludiert, danach bezahlst du 100 Franken oder Euro im Jahr.
Der Health Coach ist ein KI-Gesundheitscoach, der dir individuelle Trainingspläne und Tipps bereitstellt. Mit ihm kannst du dich in natürlicher Sprache über Ergebnisse und künftige Ziele austauschen. Über den Health Coach bekommst du zudem zwei- bis dreimal täglich eine kurze Übersicht zum aktuellen Befinden und den Trackings als Push-Benachrichtigung. Er inkludiert dabei auch Wetterdaten, Schlaf und vergangene Workouts.

So bekomme ich beispielsweise am Morgen eine kurze Begrüssung, und den Vorschlag, bei diesem schönen Wetter in St. Gallen doch mein Training nach draussen zu verlegen. Da ich über den Chat zu Beginn gesagt habe, welche Sportarten ich gerne mag, inkludiert der Health Coach auch das: Heute sei eine gute Möglichkeit für eine Seilspring-Session – und genug Wasser soll ich trinken, schliesslich werde es heute ziemlich heiss.
Der Coach fragt auch, wie ich mich fühle und was meine Tagesziele sind. Ich antworte per Text oder Sprachaufnahme, wenn ich möchte. Die Tipps und Ideen sind gut, auch wenn sie sich oft wiederholen. Manchmal stimmen aber das Wetter oder die Masseinheit für die Temperatur nicht. Oder die App ist zu spät, einen Ortswechsel zu inkludieren, oder textet plötzlich in so etwas wie Schweizerdeutsch.

Top finde ich, dass ich Fehler über den Chat mitteilen kann, damit der Coach sie in den Daten ändert. Als ich meine Wanderung vergesse zu tracken und nicht warten will, bis sie abends automatisch nachgetragen wird, melde ich es der KI über die App. Ich frage sie gleich zusätzlich nach einer Auflistung von Pausen, Kilometern und Schrittzahlen der einzelnen Etappen. So habe ich gleich alles schriftlich, was ich wissen will.

Fazit
Bequem und ohne Ablenkung
Der Google Fitbit Air ist ein bequemer und schicker Tracker. Damit kann ich endlich Schlafdaten festhalten und lasse mich während eines Workouts nicht vom Display ablenken. In der App sehe ich trotzdem übersichtlich all meine vergangenen Sportsessions, Schlafdaten und Gesundheitswerte.
Der Health Coach kostet leider 100 Franken im Jahr, bietet aber unzählige Möglichkeiten dank Kommunikation in natürlicher Sprache. Er bindet Gesundheitsdaten, Ortsangaben und das Wetter in seine Tipps ein. Allerdings macht der KI-Coach auch Fehler und bei Workouts wird nicht immer die richtige Sportart erkannt. All das lässt sich immerhin schnell korrigieren – sogar per Sprachnachricht.
Bist du auf der Suche nach einem bequemen und günstigen Tracker, der deinen aktiven Alltag festhält oder dich zu einem solchen motivieren soll, könnte der Fitbit Air eine gute Wahl sein. Der zusätzliche, kostenpflichtige Health-Coach ist nicht zwingend notwendig, aber ein hilfreicher Zusatz. Die Akkulaufzeit von sieben Tagen geht dabei in Ordnung, ist aber nicht überragend für einen Tracker ohne Display.
Pro
- hoher Tragekomfort
- ohne Display – ohne Ablenkung
- unkomplizierte Fehlerkorrektur dank Sprachmemo
- personalisierte Tipps und Workouts mit dem KI-Coach (kostenpflichtig)
- automatische Workouterkennung
Contra
- Akkulaufzeit von sieben Tagen nur solide für ein Gerät ohne Display
- KI-Coach macht Fehler und ist kostenpflichtig
- Workouterkennung teils fehlerhaft (ordnet manuell gewählte Workouts falsch zu)

Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
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