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Netflix kauft Warner Bros.: Der grösste Streaming-Umbruch aller Zeiten beginnt
von Luca Fontana

Der Netflix-Deal steht – noch. Doch Paramount erhöht erneut den Druck, bietet mehr Geld und zwingt Warner, sich nochmals mit dem Rivalen zu befassen. Der Bieterkrieg um Hollywoods Zukunft geht weiter, und der Preis steigt.
Wer schluckt wen – und wie hoch steigt der Preis noch? Im Bieterkrieg um Warner Bros. Discovery lehnt der Verwaltungsrat das jüngste Paramount-Angebot zwar ab, räumt dem Rivalen aber eine letzte Frist ein. Das berichten unter anderem Bloomberg, Deadline und Reuters.
Das ist neu. Und brisant.
Im Januar schien die Sache entschieden. Netflix und Warner Bros. Discovery hatten sich auf einen historischen Deal geeinigt: Netflix wollte 27,75 Dollar pro Warner-Aktie zahlen, und das vollständig in bar. Netflix würde dafür das Studio- und Streaminggeschäft, von Warner Bros. erhalten, also auch HBO und die dazugehörigen Plattformen. Das klassische, lineare TV-Geschäft mit Sendern wie CNN oder Eurosport hingegen sollte abgespalten werden.
Das Gesamtvolumen des Deals: rund 82,7 Milliarden Dollar. Mit «Gesamtvolumen» ist nicht nur der reine Kaufpreis gemeint, sondern alles, was dazugehört – also auch übernommene Schulden. Kurz gesagt: Das ist die Summe, die Netflix am Ende auf den Tisch legen muss.
Und das ist enorm. Künftig wird der Konzern deutlich weniger finanziellen Spielraum für Fehler haben. Darum sprechen viele von Netflix’ «All-in».
Parallel dazu versuchte Paramount, den Deal zu torpedieren. Zuerst mit einem feindlichen 108,4-Milliarden-Dollar-Angebot für das gesamte Unternehmen. Dann mit mehreren verbesserten Angeboten. Acht Stück insgesamt – alle vom Warner-Verwaltungsrat abgelehnt.
Als das nicht reichte, zog Paramount vor Gericht und verlangte Einblick in Details des Netflix-Vertrags. Der Vorwurf: Warner habe nie überzeugend erklärt, warum Netflix objektiv die bessere Option sei.
Jetzt legt Paramount das neunte Angebot vor: 30 Dollar pro Aktie in bar – informell soll sogar von 31 Dollar die Rede sein. Also mehr Geld pro Anteilsschein als Netflix aktuell bietet. Dazu kommt eine sogenannte «Ticking Fee». Das ist im Grunde eine Verzugsprämie: Sollte sich der Abschluss über den 31. Dezember 2026 hinaus verzögern, würde Paramount pro Aktie und pro Quartal zusätzlich 0,25 Dollar zahlen. Hochgerechnet entspricht das rund 650 Millionen Dollar pro Quartal.
Und noch wichtiger: Paramount würde die 2,8 Milliarden Dollar Kündigungsgebühr übernehmen, die Warner Bros. Discovery an Netflix zahlen müsste, falls der Deal mit dem Streaming-Giganten platzt. Offiziell hat Warner dieses Angebot zwar zurückgewiesen. Gleichzeitig gewährt der Verwaltungsrat aber eine Frist von sieben Tagen, damit Paramount sein «bestes und finales» Angebot vorlegen kann. Ein klares Signal: Die Tür ist nicht ganz zu.
Das ist die eigentliche News.
Der Netflix-Deal bleibt laut Vorstand die bevorzugte Option. Doch indem Warner Paramount eine letzte Runde einräumt, verschiebt sich der Fokus: Weg von der Frage, ob der Deal kippt, hin zur Frage, wie hoch der Preis noch steigt. Denn Netflix hat vertraglich das Recht, ein besseres Angebot zu gleichen Bedingungen zu unterbreiten. Aber der Streaming-Riese steht nun unter Zugzwang.
Weil es sich juristisch und gegenüber seinen Aktionären nicht leisten kann, ein höheres Angebot nicht zu prüfen – selbst wenn man am Ende bei Netflix bleiben will. Als Paramount im Dezember mit 108,4 Milliarden Dollar feindlich anklopfte, konnte Warner Bros. das Angebot noch als riskant und unterlegen abtun. Der Deal mit Netflix stand, der Verwaltungsrat wirkte entschlossen, die Fronten waren klar.
Heute ist die Lage komplexer.
Und schliesslich: Der Ton hat sich geändert. Was früher ein feindlicher Überfall, der den Verwaltungsrat sofort in die Defensive drängte, kommt jetzt als finanziell durchkalkuliertes Gesamtpaket daher. Zuhören heisst ja nicht gleich zustimmen.
Weil es nicht nur um ein Studio geht. Es geht um die Machtverhältnisse im Streaming-Zeitalter – und um politische Sprengkraft.
Ein Zusammenschluss von Warner Bros. Discovery und Netflix würde den Markt radikal verdichten. Netflix-Originale, HBO, Warner Bros., das DC-Universum, «Harry Potter» – all das unter einem Dach. Der ohnehin grösste Streaming-Dienst der Welt würde zur unangefochtenen Content-Supermacht. Für Regulierungsbehörden wäre das ein Albtraum: Es gäbe noch weniger Wettbewerb, mehr Preissetzungsmacht und noch grössere Abhängigkeit von einer einzigen Plattform.
Ein Zusammenschluss mit Paramount sähe auf den ersten Blick weniger nach Tech-Dominanz aus, sondern nach zwei klassischen Studios, die sich unter einem neuen Dach vereinen. Mehr «Old Hollywood» halt. Doch genau hier beginnt die politische Brisanz.
Denn zu Warner gehört auch CNN – einer der letzten grossen US-Nachrichtensender, der sich offen kritisch gegenüber Donald Trump positioniert hat. Hinter Paramount wiederum steht die Ellison-Familie, und Larry Ellison gilt als enger Vertrauter Trumps. Sollte Paramount gewinnen, würde CNN indirekt in ein Machtgefüge geraten, das politisch klar verortet ist. In Washington sorgt dieses Szenario längst für Nervosität.
Was also wie ein klassischer Bieterwettkampf wirkt, ist in Wahrheit ein Machtkampf mit medienpolitischer Dimension. Denn wer Warner bekommt, bekommt nicht nur Blockbuster und Streaming-Abos, sondern Einfluss.
Paramount hat den Spiess geschickt umgedreht. Statt sich mit Absagen zufriedenzugeben, erhöht man Schritt für Schritt den Druck – finanziell wie strategisch. Aber dem Studio läuft die Zeit davon: am 20. März werden Warners Aktionärinnen über den Deal abstimmen. Auch darum ist das aktuelle Angebot nicht nur höher, es adressiert genau die Schwachstellen des Netflix-Deals: Risiko, Wartezeit und Unsicherheit.
Ob Warner am Ende wirklich umschwenkt, ist offen. Aber allein die Gesprächsbereitschaft zeigt, dass der Netflix-Deal nicht so sehr in Stein gemeisselt ist, wie man uns glauben lassen wollte. Der Krieg um die Zukunft Hollywoods ist damit wieder offen – und er könnte noch teurer werden.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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