Diese Maus macht dem Great Barrier Reef Konkurrenz: Roccat Kone XP im Review

Diese Maus macht dem Great Barrier Reef Konkurrenz: Roccat Kone XP im Review

Kevin Hofer
Kevin Hofer
Zürich, am 08.04.2022

Was haben das Great Barrier Reef, Hurricanes, die Pyramiden von Gizeh und die Roccat Kone XP gemeinsam? Genau, sie alle siehst du vom Weltall aus. Bei der Kone XP liegt’s nicht an der Grösse, sondern an der Beleuchtung der Gaming-Maus.

Grell, greller, Kone XP. Die RGB-Beleuchtung der Gaming-Maus aus dem Hause Roccat ist ihr herausstechendes Merkmal. Sonst ist der Nager mit 15 Tasten eine solide Gaming-Maus, für alle, die es etwas grösser und schwerer mögen – und auf blinkende Lichter stehen.

Die Kone XP in all ihrer Pracht.
Die Kone XP in all ihrer Pracht.

Schwer, schwerer, RGB

Die Kone XP ist die leuchtende Schwester der Kone Pro und Kone Pro Air. Sie erinnert von der Form etwas an die mittlerweile legendäre Logitech G502 – und so liegt sie auch in der Hand. Im Vergleich zu ultraleichten Nagern ist sie grösser, weshalb sie meine durchschnittlich grosse Männerhand ausfüllt. Sie liegt angenehm in der Hand. Weil sie eher gross ist, ist sie für den Palm und Claw Grip geeignet. Für den Fingertip Grip finde ich sie jedoch ungeeignet. Hier zur Erklärung der Grifftypen ein Bild:

Alle drei Grifftypen auf einen Blick – an einer anderen Maus.
Alle drei Grifftypen auf einen Blick – an einer anderen Maus.

Die Kone XP ist schwer. Ich verwende in der Regel die Logitech G Pro X Superlight, die nur 63 Gramm wiegt. Die Kone XP ist mit 104 Gramm dagegen ein Schwergewicht. Persönlich mag ich zum Gamen lieber leichte Mäuse.

Wie immer teste ich die Verarbeitung, indem ich die Kone XP ordentlich durchschüttle. Es ertönt: nichts. An der Maus scheint alles Bombenfest montiert zu sein. Anschliessend drücke ich mit Fingern und Daumen auf dem Gehäuse herum. So kann ich eruieren, ob die Maus durch Druck versehentlich auslöst. Auch hier: Alles sitzt und nichts löst versehentlich aus.

Das Gehäuse der Maus ist meines Wissens aus ABS-Kunststoff. Der transparente Teil des Gehäuses ist glatt, dennoch verrutsche ich beim Gamen oder Arbeiten nicht mit den Fingern. Auf den Seiten hat es kleine Rillen, die für zusätzlichen Grip sorgen. ABS und Schwarz sind meist keine gute Kombination, da sie Fingerabdrücke magisch anziehen – jedoch nicht bei der Kone XP. Nach zwei Wochen täglichem Gebrauch sind keine Abdrücke auf meinem Testsample zu sehen.

Die Rillen auf der Seite sorgen für Grip.
Die Rillen auf der Seite sorgen für Grip.

Leuchtende Einstellungsmöglichkeiten

Für die Lichtershow der Kone XP sind 22 LEDs verantwortlich. Die ziehen sich über mehrere Beleuchtungszonen und lassen die Maus in allen Farben des Regenbogens schimmern. RGB-Fans kommen voll auf ihre Kosten. Was jedoch bei der ganzen Lichter-Show untergeht: Ist die Beleuchtung aus, wirkt das transparente Oberteil der Kone XP billig.

Bei all dem RGB musst du aufpassen, dass Piloten dein Zuhause nicht mit dem nächstgelegenen Flughafen verwechseln.
Bei all dem RGB musst du aufpassen, dass Piloten dein Zuhause nicht mit dem nächstgelegenen Flughafen verwechseln.

Die Beleuchtung steuerst du in der Software «Roccat Swarm». Hier kannst du auch 13 der 15 physischen Tasten umbelegen. Ausser der linken und rechten Maustaste, kannst du jeder Taste eine Funktion zuweisen. Mit Easy-Shift kannst du sie zudem mit Zweitfunktionen belegen. Dazu drückst du die Taste, der du Easy-Shift zugewiesen hast, gleichzeitig mit einer anderen. Damit stehen theoritsch bis zu 29 Eingabebefehle auf der Maus zur Verfügung.

Weiter lassen sich Polling-Rate, CPI und viele weitere Einstellungen vornehmen. Die Software lässt keine Wünsche offen. Bis zu fünf Profile kannst du zudem auf dem integrierten Speicher der Maus ablegen.

Weiter ist die Kone XP offiziell mit Nvidia Reflex kompatibel. Nvidia Reflex reduziert die System-Latenz und soll so Eingaben noch schneller machen.

Exzellente Haupttasten, schlechte Seitentasten

Bei den Haupttasten verbaut Roccat den hauseigenen optischen Titan Switch. Der ist für 100 Millionen Auslösungen ausgelegt. Der Vorteil von optischen Switches im Vergleich zu mechanischen ist, dass sie keinen sogenannten Debounce Delay haben. Das sind jene Millisekunden, die ein mechanischer Switch braucht, um in die Ausgangsposition zurückzuspringen, um wieder auslösen zu können. Optische Switches sind ohne Verzögerung dazu in der Lage.

Die Haupttasten sind sehr gut verarbeitet und drücken sich gut.
Die Haupttasten sind sehr gut verarbeitet und drücken sich gut.

Die Haupttasten fühlen sich sehr gut an und machen ein eher tieffrequentes Klickgeräusch beim Auslösen. Je weiter hinten ich auf die Tasten drücke, desto mehr Kraftaufwand ist nötig.

Die Daumentaste ist absolut genial platziert.
Die Daumentaste ist absolut genial platziert.

Ebenfalls sehr gut ist die Daumentaste. Ihre Position ist schlicht genial. Ich muss meinen Daumen nur leicht nach unten drehen und ich löse sie aus. Versehentlich ausgelöst habe ich sie in der Testzeit nie. Auch die unteren der vier Seitentasten drücken sich sehr gut. Schade ist jedoch, dass standardmässig nicht vor und zurück auf diese gelegt ist. Die liegen auf den oberen der vier Seitentasten.

Die oberen Seitentasten fühlen sich schwammig an und sind schwer zu erreichen.
Die oberen Seitentasten fühlen sich schwammig an und sind schwer zu erreichen.

Damit komme ich zu den weniger guten Tasten. Die oberen vier Seitentasten fühlen sich beim Drücken schwammig an. Sie sind zudem schwerer zugänglich als die unteren zwei. Das Mausrad fühlt sich beim nach unten, links und rechts Drücken zwar sehr gut an, aber das Scrollen ist schwammig. Es rastet nicht so exakt ein, wie ich mir das wünsche.

Das Mausrad lässt sich auch gegen links und rechts klicken.
Das Mausrad lässt sich auch gegen links und rechts klicken.

Was sich Roccat bei der Platzierung der DPI-Umschalter gedacht hat, ist mir schleierhaft. Die sind vorne links neben der Haupttaste. In der Hitze des Gefechts betätige ich diese Taste immer wieder versehentlich. Das nervt.

Die DPI-Schalter sind viel zu nahe an den Hauptschaltern.
Die DPI-Schalter sind viel zu nahe an den Hauptschaltern.

Alle Tasten können mit der Software «Roccat Swarm» umbelegt werden. Dazu später mehr.

Flext und rutscht

Die Kone XP wird über das sogenannte 1,8 Meter lange Phantomflex-Kabel mit dem PC verbunden. Es ist sehr flexibel und gehört zu den besten Stock-Kabeln, die ich bis jetzt getestet habe. Für wirklich guten Gaming-Komfort würde ich dennoch auf Maus Bungee setzen. Erst so wird das Kabel tatsächlich nicht mehr spürbar.

Die Roccat verfügt über vier Gleiter aus Teflon: einen grossen hinten, einen seitlichen, einen um den Sensor herum und schliesslich einen vorne. Die lassen die Kone XP gleiten wie auf Eis. Im Vergleich zur viel leichteren Logitech G Pro X Superlight habe ich das Gefühl, weniger Widerstand zu spüren.

Gleich vier Gleitfüsse packt Roccat unter die Kone XP.
Gleich vier Gleitfüsse packt Roccat unter die Kone XP.

Guter Sensor

Die Maus passt perfekt in meine rechte Hand. Falls es auf den Bildern noch nicht klar wurde: Die Kone XP ist eine reine Rechtshänder-Maus. Trotz des relativ hohen Gewichts spiele ich gerne mit ihr. Noch lieber verwende ich sie jedoch im Homeoffice. Dort stört mich das Extragewicht nicht – im Gegenteil: Da es nicht schnell gehen muss, habe ich das Gefühl präziser zu sein als mit leichteren Mäusen. Allgemein habe ich den Eindruck, dass der Sensor der Kone XP sehr zuverlässig reagiert. Aber das geht mir mit (beinahe) allen neueren Gaming-Mäusen so. Deshalb vermesse ich den Sensor jeweils.

In der Kone XP ist der hauseigene Owl-Eye-Sensor verbaut. Der verfügt über 19 000 Counts per Inch (CPI). Die CPI geben an, wie viele Pixel sich der Cursor bei einer Mausbewegung von einem Inch bewegt. Der Sensor basiert auf dem PixArt PAW-3370, der in vielen Gaming-Mäusen verbaut ist.

Wie exakt der Sensor tatsächlich ist, teste ich mit MouseTester v1.5. Das Programm hilft mir dabei, die ganz kleinen Unterschiede bei der Präzision zu bestimmen.

CPI-Präzision

Um die Präzision zu messen, mache ich den entsprechenden Test in MouseTester v1.5 dreimal und berechne einen Mittelwert. Dazu bewege ich die Maus zehn Zentimeter entlang eines Lineals und das Programm zeichnet die CPI auf. Je näher die aufgezeichneten CPI an den eingestellten CPI sind, desto besser.

CPIProzentuale AbweichungGemessene CPI
400+8432
800+5840
1600+51678
3200+3,53314

Der verbaute Sensor enttäuscht mich bei der CPI-Präzision etwas. In der Regel erachte ich alles unter fünf Prozent als sehr gut. In einem Fall ist er darüber und zweimal ein Grenzfall. Im Vergleich zur Kone Pro, die ich auch getestet habe, ist das ein schwaches Ergebnis. Dort beträgt die maximale Abweichung 3,5 Prozent. Erstaunlich, da die Kone Pro denselben Sensor verbaut hat. Entweder habe ich ein schwaches Sample erwischt oder der Sensor arbeitet in der Kone XP nicht so präzise wie in der Pro.

Polling Rate Consistency

Die Polling-Rate gibt an, in welchem Abstand die Maus Informationen an den PC sendet. Je häufiger, desto schneller können Tastendrücke und Bewegungen verarbeitet werden. Bei einer Polling-Rate von 1000 Hz beträgt die Aktualisierungszeit eine Millisekunde. Oder andersrum: Die Maus schickt tausendmal pro Sekunde Informationen an den PC. Die Punkte auf folgender Grafik zeigen dir, wie lange es jeweils dauert, bis das Signal aktualisiert wird. Je näher an der eingestellten Polling-Rate, desto besser.

Polling Rate Consistency Kone XP

Die Polling-Rate ist konsistent. In einzelnen Fällen dauert es zwei Millisekunden, bis das Signal aktualisiert wird. Meistens liegen die Werte aber bei einer Millisekunde. Die Ergebnisse entsprechen der heutigen Norm von Gaming-Mäusen.

Tracking Speed

Die Maus muss schnelle Bewegungen korrekt wiedergeben. Beim Test bewege ich die Maus schnell bei verschiedenen CPI-Einstellungen. MouseTester registriert diese Bewegungen und spielt ein Diagramm aus. Die Punkte auf dem Diagramm sind die registrierten Zeichen. Je näher die Punkte an der Linie sind, desto genauer registriert die Maus meine Bewegungen. Diese sollten möglichst nahe an der Kurve sein. Bewegungen auf der y-Achse sind rot, solche auf der x-Achse blau.

Tracking Speed Kone XP

Die Abweichungen sind gering. Sie liegen in einem Bereich von maximal 0,5 Metern pro Sekunde. Das sind gute Werte – vergleichbar mit den meisten heutigen Gaming-Mäusen.

Acceleration

Bewege ich die Maus schnell in eine Richtung und dann auf selbem Wege langsam wieder an ihren Ursprungsort, sollten dieselben CPI vom Sensor registriert werden. Um das zu testen, bewege ich die Maus schnell diagonal von einem Punkt A oben rechts zu einem Punkt B unten links und ziehe sie dann langsam den exakt gleichen Weg zurück an den Ursprungspunkt A. MouseTester registriert dabei die Bewegung. Im Idealfall liegen alle registrierten Zeichen auf einer Linie.

Acceleration Kone XP

Diese Aufgabe löst die Kone XP nicht so souverän wie die beiden vorangegangenen. Die Linien sind nicht ganz deckungsgleich. Beim Zurückziehen liegen die Punkte bis in die Mitte mehr oder weniger auf einer Linie. Danach teilen sie sich leicht. Die Abweichung ist aber sehr gering, weshalb du das im Spiel wohl nicht merken wirst.

Jitter

Wenn du die Maus auf einer geraden Linie bewegst, sollte sie die Bewegung registrieren und nicht ausscheren. Ich bewege die Kone Pro und Air möglichst gerade diagonal und zeichne mit MouseTester die Bewegung auf. Die aufgezeichnete Bewegung sollte diagonal wie meine Bewegung verlaufen.

Jitter Kone XP

Auch hier arbeitet der Sensor exakt. Bei Schwankungen/Jitter würde ein Stufenmodell aufgezeichnet. Es sind keine Ungenauigkeiten zu erkennen. Jitter kommt heute kaum mehr vor. Trotzdem führe ich den Test durch, man weiss ja nie.

Fazit: Solide Gaming-Maus, die dir den Weg leuchtet

Ich mag die Kone XP, auch wenn ich kein Fan von RGB bin. Das liegt daran, dass mir bereits die Kone Pro und Pro Air zugesagt haben, welche die gleiche Form haben. Aufgrund der Lichtershow ist die Kone XP jedoch einiges schwerer: Mit über 100 Gramm würde ich sie nur bedingt für FPS-Games wie «CS:GO» empfehlen. Trotz ihres Gewichts liegt sie angenehm in der Hand und ist mit Ausnahme weniger Tasten gut verarbeitet. Ihr Sensor ist präzise und sie bietet viele Konfigurationsmöglichkeiten.

Aufgrund der vielen Tasten eignet sich die Kone Pro für Massively Multiplayer Online Games (MMO) und andere Spiele, bei denen viele Tasten von Vorteil sind. Selbstverständlich gilt dasselbe auch für andere Programme, bei denen frei belegbare Maustasten hilfreich sind.

Mit beinahe 100 Franken / Euro liegt die Kone XP eher im oberen Preissegment vergleichbarer Mäuse. Für weniger Geld bekommst du Mäuse mit ähnlichen Features – aber weniger RGB – etwa die Logitech G502 oder die Kone Pro. Falls du deine Maus auf einem künftigen Space-Trip aus der Ferne betrachten willst, kann ich dir die Kone XP als solide Gaming-Maus empfehlen.

Kone XP (Kabelgebunden)
82,19
Roccat Kone XP (Kabelgebunden)
17
Kone XP (Kabelgebunden)
87,99
Roccat Kone XP (Kabelgebunden)
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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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