
Hintergrund
Dolby stellt «Dolby Vision 2» vor – das steckt dahinter
von Luca Fontana

Dolby Vision weg, HDR10+ weg – und nun auch HDR10. Bei Disney+ fehlt in Europa derzeit jedes HDR-Format. Kommuniziert wurde das nicht. Der Premium-Preis bleibt trotzdem.
Bei Disney+ sind in Europa innerhalb weniger Wochen zuerst Dolby Vision, HDR10+ und 3D weggefallen, angeblich wegen «technischer Herausforderungen». Jetzt fehlt auch das statische HDR10.
Damit kommt selbst im teuren Premium-Abo aktuell kein HDR mehr an. Auch nicht in der Schweiz. Das berichten zahlreiche Tech-Portale aus ganz Europa, unter anderem auch 4KFilme aus Deutschland. Diese Berichte kann ich bestätigen: Weder bei meinem LG G5 noch bei meinem LG C1 wird bei Titeln wie «Avatar 2», «Guardians of the Galaxy Vol. 2» oder «Paradise» das HDR-Logo aktiviert.
Fast noch schwerer wiegt die Kommunikation – oder besser: das Fehlen derselben. Eine proaktive Information an die Kundschaft erfolgte bislang nicht. Stattdessen werden Support-Seiten wie diese hier stillschweigend angepasst. Für einen Dienst in dieser Preisklasse ist das … bemerkenswert.
Fakt ist: Alle Inhalte sind nur noch in SDR verfügbar. Im Vergleich mit HDR verlieren Spitzlichter an Wucht, dunkle Szenen an Tiefe und Kontraste an Dynamik. Zudem scheint es in SDR mit 4K-Auflösung vermehrt zu Kompressionsartefakte und Banding zu kommen – auch bei Titeln, die zuvor sauber wirkten. Ob das bedeutet, dass auch an der Bitrate geschraubt wurde, lässt sich ohne Messwerte nicht belegen. Dass die Bildqualität ohne HDR schlechter ist, hingegen schon.
In der Summe wiegen die Verschlechterungen schwer. Eine gute SDR-Qualität ist das Mindeste bei einem Premium-Abo für aktuell 23.40 Franken pro Monat. Und HDR ist kein nettes Extra, sondern ebenfalls ein zentrales Verkaufsargument: Wer mehrere tausend Franken in ein modernes Heimkino investiert, tut das nicht, um am Ende wieder SDR zu schauen. Wenn ein Dienst mit «4K UHD und HDR» wirbt, diese Leistung aber faktisch nicht mehr erbringt, ist das keine Nuance..

Juristisch bewegt sich Disney damit in einem sensiblen Bereich. Wird HDR im gebuchten Tarif explizit als Feature aufgeführt, liegt eine Leistungsänderung vor. Immerhin: Laut Berichten von 4KFilme wurden ausserordentliche Kündigungen über den Kundenservice offenbar akzeptiert. Streaminganbieter sichern sich in ihren AGB zwar mit Anpassungsklauseln ab. Doch wenn ein beworbenes Kernmerkmal entfällt und der Preis unverändert bleibt, wird die Argumentation dünn.
Tatsächlich brodelt das HDR-Problem bei Disney schon seit längerem. Ende Januar verschwand Dolby Vision in Deutschland und wenig später auch in der Schweiz. Heise brachte das mit einem Patentstreit zwischen Disney und InterDigital in Verbindung, einem US-Unternehmen, das tausende Patente im Bereich Mobilfunk- und Videotechnologien hält und lizenziert. Wohl deshalb gebe es aktuell kein Dolby Vision und HDR10+ auf der Streaming-Plattform.
Bestätigt hat Disney diesen Zusammenhang allerdings nie. Gegenüber FlatpanelsHD sprach man vage von «technischen Herausforderungen» und versicherte, 4K UHD und HDR10 – das statische HDR – seien weiterhin verfügbar. Es ist bis heute die einzige offizielle Stellungnahme zur HDR-Problematik. Sie wurde nicht mal als Kundenbrief veröffentlicht und wirkt heute ohnehin hinfällig.

Ob am Ende tatsächlich der Patentstreit mit InterDigital dahintersteckt oder ob weitere technische und lizenzrechtliche Faktoren eine Rolle spielen, bleibt offen. In Disneys Kommunikations-Vakuum – meine Anfragen blieben bisher ebenfalls unbeantwortet – wird weder etwas bestätigt oder dementiert, geschweige denn erklärt. Vom Premium-Versprechen bleibt aktuell nur wenig übrig.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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