
Endgegner fremde Apple-ID: Wie ich die Aktivierungssperre besiegte
Bei den meisten Krimis geht es um Mord und Totschlag. Dieser hingegen dreht sich um ein iPhone 16 Pro, das partout nicht gewillt ist, sich von seiner Apple-ID zu trennen.
Vor mir liegt ein nahezu unbenutztes, 1300 Euro teures iPhone 16 Pro. Es hat keinen Kratzer, funktioniert einwandfrei und gehört Galaxus. Das Smartphone hat nur zwei Problemchen: Es ist mit der Apple-ID eines ehemaligen Mitarbeiters verknüpft und die «Wo ist»-Sicherheitsfunktion ist aktiv.
Das ist blöd, weil ich das Gerät in diesem Zustand nicht resetten und an neue Kolleginnen weitergeben kann. Nicht nur, dass die zur Apple-ID gehörende E-Mail-Adresse nicht mehr existiert, auch das Passwort ist bei allen Beteiligten verschollen. Wie sollte es auch anders sein?

Deshalb begebe ich mich auf die Suche nach einem Weg, die Aktivierungssperre loszuwerden. Das kann doch nicht so kompliziert sein, oder? ODER?!
Kapitel 1: viele Ideen, keine Lösung
Zuerst bemühe ich die Schwarmintelligenz und google: «iPhone Aktivierungssperre entfernen», «Apple-ID löschen ohne Passwort». Das Internet ist schließlich voller Menschen, die wissen, wie ich mein Problem lösen kann, richtig? Die Ernüchterung folgt schnell. Die meisten Tipps grenzen an Kriminalität oder Hexerei («Ersetze die DNS deiner Internetverbindung, drücke die Laut-Leise-Tasten drölfzigmal hintereinander und mache einen Salto.»), sodass ich sie nicht ausprobieren will.
Ein Kollege bringt mich auf die Idee, doch mal beim Apple-Reseller seines Vertrauens nachzufragen. Dort wisse man sicherlich, was zu tun ist – ganz ohne zwielichtige Ideen. Außerdem ist der Laden gleich um die Ecke vom Hamburger Büro. Jacke und bockiges Smartphone geschnappt, ziehe ich guter Dinge los.
Kapitel 2: die heiße Spur aus dem Computerladen
Und tatsächlich gibt es dort den ersten konkreten Hinweis: Apple bietet ein spezielles Verfahren für genau mein Problem an. Halleluja! Auf der Support-Webseite «Aktivierungssperre entfernen» lädst du die IMEI des Geräts sowie einen Kaufnachweis hoch. Zusätzlich musst du kurz schildern, warum die Aktivierungssperre entfernt werden soll. Dann dauert es laut Apple ein paar Tage und die Sache sei erledigt. Du musst dafür nicht mal in den Apple Store gehen.
Bevor es zu Missverständnissen kommt: Apples hohe Sicherheitsstandards sind sinnvoll. Die Apple-ID anderer Leute sollte sich nicht so easy von einem Gerät löschen lassen. Deine Daten sollen geschützt bleiben, sollte dein iPhone verloren gehen oder geklaut werden. Aber hier liegt ein spezieller Fall vor.
Jedenfalls freue ich mich, dass das Problem kleiner als befürchtet, und die Lösung greifbar ist. Was war ich doch naiv.
Kapitel 3: drei Anträge und viel Warterei
Noch weiß ich allerdings nichts von dem Drama, das mich ereilen wird. Ich reiche den Antrag bei Apple ein, lege die Rechnung bei, erkläre die Situation. Kalifornien prüft drei Tage lang vor sich hin. Und lehnt ab. Begründung: Die Angaben auf dem Kaufbeleg stimmen nicht mit den bei Apple hinterlegten Informationen überein. Was das genau heißt, verrät der (faule) Apfel natürlich nicht.
Neuer Anlauf. Dieses Mal schicke ich Screenshots vom Telefon mit, auf denen die IMEI und die IMEI 2 zu erkennen sind. Meine Vermutung ist, dass der Hersteller die Rechnung nicht eindeutig dem Telefon zuordnen kann. Apple lehnt wieder ab. Massives Stirnrunzeln meinerseits: Was wollen die denn noch?

Beim Mittagessen schildere ich meinen Frust. Eine Kollegin, die früher bei einem IT-Unternehmen gearbeitet hat, rät mir, es einfach weiter zu versuchen. Vielleicht würde ich im dritten Anlauf einen gnädigen Mitarbeitenden erwischen, der mir das Gerät doch noch freigibt. Weil … am Ende sitzen bei Apple ja auch nur Menschen und der Homo sapiens reagiert je nach Tagesform nun mal unterschiedlich. Inzwischen bin ich ziemlich skeptisch, doch ich lasse es drauf ankommen. Ein letztes Mal.
Et voilà. Warum auch immer, schickt Apple mir nach kurzer Wartezeit endlich die erlösende Mail. «Ihre Anfrage zum Entfernen der Aktivierungssperre wurde genehmigt. Dieses Gerät kann jetzt mit einem neuen Apple-Account eingerichtet werden.» Voller Vorfreude schalte ich das iPhone ein – und hänge wieder beim Passwort des Ex-Kollegen fest.
W. T. F.
Dreimal habe ich also das offizielle Aktivierungssperre-Freigabe-Prozedere durchlaufen, nach acht Tagen ein Go bekommen – und es funktioniert immer noch nicht?! Langsam fühle ich mich, sorry für das platte Wortspiel, veräppelt.
Kapitel 4: das rettende Telefonat
Frustriert und angepisst greife ich zum letzten Mittel: dem Telefonhörer. Ja, richtig gelesen: Anruf bei der Apple-Hotline. Klingt oldschool, ist aber die Rettung. Denn nachdem sich der Herr am anderen Ende der Leitung mein Gemotze angehört hat, erklärt er mir in aller Seelenruhe, was Sache ist. Apple hat das Smartphone zwar serverseitig von der Apple-ID getrennt, auf dem Gerät muss die Verbindung aber noch entfernt werden. Ja, warum sagt mir das denn niemand früher??!
Gemeinsam mit der Bestätigungsmail hatte ich zwar einen Hinweis bekommen, dass ich das 16 Pro zurücksetzen könne, aber wie und warum das wichtig ist, ging daraus nicht hervor. Die Mail war so kryptisch, als hätte man sie aus dem Englischen zuerst ins Klingonische übersetzt und dann mit einer grottenschlechten KI ins Deutsche.
Der Hotline-Mann muss schmunzeln und schickt mir eine besser verständliche Anleitung. Damit ist klar, was final zu tun ist, um das iPhone 16 Pro aus den Fängen der alten ID zu befreien. Dafür muss das iPhone via USB-C an mein MacBook Neo gesteckt, per Tastenkombination in den Wiederherstellungsmodus gebracht und dann manuell zurückgesetzt werden.
Der Endgegner ist also zum Greifen nahe.
Kapitel 5: der Apple-Exorzismus
Der letzte Akt findet passenderweise während einer Halloweenparty im Büro statt. Natürlich klappt auch dieses Mal nicht alles im ersten Versuch. Das Gerät braucht zuerst ein Update auf das neueste iOS und mein Neo muss Software herunterladen. Doch ich trage eine lustige Fledermaus-Dekoration auf dem Kopf, was dem Ganzen ein wenig die Ernsthaftigkeit nimmt.
Gegen 20 Uhr ist es dann so weit: Dieser dumme, über 1000 Euro teure Briefbeschwerer zeigt den jungfräulichen Begrüßungsbildschirm, auf den ich so lange gewartet habe.
«Hallo.» «Hej.» «Bonjour.» «Ni hao.»
Ich starre das iPhone ungläubig an. Nach all dem Theater kommt mir die Auflösung fast unspektakulär vor. Kein Feuerwerk. Keine Fanfare. Nicht einmal ein kleines Konfetti-Emoji.

Aber was weiß das 16 Pro schon von seiner Tortur? Es ist schließlich auf Werkseinstellungen und hat sein Gedächtnis verloren. Zum Glück.
Hast du ähnlich absurde Erfahrungen mit der Aktivierungssperre gemacht? Erzähl es mir in den Kommentaren.
Als Kind wurde ich mit Mario Kart auf dem SNES sozialisiert, bevor es mich nach dem Abitur in den Journalismus verschlug. Als Teamleiterin bei Galaxus bin ich für News verantwortlich. Trekkie und Ingenieurin.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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