Feed the Nerd 3: 486er trifft auf Dumpfbacke
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Feed the Nerd 3: 486er trifft auf Dumpfbacke

Martin Jud
Martin Jud
Zürich, am 12.07.2018

Endlich; was einst ein Traum war, wird Wirklichkeit. Es fühlt sich gut an, mein neues 486er-Notebook von 1995. Doch stelle ich mich anfangs wie eine Dumpfbacke an. Ich schaffe es nicht, die Kiste beim ersten Versuch zu starten.

Es hat es tatsächlich heil durch den Zoll geschafft. Ganz ohne Zusatzgebühren und robust verpackt. Bereits beim Auspacken habe ich Pipi in der Hose. Weshalb ich es glatt versäume, Bilder vom historischen Moment zu machen.

Egal; hier nun mein neues Notebook aus dem Jahr 1995. Ob es läuft, weiss ich noch nicht. Doch das werde ich gleich herausfinden.

Das 486er-Notebook wiegt 2388 Gramm.
Das 486er-Notebook wiegt 2388 Gramm.

Falls du wissen möchtest, wie ich zu diesem Notebook gekommen bin, findest du hier die Vorgeschichte:

  • News & Trends

    Feed the Nerd 1: Zurück zu MS DOS 6.22

  • News & Trends

    Feed the Nerd 2: 100 Disketten für den Arsch

Es handelt sich um ein «Zenith Data System Z-STAR ES»:

  • Intel i486DX4 (75 MHz)
  • 8 MB RAM
  • 400 MB HDD
  • 3.5″ Floppy Drive
  • PCMCIA Slot
  • MS Dos 6.22 und Windows 3.1 (italienisch)

Das Notebook ist 27.7 cm breit, 21.6 cm tief, 5.2 cm dick und wiegt 2388 Gramm.

Willkommen zurück; COM, LPT und VGA

Echt aufregend, ich wähne mich auf Zeitreise. Beim letzten Start eines 486ers war ich weniger als halb so alt wie heute. Mit zarten 15 Jahren hatte ich endlich einen eigenen PC im Zimmer stehen. Davon träumte ich bereits seit der ersten Begegnung mit einem 286er. In den 80ern kaufte mein Papa einen 286er. Der erste «Familien-PC» hatte eine Festplatte mit 20 MB und ein 5.25″ Floppy Drive. Mein einige Jahre älterer Bruder hat mir dann fortan gezeigt, wie man an PCs schraubt, neue Laufwerke oder Karten einbaut und Games kopiert ...

Na gut, genug abgeschweift. Der innere Nerd und die Ungeduld scheinen in meiner Psyche gerade Blutsbrüderschaft zu schliessen. Lass uns einen Blick auf das Äussere werfen und dann endlich den ersten Start wagen.

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Auf der linken Seite befindet sich eine serielle Schnittstelle (COM1), an welche ich bald eine alte Maus hängen werde (ist bereits auf dem Weg zu mir). Ausserdem finden sich ein VGA-Anschluss, eine parallele Schnittstelle (LPT1) sowie ein PCMCIA-Steckplatz.

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Die rechte Seite bietet die Möglichkeit ein Kensington-Schloss anzubringen und ein 3.5″ Floppy Drive.

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Hinten ist der Netzanschluss (Netzteil ist im Laptop integriert), eine PS/2-Schnittstelle sowie ein grosses Batteriefach. Im Batteriebetrieb soll das gute Stück übrigens eine Stunde und 15 Minuten durchhalten.

Powerknopf, lass das Teil zum Leben erwecken

Jaja ... Ich bin nicht immer eine Leuchte und oft sehr verpeilt. Trotzdem habe ich viel Biss und komme immer an mein Ziel. Jedenfalls will ich den ersten Start des Notebooks für dich auf Video festhalten. Doch passiert nichts, zumindest nicht beim ersten Druck auf den Powerknopf. Erst im zweiten Anlauf läuft alles wie geschmiert. Aber schau am besten selbst.

Hurra, der 486er läuft, wie vom Verkäufer beschrieben! Die CMOS-Batterie ist durch, weshalb der Computer über einen kleinen BIOS-Umweg bootet. Natürlich werde ich versuchen, die Batterie auszutauschen. Im Weiteren ist die ESC-Taste etwas «eingedrückt», sie funktioniert dennoch tadellos.

Windows und DOS sind auf Italienisch, das finde ich nicht tragisch. Ich habe keinesfalls vor Italienisch zu büffeln. Allerdings werde ich ihn, wie für mich üblich, sowieso komplett neu aufsetzen. Zunächst muss ich ihn öffnen und die Batterie auf der Hauptplatine austauschen. Respektive den Batterientyp herausfinden, um dann irgendwo in den Weiten des Internets Ersatz zu besorgen.

Sesam öffne dich... oder auch nicht

Wie zum Geier öffne ich einen Laptop von 1995? Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Teil ohne Heissluftföhn öffnen lässt. Auf der Suche nach Schrauben fällt mir auf, dass sich das Diskettenlaufwerk innert Sekunden entfernen lässt. Nice!

Darunter befinden sich drei Schrauben, wie auch im Batteriefach. Ohne gross darüber nachzudenken, schraube ich los und entferne die sechs Schrauben, zerre am Gehäuse und merke, dass das nichts wird.

Auf Schraubensuche werde ich unter dem Floppy Drive fündig.
Auf Schraubensuche werde ich unter dem Floppy Drive fündig.

Sesam öffnet sich!

Tja ... Irgendwie bin ich nicht so vom Erfolg verwöhnt. Einmal über die ganze Geschichte schlafen bringt verdammt viel, wie ich am nächsten Morgen in der Redaktion feststelle.

Erst schraube ich auch im Büro nochmal wie ein Wilder drauflos. Schraubendrehen macht einfach Spass und ich möchte meinen Kollegen zeigen, was im Inneren des Notebooks schlummert. Ich habe erneut keinen Erfolg und auch meine Kollegen schauen mich ratlos an. Immerhin hilft mir Philipp Rüegg erfolgreich beim Suchen, als mir eine schwarze Schraube davonspickt und vom ebenso dunklen Teppich verschluckt wird.

Eine Kaffee-Pause später kommt mir endlich der richtige Einfall. Ich erinnere mich wieder, wie ich einst bei einem Lenovo-Notebook an die Innereien kam: Über die Tastatur!

Und genauso geht's auch bei diesem Notebook.

Was ist das eigentlich für ein Symbol mit dem Wasserhahn? oO
Was ist das eigentlich für ein Symbol mit dem Wasserhahn? oO

Hinter der F3-Taste befindet sich ein kleiner Noppen zum runterdrücken. Ein zweiter ist bei der F12-Taste angebracht. Drücke ich diese runter, ...

Endlich freie Sicht aufs Mainboard.
Endlich freie Sicht aufs Mainboard.

... komme ich endlich ans Motherboard 😁.

Die Batterie scheint ausgelaufen zu sein.
Die Batterie scheint ausgelaufen zu sein.

Die Batterie ausfindig machen dauert nicht lange. Genaugenommen sind es drei Batterien (3.6V, 60mAH, Ni-MH) in einem kleinen Bündel. Sie sind nach 23 Jahren nur noch in ausgelaufenem Zustand zu bergen.

Endlich ist das Ding rausoperiert.
Endlich ist das Ding rausoperiert.

Nicht weiter tragisch, im Netz bestelle ich zwei Minuten später Ersatz für 5.20, Versand inklusive.

Somit kann das Retro-Abenteuer bald in die nächste Runde. Hoffentlich dann mit weniger Peinlichkeiten, viel Software und guten alten Games.

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Martin Jud
Martin Jud

Editor, Zürich

Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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