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Hintergrund

Geld zurück statt neue SSD: Wie die Speicherkrise deine Garantie entwertet

Kevin Hofer
20.8.2026
Bilder: Kevin Hofer

SK Hynix, Micron und Samsung erstatten bei defekten SSDs und RAM-Kits lieber Geld, als Ersatz zu liefern. Wegen der Speicherkrise reicht der Betrag oft nicht für ein vergleichbares Produkt. Wie es bei uns läuft und was du im Garantiefall beachten solltest.

Wie unter anderem «Tom’s Hardware» und «Golem» berichten, erstatten PC-Komponenten-Hersteller im Garantiefall häufig den Kaufpreis statt Ersatzprodukte anzubieten. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches. Jedoch entsteht Kundinnen und Kunden in der aktuellen Speicherkrise dadurch ein Nachteil: PC-Komponenten sind in den vergangenen Monaten teurer geworden. Willst du neue kaufen, bezahlst du ordentlich drauf. Oder schlimmer: Das konkrete Modell oder vergleichbare Alternativen sind gar nicht mehr verfügbar. Auch bei uns warnen User:

Gutschriften waren schon immer die Norm

Bevor ich zu den Zahlen komme, ein wichtiger Punkt: Bei einem Garantiefall gibt es zwei Ebenen. Die eine läuft zwischen dem Lieferanten und uns, die andere zwischen uns und dir. Was der Hersteller uns erstattet, ist nicht zwingend das, was du am Ende bekommst.

Ich habe beim After Sales von Digitec Galaxus nachgefragt, ob es bei Garantiefällen zuletzt eine Verschiebung hin zu mehr Gutschriften statt Ersatzprodukten gegeben hat. Kollege und After Sales Development Manager Kurosh Oroudji sagt: Zwischen Lieferant und Händler war die Gutschrift schon immer der Normalfall. Am Beispiel eines einzelnen Lieferanten und der Produktkategorien SSD und HDD zeigt er mir, dass in den letzten anderthalb Jahren weniger als zehn Prozent der Garantiefälle in einem Ersatzprodukt oder einer Reparatur endeten. Der überwältigende Anteil entfiel auf Gutschriften an uns. Das ist eine Momentaufnahme eines Lieferanten – sie deckt sich laut Kurosh aber mit dem Gesamtbild.

Wie es dann zwischen uns und dir aussieht, entnimmst du am besten unseren AGB, die sind mit den Schweizerischen Vorgaben konform.

SK Hynix erstattet bei defekten SSDs den tieferen Preis

Ein aktueller Fall von SK Hynix wurde über das Subreddit r/pcmasterrace publik. Ein Nutzer kontaktierte den Hersteller wegen seiner defekten SSD. SK Hynix teilte mit, dass keine Ersatzgeräte bereitstünden, und bot eine Erstattung des ursprünglichen Kaufpreises an.

Gemäss den Garantiebestimmungen von SK Hynix geht das in Ordnung: Die besagen, dass Kunden anstelle einer Reparatur oder eines Ersatzes eine Erstattung des ursprünglichen Kaufpreises oder des aktuellen Marktwertes erhalten – also jeweils den niedrigeren Betrag. Das Unternehmen vergleicht den damaligen Kaufpreis demnach mit dem aktuellen Marktwert und zahlt die geringere Summe aus.

Auch Samsung und Micron sorgen für Ärger

Ein weiterer Vorfall betraf Micron und ein Speicherkit der eingestellten Marke Crucial. Micron bot zunächst nur die Erstattung des ursprünglichen Kaufpreises an. Nach Kundenprotest passte Micron das Angebot an und lieferte alternative Module mit gleicher Kapazität.

Vor allem bezüglich Speicher mehren sich die Berichte.
Vor allem bezüglich Speicher mehren sich die Berichte.

In einem anderen Fall stritt sich der Right-to-Repair-Aktivist Louis Rossmann längere Zeit mit dem Samsung-Kundenservice um eine defekte SSD. Erst als er mit rechtlichen Schritten drohte, zahlte Samsung ihm den aktuellen Marktwert des Laufwerks aus – und damit deutlich mehr als den ursprünglichen Kaufpreis.

Pikant daran: Genau das sehen Samsungs eigene Garantiebedingungen vor. Kann das Unternehmen ein Produkt weder reparieren noch ersetzen, erstattet es den zum Zeitpunkt der Reklamation gültigen Marktwert. Es brauchte also eine Eskalation, damit Samsung die eigenen Regeln einhielt.

Was du im Garantiefall jetzt beachten solltest

Wer eine defekte PC-Komponente zur Garantie einschickt, sollte vorab einen Blick in die Garantiebedingungen des jeweiligen Herstellers werfen. Entscheidend ist, ob dort eine Erstattung zum ursprünglichen Kaufpreis, zum aktuellen Marktwert oder – wie bei SK Hynix – zum jeweils niedrigeren Betrag vorgesehen ist. Bei Herstellern mit einer Marktwert-Klausel wie Samsung lohnt es sich unter Umständen, im Streitfall auf die eigenen Vertragsbedingungen zu verweisen.

Unabhängig von der Rechtslage zeigen die Fälle bei SK Hynix, Micron und Samsung aber vor allem eins: Die Speicherkrise trifft nicht nur Neukäuferinnen und -käufer, sondern auch Bestandskunden, die eigentlich auf ihre Garantie vertrauen.

Ob es besser ist, GPUs oder andere Komponenten auf eigene Kosten zu flicken – wie das User Lloyd C. empfiehlt –, ist fraglich. Persönlich würde ich diesen Schritt nur wagen, wenn meine Garantie sowieso abgelaufen ist. Geht etwas bei der Reparatur kaputt, gibt es auch kein Geld von der Garantie. Falls du eine kostenpflichtige Reparatur nach Garantieablauf in Betracht ziehst: Wir bieten das auch an. Bei GPUs arbeiten wir etwa mit einem Spezialisten zusammen.

Titelbild: Shutterstock / opportunity_2015

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