

Grafik-Riese für Profis: das neue Huion Kamvas Pro 24 (Gen 3) auf dem Prüfstand
Das neue Kamvas Pro 24 (Gen 3) hat Huion speziell für professionelle Kreative entwickelt. Mit dem 4K-Display, der neuen Stifttechnologie und dem umfangreichen Zubehör macht das Zeichnen riesigen Spass.
Das Herzstück des Kamvas Pro 24 (Gen 3) liegt im Stylus: die neue Technologie Pentech 4.0. Damit male ich äusserst feine Linien und Details. Dank 4K-Auflösung kommen diese richtig knackig zur Geltung.
Grosses 4K-Display mit Touch-Steuerung
Das IPS-Display des Kamvas Pro 24 (Gen 3) hat eine Grösse von 24 Zoll. Das Panel ist mit Antireflexions-Glas laminiert. Das soll die Helligkeit und Farbgenauigkeit verbessern und gleichzeitig die Lebensdauer verlängern. Es hat eine 4K-Auflösung (3840 × 2160 Pixel) und eine Pixeldichte von 185 PPI. Die Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz reicht für flüssige Bewegungen. Dank Touch-Funktion ist die Steuerung direkt auf dem Bildschirm möglich – neu auch auf macOS-Geräten.

Das Kamvas ist ein massives Arbeitsgerät. Mit einem Gewicht von 6,4 Kilo und der Grösse von 59 × 36 × 2,3 Zentimetern steht das Kamvas Pro 24 am besten stationär. Es ist nichts für unterwegs und braucht ein zweites Gerät, an dem ich es anschliesse. Ob PC oder Notebook spielt keine Rolle.
Grösszügiger Lieferumfang mit Bildschirm-Kalibrierer
Huion liefert das Kamvas Pro 24 (Gen 3) mit einer Reihe an Zubehör. Die notwendigen USB-C- und USB-A-Kabel findest du in der Box. Auch ein Mikrofasertuch liegt bei, sowie ein Handschuh, damit du mit schwitzigen Händen nicht am Display kleben bleibst. Hinzu kommen drei weitere, äusserst praktische Produkte.
Shortcut-Keyboard
Das Shortcut-Keyboard ist ideal, wenn ich ohne Touchscreen auskommen oder rasche Befehle ausführen will. Das neue Modell hat ein verbautes LC-Display. So kann ich gewünschte Shortcuts flexibel auf den Tasten programmieren und diese sind trotzdem immer richtig beschriftet.

In der Software von Huion definiere ich die Tasten und kann sie den jeweiligen Computerprogrammen zuweisen. Adobe Photoshop hat beispielsweise andere Shortcuts als Clip Studio Paint. Je nach Programm, das gerade offen ist, passt die Tastatur die Beschriftungen automatisch an.
Das grosse Manko: Die Software reagiert falsch auf meine Tastatur mit Schweizer Layout. Sie erkennt etwa statt einem Z ein Y oder ein - statt ein +. Deshalb muss ich umdenken und ausprobieren, welche Shortcuts funktionieren und welche nicht. Leider funktionieren auch von den programmierten Shortcuts nicht alle.
Bildschirmalibrierung über Windows-PC
Das Kamvas Pro 24 (Gen 3) kommt bereits mit einer Kalibrierung (inklusive Zertifikat) und hat eine gute Farbgenauigkeit in allen Bereichen:
- 99 Prozent sRGB
- 99 Prozent Adobe RGB
- 98 Prozent DCI-P3
- 98 Prozent Display P3
Wichtig ist diese für Animatoren oder Fotografinnen, wenn die Farbanzeige möglichst genau sein muss, um die Kunstwerke an Dritte weiterzugeben. Da Displays mit fortschreitendem Alter die Farben leicht anders darstellen als zu Beginn, ist eine Rekalibrierung von Zeit zu Zeit sinnvoll.
Huion adressiert das Thema Farbtreue vorbildlich mit dem Colorimeter GTColor. Es funktioniert aber nur mit einem Windows-Gerät, Treiber für Apple- und Androidgeräte fehlen bisher. Da ich das Tablet am Macbook nutze, fällt dieser Test weg.

Die Kalibrierung klingt laut Anleitung allerdings einfach: Ich schliesse den GTColor an meinen Windows-Computer, lege den Kalibrierer auf das Display des Kamvas Pro 24 und folge den Anweisungen der Software.
Der neue Stylus
Huion legt zwei verschiedene Stifte bei. Einer ist etwas dicker als der andere und hat einen programmierbaren Knopf mehr. Beide unterstützen die neue Technologie Pentech 4.0. Dank dieser bieten die Stifte 16 384 Druckstufen, die für extreme Präzision und Nuancierung sorgen. Auch die sanftesten Striche werden zuverlässig erkannt. Das zahlt sich besonders bei feinen Details und Schattierungen aus.

Zudem habe ich zwei Stiftspitzen zur Auswahl. Eine ist etwas härter und eignet sich gut für Details und Outlines. Die zweite Spitze fühlt sich an wie ein Fasermaler. Die finde ich besonders angenehm beim Ausmalen meiner Bilder. Allerdings nutzt sie sich etwas schneller ab: Schon nach fünf Stunden Ausmalen bemerke ich eine glänzende Spitze durch den Abrieb am Display. Für diesen Fall legt Huion dem Lieferumfang zehn Ersatzspitzen, je fünf pro Sorte. Nachkaufen geht auch und liegt mit knapp einem Franken/ Euro pro Miene preislich im Rahmen.

Einrichtung: endlich Touch!
Für mein Macbook reichen ein Strom- und ein USB-C-Kabel vom Laptop zum Grafiktablet. Beim Anschliessen des Tablets an einen Windows-Computer benötige mit dem HDMI-Kabel noch eines mehr. Das befindet sich alles im Lieferumfang.
Folgende Betreibssysteme unterstützt das Kamvas Pro 24 Gen 3:
- ab Windows 10
- ab macOS 10.12
- ab Android 6.0
- Linux (Ubuntu 20.04 LTS)
Aufgestellt ist das Gerät dank der ausklappbaren Standfüsse schnell. Möchtest du lieber einen höheren und beweglichen Standfuss, gibt es Zubehör. Jenes lässt sich dank verbauter Schrauben an der Rückseite festmachen.
Seitlich befinden sich ein Kopfhöreranschluss und zwei USB-A-Anschlüsse für eine Tastatur oder mein Smartphone.

Anschliessend kann ich mit meinem Stylus der Wahl direkt losmalen. Ich bevorzuge es, in der Software den Stift noch zu kalibrieren. Dann stimmt die Genauigkeit meiner Striche. Geladen werden müssen sie nie.
Neu hat das Tablet eine Touchunterstützung für Apple-Geräte. Die dafür notwendige Software finde ich auf der Webseite von Huion.
Zeichnen auf einem so grossen Display ist ein Traum
Laut Spezifikationen gibt es kaum Veränderungen vom älteren Huion Kamvas Pro 24 (4K) zum neuen Huion Kamvas Pro 24 (Gen 3). Allerdings hat Huion das Display angepasst: Das neue Antireflexions-Glas (AR) statt dem ursprünglich entspiegelten Glas (AG) fühlt sich angenehm und geschmeidig an und bietet dennoch einen sanften Widerstand.
Das Display leuchtet mit 250 Nits zwar nicht extrem hell, das reicht aber gut für Drinnen. Die matte Beschichtung hilft zusätzlich. Beim Zeichnen mit dem Kamvas Pro 24 (Gen 3) bin ich äusserst zufrieden. Es läuft flüssig, auch bei schneller Strichführung. Ich kann zudem problemlos zwischen den beiden Stiften für Outlines und Farbgestaltung meiner Bilder wechseln.

Dank der feinen Druckstufenerkennung machen diese Stifte besonders Freude. Gerade bei Schattierungen und kleinen Details kommt mir das zugute.
Von der neuen Touchunterstützung für macOS bin ich enttäuscht. Sie klappt zwar in der Theorie, an meinem Macbook (M1-Chip) hinkt die Funktion allerdings hinterher. Gerade, wenn ich meine Leinwand zoomen oder drehen möchte, entstehen nervige Pausen – oder das Gerät erkennt meine Eingaben nicht. Zudem verschiebt sich die Leinwand unabsichtlich, wenn ich meine Hand auf dem Display ablege. Die Handballenerkennung scheint offenbar noch nicht ausgereift.
Für meinen Workflow habe ich mir deshalb den Schieberegler am oberen Rand des Tablets zunutze gemacht: Dieser schaltet die Touchfunktion ein und aus. Bin ich ins Malen vertieft, stelle ich die Touchfunktion aus. Brauche ich sie zum Verschieben der Leinwand, stelle ich sie wieder ein.

Fazit
Hochwertiges Tablet mit super Zubehör
Das Kamvas Pro 24 (Gen 3) richtet sich an anspruchsvolle Anwender aus den Bereichen Grafikdesign, Illustration und Animation. Für all diese Bereiche hat das Tablet eine genaue Farbraumabdeckung. Das Display ist zudem hochwertig verarbeitet und hält Reflexionen sowie Kratzer fern. Mit 24 Zoll hast du enorm viel Platz für deine Kunstwerke. Es liefert dank neuer Stifttechnologie eine hohe Präzision für Detailarbeiten. Neben den beiden Stiften legt Huion weiteres praktisches Zubehör bei.
Das hat auch seinen Preis: Mit rund 1400 Franken (UVP) liegt das Gerät definitiv in der oberen Liga.
Meine Kritikpunkte beziehen sich einzig auf Softwareschwächen: Die Touchfunktion unter macOS funktioniert unzuverlässig und die Shortcut-Tastatur übernimmt nicht alle meine programmierten Kurzbefehle. Schade ist auch, dass das Colorimeter nur unter Windows funktioniert.
Bist du mit den Zubehör-Vorgängern zufrieden, wäre auch das Kamvas Pro 24 (4K) eine Option. Mit diesem sparst du 400 Franken (UVP).
Möchtest du die Anschaffungskosten halbieren, empfehle ich dir das Kamvas Pro 19. Es bietet die gleiche Stifttechnologie wie das Pro 24 (Gen 3), hat aber Standard-Zubehör und eine kleinere Fläche.
Pro
- herausragendes 4K-Display mit exzellenter Farbraumabdeckung
- Pentech 4.0 bietet natürliches und präzises Zeichengefühl
- umfangreiches Profi-Zubehör (Shortcut-Keyboard mit Display & Colorimeter) inklusive
- endlich Touch-Support für macOS
Contra
- Software-Schwächen bei der Tastatur-Programmierung (Layout-Konflikte)
- Touch-Performance und Palm Rejection unter macOS noch unzuverlässig
- Colorimeter-Software aktuell nur für Windows verfügbar

Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
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