

Wacom Movinkpad Pro: mattes OLED für Kunst unterwegs
Matte Android-Tablets mit Stift sind der neue Trend für digitale Kunst. Nun bringt auch Wacom ein solches Gerät auf den Markt. Ein höherer Preis als die Konkurrenz bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Qualität.
Wacom gehört zu den grossen Marken bei der Hardware für digitale Kunst. Im Vergleich zu den Konkurrenten XP-Pen und Huion ist der Hersteller aber ziemlich teuer. Im Falle des neuen Movinkpad 14 Pro kann Wacom den Aufpreis nicht gänzlich rechtfertigen.
Design und Display überzeugen
Mit einem Gewicht von rund 650 Gramm liegt das Movinkpad Pro 14 angenehm in der Hand, für längere Zeichensessions muss ich es dennoch auf einem Tisch ablegen können. Da kein integrierter Standfuss vorhanden ist, muss ich für den richtigen Arbeitswinkel eine externe Hülle oder einen Ständer mitnehmen.
Die schlanke Bauweise macht es ansonsten zu einem idealen Begleiter für das Café oder den Park. Die Haptik wirkt hochwertig und stabil – man merkt, dass Wacom auf eine robuste Verarbeitung setzt. Das sind ideale Voraussetzungen, um es im Rucksack mitzunehmen.
Das 14-Zoll grosse OLED-Display ist erfreulicherweise matt beschichtet, was Reflexionen effektiv minimiert – ein Vorteil beim Arbeiten im Freien oder unter hellem Kunstlicht. OLED sorgt normalerweise für knallige und kontrastreiche Farben, dank der matten Oberfläche kommen sie allerdings etwas weicher daher, fast wie auf Papier – mir gefällt das.

Mit einer typischen Helligkeit von 400 Nits ist das Display unter diesen Bedingungen gut ablesbar. Bei direkter Sonneneinstrahlung wären jedoch 800 Nits oder mehr wünschenswert, um eine optimale Sicht zu gewährleisten.
Die Auflösung beträgt 2880 × 1800 Pixel, das reicht gut für eine scharfe Darstellung feiner Details beim Malen. Mit einer Bildwiederholrate von 120 Hertz fühlen sich das Scrollen und Malen zudem sehr flüssig an.
Wacom legt Wert auf eine hohe Farbraumabdeckung: 100 Prozent bei sRGB und DCI-P3 sind top für digitale Kunst- und Videoarbeiten. Den Farbraum für Printsachen, AdobeRGB, gibt Wacom leider nicht an.
Mittelklasse-Hardware stösst an ihre Grenzen
Der verbaute Snapdragon 8s Gen 3 ist ein solider Mittelklasse-Chip. Für Skizzen, Mails und Instagram reicht das locker. Bei grossen Leinwänden mit dutzenden Ebenen in «Clip Studio Paint» stösst das Gerät jedoch an seine Grenzen. Dazu später mehr.
Im Vergleich zur Konkurrenz aus dem Kunstsektor, also XP-Pen und Huion, schlägt sich Wacoms Movinkpad Pro besser dank OLED und aktueller Software – kostet aber auch das Doppelte.
Vergleiche ich ausserhalb der Kunstnische und mit OLED-Geräten, sieht es für Wacom schlecht aus: Es liegt beispielsweise zwischen dem günstigeren und bereits völlig ausreichenden Huawei Matepad Pro 12,2 mit einem Kirin T91 und dem extrem leistungsstarken, dafür teureren Samsung Galaxy Tab S11 Ultra mit einem Mediatek Dimensity 9400+. Wobei du beim Samsung für ein mattes Display eine Folie benötigst.
Für Multitasking und schnelles Arbeiten sorgen die zwölf Gigabyte RAM. Meine Kunstwerke speichere ich auf der 256-GB-SSD ab. Reicht das nicht, habe ich einen Slot für microSD zur Verfügung. Dazu kommen WiFi 6E und Bluetooth 5.4.
Die nötige Energie liefert ein Akku mit 10 000 mAh. Dieser hält knapp acht Stunden durch. Dann muss ich ihn mit meinem Netzteil laden, was knapp drei Stunden dauert. Ich bekomme also kein sehr ausdauerndes Tablet und brauche Geduld beim Laden – für einen intensiven Arbeitstag reicht es gerade so aus.
Der mitgelieferte Pro Pen 3 liegt gut in der Hand und ist schön leicht. Leider lässt er sich nicht am Tablet befestigen und geht so schnell verloren. Nach einem Rückschritt fühlt sich zudem die feste Belegung der Knöpfe am Stift an. Ich kann sie also nicht nach meinen Vorlieben anpassen. Wacom liefert auf dem Tablet zudem keine Kalibrierung. Im Test ist er ab Werk immerhin präzise genug.

Schraube ich den Stylus auf, finde ich drei verschiedene Spitzen zum Austauschen:
- POM (Polyoxymethylen): Kunststoff, wenig Reibung, sanftes Gleiten
- Carbon Shaft POM: leichtes Material, bestens für Skizzen
- Filz: weiches und griffiges Schreibgefühl, ähnlich wie Bleistift auf Papier
Nutzen sich die Spitzen ab, kann ich welche direkt bei Wacom nachkaufen. Preislich liegen sie mit knapp drei Franken/Euro pro Spitze im ähnlichen Rahmen wie bei der Konkurrenz.
Falls du einen anderen Stift bevorzugst: Einige Modelle mit EMR-Technologie funktionieren auch auf dem Wacom Movinkpad. Beispielsweise mein Allrounder-Stylus von Staedtler, der Noris digital. Der hat überdies den Vorteil, dass ich die Rückseite als Radiergummi nutzen kann. Auch der S-Pen von Samsung, der Lamy AL-star und der Kaweco Stylus funktionieren laut Wacom. So bist du flexibel und kannst deinen Favoriten nutzen.

Dem Wacom Movinkpad Pro 14 fehlt definitiv eine Kamera. Bei der Konkurrenz finde ich zwar meist keine besonders guten Kameras, ob an der Rückseite oder vorne für Videocalls, dennoch sind sie praktisch. Ich lichte damit jeweils einen Gegenstand oder Raum als Vorlage ab, wenn ich diesen zeichnen möchte. Auch fürs Festhalten von Dokumenten und Referenzen ist eine Kamera praktisch – auch ohne hohe Qualität.

Software: grenzwertig minimalistisch
Wacom liefert das Tablet mit dem aktuellen Android 15 und einer schick minimalistischen Benutzeroberfläche. Alles schön clean und lediglich mit den Google-Apps darauf. Dank Android kann ich auch jegliche Apps aus dem Google Play Store auf dem Tablet installieren. Einzig vorinstalliert sind zwei Apps zum Zeichnen:
Das Skizzenprogramm von Wacom ist mir zu minimalistisch: keine Zoom-Gesten, keine Ebenen-Funktion, keine Farbpalette. Das reicht nur für banale Skizzen.

Die zweite App ist die erfolgreiche Kunst-Software «Clip Studio Paint». Allerdings bekomme ich die nur für drei Monate gratis. Anschliessend kostet sie mindestens einen Franken/Euro im Monat oder beim Einmalkauf mindestens 53 Euro/Franken.

Enttäuschend sind die Zusatzkosten gerade im Vergleich zur Konkurrenz: Die Huawei-Matepad-Modelle haben mit «GoPaint» eine sehr gute, exklusive Mal-App vorinstalliert und fürs iPad gibt es «Procreate» für einmalige 15 Franken oder Euro.
Flüssig, solange man nichts verschiebt
Das Zeichnen fühlt sich gut an, der Stift gleitet angenehm über die matte Oberfläche. Die Latenz ist auch bei langsamer Strichführung relativ hoch. Das stört bei schnellen Skizzen und ist gar nicht Wacoms üblicher Standard. Und wehe, ich will eine Ebene verschieben oder komplexe Filter anwenden – dann fängt der Mittelklasse-Chip an zu schnaufen und es ruckelt merklich. Für manche Arbeitsschritte ist also etwas Geduld gefragt. Insgesamt fühle ich mich im Arbeitsfluss aber selten eingeschränkt oder bin genervt. Es liegt also noch im Rahmen.

Das Tablet wird auch bei über 100 Ebenen nicht merklich langsamer. In «Clip Studio Paint» kann ich laut deren Webseite sogar bis zu 10 000 Ebenen erstellen, bevor die Software an ihre Grenzen stösst. Das erreichen wohl die allerwenigsten Kunstschaffenden.

Fazit
Teuer, aber mit wenig Konkurrenz
Das Wacom Movinkpad Pro ist kein bahnbrechendes Gesamtpaket, sondern ein solides Android-Tablet mit einem exzellenten matten OLED-Display.
Das Zeichnen macht Spass, und die Farbraumabdeckung überzeugt. Doch für knapp 800 Franken ist es deutlich teurer als die Konkurrenz. In der Hardware-Performance bleibt das Gerät weit hinter einem iPad oder einem Samsung Galaxy Tab zurück, und die Software-Ausstattung ist im Vergleich zu Huawei oder Apple schlicht zu mager. Wenn du das Wacom-Feeling willst, bekommst du es hier – suchst du aber ein rundes Arbeitsgerät, zahlst du primär den «Wacom-Aufschlag».
Möchtest du ein günstigeres Tablet mit top Kunstsoftware und mattem OLED-Display, fährst du mit dem Huawei Matepad Pro 12.2 besser. Apps von Google installierst du darauf allerdings nur auf Umwegen.
Ansonsten bleibt Wacom der Vorteil, kaum Konkurrenz zu haben, die den Ansprüchen von Kunstschaffenden gerecht werden. Entweder fehlt das matte Display (Apple, Samsung), ein wirklich guter Stylus zum Zeichnen (Samsung) oder die Android-Software hinkt ein paar Jahre hinterher (XP-Pen, Huion).
Pro
- Schönes, mattes OLED-Display (kaum Reflexionen)
- Präziser Stift ohne Kalibrierungs-Stress
- Leicht und mobil für Kunst unterwegs
Contra
- Stolzer Preis für Mittelklasse-Hardware
- Wacom-Zeichensoftware sehr rudimentär
- Ruckler bei anspruchsvollen Aufgaben
- Stifttasten nicht frei belegbar

Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los.
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