Grosse Gefühle an den Olympischen Spielen in Tokyo
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Grosse Gefühle an den Olympischen Spielen in Tokyo

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 02.08.2021
Die Essenz des Sports? Emotionen. Nirgends so kompakt und hautnah mitzuerleben wie an Olympischen Spielen.

Am Ende steht sie da und ringt mit Tränen in den Augen nach Worten. Eben hat Jolanda Neff im olympischen MTB-Rennen der Frauen die Goldmedaille gewonnen. Ihre Teamkolleginnen Sina Frei und Linda Indergand komplettieren mit Silber und Bronze den Medaillensatz. Mit Hühnerhaut erleben wir Schweizer Sportgeschichte. Und die Siegerin wird in den unzähligen Interviews, die folgen, von ihren Gefühlen überwältigt.

Am Ende steht er da und ringt mit einem gequälten Lächeln im Gesicht nach Worten. Eben hat Stefan Küng die Bronzemedaille um 0,4 Sekunden verpasst. Auf Silber fehlen dem Zeitfahrspezialisten nach 44,2 Kilometern knapp drei Sekunden. «Ich muss das nun schnell abhaken, sonst kann ich eine Woche nicht schlafen», sagt der 27-Jährige anschliessend im Interview mit SRF und postet auf Twitter:

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Darum lieben wir den Sport

Der Mensch ist ein emotionales Wesen: Der Moment des Triumphs der Schweizer Beachvolleyballerinnen Vergé-Dépré/Heidrich gegen ihre Landsfrauen Hüberli/Betschart im olympischen Achtelfinale? Das Bild oben sagt alles. Warum wir den Sport lieben? Weil er uns nicht kaltlässt, weil die Sportlerinnen und Sportler stellvertretend für uns die ganz grossen Gefühle (er)leben. Weil wir Zeuge werden von unfassbaren Leistungen oder Tragödien und damit Teil der Geschichte.

Geschichte, wie sie Mutaz Essa Barshim und Gianmarco Tamberi im Final der Hochspringer geschrieben haben. Als der Katari und der Italiener den Wettkampf auf derselben Höhe beenden, auf einen Jump-Off verzichten und sich die Goldmedaille brüderlich teilen.

Grenzenloser Jubel, bittere Niederlagen und grosse Gesten im Zeichen des olympischen Geistes wird es auch während der zweiten Woche der Olympischen Spiele in Tokyo geben. Und ich, wenn immer möglich, mal mit einem lachenden, mal mit einem weinenden Auge dabei sein.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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