Im Sprint kommen Vitamine ins Kind

Im Sprint kommen Vitamine ins Kind

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 03.04.2020
Normalerweise muss ich dem Nachwuchs Obst und Gemüse hinterhertragen. Die Hälfte bleibt trotzdem liegen. Nur wenn gesunde Sachen schwer zu erreichen sind, kämpfen die Kinder mit Begeisterung darum.

Jede Familie hat ihre eigenen Rituale. Und eigene Streitpunkte, die sich häufig viel besser mit kreativen Kompromissen als mit Befehlen beseitigen lassen. Ich ärgere mich immer wieder darüber, dass saftiges Obst und knackiges Gemüse stundenlang vor sich hin faulen kann, während Süsses in Nullkommanichts verschlungen wird. Zugegeben, ich habe es als Kind genauso gemacht. Trotzdem frustriert es mich heute, wenn ich gegen Abend vertrocknete Zvieri-Reste mampfe. Elternschicksal. Mein eigenes Verhalten von früher wird mir mit einem Vierteljahrhundert Verspätung unter die Nase gerieben.

Die Lösung lautet Loop-Band

Die beste Lösung für unser Vitaminaufnahmeproblem fand sich vergangenes Jahr in den Ferien. Ich hatte ein paar Loop-Fitnessbänder eingepackt. Eigentlich waren sie für mich gedacht. Stabilisierende Übungen, Schulter, Bizeps, Trizeps – im Prinzip kannst du alle Körperregionen damit trainieren, wenn du ein Set mit verschiedenen Widerstandsstärken besitzt. Noch vielseitiger und komfortabler ist ein Band mit Schlaufen.

Natürlich haben die Kinder sie direkt in Spielzeug verwandelt. Nach einigen Experimenten meines Sohnes, die in Richtung gigantischer Steinschleuder gingen, kam uns eine bessere Idee, was wir damit anstellen könnten. Um die Hüfte gespannt und gegen den Widerstand des Bandes angerannt, wurden Äpfel, Birnen oder Pepperonischnitze zu heiss begehrter Ware. Mein Training bestand nur noch darin, die Zvieri-Sprinter kontrolliert zurückzuhalten und ihnen die Aufgabe so schwer wie möglich zu machen. Ich habe meine Kinder noch nie so stolz Gesundes kauen sehen und so oft um Nachschub betteln hören.

Die ersten Versuche vor einem Jahr.
Die ersten Versuche vor einem Jahr.

low-hanging fruit

Für unser Spiel muss das Sprichwort von den «low-hanging fruit» erfunden worden sein. Es ist kein grosser Aufwand und bringt seit gut einem Jahr maximalen Erfolg: Mehr Bewegung, mehr Vitamine und mehr Spass für alle Beteiligten. Weil es schlicht und einfach menschlich ist, schwer zu erreichenden Dingen hinterherzujagen. Im Kleinen wie im Grossen. Im Alltag und im Sport. Der Champions-League-Pokal hat einen Materialwert von etwas mehr als 2000 Franken. Sehr wahrscheinlich kostet Ronaldos Necessaire mehr. Und trotzdem freut er sich wie ein kleines Kind, wenn er den Henkelpott gewinnt. Anerkennung und Stolz lassen sich eben nicht mit Geld aufwiegen.

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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