iPad mit MagSafe: Wie Apple das Metall umgehen will
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iPad mit MagSafe: Wie Apple das Metall umgehen will

Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Zürich, am 17.01.2022

Das neue iPad soll Gerüchten zufolge mit MagSafe ausgestattet werden. Das geht aber nur, wenn Apple die Rückseite des iPads komplett überdenkt.

Apple stand während der Entwicklung des iPads des Jahres 2022 vor einem Problem. Es hat sich die Frage «Metall oder Glas?» gestellt. Denn Ziel war es, die MagSafe-Technologie des iPhones auf das iPad zu bringen. Also die Technologie, mit der du dein Gerät kabellos laden kannst, nicht der gleichnamige Stecker an den neuen Macbooks. Zudem sollst du Attachments mit dem Magneten an der Rückseite des iPads festheften können, die dann auch noch Funktion haben – ein Battery Pack zum Beispiel.

Dem steht aber die aktuelle Design-Philosophie des iPads mit einer Backplate aus Metall im Weg. Das berichtet das Branchenportal 9to5Mac .

Wireless Charging kontra Metall

MagSafe und Wireless Charging bedingen, dass die Rückseite des neuen iPads aus Glas ist und nicht wie bisher aus Aluminium. Denn kabelloses Laden durch eine Aluminiumplatte ist, wenn nicht ganz unmöglich, extrem schwierig.

Das Problem: Glas ist brüchig, selbst wenn ein Panzerglas verwendet wird. Auf einer kleinen Fläche wie dem iPhone geht das, doch ein iPad ist ein Stück grösser. Das Risiko eines Glasbruchs wäre hoch.

Glas wäre jedoch das ideale Material. Nicht das Glas, aus dem die Kristallgläser in deinem Küchenschrank bestehen, sondern etwas wie Gorilla Glass Victus. Bruchsicherer und kratzsicherer als jedes bisherige Glas. Dazu ist Glas inert. Das bedeutet, dass das Material Strahlung weder positiv noch negativ beeinflusst. Das betrifft jede Strahlung eines Geräts, von kabelloser Elektrizität über NFC bis hin zu WLAN.

Das aktuelle iPad löst das Problem mit einem sogenannten Antennenstreifen bei der Kamera. Dieser wird unterstützt von Antennen, die bei der 5G-Version des iPads in den Rahmen wie dieses Youtube-Video zeigt eingebaut werden.

Hinten am iPad sind Antennen verbaut. Damit sie nicht das Metall durchdringen müssen, ist der Antennenstreifen aus einem anderen Material.
Hinten am iPad sind Antennen verbaut. Damit sie nicht das Metall durchdringen müssen, ist der Antennenstreifen aus einem anderen Material.
iPad Pro 2021 (5. Gen) (12.90 ", 256 GB, Space Grey)
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Apple iPad Pro 2021 (5. Gen) (12.90 ", 256 GB, Space Grey)
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Metall hingegen beeinflusst diese Strahlung, blockiert sie manchmal ganz, oder schwächt sie ab. Würde das neue iPad auch aus Metall sein, dann müsste eine MagSafe-Akkulösung weit mehr Output haben, um die Backplate aus Metall überhaupt zu durchdringen. Dabei würde die Ladung aber trotzdem ein kleineres Resultat erzielen. Das würde zu Stromverschwendung, nicht funktionierenden Netzwerkverbindungen und Negativschlagzeilen führen. Letzteres dürfte Apple egal sein, ersteres steht im krassen Gegensatz zu den Nachhaltigkeits- und Effizienzzielen des Unternehmens. Niemand will ein iPad oder ein Gerät, dessen WiFi nur gelegentlich funktioniert, und auch dann nur, wenn du dein Gerät richtig herum hältst.

Apples kreative Lösung

Die Frage, ob das iPad nun wirklich MagSafe braucht, stellt sich für den Hersteller nicht. Für Apple ist die Idee des MagSafe offensichtlich so gut, dass sie auf möglichst viele Geräte übertragen werden muss. Damit steht Apple laut 9to5Mac vor folgendem Problem:

  • Apple muss Glas auf der Rückseite verwenden, da das Strahlung zulässt.
  • Apple kann Glas auf der Rückseite nicht verwenden, da das iPad sonst brüchig wird.
  • Apple muss Metall auf der Rückseite verwenden, da das Gerät so stabil ist.
  • Apple kann Metall auf der Rückseite nicht verwenden, weil es Strahlung blockiert.

Apple bricht daher laut dem Branchenportal mit einem anderen Prinzip, das in der Smartphone- und Tablet-Industrie weit verbreitet ist: Dem Monocoque-Design. Das bedeutet für Tablets und Phones, dass die Rückseite aus einem einzelnen Stück besteht. Wirtschaftlich ist das sinnvoll, da die Herstellung so verschlankt wird und Arbeitsschritte gespart werden können. Auf Produktebene hilft das Monocoque-Design bei der Wasserdichte. Für den Endkunden kann sich ein solches Design auf den Preis niederschlagen. Denn je weniger Arbeit des Herstellers in die Produktion des Geräts fliesst, desto tiefer sind die Kosten der besagten Produktion.

Das künftige iPad – gerechnet wird mit einem Launch im Herbst 2022 – soll nicht mehr im Monocoque-Verfahren hergestellt werden. 9to5Mac glaubt zu wissen, dass 2022 nur das iPad Pro erscheinen wird. Apple selbst hat das weder bestätigt noch verneint.

Dem Bericht nach sollen die iPad Pro 2022 nach wie vor eine Rückseite aus Metall haben, in der Mitte soll jedoch ein Glaselement verbaut sein. Dies ist – natürlich – in Apfelform, gleicht also dem heutigen Design.

Das Apple-Logo soll nicht mehr aus Metall bestehen und so MagSafe ermöglichen.
Das Apple-Logo soll nicht mehr aus Metall bestehen und so MagSafe ermöglichen.

Der Apfel soll aber etwas grösser ausfallen und dahinter sollen stärkere Magnete als beim iPhone verbaut sein, damit das MagSafe-Accessoire sich nicht versehentlich ablöst.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher

Senior Editor, Zürich

Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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