Joystick statt Display: ArcX verspricht volle Kontrolle beim Sport
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Joystick statt Display: ArcX verspricht volle Kontrolle beim Sport

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 05.02.2021
Was ist die Lösung, wenn du sowieso schon zu viel Technik beim Sport mitschleppst? Na klar: noch ein Gadget. Mit dem kleinen Joystick von ArcX am Finger sollst du alles im Griff haben.

Musik im Ohr, GoPro auf dem Helm, Smartphone in der Tasche. Kann losgehen. Nein, Moment, nur noch schnell Play drücken. Und dann den passenden Track suchen. Ach ja: Die Aufzeichnung wolltest du auch noch starten. Also Handschuhe aus. Smartphone wieder raus. Wischen, tippen, justieren. Die Fummelei mit diversen Geräten kostet Zeit und Nerven. Sie hält dich vom Sport ab. Und wenn du dann Sport machst, lenkt sie dich ab.

Selbst wenn du bei der Suche nach dem perfekten Sportkopfhörer erfolgreich warst, bleibt immer noch das Problem, dass er sich in Bewegung nicht gut bedienen lässt. Ein Griff ans Kabel oder die Fummelei am Ohr bringt selten das gewünschte Ergebnis. Dafür sieht es oft selten dämlich aus und bringt dich aus dem Rhythmus. Beim Joggen habe ich inzwischen aufgegeben. Ich bin schon froh, wenn mir meine Teufel MOVE BT nicht aus dem Ohr fallen und lasse deshalb die Finger von der «Fernbedienung», die am Kabel baumelt. Auf der Rudermaschine habe ich sowieso keine Chance, die Hände vom Griff zu nehmen, und bin der Beschallung hilflos ausgeliefert. Da setze ich meine Over-Ear Kopfhörer von Sony auf, deren Touchsystem ich nicht mal am Schreibtisch richtig bedienen kann. Kollegin Pia Seidel hat dem Knopf im Ohr gleich ganz abgeschworen.

Grüsse von Gina aus China

Eine Lösung für das Problem begegnet mir auf der Sportmesse ISPO. Die findet dieses Jahr natürlich digital statt und ist, abgesehen von Online-Workshops und Live-Streams, eine ziemlich nüchterne Veranstaltung. In die Mailbox prasseln Angebote, die mich nicht interessieren: «We're the professional garment manufacture located in south part of China with the advantage of material sourcing and labor», schreibt Gina aus China. Und die Dinge, die mich interessieren, kann ich nicht anfassen.

Den Ring von ArcX stöbere ich im Bereich «Brandnew Award» auf. Dass er als «the world's first smart ring for sports and fitness» beworben wird, halte ich auf den ersten Blick für ziemlich übertrieben. Ich sehe einen klobigen Klotz am Finger und denke an den gehypten Ring von Oura, mitfinanziert von Will Smith und Shaquille O’Neal. In den Schlagzeilen ist das Teil durch die Partnerschaft mit der NBA, die damit anhand der Körpertemperatur COVID-Infektionen frühzeitig erkennen will. Smart. Zumindest die PR, obwohl gerade erst erforscht wird, was der Ring in diesem Zusammenhang bringt.

ArcX ist die Antithese zu Oura

Der ArcX soll um die 100 Franken kosten.
Der ArcX soll um die 100 Franken kosten.

Der Ring von ArcX bewegt sich längst nicht in diesen Sphären. Er sieht weder aus wie ein Schmuckstück noch soll er Pandemien bekämpfen. Er sieht so aus, wie ein Ring eben aussieht, wenn der CEO ein britischer Army-Veteran ist: robust und praktisch. Die Antithese zu Oura. Er will einfach ein Problem lösen und ist auf Funktionalität getrimmt. Das macht ihn mir auf den zweiten Blick sympathisch. Im wasserdichten Silikongehäuse sitzt ein Akku, der 20 Tage im Stand-by und fünf Tage im Einsatz durchhalten soll. Ausserdem die Technik, um ihn direkt mit deinem Smartphone, deiner Action-Cam oder deinen Kopfhörern zu verbinden und über den kleinen Joystick die Basisfunktionen zu steuern. Play und Stop, vor und zurück. Lauter und leiser. Anruf annehmen, Anruf auflegen. Am Zeigefinger getragen, kannst du ihn mit dem Daumen bedienen. Der Ring lässt sich in der Weite anpassen, er kann über dem Handschuh aufgesteckt und am Lenker, Paddel oder Griff befestigt werden.

Der Ring soll in vielen Sportsituationen hilfreich sein.
Der Ring soll in vielen Sportsituationen hilfreich sein.

Wer auf Musik und Bilder nicht verzichten will, hat mit Sicherheit Freude daran und kommt dank des Knubbels am Finger künftig häufiger ohne Screen vor der Nase aus. Wobei der Screen nicht ganz verschwindet. Denn der ArcX Smart Ring ist ja nur eine Fernbedienung. Und zu ihr wird es auch eine eigne App geben. Damit kannst du die Funktionen des Rings konfigurieren oder eine Stoppuhr nutzen, die sich selbst im Vollsprint mit einem Daumendruck bedienen lässt. Dazu hat sie eine SOS-Funktion, die du im Falle eines Unfalls auslösen kannst.

Ein Unfall war es auch, der Gründer Paul Blair auf die Idee brachte, das Produkt zu entwickeln. Nachdem sich ein Kollege auf der Skipiste verletzt hatte, war er an den folgenden Tagen alleine unterwegs und ständig mit seinem Smartphone beschäftigt. Handschuhe aus, Jacke auf, Lautstärke rauf. Du kennst das Problem. Eigentlich kennen es alle. Nur eine simple Lösung dafür war nicht zu finden. Bis jetzt. Jetzt gibt es ein Gadget mehr, um den Umgang mit den anderen weniger kompliziert zu machen.

Noch ist der ArcX nicht im Handel. Er kommt ab Mai im UK, der EU und den USA auf den Markt. Ob und wann er bei uns verfügbar sein wird, ist noch nicht absehbar.

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Der Wettbewerb ist inzwischen beendet.

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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