

Kein Wunder, dass alle «Hitster» lieben
Zwei Jahre lang hörte ich es von allen Seiten: Hitster sei lustig, nostalgisch, mega. Ich verdrehte innerlich die Augen. Bis es mich vor Kurzem auch erwischt hat.
Disclaimer: Vorsicht, dieser Produkttest eines Musikspiels kann Spuren von – wait for it – Musik enthalten! Errätst du die Songs, bevor du auf den Link klickst?
«Okay, okay, beruhig dich», dachte ich mir, als mir ein Freund in den höchsten Tönen vom Spiel «Hitster» schwärmte. Ich müsse es unbedingt selbst einmal spielen, meinte er. Aber nicht nur er. Auf einmal kamen alle mit diesem Spiel um die Ecke. «Ja, ich weiss, es ist meeeega cool», «Melancholie und so.», «Aha, ja für die ganze Familie», wiederholte ich in meinem Kopf. Mein Gegenüber sah mich nicken und lächeln. Eigentlich hätte ich den Kopf schütteln wollen.
Ich spielte «Hitster» trotzdem nicht. So viel Euphorie löste in mir wohl eine Trotzreaktion aus. Bis vor drei Wochen. Da ist es um mich geschehen. Und jetzt … bin ich eine von ihnen!
Fühlen. Du musst die Musik fühlen.
Erst dachte ich, «Hitster» sei so eine Art «Schnipseljagd». Das beliebte Radiospiel, wie es auch auf dem Sender «Musikwelle» läuft. Es gewinnt, wer kurzen Songschnipseln korrekte Titel und Interpreten zuordnet. Definitiv nichts für mich. Denn so gut ich mir die Songtexte merken kann, so wenig bleiben mir die Songtitel und Interpretinnen oder Interpreten im Kopf. Bei einem Ohr rein, zum anderen raus. Göschenen – Airolo. Von Gotthard, oder so.
Seitdem ich in den Ferien zu «Hitster» verdonnert worden bin, weiss ich aber: Das ist kein grosser Nachteil. Was zählt, ist ein gutes Gespür für Musik. Und ein Quäntchen Glück.
Die «Hitster»-Regeln
Bei «Hitster» spielst du entweder alleine gegen die anderen, oder es treten Teams gegeneinander an. Zu Beginn ziehst du für dich oder fürs Team eine Karte vom Stapel. Du drehst sie um, so dass die Jahreszahl zu sehen ist. Das ist der Start der Zeitachse.

Die Person mit der höchsten Jahreszahl beginnt und nimmt eine Karte von einem beliebigen Stapel. Wer DJ spielt und bestenfalls mit der Musikanlage verbunden ist, scannt den QR-Code mit der Hitster-App. Diese spielt den Song via Spotify ab.
Der Song startet. Die Raterunde beginnt.

Sobald der Song zu Ende ist, muss sich die Person, die gerade am Zug ist, entscheiden: Kam der Song vor oder nach dem Jahr heraus, das auf dem Zeitstrahl vor ihr liegt? Tippt sie richtig, behält sie die Karte und platziert sie an der richtigen Stelle im Zeitstrahl. Ist der Tipp falsch, legt sie die Karte auf den Abwurfstapel und wartet die nächste Runde ab. Wer als Erstes zehn Karten an der richtigen Stelle im Zeitstrahl platziert, gewinnt.

Token für den extra Groove
Es gibt weitere «Hitster»-Varianten für mehr Spannung im Spiel. Dabei kommen kleine Kartonchips zum Einsatz, die Token. Die Spieler bekommen beispielsweise einen Token, wenn sie Jahreszahl, Titel und Interpretinnen richtig nennen. Drei gesammelte Token können sie dann gegen eine Karte eintauschen.

Generationen, vereint euch für «Hitster»!
Zurück in die Ferien und mein erstes Mal «Hitster»: Die erste Raterunde spiele ich verhalten mit. Ich taste mich erst heran. «Und wahrscheinlich bleibt es dann eh bei einer Runde», denke ich mir. Aber ich tippe richtig und mein Team gewinnt.
Ab da bin ich «on fire».
Ich bilde mir ein, den totalen Durchblick bei den verschiedenen Genres zu haben, ordne Nuancen unterschiedlichen Epochen zu und tröte selbstbewusste Sätze wie: «Nein, hörst du das Keyboard. Das Lied muss aus den 80ern sein.» Wir gewinnen wieder.
Leider bleibt es beim Anfängerinnenglück. Die nächsten Runde verliere ich. Aber der Spass bleibt. Jüngere singen zu Bravo-Hits, Ältere schunkeln bei 70er-Balladen mit. Manchmal steht jemand auf und tanzt. Immer wieder platzen vor Übermut Gegner mit dem Tipp heraus, obwohl sie nicht an der Reihe sind. Und immer sind alle voll mit dabei und lachen, weil uns die Musik verbindet.
Fazit
Das Musikspiel, das Generationen vereint
Pro
- viele Songs aus diversen Genres und Dekaden
- für alle etwas dabei
- kurzweilig
- spannend und nostalgisch
- funktioniert ohne Spotify-App
Contra
- Spotify-Premium-Account von Vorteil
- «Hitster»-App notwendig

Die Wände kurz vor der Wohnungsübergabe streichen? Kimchi selber machen? Einen kaputten Raclette-Ofen löten? Geht nicht – gibts nicht. Also manchmal schon. Aber ich probiere es auf jeden Fall aus.
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