«Das ist mein bestes Spiel»

«Das ist mein bestes Spiel»

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 21.12.2020
Leben im Lockdown-Modus, die Familie ist ein Team. Ich repariere die Waschmaschine, meine achtjährige Tochter übernimmt hier den Job und schreibt für mich. Ein Kind, ein Computer und «Das verrückte Labyrinth».

Montagmorgen. Weil die ganze Familie zuhause sitzt und so kurz vor Weihnachten das Stimmungsbarometer nicht sinken darf, nehme ich meine achtjährige Tochter mit ins Homeoffice. «Papa, ich tippe so gerne am Computer», hat sie gestern gesagt. «Ich könnte mir was Besseres vorstellen», habe ich gedacht. Zum Beispiel die Waschmaschine reparieren, die gerade das Bad geflutet hat. Ha! So wird's gemacht. Als Wunsch- und Weihnachtsexpertin kann die Kleine hier ein Spiel vorstellen, während ich mich um das renitente Haushaltsgerät und den Wäscheberg kümmere. Wir müssen das den zuständigen Gremien nur als piratisch-kreative Galaxus-Idee verkaufen.

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Gemeinsam wollen wir das knallharte Redaktionstribunal davon überzeugen, dass die Rollen so bestens verteilt sind. Sie ist in der zweiten Klasse, ich bestenfalls ein drittklassiger Brettspieler. «Papa, ich putz’ mir noch die Zähne und dann an die Arbeit», ruft sie begeistert, bevor wir uns ins Meeting einklinken. Diesen Elan hat sie definitiv von ihrer Mutter, die mir eine verbale Breitseite verpasst: «Deine Tochter ist viel motivierter und günstiger. Man kann deinen Job wegrationalisieren.» Na, danke auch. Mein Chef scheint ähnlich zu denken und beginnt im Video-Call direkt mit den Gehaltsverhandlungen: «Wie viel Sackgeld bekommst du?»

Überzeugungsarbeit in der Team-Konferenz.
Überzeugungsarbeit in der Team-Konferenz.

Ein paar Monate müsste sie schon sparen, um sich das «verrückte Labyrinth» leisten zu können. Eines ihrer Lieblingsspiele, das sie gerne vorstellen möchte. Erkenntnisse aus der Redaktionssitzung: Um 8:35 Uhr gesteht Redaktorin Carolin T., dass es Jahre gedauert hat, bis sie den doppelten Wortsinn von «verrücktes» im Titel erfasst hat. Der Spiele-Klassiker steckt voller Geheimnisse und ist, da ist sich die Redaktion einig, definitiv ein Review wert.

Los geht's. Wir stellen den Computer im Kinderzimmer auf und notieren ein paar Fragen, dann ist die Kleine damit alleine. Ich muss zur Waschmaschine, wo sich die Ereignisse überschlagen.

 Das verrückte Labyrinth

Was ist auf der Verpackung?
Gioia, 8 Jahre, Expertin für Spiel und Spass: Ein Labyrinth eine Eule 2 Geister eine Fledermaus ein Drache ein Troll eine Schatstruhe ein Ring und ein Schwert.

Was ist in der Packung?
4 Spielfiguren 1 Schbielbret 34 Schibeplätchen und 24 Zielkarten.

Wie funktioniert das Spiel?
Man ferteilt die Zielkarten auf jeder zielkarte ist ein Bild abgebildet jedes Bild ist irgentwo auf einem schibeplätchen abgebildet wen man ein Schibeplätchen rein schibt kann man sich Wegebauen damit man ans Ziel komt.

Wie lange dauert eine Spielrunde?
Komt draufan wie weit weg die Zielplätchen sind.

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Wie viele Spieler*innen können mitspielen?
vier

Warum findest du das Spiel gut?
Es ist lustig.

Wie gut findest du das Spiel, wenn du gewinnst?
Super!

Wie gut findest du das Spiel, wenn du verlierst?
Auch gut weil es Spas macht.

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Kann dein kleiner Bruder (5, gerade sehr wütend, weil ihn niemand beachtet) auch schon spielen?
Ja aber auf der Ferpakung stet es ist erst ab 8.

Wird das Spiel schnell langweilig?
Nein weil man strategien haben muss

Strategien sind ein gutes Stichwort. Ich melde mich aus dem Badezimmer, wo die Spannung steigt. Ist die Waschmaschine wieder dicht? Ich kann hier jetzt nicht weg.

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Mit einer pädagogisch wertvollen Knacknuss zum Schluss will ich Zeit schinden und hänge noch diese eine völlig unverständliche Frage an, die es in jeder guten Prüfung und in jedem anständigen Interview gibt.

Die Spieltheorie ist eine mathematische Theorie, in der Entscheidungssituationen modelliert werden, in denen mehrere Beteiligte miteinander interagieren. Sie versucht dabei unter anderem, das rationale Entscheidungsverhalten in sozialen Konfliktsituationen davon abzuleiten. Welche Rolle spielt dieser Ansatz im «verrückten Labyrinth»?

Meine Tochter schimpft ein bisschen, dann löscht sie die Frage einfach weg. Exzellente Entscheidung. Mehr musst du nicht wissen. Und die Waschmaschine schleudert inzwischen, es sieht gut aus. Eigentlich fehlt nur noch eine von diesen Praktikumsbescheinigungen auf Galaxus-Briefpapier, dann können wir zum Fazit kommen.

Fazit

«Das verrückte Labyrinth» ist ein Spiel, das ich schon als Kind gerne gespielt habe und das meiner Tochter heute sehr viel Spass macht, weil es lustig ist und Strategien braucht. Sie sagt: «Das ist mein bestes Spiel!» Ich sage: Unsere Waschmaschine läuft jetzt nicht mehr aus. Daher: Klare Kaufempfehlung!

Update fünf Minuten später: «Vielleicht nicht ganz mein bestes Spiel, Bonk ist auch cool.»

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Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

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