
Hintergrund
Jedes Bike ein Unikat: Transalpes baut seit bald 25 Jahren einzigartige MTBs
von Patrick Bardelli

Das Velo ist ein Wunderwerk der Technik. Es ist aber vor allem auch eine Herzensangelegenheit. Oder: Wie aus meiner anfänglichen Ignoranz eine Beziehung wurde.
Wir leben alle in unseren eigenen Welten. Das ist jedoch nicht als gesellschaftspolitisches Statement im Sinne von «Die Social-Media-Bubbles und ihre Algorithmen sind Schuld, dass sich die Menschen immer stärker voneinander entfernen und die Gesellschaft polarisiert auseinanderfällt» zu verstehen. Es geht ums Velofahren, respektive um die Beziehung zum eigenen Zweirad.
Ich kenne wenige Menschen, die sportlich in mehreren Welten gleichzeitig unterwegs sind. Denn in der Regel läuft es in etwa so: Der Fussballer spielt Fussball, die Handballerin Handball und die Biker, naja, die fahren eben Velo. Man bewegt sich stilsicher in den eigenen (engen) Kreisen. Ich bin oder war da vielleicht keine Ausnahme.
Als ich mich noch als Läufer bezeichnete und regelmässig zwischen drei und fünf Mal die Woche die Laufschuhe schnürte, war meine Beziehung zum Velo überschaubar und schnell erklärt: nicht vorhanden. Ein Rahmen, zwei Räder, ein bisschen Mechanik drangeschraubt. Fertig. Das war meine Haltung zu den Zweirädern. Die beinahe schon fetischhafte Beziehung, die manche Bikerinnen oder Biker zu ihrem Sportgerät pflegten, war mir stets suspekt. Tempi passati.
So stand ich kürzlich in der kleinen aber feinen Schweizer Bike-Manufaktur Transalpes in Baar. Und wartete mit roten Backen auf mein neues All-Mountain-Bike, das ich mir nach meinen Wünschen einige Wochen zuvor zusammengestellt hatte. Mehr dazu liest du hier:
Und plötzlich musste ich mit meinen Emotionen kämpfen. «Wegen eines Velos», schoss es mir durch den Kopf. «Echt jetzt»?
Mario von Transalpes war gerade dabei, mir die detaillierte Funktion des Fox Factory Fahrwerks ausführlich zu erklären, als die Tränendrüsen drohten, aktiv zu werden. «Ist ja lächerlich», war mein zweiter Gedanke. Und: «Weisst du nicht mehr? Ein Rahmen, zwei Räder und ein bisschen Mechanik.» Von wegen.

Seit ich vor rund fünf Jahren gezwungen war, das Laufen aufzugeben, beschäftige ich mich mit dem Velo. Ich muss beinahe lachen, wenn ich das so schreibe. «Das Velo» existiert nämlich nicht. Es gibt Rennräder, Mountainbikes, Gravelbikes, Citybikes, Dirtbikes, Kindervelos oder Lastenräder. Hinzu kommen alle möglichen E-Varianten der einzelnen Modelle.
«Das Velo» selbst besteht dann wiederum aus teils hoch komplexen Komponenten, die für sich genommen kleine Technikwunderwerke sind: Rahmen, Laufräder, Antrieb und Bremsen, Fahrwerk, Motor und Akku, Sattel und Sattelstütze, Lenker und so weiter und so fort. Darin stecken unter dem Strich rund 200 Jahre Entwicklung und handwerkliche Ingenieurskunst.
Natürlich spielt die Technik eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, sich auf zwei Rädern möglichst schnell, effizient und sicher von A nach B zu bewegen. Sei es auf einem Mountainbike mit XTR-Di2-Antrieb von Shimano, einem E-Bike mit der neuesten Version der Drive Unit von Bosch oder einem Gravelbike mit Tubeless-Reifen und Tire Noodle.
Wenn ich darüber nachdenke, fühlt es sich an, als hätte mein Weg in die Tiefen des «Technik-Rabbitholes» eben erst begonnen und ich diesbezüglich gerade mal an der Oberfläche gekratzt. Apropos Technik: Hier kannst du dir dein Traumbike von Transalpes aufs Gramm und den Franken genau ebenfalls selber konfigurieren.

Es geht aber nicht zuletzt eben auch um Emotionen. «Das Velo» ermöglicht mir Erlebnisse, die es ohne nicht gäbe. So gesehen sind es eben nicht nur ein paar Kilo Karbon und Aluminium verteilt auf Rahmen, Räder und ein bisschen Mechanik. Mein Velo ist ein Partner, der mich begleitet. Ab und an auch bei körperlichen und mentalen Grenzerfahrungen.
Und plötzlich verstehe ich die emotionale Bindung, der ich früher mit Ignoranz und einem müden Lächeln begegnet bin. Ups, die Tränendrüsen melden sich wieder. Darum mache ich hier jetzt besser Schluss. Ich wünsche euch allen da draussen eine gute Fahrt.

Vom Radiojournalisten zum Produkttester und Geschichtenerzähler. Vom Jogger zum Gravelbike-Novizen und Fitness-Enthusiasten mit Lang- und Kurzhantel. Bin gespannt, wohin die Reise noch führt.
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