«Lord of the Rings»: Was wir von der TV-Serie erwarten dürfen
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«Lord of the Rings»: Was wir von der TV-Serie erwarten dürfen

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 05.07.2019
Anno 2017 kauft Amazon Prime Video die Rechte an der «Lord of the Rings»-TV-Serie. Zwei Jahre später ist der Name des Regisseurs enthüllt worden. Ein guter Zeitpunkt, einen Blick auf die Fakten zu werfen und mit den Gerüchten aufzuräumen.

Die nach wie vor namenlose «Lord of the Rings»-TV-Serie hat seinen ersten Regisseur bekommen. Dabei handelt es sich um den Spanier Juan Antonio Bayona, wie Deadline berichtet. Einen Namen hat er sich mit Filmen wie «Jurassic World 2» oder dem Tsunami-Drama «The Impossible» gemacht. Bayona soll mindestens bei den ersten beiden Folgen der ersten Staffel Regie führen und damit den Grundstein für den cinematischen Ton der Serie legen.

Gegenüber dem Branchenblatt sagt Bayona: «Als lebenslanger Fan ist es für mich eine Ehre, zu diesem grossartigen Team zu stossen. Ich kann es kaum erwarten, die Zuschauer auf der ganzen Welt nach Mittelerde zu entführen – mit einer nie zuvor gesehenen Geschichte.»

Regisseur Juan Antonio Bayona
Regisseur Juan Antonio Bayona
Flickr/Moritz Barcelona, CC BY 4.0

Damit nimmt die Serie immer konkretere Formen an. Im November 2017 hat sich Amazon die Rechte an der Serienadaption gesichert und ganze 250 Millionen Dollar kosten lassen – die höchste Summe, die je für Rechte an einer Film- und Serien-Adaption bezahlt worden sind. Zum Vergleich: Dan Brown, der Autor des Welterfolgs «The Da Vinci Code», hat für seine Romanadaption «nur» 6 Millionen Dollar gekriegt.

Release, Budget und Showrunner

Produziert wird die Serie von Amazon Studios in Zusammenarbeit mit dem Tolkien Estate, den Rechteinhabern des gesamten «Lord of the Rings»-Franchises, und New Line Cinema, dem produzierenden Studio hinter Peter Jacksons Filmen.

Damit ist klar: Die Serie spielt innerhalb des Filmuniversums des Neuseeländers. Bayona soll aber seine eigene Vision verwirklichen dürfen, wie Jennifer Salke, Head of Amazon Studios, zu Deadline gesagt hat: «Bayonas Art, grosse filmische Welten zu verwirklichen, ist genau das Richtige für unsere Ambitionen.»

Head of Amazon Studios Jennifer Salke
Head of Amazon Studios Jennifer Salke
Chris Frawley/Amazon

Aktuell plant Amazon fünf Staffeln, die mit einem Budget von insgesamt 750 Millionen Dollar ausgestattet werden sollen. Zum Vergleich: Alle acht Staffeln von «Game of Thrones» haben zusammen etwas weniger als 600 Millionen Dollar gekostet. Damit würde die «Lord of the Rings»-Serie zur teuersten Fernsehproduktion aller Zeiten avancieren.

Als Showrunner sind bereits im Juli 2018 die Autoren JD Payne und Patrick McKay bestätigt worden – auf Anraten von «Star Trek»-Regisseur J. J. Abrams. Zusammen mit ihm haben sie das Drehbuch zu «Star Trek 4» geschrieben. Ähnlich wie D. B. Weiss und David Benioff bei «Game of Thrones» werden Payne und McKay die kreative und administrative Leitung der «Lord of the Rings»-Show übernehmen.

Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen. Schliesslich sieht der Vertrag zwischen Amazon und dem Tolkien Estate vor, dass die Produktion spätestens zwei Jahre nach Vertragsunterzeichnung beginnt. Damit könnte die Serie 2021 auf Prime Video zu sehen sein; ein Start im Jahr 2020 scheint unwahrscheinlich, wie Salke gegenüber The Hollywood Reporter bestätigt hat.

Ohne Aragorn, Gandalf und Peter Jackson

Über beteiligte Schauspieler oder gar den Inhalt der Serie ist noch wenig bekannt. Gerüchte, wonach die Serie von einem jungen Aragorn handelt – in den Filmen gespielt von Schauspieler Viggo Mortensen – oder dass Sir Ian McKellen als Gandalf zurückkehren würde, haben sich mittlerweile als falsch erwiesen: Aragorn und Gandalf werden in der Serie keine Rolle spielen.

Sir Ian McKellen als Gandalf
Sir Ian McKellen als Gandalf
New Line Cinema

Das wissen wir seit Primes offizieller «Herr der Ringe»-Twitter-Kanal anfang Jahr mehrere Versionen der Karte Mittelerdes gepostet hat. Bei der letzten Version ist die Insel «Numénor» zu sehen. Dazu die Bild-Beschreibung: «Welcome to the Second Age.»

Damit ist klar: Die TV-Serie spielt irgendwann im Zweiten Zeitalter.

Die Karte Mittelerdes zu Beginn des Zweiten Zeitalters
Die Karte Mittelerdes zu Beginn des Zweiten Zeitalters
Lord of the Rings on Prime, Twitter

Zu diesem Zeitpunkt ist Aragorn noch nicht geboren und Gandalf nie in Mittelerde gewesen. Beide tauchen erst im Dritten Zeitalter auf. Du musst wissen: In «Lord of the Rings» gibt es vier Zeitalter. Die Filmtrilogie spielt im Dritten Zeitalter, wobei die Krönung Aragorns den Beginn des Vierten Zeitalters markiert.

Mit oder ohne Aragorn: Amazon-Studios-Chefin Jennifer Salke hat gegenüber der Deadline bestätigt, dass in der Serie Charaktere aus den Filmen vorkommen werden. Ob sie damit beispielsweise auf Elbenfürst Elrond (Hugo Weaving) anspielt, was historisch gesehen Sinn macht, ist unbekannt.

Ein drittes sich als unwahr herausgestelltes Gerücht: Regisseur und Drehbuchautor Peter Jackson sei als Autor wieder mit an Bord. Das hat der Neuseeländer im Mai 2018 gegenüber dem Observer gleich selber ausgeschlossen: «Ich bin nicht am Projekt beteiligt. Das ist gut so. Allerdings werde ich womöglich ein paar Drehbücher zugeschickt bekommen, um beratend zur Seite zu stehen.»

Darum geht’s: Saurons Aufstieg und Númenors Untergang

Worum könnte es also gehen? Das Zweite Zeitalter als historischer Rahmen gibt die grobe Handlung vor. Zu Beginn sind die Elben nach einem verheerenden Krieg gegen den bösen Morgoth angewiesen, Mittelerde zu verlassen und in den Westen zurückzukehren – nach «Valinor», das Land der götterähnlichen «Valar». Einige folgen dem Ruf, viele bleiben aber.

Die Insel Númenor ist hingegen der von den Valar erschaffene Heimatort einer menschlichen Rasse, die mit extrem langer Lebensspanne und grosser Weisheit gesegnet ist. Von der Insel aus erobern sie grosse Teile Mittelerdes und errichten später ihre Städte – zum Unmut der Elben, deren Macht mehr und mehr schwindet. Gleichzeitig streben die Menschen danach, zurück nach Valinor zu reisen, wo sie Unsterblichkeit erlangen würden.

Aragorn, ein Nachfahre der Númenor
Aragorn, ein Nachfahre der Númenor
New Line Cinemas

Die zweite Hälfte des 3441 Jahre andauernden Zweiten Zeitalters wird von Morgoths Schüler geprägt, Sauron. Dieser mausert sich zum neuen dunklen Lord. Mit dem, was von den Armeen der Orks und Goblins übrig geblieben ist, errichtet er eine Festung in Mordor: Barad-dur.

Sauron will die Völker Mittelerdes korrumpieren. Er erschafft die Ringe der Macht und verspricht, dass das Gleichgewicht Mittelerdes bewahrt und der Kontinent selbst nach dem Vorbilde Valinors gestaltet werden kann. Insgeheim erschafft Sauron noch den einen Ring, sie zu knechten.

Dennoch besiegen die Menschen Númenors Sauron und nehmen ihn auf deren Heimatinsel in Gefangenschaft – eine List des dunklen Lords. Denn von dort aus gelingt es ihm, die Menschen zu korrumpieren. Sauron kehrt nach Mordor zurück, und die Númenor greifen Valinor an. Die Valar fluten Númenor und tilgen das eigene Valinor von der Landkarte. Seit dem können nur noch spezielle Schiffe von den «Grey Havens» aus über die «Straight Road» nach Valinor gelangen.

Die Grey Havens in «Lord of the Rings»
Die Grey Havens in «Lord of the Rings»
New Line Cinema

Númenors Untergang könnte das fulminante Serienfinale sein. Oder aber die Serie endet im Prolog am Anfang von Jacksons «Lord of the Rings». Der hat ja gezeigt, wie jene überlebenden Menschen Númenors, welche nie aufgehört haben, die Valar zu respektieren, ein letztes Bündnis mit den Elben eingehen. In einer verzweifelten Schlacht am Fusse des Mount Dooms schneidet Isildur, Kronprinz der Menschen, Sauron den einen Ring vom Finger und beendet damit das Zweite Zeitalter.

Voilà. Zeit für etwas Langgrundblatt. Oder doch lieber Alter Tobi?

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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