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Stephan Lamprecht
Meinung

Mächtige Maschinen, mickrige Teile: Dieses Lego-Set macht mich fassungslos

Lego spült regelmäßig Neuheiten in unser Sortiment. Auf viele freue ich mich. Andere sorgen für ein Stirnrunzeln. Das Set «Mächtige Maschinen» (42233) macht mich aber eher wütend.

Aus meiner Sicht ist es vollkommen legitim, wenn Unternehmen auf der Welle ihres Erfolgs schwimmen und viel Geld verdienen wollen. Sollen sie. An steigende Preise bei Lego haben wir uns alle mittlerweile gewöhnt.

Die «Mächtigen Maschinen» schießen aber den sprichwörtlichen Vogel ab.

Artikel für die Quängelzone mit garantierter Enttäuschung

Die Lego-Nummer 42233 ist kein einzelnes Set. Nein, viel besser! In jeder Verpackung steckt ein zufälliges von acht Modellen. So steht es auf dem Karton. Bei der Produktentwicklung hat sich das Marketing von Lego offenbar vom Film «Forrest Gump» inspirieren lassen: «Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Du weißt nie, was du bekommst.»

Die Schachteln verraten natürlich nicht, welche Maschine da drin steckt. So können Großeltern, Eltern und Verwandte gleich mehrmals zugreifen.

Klasse.

Und ein Kind wird froh und glücklich sein, wenn es gleich mehrmals dasselbe Spielzeug auspackt.

Sammeln macht doch Spaß. Und was sind denn schon fünf Euro (Franken)?

Nicht euer Ernst, oder?

Aus der Schachtel fallen dann sensationelle 44 Teile heraus. Falls ich mich nicht verzählt habe. Aber was für welche: überwiegend die von Technic gewohnten klassischen Steckverbinder. Kein einziger größerer Baustein. Keiner.

Sieht das nicht nach richtig viel Spaß aus? So liebevoll zusammengestellt.
Sieht das nicht nach richtig viel Spaß aus? So liebevoll zusammengestellt.

Und die Sets sind alle so. Das habe ich für dich ausprobiert. Eine Online-Bestellung kam nicht infrage, weil ich ja verschiedene Sets erwischen wollte. Die durfte ich mir im Lager eines freundlichen örtlichen Händlers zusammensuchen.

Die Sets lassen sich anhand eines zusätzlichen Codes auf der Verpackung unterscheiden. Lego würde ja in der Logistik wahnsinnig werden, wenn die Verpackungen zu 100 Prozent identisch wären. Hardcore-Fans wissen das natürlich. Kinder nicht.

Mit dem Preis von zehn Cent/Rappen pro Teil bleibt Lego immerhin seiner Linie treu. Die investierten vierzig Euro schlucke ich mal runter, schließlich geht es ja um «Mächtige Maschinen».

Kommt super bei der Zielgruppe an

Zielgruppe sind Kinder ab sieben Jahren. Da liege ich für einen Test deutlich drüber. Weil mich interessiert, wie groß der Spielspaß tatsächlich ist, brauche ich eine Testperson. Die kann mir dann auch gleich verraten, wie tief sie in die Technic-Welt eintauchen kann.

In Ermangelung eines Siebenjährigen musste der elfjährige Sohn einer Freundin den Test übernehmen. Vielleicht nicht ganz fair, weil schon älter. Außerdem hat mein Proband bereits einige Lego-Sets zusammengebaut: Nach vier Minuten hatte er die erste Maschine fertig. Die erweist sich dann als klein und gar nicht mal so mächtig.

Lego präsentiert: eine «mächtige» Maschine. Wow.
Lego präsentiert: eine «mächtige» Maschine. Wow.

Jedes Teilchen beherrscht exakt eine Funktion. Das war es dann aber auch schon. Sie sind vielleicht etwas zu minimalistisch, diese mächtigen Maschinen.

Ich zitiere einfach meine Testperson: «Das ist ja Schrott.»

Mit Glück beim Einkauf sind «nur» 40 Euro weg. Die Figur habe ich zum Größenvergleich mal dazugestellt.
Mit Glück beim Einkauf sind «nur» 40 Euro weg. Die Figur habe ich zum Größenvergleich mal dazugestellt.

Nun scheint Lego bereits selbst geahnt zu haben, dass der Langzeitspielspaß auch bei Siebenjährigen eher begrenzt sein könnte. Deshalb gibt es noch einen Clou! Jedem Modell liegt eine Sammelkarte bei. Und die ist mit ihrer aufgedruckten Straße nicht nur Deko. Die Kundschaft soll ja etwas für ihr Geld bekommen. Über einen QR-Code in der Bauanleitung zaubert Lego drei A4-Seiten mit den Spielregeln auf den Bildschirm. Da dauert das Lesen schon länger als das Bauen.

Die Sammelkarten ergeben das Feld für ein Extra-Spiel.
Die Sammelkarten ergeben das Feld für ein Extra-Spiel.

Voraussetzung fürs Mitspielen sind jeweils drei Karten mit den passenden Maschinen. (Hier jetzt bitte Kassengeräusch und Kichern aus dem Lego-Marketing dazudenken.)

Keine Ahnung, wann die Menschen bei Lego zuletzt mal Kinder ab sieben Jahren beobachtet haben. Für jüngere Kinder mag das «Baustellen-Spiel», bei dem die Karten ausgelegt werden, vielleicht kurz interessant sein.

Für zwei Runden oder so.

Ein Ausrutscher von Lego? Oder die klare Ansage, dass dem Unternehmen die Kundschaft inzwischen egal ist, weil Fans sprichwörtlich alles kaufen?

Titelbild: Stephan Lamprecht

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Hamburger, Leseratte, Eishockey-Fan. Papa und Grosspapa. Bastelt ständig an seinem Smarthome herum. Interessiert an DIY, Outdoor, Mode und Kosmetik.


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