Meine Erfahrungen mit dem Gimbal DJI OM 4

Meine Erfahrungen mit dem Gimbal DJI OM 4

David Lee
David Lee
Zürich, am 09.09.2020
DJI hat eine neue Version des Smartphone-Gimbals Osmo Mobile herausgebracht. Er heisst jetzt offiziell DJI OM 4. Er beruhigt Videoaufnahmen und vielleicht auch den Benutzer. Ommmm ...

Vor diesem Test glaubte ich, dass ein Gimbal eine simple Sache sei. So eine Halterung halt, die das Smartphone für Videoaufnahmen stabilisiert. Das kann ich sicher testen, dachte ich, auch wenn ich von Video Producing mit Smartphones wenig Ahnung habe.

Kurz nach dem Auspacken bin ich mir da nicht mehr so sicher. Im Quick Start Guide steht: «Lesen Sie das DJI-Benutzerhandbuch für den Magnetringhalter aufmerksam durch, um sicherzustellen, dass Sie den Ringhalter ordnungsgemäss verwenden.» Ein eigenes Benutzerhandbuch nur für den Magnetringhalter? Was ist das überhaupt?

Magnetringwas?

Im Gegensatz zum Vorgänger DJI Osmo Mobile 3 wird das Smartphone nicht mehr direkt in den Gimbal eingespannt. Stattdessen ist die Halterung für das Smartphone ein separater Teil, der mit einem starken Magnet am Gimbal befestigt wird. Lässt du diese Klammer am Smartphone, vereinfacht dies das An- und Abnehmen. Ich mache das allerdings nur, wenn ich weiss, dass ich den Gimbal bald wieder brauche. Denn die Klammer verdeckt die unterste Seitentaste, wenn ich sie korrekt in der Mitte platziere.

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Statt der Klammer kannst du auch den Magnetringhalter am Smartphone anbringen. Dieser wird dauerhaft festgeklebt, wie ein Haken fürs Küchentuch. Dies würde in meinem Fall zwar das Problem mit der Seitentaste lösen, aber da ich den Gimbal nur vorübergehend teste, verwende ich die Ringhalterung nicht.

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Der Ring kann auch als Smartphone-Ständer verwendet werden, etwa für Videoanrufe. Für alle, die kein Eierkarton-Gebastel wollen.

Endlich, der Test

Zu Beginn installiere ich die zugehörige App DJI Mimo. Grundsätzlich lassen sich auch mit anderen Apps Fotos und Videos aufnehmen. Das ist praktisch, falls du mal auf eine Funktion angewiesen bist, welche die DJI-App nicht bietet. Die DJI-App brauche ich jedoch, um mich zu registrieren, den Gimbal mit dem Smartphone zu verbinden und um das Benutzerhandbuch zu lesen. Der Quick Start Guide bringt nämlich nicht allzu viel. In der App sind auch Video-Tutorials enthalten. Beides allerdings nicht auf Deutsch, sondern nur auf Englisch.

Die Steuerung harmoniert nur mit der DJI-App perfekt. In anderen Apps funktioniert – zumindest bei mir – Aufnahme, Zoom, Ausrichtung des Gimbals und Wechsel zwischen Front- und Rückkamera. Auf die Modus-Taste, die zwischen Foto und Video wechselt, reagieren Fremd-Apps hingegen nicht.

Zuerst filme ich ein paar Schritte mit und ohne Gimbal. Kein Zweifel: Wer solche Aufnahmen macht, braucht einen Gimbal. Die optische Bildstabilisierung einer Kamera oder auch eines Smartphones könnte die kleinen Zitterbewegungen eliminieren, nicht aber die grösseren Bewegungen. Das Wippen durch die Schritte bleibt auch mit dem Gimbal schwach erkennbar, stört aber nicht. Ich finde das sogar besser, als wenn die Aufnahme so aussehen würde, als wäre die Kamera auf Schienen gezogen.

In den Einstellungen kannst du dem Gimbal sagen, wie er stabilisieren muss. Du kannst deine Hand auf drei Achsen bewegen: Die Links-Rechts-Bewegung, die Oben-Unten-Bewegung und die Kippbewegung vom Hoch- ins Querformat. Standardmässig gleicht der Gimbal nur die letzte der drei Achsen aus. Den anderen Bewegungen folgt der Gimbal sanft und mit einiger Verzögerung, sodass die Aufnahme nicht zu unruhig wird. Im Sport-Modus folgt der Gimbal diesen Bewegungen schneller.

Der Gimbal kann auch so eingestellt werden, dass er Bewegungen nach oben und unten ebenfalls korrigiert. Die FPV-Einstellung folgt allen Bewegungen, auch der Kippbewegung. Der Horizont kippt dann wie bei einer GoPro-Aufnahme von einem Fahrrad, das in die Kurve liegt.

Das alles funktioniert super. Was bei mir überhaupt nicht super funktioniert, ist die Objektverfolgung. Mit ActiveTrack 3.0 soll die DJI-App ein Gesicht oder ein anderes Objekt erkennen, und der Gimbal soll dieses dann in der Bildmitte halten. Die Erkennung funktioniert einigermassen, aber der Gimbal fängt unmotiviert an zu schaukeln und schwanken, bis ich nicht mehr im Bild bin.

Neben diesem grösseren Ärgernis hatte ich noch zwei kleinere. Der Gimbal hält das Smartphone nach dem Abnehmen und neu Anbringen oft leicht schräg. Das kann ich zwar in den Einstellungen durch eine Feinausrichtung korrigieren, muss das aber jedes Mal erneut tun.

Das andere Ärgernis: Ich habe nicht herausgefunden, wie ich die Signaltöne des Gimbals und der App deaktivieren oder leiser stellen kann. Sie sind manchmal praktisch, manchmal aber zu laut oder überhaupt unerwünscht.

Spass mit Panoramas

Mit Fotografie habe ich mehr am Hut als mit Video. Kein Wunder, haben mich die Möglichkeiten der Panoramafunktion besonders gereizt.

Neben dem klassischen Panorama, das sich beim DJI OM 4 über 240 Grad erstreckt, lässt sich auch ein Bild aus 3×3 Fotos zusammenstellen. So entsteht ein extremes Weitwinkelbild. Das funktioniert sowohl horizontal als auch vertikal. Vertikal sind bei mir oft beinahe quadratische Bilder entstanden, ein paar davon recht eindrücklich.

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Das obige Bild ist farblich etwas nachbearbeitet und auf die quadratische Form getrimmt. Das Original-Seitenverhältnis variiert je nach Situation. Das gilt auch für die Auflösung. Generell ist sie nicht höher als bei einem normalen Foto. Das 3×3-Pano verwendest du also nicht, um hochauflösende Bilder zu erstellen, sondern um mehr aufs Bild zu bekommen.

Oft habe ich dabei sowohl schattige als auch sonnige Stellen eingefangen. Diese grossen Helligkeitsunterschiede sind ein Problem. Die App belichtet alle Teilbilder gleich, wodurch die Schatten praktisch schwarz erscheinen. Hier zum Vergleich das Originalbild und die bearbeitete Version mit aufgehellten Schatten.

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Mit dem Clone-Me-Pano kannst du dich mehrfach im gleichen Bild darstellen. Die App nimmt drei Einzelbilder nebeneinander auf. Sofern du dich nicht genau am Bildübergang aufstellst, kommt das einwandfrei heraus.

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Zeitraffer, Akkulaufzeit und Handling

Der Gimbal ermöglicht diverse Arten von Zeitraffern mit und ohne Bewegung. Hier ein kurzer Test. Nebst simplen Kameraschwenks kannst du bis zu vier Positionen angeben, welche im Lauf des Zeitraffers angesteuert werden sollen.

Der Akku des Gimbals ist kein Thema. Laut Manual hält er 15 Stunden. Das Smartphone braucht aber während der Aufnahme viel Strom – sein Akku ist wesentlich schneller leer. Da kommt es gelegen, dass der Gimbal das Smartphone mit Strom versorgen kann. Er lässt sich also auch als Power Bank verwenden. Nur nicht während einer Aufnahme, weil das USB-Kabel beim Ausbalancieren stört.

Der DJI OM 4 kann bei Nichtgebrauch zusammengeklappt werden, der Standfuss ist abnehmbar. Dabei nutzt DJI ein normales Stativgewinde, sodass du den Gimbal auf jedem Fotostativ anbringen kannst. Weil Panos oder Zeitraffer eine feste Unterlage brauchen, kann das sehr nützlich sein. Und nicht immer findet sich eine freie Fläche in passender Höhe.

Fazit: Gut bis auf’s ActiveTrack

Als Neuling auf dem Gebiet kann ich den Gimbal nicht mit anderen vergleichen. Der Einstieg war für mich schwieriger als erwartet. Doch jetzt, wo ich verstehe, wie ich mit den OM 4 umgehen muss, halte ich ihn für praktisch. Nur die Motivverfolgung finde ich in dieser Form unbrauchbar.

Ob sich der Gimbal für dich lohnt, hängt auch von deinem Smartphone ab. Denn nicht jede Funktion wird auf allen Smartphones unterstützt. Die Details findest du in dieser Kompatibilitätsliste.

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David Lee
David Lee

Senior Editor, Zürich

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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