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Kritik

«Mina the Hollower» ist mein Indie-Spiel des Jahres

Kevin Hofer
16.6.2026

Wer «Shovel Knight» mochte, wird «Mina the Hollower» lieben. Das meisterhaft gestaltete Action-Adventure glänzt mit cleverem Dungeon-Design, einem durchdachten Kampfsystem und einer charmanten Retro-Optik.

Graben, auftauchen, zuschlagen, ausweichen – und das Ganze von vorn. Kaum habe ich eine knifflige Plattform-Passage gemeistert, stellt sich mir eine überdimensionierte Maus mit Knüppel in den Weg. Mit letzter Kraft besiege ich sie, nur um Sekunden später in eine Mausefalle zu laufen – und zu sterben. Wieder einmal.

«Mina the Hollower» gönnt mir keine Pause, und genau das macht seinen Reiz aus.

Diese verdammten Mausefallen. Argh!
Diese verdammten Mausefallen. Argh!
Quelle: Yacht Club Games

Eine Maus, eine Mission – und wenig mehr

Mina, die titelgebende Maus, ist Erkunderin und Erfinderin. Ihre «Spark Generators» versorgen die Insel Tenebrous mit Energie – bis Thorne, der ehemalige Wächter ihres Mäzens Baron Lionel, die Generatoren sabotiert. Eine simple, aber reizvolle Ausgangslage.

Baron Lionel – der Löwe – beauftragt Mina mit der Reparatur der Generatoren.
Baron Lionel – der Löwe – beauftragt Mina mit der Reparatur der Generatoren.
Quelle: Yacht Club Games

Doch die Geschichte bleibt blass. Mina spricht kaum, und die Handlung tritt so weit in den Hintergrund, dass sie fast verschwindet. Schade, denn der Einstieg weckt Interesse an der Figur. Immerhin verleihen die Nebenfiguren in Ossex, der zentralen Stadt, der Welt genug Persönlichkeit, um den schwachen Plot auszugleichen.

Selbst in der Stadt kann ich auf Gegner stossen.
Selbst in der Stadt kann ich auf Gegner stossen.
Quelle: Yacht Club Games

Ihre Kommentare sind witzig, etwa wenn ich Knaben ihre improvisierte Ball-Dose wegkicke. Ihre Hinweise sind hilfreich, wie der Tipp eines Geckos, dem Gorilla-Verkäufer die Leiter zu stehlen. Und ihre Nebenquests wecken Neugier – etwa die Geschichte eines Froschs, der in einem Fass lebt und zu seiner Band zurückkehren will.

Doch die Handlung ist nicht der Grund, warum ich weiterspiele.

Ossex: eine Stadt voller Geheimnisse

Ossex ist der Ausgangspunkt aller Abenteuer. Hier rüste ich Mina aus, kaufe Upgrades und entdecke versteckte Winkel, die oft Überraschungen bereithalten. Die Stadt wächst mit mir, und das Tempo, in dem ich ihre Möglichkeiten ausschöpfe, bleibt stets befriedigend.

Überall können sich versteckte Wege befinden.
Überall können sich versteckte Wege befinden.
Quelle: Yacht Club Games

Ausserhalb der Stadtmauern bin ich auf mich allein gestellt. Die Gegner werden aggressiver, die Umgebungen komplexer. Dabei folgt das Spiel einem klaren Prinzip: Alles, was sich optisch abhebt, hat eine Funktion. Eine andere Textur könnte eine zerstörbare Wand sein, ein ungewöhnliches Muster, ein versteckter Pfad. Die reduzierte Game-Boy-Color-Ästhetik vermittelt diese Hinweise erstaunlich klar – meistens jedenfalls.

Ein kleiner Kritikpunkt bleibt: Anfangs fällt es schwer, sich in der Grafik zu orientieren. Ich stürze oft ab, weil ich nicht erkenne, wohin ich springen kann. Doch das legt sich, sobald ich das Design verinnerlicht habe.

Graben als Schlüsselmechanik

Minas wichtigste Fähigkeit ist das Graben. Damit weiche ich Angriffen aus, überwinde Hindernisse und öffne neue Wege. Beim Auftauchen springt Mina weiter – ein simpler Trick, der sich als zentrales Element entpuppt.

Die Plattform-Passagen sind knifflig.
Die Plattform-Passagen sind knifflig.
Quelle: Yacht Club Games

Die Dungeons wirken zunächst linear, doch das täuscht. Versteckte Abzweigungen, knifflige Plattform-Passagen und Rätsel, die das Graben kreativ nutzen, machen jeden Raum zur Herausforderung. Giftige Sümpfe, enge Labyrinthe voller Fallen, surreale Unterwelten – jedes Gebiet fühlt sich einzigartig an und fordert mich anders.

Besonders beeindruckt mich, dass es keine detaillierte Karte gibt. Nur eine grobe Weltkarte, die ich kaufen muss. Den Rest präge ich mir ein. Das klingt frustrierend, ist aber das Gegenteil: Weil ich die Welt mental kartografiere, lerne ich sie wirklich kennen. Wenn ich nach Irrwegen plötzlich verstehe, wie alles zusammenhängt, ist das ein Erfolgserlebnis, das kein Tutorial ersetzen kann.

Kämpfen, sterben, besser werden

Das Kampfsystem ist simpel, aber tiefgründig. Zu Beginn wähle ich eine von drei Waffen, weitere schalte ich später frei. Jede Waffe spielt sich anders und lässt sich upgraden, wodurch sie neue Möglichkeiten eröffnet. Ein Schild etwa pariert Angriffe, kann nach einem Upgrade aber auch geworfen werden.

Bosskämpfe sind das Highlight.
Bosskämpfe sind das Highlight.
Quelle: Yacht Club Games

Normale Gegner fordern mich, vor allem in Gruppen. Doch die Bosskämpfe sind das Highlight: Mehrphasig, mit variierenden Angriffsmustern, die Präzision und Timing verlangen – selbst für Heilpausen, die ich mir im Kampf erarbeiten muss.

Besonders in Erinnerung bleibt mir der Boss im Abschnitt Septemberburg – einem Gebiet, das von Halloween beeinflusst ist. Hier verfolgt mich der Carving Man in bester Mr.-X-Manier å la «Resident Evil 2» durch mehrere Screens. Dabei kann ich ihn vorerst nicht bekämpfen und muss flüchten. Das sorgt für Stress und ich merke, dass ich noch weit davon entfernt bin, die Mechaniken des Spiels gemeistert zu haben.

Checkpoints erlauben es, Waffen und Ausrüstung zu wechseln. Hier lagere ich auch meine Knochen, die Währung des Spiels. Mit ihnen kaufe ich nicht nur Waffen, sondern verbessere auch meinen Status Angriff, Verteidigung und Nebenwaffen. Sterbe ich ohne Schutzressource, verliere ich alles. Das zwingt mich, ständig abzuwägen: Jetzt ausgeben oder weiter sammeln? Levelaufstieg oder neues Item? Dieses simple System hält mich immer auf Trab.

Mit Knochen verbessere ich Minas Fähigkeiten.
Mit Knochen verbessere ich Minas Fähigkeiten.
Quelle: Yacht Club Games

Retro-Charme mit kleinen Schwächen

Optisch ist «Mina the Hollower» eine Hommage an den Game Boy Color – und doch mehr als das. Die Pixelgrafik ist detailreich, die Animationen flüssig, das Artdesign stimmig. Jedes Gebiet hat eine eigene Atmosphäre, die sich in Farbpalette, Musik und Gegnerdesign widerspiegelt.

Nox’s Bayou ist etwa eine Schwemmlandebene, bei der ich mich vor tieferen Gewässern in Acht nehmen muss. Auf dem verschneiten Coltrane Peak habe ich mit eisigen Flächen zu kämpfen. Im beängstigenden Queensbury Crypt befördern mich Stacheln mehr als einmal in die ewigen Jagdgründe.

Der Soundtrack treibt das Spiel voran, besonders in den Bosskämpfen. Die Musik eskaliert mit der Situation und motiviert mich, es erneut zu versuchen, wenn ich scheitere.

Der Grafikstil ist einfach geil.
Der Grafikstil ist einfach geil.
Quelle: Yacht Club Games

Standardmässig schwierig, aber anpassbar

Falls es noch nicht klar geworden ist: «Mina the Hollower» ist sauschwer. Vor allem der Einstieg hat es in sich. Sobald ich die Mechaniken aber verstehe und Mina ein paar Level gewonnen hat, geht alles leichter von der Hand.

«Mina» lässt mich immer wieder an mir zweifeln, bleibt aber fair.
«Mina» lässt mich immer wieder an mir zweifeln, bleibt aber fair.
Quelle: Yacht Club Games

Für alle, die es gerne leichter – oder noch schwieriger – haben, bietet das Spiel diverse Modifikatoren. So kann ich etwa den erlittenen Schaden erhöhen oder reduzieren. Optionen, die das Spiel einfacher gestalten, verhindern jedoch Erfolge, was schade ist.

Fazit

Ein Indie-Meisterwerk

Mit «Shovel Knight» setzte Yacht Club Games Massstäbe für Retro-Platformer. Mit «Mina the Hollower» übertreffen sie sich selbst. Das Dungeon-Design fordert und belohnt, das Graben-System eröffnet immer neue Möglichkeiten, und das Progressionssystem hält mich konstant bei der Stange.

Einzig die Geschichte bleibt hinter ihrem Potenzial zurück. Mina als schweigsame Heldin funktioniert spielerisch, doch ich hätte sie gern besser kennengelernt. Und wer keine Erfahrung mit anspruchsvollen Action-Platformern hat, wird hier an seine Grenzen stossen – das Spiel nimmt keine Rücksicht.

Für alle anderen: «Mina the Hollower» ist ein Pflichtkauf.

Pro

  • brillantes Dungeon- und Weltdesign
  • kreatives, tiefgründiges Bewegungssystem
  • abwechslungsreiche, faire Bosskämpfe
  • stimmige Retro-Optik

Contra

  • blasse Geschichte
  • gelegentliche visuelle Unklarheiten

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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