Mit diesem Ständer trocknest du deine Wäsche wie in Italien

Mit diesem Ständer trocknest du deine Wäsche wie in Italien

Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Zürich, am 05.07.2022

Fürs italienische Lebensgefühl braucht’s nicht immer nur Gelato und Pasta, auch ein Hängetrockner fürs Balkongeländer lässt Ferienstimmung aufkommen. Aber ist das überhaupt erlaubt?

Ich habe einen Wäscheständer, der eher einem Turm als einem klassischen Klappmodell gleicht. Das ist platzsparend, aber auch etwas lästig. Zum Beispiel, wenn lange Hosen oder Handtücher aufgehängt werden müssen, die gleich zwei Etagen einnehmen. Und auf den Balkon passt er nicht, ausser ich würde jedes Mal meinen Tisch reinräumen.

Mein Wäscheturm.
Mein Wäscheturm.

Inspiriert von Italien

Aber gerade jetzt im Sommer geht das Trocknen draussen in der Sonne mit Abstand am schnellsten. Inspiriert wurde meine Produktsuche von einer Überschrift der Onlineausgabe der österreichischen Tageszeitung «Der Standard», die über ein drohendes Wäscheleinen-Verbot in Neapel informierte. «Oh nein, so schade!», dachte ich im ersten Moment, nur um dann schnell auf egoistischere Gedanken zu kommen. «Gibt’s solche Leinen wohl auch für den Balkon?»

Wie kann man so etwas Schönes verbieten wollen? Bild: Samuel C, Unsplash
Wie kann man so etwas Schönes verbieten wollen? Bild: Samuel C, Unsplash

Gesucht habe ich auf Galaxus in der Kategorie «Wäscheständer». Gefunden habe ich eine Handvoll mobiler Hängetrockner fürs Balkongeländer. Die bieten zwar nicht annähernd so viel Leinenplatz wie die italienischen fix installierten Vorbilder, aber immerhin ein paar Wäschestücke werden schon drauf passen. Ich wähle ein schnell lieferbares Modell von Leifheit, das über Geländer zwischen einem und elf Zentimetern passt und von 55 auf 105 Zentimeter Breite ausziehbar ist.

Während ich auf das Paket warte, lese ich mir den Artikel zur Überschrift durch. So soll sich ein Verordnungsentwurf des neapolitanischen Bürgermeisters in den sozialen Medien verbreitet haben, der die Wäscheleinen zwischen gegenüberliegenden Häusern verbieten will. Das, weil es seiner Meinung nach den Anstandsregeln widerspricht. Schnell wurde Protest laut. Für die Menschen von Neapel sind die Wäscheleinen Ausdruck ihrer Tradition und Identität.

Ist das überhaupt erlaubt?

Voller Verständnis für die Empörung mache ich mir auf einmal Sorgen, dass mein bestellter Hängetrockner in der Schweiz erst recht Probleme macht, wenn gar in Italien schon Wäscheleinen-Verbote zur Diskussion stehen. Also frage ich erst einmal beim Mieterinnen- und Mieterverband (MV) Zürich nach, bevor ich dir am Ende ein verbotenes Produkt empfehle.

«Wenn die Wäscheständer am Balkongeländer gegen innen gerichtet sind, handelt es sich klar um eine zulässige Handlung seitens Mieter*innen», sagt Larissa Steiner, Leiterin Rechtsberatung. Gut, vor allem bei Wind ist das für mich eine Option. Eigentlich aber wollte ich den Trockner gegen aussen richten, um keine Balkonfläche hergeben zu müssen. «Der Mieterinnen- und Mieterverband stellt sich auf den Standpunkt, dass Anbringen von solchen gegen aussen gerichteten Wäscheständern, temporär für die Dauer der Wäschetrocknung, zulässig ist. In der Praxis scheint die Sache nicht so eindeutig.»

Gegen innen ist das Aufhängen deiner Wäsche eindeutig gestattet.
Gegen innen ist das Aufhängen deiner Wäsche eindeutig gestattet.

Soll heissen, dass auch die temporäre Anbringung gegen aussen theoretisch von der Vermieterin untersagt werden kann. Sei dies der Fall, empfehle der MV Zürich, der Aufforderung nachzukommen, da sich deswegen kein Streit lohne. In der Praxis hätten viele Vermieter aber kein Problem mit einem solchen Hängetrockner, solange er lediglich während der Dauer des Wäschetrocknens am Geländer hängt. Denn: «Nicht zulässig bzw. bewilligungspflichtig ist das permanente Anbringen eines solchen Wäscheständers, der gegen aussen angebracht und mit der Fassade verschraubt wird», sagt Steiner.

Er ist kleiner als gedacht

Nun, da das geklärt und das Päckchen angekommen ist, probiere ich die Vorrichtung gleich einmal aus. Bei meinem gewählten Modell (kürzeste Lieferzeit) bin ich zunächst erstaunt, wie klein das Ding tatsächlich ist. Immerhin kann es ausgezogen werden. Eine ganze Ladung Wäsche werde ich aber nie darauf verteilt bekommen, weshalb ich mich für die Stücke mit der längsten Trocknungsdauer entscheide.

Das ist schon nur aus Gründen der Schwerkraft eine gute Idee. Schon bei leichten Böen lägen Unterhosen oder Socken unten auf der Strasse. Mit dieser Erkenntnis lege ich sofort ein paar hölzerne Wäscheklammern in den Warenkorb. Die T-Shirts und Hosen bleiben auch ohne Zutun hängen und trocknen natürlich schneller als je zuvor.

Aber: Der Hängetrockner ist ein wenig instabil, wenn er voll ausgezogen ist und die Plastikteile wirken etwas billig. Statt auf dünne Drähte setzt Leifheit auf Metallrohre. Die verhindern die sonst üblichen Abdrücke auf der Kleidung. Dafür ist die Gefahr, dass diese runterrutscht etwas höher.

Die politische Werbung auf meinem Balkon ist wohl problematischer als der Hängetrockner.
Die politische Werbung auf meinem Balkon ist wohl problematischer als der Hängetrockner.

Fazit: Gute Idee für kleine Balkone

Alles in allem ist so eine Hängevorrichtung für Menschen wie mich – ohne Garten – enorm praktisch, um die Wäsche im Sommer schnell, platzsparend und umweltschonend zu trocknen. Da du aus meinen Fehlern lernen sollst, würde ich dir ein Modell mit etwas mehr Leinenmetern empfehlen, wenn du nicht nur drei T-Shirts und ein paar Unterhosen (mit Klammern!) aufhängen willst.

Übrigens ist der neapolitanische Bürgermeister am Ende unter dem Druck der Bevölkerung zurückgekrebst. Gut so, habe ich die Italiener:innen doch stets um ihre Wäscheleinen und der damit verbundenen Ästhetik beneidet. Mit dem Hängetrockner bringe ich nun immerhin einen Hauch dieses südlichen Lebensgefühls nach Zürich. Auch wenn’s in Sachen Optik definitiv noch Luft nach oben gibt.

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Carolin Teufelberger

Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Menschen, Gedanken und Lebenswelten kennenzulernen,. Journalistische Abenteuer lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.


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