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Siri Schubert
Produkttest

Mit diesen Sandalen am Berg laufen? Nein!

Sandalen gehören zum Sommer wie Glace und Seeschwimmen. Aber können sie auch beim Trailrunning punkten? Ich habe die Aventrail R2T von Teva für dich getestet.

In Sandalen auf steinigen Pfaden laufen und dabei noch Höhenmeter zurücklegen? Das klingt für mich – nun ja, sagen wir – ungewöhnlich. Denn Zehenschutz, Stabilität und eine gute Passform sind bei Trailrunningschuhen essentielle Eigenschaften. Und ausgerechnet dafür sind Sandalen eigentlich nicht bekannt.

Umso erstaunter bin ich, als ich die Aventrail-R2T-Sandalen bei den Outdoor Business Days am Gardasee spotte. Die Sandalen mit dicker Polsterung und profilierten Sohlen sollen Performance und ein luftiges Laufgefühl bieten. Ob das Konzept aufgeht, will ich unbedingt herausfinden.

Die Trailrunning-Sandalen in der Messehalle machen mich neugierig.
Die Trailrunning-Sandalen in der Messehalle machen mich neugierig.

Bequem und gut gedämpft

Die Sandalen fühlen sich beim ersten Anziehen komfortabel an. Die Ferse ist mit 39,5 Millimetern üppig gedämpft, der Vorfuss weist noch 31 Millimeter auf. In Grösse 40 wiegt das Frauenmodell 240 Gramm. Das ist schon sehr leicht für einen Trailschuh, aber da das Obermaterial fehlt, überrascht es mich auch nicht.

Auf den ersten gemächlichen Schritten fühlen sich die offenen Schuhe gut an. Vom Sandalenexperten Teva hätte ich auch nichts anderes erwartet. Schliesslich habe ich schon viele verschiedene Modelle im Alltag getragen und war mit der Passform und dem Gehgefühl immer zufrieden. Allerdings fallen die Aventrail R2T gross aus. Ich habe die Grösse gewählt, die ich auch sonst beim Trailrunning trage, hätte aber sicher eine halbe bis eine Grösse kleiner nehmen können.

Luftig sind sie selbstverständlich auch. Dank der Riemen mit Velcro lassen sie sich auf meine Fussgrösse einstellen, doch ob der Halt ausreicht, muss der Praxistest zeigen.

Auf Feldwegen und leichten Pfaden

Jetzt geht's auf zum Joggen: Als erstes laufe ich acht Kilometer auf Gravel. Eine leichte Tour zum Eingewöhnen. Vergnüglich ist das nicht. Denn der Schuh beginnt zu scheuern und zwischen Sohle und Fuss sammeln sich Steinchen und Sand.

Insgesamt fühlt sich der Schuh sehr weich an, daran ändert auch die Nylonplatte in der Zwischensohle wenig.

Das erhoffte lockere Laufgefühl will sich nicht einstellen.
Das erhoffte lockere Laufgefühl will sich nicht einstellen.

Auch die Geometrie lässt einige meiner Wünsche offen: Das Fussbett ist so geformt, dass es mir bei jedem Aufprall unter dem Fussgewölbe einen kleinen Schlag versetzt. Ich muss meinen Laufstil anpassen, denn die Landung auf dem Mittelfuss funktioniert in diese Sandalen nicht.

Das hat noch einen weiteren Grund: Generell bevorzuge ich eine Sprengung von sechs Millimetern oder weniger. Die 8,5 Millimeter Differenz zwischen Ferse und Vorfuss bei diesen Sandalen sind mir definitiv zu viel. Denn statt Vortrieb zu geben, vermittelt mir der Schuh ein unrundes Laufgefühl. Dieser Schuh scheint für den Fersenlauf optimiert zu sein.

Luftig sind die Sandalen, aber auch Steinchen und Dreck kommen an den Fuss.
Luftig sind die Sandalen, aber auch Steinchen und Dreck kommen an den Fuss.

Ich hatte gehofft, die Teva-Sandalen als luftige Alternative für lockere Läufe in meine Rotation aufnehmen zu können, doch nach dem ersten Test habe ich meine Zweifel.

Auf anspruchsvolleren Trails

Aufgeben möchte ich nach dem ersten Test allerdings noch nicht. Vielleicht enthüllen die Aventrail-Sandalen ihre Stärken ja erst im Gelände. Also nehme ich sie mit in steileres Terrain.

Der Halt lässt zu wünschen übrig.
Der Halt lässt zu wünschen übrig.

Doch auch hier können sie mich nicht überzeugen. Der Halt ist mir zu locker. Dabei habe ich die Riemen schon maximal fest angezogen. Will ich sie noch enger schnüren, öffnen sie sich von allein, weil der Velcro-Streifen zu kurz ist, um die Riemen in dieser Position zu sichern. Dabei habe ich von Natur aus breite Füsse. Tendenziell sind mir Laufschuhe eher zu eng als zu weit. Deshalb überrascht es mich, dass ich meine Füsse nicht besser fixieren kann. Vielleicht wäre das Problem weniger stark aufgetreten, wenn ich die Schuhe eine Grösse kleiner gewählt hätte. Aber ganz behoben wäre es sicher nicht.

Da ich keinen festen Halt habe, laufe ich unsicher. Das reduzierte Bodengefühl durch die hohe Dämpfung verstärkt meine Unsicherheit noch. Und auch die 3,5-Millimeter-Stollen erhöhen mein Vertrauen nicht.

Beim Profil dürfte es ruhig ein bisschen mehr sein.
Beim Profil dürfte es ruhig ein bisschen mehr sein.

Da ich ohnehin schon nervös bin, gehe ich unbewusst beim Bergablaufen in eine leichte Rücklage. Was die Rutschgefahr verstärkt und dazu führt, dass ich mit der Ferse an einer Wurzel hängen bleibe. Ich komme zwar schnell wieder ins Gleichgewicht, doch ein richtiges Laufvergnügen will auf dem Rest der Strecke nicht mehr aufkommen.

Wozu Sandalen?

Schon seit dem ersten Blick auf die Schuhe frage ich mich: Welchen Vorteil bringen Sandalen beim Laufen? Ich kenne minimalistische Läufer, die auf Sandalen mit dünner Sohle schwören, weil sie den Boden so besser spüren. Das ist bei den üppig gepolsterten Aventrail R2T nicht der Fall.

Ich hatte gehofft, dass sich die Sandalen leicht und luftig anfühlen. Aber das kann ich nicht bestätigen, zumindest wenn ich sie mit neuen Laufschuhmodellen mit atmungsaktivem Obermaterial vergleiche. Anders gesagt: Beim Laufen im Sommer werden meine Füsse ohnehin heiss. Da macht das bisschen Stoff keinen grossen Unterschied, wenn ich dafür guten Halt, mehr Sicherheit und Schutz vor kleinen Steinen und Sand bekomme.

Weiches Gehen im Alltag

Wenn du stark gepolsterte Schuhe mit ausgeprägtem Fussbett magst, sind die Schuhe vielleicht als Alltagssandalen geeignet. Ich habe sie bei kürzeren Spaziergängen, auf dem Campingplatz oder dem Weg zur Badi getragen. Sie erinnerten mich an weiche Recovery-Sandalen. Vollständig überzeugt haben sie mich aber nicht. Denn es gibt auch in dieser Kategorie – zumindest für meine Füsse – angenehmere Modelle, beispielsweise die Blackroll Recovery Slopes.

Fazit

Scheuern und schlechter Halt mindern das Laufvergnügen

Die Sandalen können auf den Trails bei mir nicht punkten. Der Halt vermittelt mir im Gelände nicht genug Sicherheit und Sand, Erde und kleine Steine scheuern auf der Haut. Insgesamt ist das Laufgefühl bei meinem Laufstil (Mittel- und Vorfussläuferin) nicht optimal. Ich greife deshalb gerne wieder auf geschlossene Trailrunningschuhe zurück.

Pro

  • gute Dämpfung für Spaziergänge
  • als üppig gepolsterte Alltagssandale geeignet

Contra

  • zu lockerer Halt
  • Sand und Steine scheuern
  • kein gutes Bodengefühl
  • für meine Füsse zu viel Unterstützung des Fussgewölbes
Teva W's Aventrail R2T
Sandalen
EUR109,40

Teva W's Aventrail R2T

Titelbild: Siri Schubert

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Forschungstaucherin, Outdoor-Guide und SUP-Instruktorin – Seen, Flüsse und Meere sind meine Spielplätze. Gern wechsel ich auch mal die Perspektive und schaue mir beim Trailrunning und Drohnenfliegen die Welt von oben an.


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