Macht von innen und aussen eine aufgeräumte Figur: Der Tado Raumthermostat wirkt unauffällig und elegant.
Macht von innen und aussen eine aufgeräumte Figur: Der Tado Raumthermostat wirkt unauffällig und elegant.
Review

Mit Tado smart heizen und dabei Geld sparen?

Raphael Knecht
Raphael Knecht
Zürich, am 07.01.2019
Die Smartifizierung des eigenen Zuhauses ist in vollem Gange. Waschmaschinen, Kühlschränke und auch Raumthermostate sind übers Handy steuerbar. Ich habe das Modell von Tado unter die Lupe genommen.

Wir leben in einem Zeitalter, in welchem du schon bald alles in deinen eigenen vier Wänden via Smartphone steuern kannst. Es gibt Kühlschränke, die eine eingebaute Kamera haben und dir beim Einkaufen via Liveübertragung sagen, was du besorgen sollst. Waschmaschinen lassen sich übers Handy fernsteuern und starten. Dank Tado kannst du auch via Mobiltelefon heizen. Die smarten Raumthermostate sollen deinen ökologischen Fussabdruck reduzieren und dir gemäss Hersteller bis zu 31% Heizkosten ersparen. Was die weisse Box wirklich kann, habe ich zu Hause ausprobiert.

Unboxing

Das Paket ist handlich und leicht, wie das Produkt selbst. In der Schachtel befinden sich nebst dem Thermostat eine Bridge, die du für die Einbindung in dein Netzwerk brauchst, die für die Installation notwendigen Kabel, Dübel, Schrauben und Klebstreifen sowie ein Etikettbogen für die Beschriftung der Kabel. Zwei Broschüren sind ebenfalls enthalten: Die eine – der Installationsguide – gibt darüber Auskunft, dass du die App downloaden und dann dort weiteren Anweisungen folgen sollst. Das andere Booklet dient dazu, alle Thermostate aufzulisten, um die Übersicht in grösseren Wohnungen oder Häusern nicht zu verlieren. So weisst du immer, welches Gerät du in welchem Raum installiert hast.

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Im Starter Kit findest du das Thermostat, die Bridge inklusive Anschlusskabel sowie Zubehör für die Installation.

Installation

Ich lade die App herunter, starte den Installationsguide, erstelle wie verlangt einen Account und gebe meine Adresse ein. Die Angaben braucht die App, um festzustellen, wann ich nicht zu Hause bin und die Heizung in den Away-Modus zu versetzen. Nach wenigen Schritten schickt mich die App auf ein Tablet, PC oder Mac. Selbstverständlich kannst du die angegebene Website auch mit dem Handy aufrufen. Danach muss ich zuerst die Bridge mit Seriennummer und Code registrieren und mit dem Router sowie den Tado-Servern verbinden. Es läuft alles problemlos. Nun ist das Thermostat an der Reihe. Auch hier bin ich nach wenigen Sekunden mit der Bridge und den Servern verbunden.

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Die Anleitung der App ist leicht verständlich und begleitet dich auf Schritt und Tritt.

Jetzt geht's ans Eingemachte: Ich muss mein Heizungssystem auswählen. «Arbeiten Sie mit einer Therme?», «Verfügen Sie über zusätzliche Steuerelemente in Ihrem Heizsystem?» und «Wird in Ihrem Fussbodenheizungssystem elektronisch oder mit Wasser geheizt?» sind einige der Fragen, die ich beantworten muss. Das kann ich gerade noch so herausfinden. Bei Marke und Typ des Raumthermostats bin ich dann aber überfragt. Ich schraube das Teil an der Wand ab und schaue hinter das Plastik. Da finde ich den Namen «Feller» und die Bezeichnung «4250». Im Drop-Down-Menü von Tado erscheint sowohl Feller als auch die genaue Produktbezeichnung. Das läuft wie geschmiert, denke ich. Diese euphorische Phase ist von kurzer Dauer: Auf dem nächsten Screen wird mir gesagt, dass sich Ingenieure anschauen müssten, ob mein System für Tado geeignet ist.

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Zu früh gefreut: Die Damen und Herren von Tado lassen mich eine Zwangspause einlegen.

Zwei Tag später dann die Antwort per Email: Ich müsse noch weitere Fragen beantworten. Leider sind es exakt dieselben, welche ich schon bei der Auswahl meines Heizungssystems abarbeiten musste. Das geht definitiv effizienter, liebes Tado-Team. Wiederum 48 Stunden später endlich die frohe Botschaft: «Ihr Heizungssystem ist mit dem Tado-Thermostat kompatibel.» Was mich positiv überrascht, ist die Tatsache, dass Tado bei mir im Account gleich eine für mein System passende Step-by-Step-Anleitung hinterlegt hat. Es geht also doch!

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Hobbyelektriker wird's freuen: Du musst schrauben, beschriften, umstecken und kleben.

Die Anleitung führt mich sehr detailliert durch den Installationsprozess. Es wird nichts ausgelassen, alles ist mehrfach bebildert und die Vorsicht steht an erster Stelle. Das ist gut so, denn es ist Strom im Spiel. Tado ist anderen Herstellern und Geräten mit einer solchen Anleitung weit voraus. Daher kriege ich das Ganze auch mit meinen zwei linken Händen im ersten Anlauf gebacken. Es scheint alles zu halten und zu funktionieren.

App

Nun kann ich mit der App von meinem Handy aus die Heizung steuern. Ich kann – ganz banal – manuell die Heizung hoch- und runterschrauben. Das wirklich Interessante sind aber die Planungstools: Ich kann die gewünschte Temperatur für jeden Wochentag einstellen, inklusive Uhrzeit. Ich wähle aus, wie warm es mindestens sein soll, wenn ich zu Hause bin und welches Minimum gewährleistet werden soll, wenn ich nicht da bin. Das erkennt die App, weil ich zu Beginn meine Adresse eingetragen habe. Ich kann auch bestimmen, ob die Heizung erst anlaufen soll, wenn ich daheim bin, oder bereits dann, wenn ich das Büro verlasse.

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Planen, wann geheizt werden soll und wann nicht: Mit der Tado-App kannst du alles steuern.

Tado hat mir für diesen Test den Auto Assist kostenlos zur Verfügung gestellt. Ansonsten zahlst du pro Monat 3 Euro für diesen Abo-Service. Du kannst das smarte Thermostat auch problemlos ohne den Auto-Assistenten benutzen. Einige Features stehen dann aber nicht zur Verfügung. Beispielsweise musst du jeweils in der App einen Button drücken, wenn du das Haus verlässt. Dasselbe gilt für die Rückkehr nach Feierabend. Auch erkennt Tado nur mit einem aktivierten Auto Assist, wenn ein Fenster offen ist. Es stellt dann automatisch die Heizung für einen von dir bestimmten Zeitraum ab, um unnötiges Aufheizen während des Lüftens zu vermeiden.

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Tado erkennt offene Fenster, analysiert die Raumluft und weiss, wo du dich gerade aufhältst.

Testphase

Nach einigem Herumspielen mit all den Funktionen nehme ich die für mich passenden Einstellungen vor und beginne die Testphase. In der Nacht wähle ich ein Minimum von 20 Grad Celsius, während des Tages eineinhalb Grad mehr. Natürlich nur, wenn ich auch zu Hause bin – Auto Assist sei Dank. Für den Fall, dass niemand in der Wohnung ist, habe ich den Wert auf 19 Grad festgelegt. Übrigens: Wenn du den Knopf am Thermostat drückst, erscheint sowohl die aktuelle Temperatur wie auch der gewählte Minimalwert. Nach einigen Sekunden stellt das Display wieder ab, es stört also nicht beim Schlafen oder Fernsehen. Du kannst die Temperatur übrigens auch manuell verstellen, falls du dein Smartphone gerade nicht zur Hand hast.

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So sieht die Auswertung meiner Temperatur-, Feuchtigkeits- und Heizwerten während eines ganzen Tages aus.

Im neuen Jahr und am Ende der Testphase angelangt, liefert mir die App eine Auswertung des letzten Monats. Laut Tado habe ich im Dezember 5.8% Energiekosten gespart, die Heizung nie von ausserhalb des Hauses ferngesteuert, ganze 6 Stunden Sonnenschein erleben dürfen, 15 Mal das Fenster geöffnet, nie eine Energiespartemperatur eingestellt und 5% der Zeit manuelle Einstellungen direkt am Thermostat vorgenommen. Diese Werte scheinen fast alle zu stimmen. Das Fenster hatte ich bestimmt öfters als 15 Mal geöffnet. Das weiss ich, weil ich mindestens zweimal pro Tag lüfte. Entweder habe ich nicht lange genug gelüftet oder die Temperaturdifferenz war zu gering, um erkannt zu werden. Die Energiespartemperatur liegt bei 18 Grad oder kälter, das ist mir im Winter aber zu wenig. Daher stimmen die 0 Stunden hier wohl. Und die mickrigen 6 Stunden Sonnenschein? Klingt traurig, ist aber so – es war tatsächlich ein grauer Dezember in Birmensdorf. Als kleines Extra gibt Tado schliesslich noch die gesamte Energieeinsparung aller Nutzer zusammen an.

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Zahlen über Zahlen: Meine Energiesparauswertung des Monats Dezember.

Fazit

Das smarte Thermostat von Tado ist ein cooles Gadget und passt perfekt ins heutige Zeitalter des Smart Homes. Es fügt sich nahtlos ein und tut, was der Hersteller verspricht: Es kontrolliert die Temperatur und Luftfeuchtigkeit, erkennt offene Fenster (in meinem Falle zu 25% genau), hält die gewünschte Mindesttemperatur auch in deiner Abwesenheit aufrecht und spart Energie. Die Montage ist dank tollem Support und mitgeliefertem Zubehör kinderleicht, kann aber je nach Heizungssystem etwas länger dauern als geplant. Wer nicht bohren und schrauben möchte, klebt – das Thermostat hält auch so. Das Design ist modern, schlicht und passt in jede Wohnung.

Was meine Euphorie drückt, ist der Preis. In meiner 3.5-Zimmer-Wohnung sind insgesamt fünf Raumthermostaten vorhanden. Um komplett umzurüsten, müsste ich mehr als 700 Franken ausgeben. Das ist mir dann doch etwas zu viel. Bis ich diesen Betrag mit smartem Heizen gespart habe, bin ich wohl bereits wieder umgezogen. Unnötig ist auch die Abo- beziehungsweise Bezahlpflicht für den Auto Assist. Obwohl das Produkt auch ohne diese Funktionen funktioniert, ist es sinnlos, fürs Erkennen von offenen Fenstern und ob du zu Hause bist oder nicht, monatlich 3 Euro zu verlangen. Zumal das mit den offenen Fenstern bei mir nur teilweise geklappt hat.

In einer Mietwohnung würde ich mir den Tado zulegen, sofern die Temperatur in der Wohnung über ein einziges Thermostat gesteuert werden kann. Bei mehreren Thermostaten lohnt sich der Kauf meiner Meinung nach nur dann, wenn es sich um eine Eigentumswohnung oder Eigenheim handelt. Dann wäre auch ich bereit, zu investieren und umzurüsten.

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Raphael Knecht
Raphael Knecht

Senior Editor, Zürich

Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne hüglige Cyclocross-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

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