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Hintergrund

Optimus: Sinnbild einer Branche in der Krise

Kevin Hofer
23.6.2026
Bilder: Kevin Hofer

Manche Tests sind überflüssig – etwa bei der Sandisk Optimus GX Pro 8100. Die SSD ist kein neues Produkt, sondern ein Symbol für eine Branche, die stagniert.

Gleiches Produkt, anderer Name. 2025 hat Sandisk die WD Black SN8100 gelauncht. Ich fand: Willst du maximale Leistung, führt derzeit kein Weg an dieser SSD vorbei. Das ist auch ein Jahr später beim gleichen Produkt unter dem Namen Optimus GX Pro 8100 der Fall. Am besten kaufst du einfach das Modell, das gerade günstiger ist.

Aber wieso lanciert Sandisk die SSD ein Jahr später zum zweiten Mal? Ich vermute, dass es der Branche derzeit an Innovationsgeist mangelt. Optimus ist nur eines von vielen Zeichen für die Krise.

Weniger Mut, weniger Ideen

Ein Blick auf die Computex 2026 zeigt: Die grossen Überraschungen blieben aus. Zwar gab es neue Produkte, doch echte Highlights fehlten. Selbst Nvidias angeblicher Game Changer im Notebookbereich enttäuschte. Im Endeffekt sind es bereits bekannte Arm- und Cuda-Kerne in einem neuen Gewand.

Wenn veraltete Chips das Highlight der grössten PC-Messe sind, liegt etwas im Argen.
Wenn veraltete Chips das Highlight der grössten PC-Messe sind, liegt etwas im Argen.
Quelle: Screenshot Youtube / Nvidia

Neue Designs sind rar; Risiken werden gemieden. Der Grund? Nicht mangelndes Talent, sondern fehlende Prioritäten. Die Branche verlagert ihre Ressourcen.

Umschichtung statt Knappheit

Wer die Lage als Lieferkettenkrise deutet, irrt. Es geht um gezielte Umverteilung. Im Oktober 2025 schrieb OpenAI-Chef Sam Altman einen Absichtsbrief an Samsung und SK Hynix. Kein Kaufvertrag, nur ein Signal – doch es reichte. Die Speicherhersteller drosselten die Produktion für Konsumgüter, setzten auf kurzfristige Verträge und priorisierten HBM-Chips für KI-Anwendungen, weil diese höhere Margen bringen.

Nach Jahren der Überproduktion und fallender Preise witterten die Hersteller ihre Chance und griffen zu. Die Folge sind enorme Margen, die sogar über denen von Nvidia und TSMC lagen. Micron stellte seine Konsummarke Crucial ein, um Kapazitäten freizumachen. Corsair musste entscheiden: alte Bestellungen mit Verlust erfüllen oder Kunden durch Stornierungen verärgern. Das ist keine Geschichte von Knappheit, sondern von Umverteilung.

Crucial ist Geschichte.
Crucial ist Geschichte.

AMD: Altes Silizium, neuer Preis

Auch AMD reiht sich ein. Die RX 9070 GRE, ein bekanntes Produkt, wurde trotz abgespeckter Spezifikationen in einem neuen Markt zum ursprünglichen Preis wieder eingeführt.. Gleichzeitig verlängerte AMD den Support für die AM5-Plattform bis 2029. Das klingt kundenfreundlich, ist aber wohl ein Eingeständnis, dass sich die nächste Prozessergeneration Zen 6 mindestens bis 2027 verzögert.

Das Muster bleibt gleich: alte Technik, neuer Name, voller Preis. Innovation weicht Repositionierung. Und das in einer Zeit, in der viele Nutzer wegen hoher DDR5-Preise ohnehin nicht aufrüsten.

Nvidia: Gaming wird zur Randnotiz

Nvidia betont weiterhin seine Nähe zu Gamern – zumindest in Keynotes. In der Buchhaltung sieht es anders aus: Seit 2026 führt Nvidia den Bereich «Gaming» nicht mehr separat, sondern unter «Edge Computing». Dieser umfasst auch Robotik und Automobil-Chips und macht weniger als acht Prozent des Umsatzes aus. Das einstige Kerngeschäft ist zur Fussnote geworden.

Mainboards verkaufen sich nicht, wenn niemand mehr PCs baut.
Mainboards verkaufen sich nicht, wenn niemand mehr PCs baut.

Auch bei Boardpartnern wie Asus und MSI zeigt sich der Wandel. Trotz Nvidias Rekordumsätzen melden sie sinkende Verkaufszahlen. Das konsumentenorientierte Geschäft verliert an Bedeutung. Die Gewinne machen andere – Dell, HP, Lenovo –, die im Rechenzentrumsgeschäft aktiv sind.

Der Kollateralschaden

Besonders hart trifft es Hersteller, die nichts mit KI zu tun haben: Gehäuse-, Kühler- und Netzteilproduzenten. Ihre Komponenten sind nicht teurer geworden, doch die Nachfrage bricht ein. Wer wegen hoher Speicherpreise keinen neuen PC baut, kauft auch kein neues Gehäuse. Kollege Joshua aus dem Category Management bestätigt, dass der Rückgang auch bei uns im Shop spürbar ist.

Wenn Wissen verloren geht

Der Verlust von Erfahrung lässt sich schwerer messen als Verkaufszahlen. Darüber sprechen etwa die Youtuber Jay von Jayztwocents und Steve von Gamers Nexus. Erfahrene Ingenieure und Produktdesigner verlassen die PC-Branche. Einer von ihnen soll massgeblich dazu beigetragen haben, Konzepte wie die Netzteilblende im Gehäusebau zu etablieren. Nun werden solche Leute entlassen oder wechseln freiwillig in stabilere Branchen. Einmal gegangen, kommen sie selten zurück.

Das ist die schleichendste Form des Schadens. Keine Schlagzeile, kein Quartalsbericht. Aber wenn eine Industrie ihre besten Köpfe verliert, fehlen sie auch dann, wenn sich die Marktlage irgendwann wieder verbessert.

Konsolidierung: die nächste Welle

Was passiert, wenn Unternehmen zu lange Verluste schreiben? Konsolidierung. Kleine Firmen verschwinden; übrig bleiben wenige Anbieter mit mehr Marktmacht. Die GPU-Branche ist längst ein Duopol, bei Speicherherstellern gibt es nur drei grosse Player. Wenn auch im Gehäuse- und Netzteilsegment nur wenige überleben, fehlt der Wettbewerb – und damit der Anreiz zur Innovation.

Bei Grafikkarten spielen nur AMD und Nvidia eine Rolle – bald auch bei Gehäusen und anderen Komponenten?
Bei Grafikkarten spielen nur AMD und Nvidia eine Rolle – bald auch bei Gehäusen und anderen Komponenten?
Quelle: Shutterstock / Artskrin

Selbstgebaute PCs werden zur Nische

Bedeutet dies das Ende des PC-Bauens? Kaum. Menschen werden weiter spielen, aber nicht mehr günstig bauen. Das selbst zusammengestellte System als Einstieg ist vorerst Geschichte.

Was bleibt, ist ein Hobby für Enthusiasten – für jene, die aus Freude bauen und das nötige Geld haben. Die Branche hat ihre Prioritäten neu gesetzt, Ressourcen umgeschichtet und Kapital umgeleitet. Die Konsequenzen tragen jene am Ende der Nahrungskette.

Die Sandisk Optimus GX Pro 8100 ist nur ein kleines Beispiel. Doch manchmal sagt ein umbenanntes Produkt mehr über eine Branche aus als jede Quartalszahl.

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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