
Champagner – das Buch
Deutsch, Peter Jauch, Anja Prestel, Philipp von Keisenberg, 2024

Es muss ja nicht gleich das buchstäbliche Champagner-Bad sein, um in die Welt der edlen Tropfen einzutauchen. Sprichwörtlich kannst du das nämlich auch mit dem Coffee Table Book «Champagner - Das Buch» des Schweizer Autors Peter Jauch.
Nüchtern betrachtet, sollte man sich nicht zu viel davon zu Gemüte führen: von prickelndem Champagner. Eine Binsenweisheit, die in den letzten Tagen jeden Jahres nur allzu oft und gern in den Wind geschlagen wird. Denn wann gehört das eine oder andere Glas Champagner nicht mehr dazu als bei Firmen-, Freundes- und Familien-Weihnachtsfeiern und natürlich in der Silvesternacht.
Wobei, viel mehr als ein, zwei Gläser vom französischen Schaumwein trinke zumindest ich sowieso höchst selten. Denn zum einen ist ein guter Champagner nicht gerade billig (selbst beim Schweizer Discounter kostet die günstigste Flasche deutlich über 20 Franken). Und zum anderen ist er doch für die meisten Menschen ein Genussmittel für besondere Gelegenheiten, das man sich sehr bewusst und dann eben in Massen (und nicht Massen) gönnt.
Wenn du dich nun aber sehr wohl für Champagner interessierst, auch gerne mal ein Glas trinkst oder eine Flasche an eine der kommenden Schlemmereien mitbringen willst, dann ist «Champagner - Das Buch» des Schweizer Genuss-Experten Peter Jauch womöglich genau dein Fall:

Champagner – das Buch
Deutsch, Peter Jauch, Anja Prestel, Philipp von Keisenberg, 2024
Ich gebe zu, bisher fand ich das Thema Champagner nicht sonderlich prickelnd, abgesehen von einem Glas zum Anstossen bei passender Gelegenheit. Peter Jauchs Buch habe ich dennoch mit Neugier und Interesse angeschaut und gelesen. Weil ich schöne Bücher mag und weil ich mich als Genussmenschen verstehe, der sich ab und zu mal eine – auch etwas kostspieligere – Nettigkeit gönnt.
Und da trifft das Buch (m)einen Nerv. Denn es ist definitiv kein Nachschlagewerk, auch wenn der Informationsgehalt sich durchaus sehen lassen kann. In erster Linie ist «Champagner - Das Buch» ein Coffee Table Book: grossflächig, dick, schwer. Von aussen kommt es klassisch-schlicht in schwarzem Textil-Einband daher. Schrift und Prägung nehmen das Thema bereits subtil auf. Aufgeklappt fällt mir sofort das hochwertige, matte und haptisch angenehme Papier auf. Da haben der Autor und sein Verlag nicht gespart. Der erste Eindruck ist gut.
Ich will ein Buch aber natürlich nicht (nur) ausstellen, sondern vor allem anschauen und lesen. Bei diesem stechen mir beim ersten Durchblättern sofort die Fotos ins Auge. Die Bilder der Fotografin Anja Prestel ziehen mich hinein in französische Landschaften, Weinberge und -keller, zeigen mir Menschen, deren Geschichten mich interessieren und erzählen bereits ganz viel ohne ein einziges gelesenes Wort.

Eine Erzählebene, auf die der Autor der noch ungelesenen Worte, Peter Jauch, grossen Wert legt, wie er mir im Gespräch erzählt: «Ich wollte erreichen, dass die Bilder eine eigene Geschichte erzählen, die auch ganz ohne den Text funktioniert.» Neben der Bildauswahl sei auch die Auswahl des Papiers in diesem Anspruch gefallen. «Wir haben dieses Papier genommen, weil es die Bilder so gut zur Geltung bringt», betont er, «Anja ist eine wahnsinnig gute Fotografin und ihre Bilder sollen entsprechend aussehen.»
Inhaltlich besteht das Buch aus drei Hauptteilen: «Erzähltes», «Erlebtes» und «Getrunkenes». Teil eins geht ums Fachliche, wenn man so will. Die Geschichte des Champagners, die Feinheiten der Herstellung, die Bedeutung der Böden und Trauben. Wer gerne liest und sich in die Materie vertiefen will, findet hier am meisten Trauben an der Rebe. Inhaltlich ist das gut gemacht, umfangreich und interessant bebildert.

Im zweiten Teil «Erlebtes» stehen die Menschen im Zentrum. Die Winzer aus der Champagne natürlich, aber auch Händler aus Deutschland, Journalistinnen aus Frankreich, Expertinnen und Experten aus der Schweiz, aus Finnland oder aus England. Mal lässt Jauch die Menschen einfach von sich, ihrer Faszination für und ihrer Liebe zu den französischen Schaumweinen erzählen, mal interviewt er sie, mal lässt er selbst die Geschichten und Begegnungen revue passieren. Es ist der Schwerpunkt des Buchs, in Umfang und Inhalt. Hier lässt es sich wunderbar schmökern. Einfach mal eine Seite aufschlagen und sich in eine beliebige Geschichte rein- oder sie gleich durchlesen, denn zu lang sind die Portraits nie. Und auch hier kann ich, ohne viel zu lesen, nur durch die Bilder die Geschichten erfassen.

Den Abschluss macht der Namensgeber des ganzen Buchs: der Champagner. Eine Auswahl an Weingütern mit ihren Produkten. Hier erfährst du zunächst immer die wichtigsten Fakten zu einem Gut, seiner Geschichte und den Produzenten. Dazu jeweils genauere Erklärungen zu einer Auswahl der Champagner, die dort hergestellt werden. Besonders gefällt mir als leidenschaftlichem Hobbykoch der Punkt Foodpairing, der bei jeder Flasche steht.

«Champagner - Das Buch» überzeugt mich optisch von aussen wie von innen. Es ist wertig gemacht, stark bebildert und inhaltlich informativ. Es ist kein Nachschlagewerk und legt keinen Wert auf Vollständigkeit oder akademische Korrektheit; und gerade deswegen kann ich viel lernen, weil es Spass macht, darin zu stöbern. Auf ein Stichwortverzeichnis hat Peter Jauch ganz bewusst verzichtet, der Aufbau sowohl bei den Menschen als auch den Weingütern ist alphabetisch. «Leserinnen und Leser finden darin nicht genau diesen oder jenen Champagner, sondern meine Auswahl», sagt er dazu, «und es ist so gemacht, dass man es einfach mal zur Hand nehmen, irgendwo aufschlagen, etwas darin rumstöbern und es dann auch wieder zur Seite legen kann.»
Und einfach, falls ich Peter Jauchs Buch noch nicht genug besungen haben sollte, es wurde beim deutschen Kochbuchpreis 2025 in der Kategorie Wein gerade mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.
Das Champagner-Buch ist Jauchs zweites. Zum Autoren wurde er mit seiner persönlichen Leidenschaft, dem Gin. «Gin - Das Buch» ist 2020 erschienen und auf den ersten Blick als älteres Geschwister des Champagner-Buchs zu erkennen: gleiches Format, gleicher Einband, gleiche Fotografin. Auch die Struktur mit den drei Hauptteilen und dem Fokus auf die Menschen hat Jauch bereits in seinem Erstling etabliert.
Wenn du – oder jemand, den du beschenken möchtest – sich also für Champagner oder Gin begeistert, sind diese Coffee Table Books definitiv eine Empfehlung und eine interessante – und nachhaltigere – Alternative zur sonst so beliebten Flasche.
Weltenbummler, Wandersportler, Wok-Weltmeister (nicht im Eiskanal), Wortjongleur und Foto-Enthusiast.
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