Raspberry Pi 5 – lohnt sich der Aktivkühler oder das Gehäuse mit Lüfter?
Ratgeber

Raspberry Pi 5 – lohnt sich der Aktivkühler oder das Gehäuse mit Lüfter?

Martin Jud
1.2.2024

Lohnt es sich, den neuen Raspberry Pi 5 mit dem offiziellen Gehäuse inklusive Lüfter oder dem offiziellen Aktivkühler zu verwenden? Um das herauszufinden, habe ich ihn in verschiedenen Konfigurationen bei Geekbench 6 antreten lassen.

Ich habe mir den neuen Raspberry Pi 5 besorgt, um damit die kommenden Monate Verschiedenes anzustellen. Unter anderem werde ich ihn mittels Batocera Linux in eine Retro-Game-Beere verwandeln. Doch bevor es so weit ist, stellen sich erst mal grundsätzliche Fragen, von denen ich hier eine beantworten möchte: Wie viel besser schneidet der Kleinstrechner ab, wenn ich ihn nicht «nackt» nutze, sondern gekühlt? Wie viel mehr Leistung darf ich mit dem offiziellen Gehäuse erwarten, das einen Lüfter hat? Wie viel mehr mit dem Aktivkühler? Und wie reagiert dieser Aktivkühler, wenn ich ihn im offiziellen Gehäuse (ohne Gehäuselüfter) nutze?

Um Antworten liefern zu können, habe ich den Bastelrechner in den verschiedenen Konfigurationen im CPU-Benchmark Geekbench 6 antreten lassen. Zum Vergleich ist auch der Vorgänger Raspberry Pi 4 mit von der Partie.

Geekbench testet die CPU anhand simulierter Szenarien. Der Benchmark läuft auf Windows, MacOS, Linux, Android sowie iOS. Bei x86-basierten Prozessoren wird im Single-Core-Modus nur ein Thread und damit nicht der gesamte (Performance-) Kern ausgelastet. ARM-Systeme nutzen einen ganzen Kern und sind dadurch im Vorteil. Das solltest du beim Vergleichen (https://browser.geekbench.com) beachten.

Folgende Produkte habe ich für diesen Test aus unserem Lager bezogen:

Einen Überblick mit den Spezifikationen des neuen Raspberry Pi 5 findest du in seinem Datasheet oder in folgendem Beitrag:

  • News & Trends

    Raspberry Pi 5 vorgestellt: viel mehr Power und neue Anschlüsse

    von Martin Jud

Die Ergebnisse: Multi-Core-Aufgaben profitieren von aktiver Kühlung

Bevor ich die Ergebnisse im Detail präsentiere, möchte ich kurz auf die Lüfter eingehen.

Den Gehäuselüfter kannst du bei Bedarf auch entfernen.
Den Gehäuselüfter kannst du bei Bedarf auch entfernen.
Quelle: Martin Jud

Beim offiziellen Gehäuse ist ein Gehäuselüfter verbaut sowie ein kleiner Kühlkörper dabei, den du auf die CPU klebst. Da der Gehäuselüfter entfernbar ist, kannst du das Gehäuse auch mit einem anderen Lüfter oder ohne verwenden. Letzteres macht jedoch keinen Sinn, da der Gehäuselüfter leise läuft und du keinen Hitzestau möchtest.

Der Aktivkühler klebt auf drei Chips und hält auch dank zwei gefederten Pushpins bombenfest.
Der Aktivkühler klebt auf drei Chips und hält auch dank zwei gefederten Pushpins bombenfest.
Quelle: Martin Jud

Der offizielle Aktivkühler passt zum Beispiel problemlos ins Gehäuse. Allerdings läuft dieser darin alles andere als leise. Er rauscht mit einem störenden Geräuschpegel, sobald du den Gehäusedeckel schliesst. Das kommt von den für seine Leistung zu engen Lüftungsschlitzen. Ohne Gehäuse ist er hingegen meistens nicht zu hören und rauscht nur bei Vollauslastung hörbar, aber nicht störend. Der Kühlkörper des Aktivkühlers deckt übrigens gleich drei Chips auf dem Board ab, wodurch er rein optisch eine bessere Kühlung verspricht. Mehr als ein Lüfter lässt sich aufgrund eines einzelnen Anschlusses auf dem Board nicht betreiben.

Doch nun zu den Geekbench-Ergebnissen. Als Betriebssystem habe ich jeweils die derzeit aktuellste Version von Raspberry Pi OS (64-bit) verwendet. Pro Konfiguration habe ich Geekbench 6 dreimal laufen lassen und jeweils das arithmetische Mittel als Ergebnis genommen. Im Raspberry Pi 4 kommt der Quad-Core Arm Cortex-A72 mit normalem 1,5 Gigahertz (GHz) Basistakt zur Anwendung. Den Raspberry Pi 5 nutze ich ebenfalls nicht übertaktet (lässt sich bis 3 GHz übertakten). Er ist mit dem Quad-Core Arm Cortex-A76 mit 2,4 GHz Basistakt bestückt. Sobald die Temperatur der CPU 85 Grad Celsius erreicht, taktet sie sich herunter.

Gegenüber dem Vorgängermodell leistet der Raspberry Pi 5 bei Single-Core-Aufgaben etwas mehr als das Dreifache (Score von 761 gegenüber 247). Bei Multi-Core-Aufgaben ist es das 2,3-fache (Score von 1308 gegenüber 566). Für mich etwas überraschend, spielt es bei Single Core kaum eine Rolle, ob du den Raspberry Pi 5 mit oder ohne Kühlkörper respektive Lüfter betreibst. Bei Multi Core hingegen umso mehr – dort beträgt der Leistungszuwachs 15,8 Prozent beziehungsweise rund 200 Punkte. Ob du dabei den Aktivkühler oder den Gehäuselüfter plus den kleinen Kühlkörper verwendest, ändert kaum was am Ergebnis.

Meine Empfehlung: unbedingt kühlen, womit ist jedoch zweitrangig

Rein vom Preis her lohnen sich sowohl das offizielle Gehäuse mit Lüfter als auch der Aktivkühler. Für rund 17 beziehungsweise 10 Franken/Euro erhältst du um die 16 Prozent mehr Leistung bei Multi-Core-Aufgaben.

Da der Leistungszuwachs mit beiden Kühlmöglichkeiten gleich hoch ausfällt, lohnt es sich nicht, beide zu kaufen, um den Aktivkühler ins offizielle Gehäuse einzusetzen. Diese Kombination ist auch aufgrund von daraus resultierendem lauten Rauschen nicht empfehlenswert. Daher solltest du den Aktivkühler nur kaufen, wenn du den Raspberry Pi 5 ohne Gehäuse betreiben möchtest. Oder wenn du ein anderes Gehäuse zur Hand hast, das grössere Lüftungsschlitze als das offizielle aufweist.

Titelbild: Martin Jud

71 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.


Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

Kommentare

Avatar