

Razer Black Shark V3 Pro im Test: Tolles Headset das die Kritikpunkte des Vorgängers ausmerzt

Razers Black Shark V3 Pro bietet viele Features wie ANC, geringe Latenz und 3,5-mm-Anschluss. Es ist ausserdem verdammt bequem und setzt bei der Mikrofonqualität im Vergleich zur Vorgängerin noch eins drauf.
Das Vorgängermodell der Blackshark V3 Pro, das V2 Pro, habe ich für sein erstklassiges Mikrofon gelobt. Beim V3 bessert Razer nochmal nach und liefert ein hervorragend klingendes Headset-Mikrofon ab. Hinzu kommen diverse neue Features, darunter ANC. Das hat aber seinen Preis: Das Teil kostet zum Launch 25 Prozent mehr als das V2 Pro damals.
Cooles Design trifft nervigen Dongle
Das Headset ist in drei Versionen erhältlich: PC, Xbox und Playstation. Sie unterscheiden sich nur in der Farbe. Für den Test habe ich die PC-Version zur Verfügung gestellt bekommen. Die ist abgesehen von einem grünen Farbfleck beim Mikrofon-Stummschaltknopf komplett schwarz.

Im Lieferumfang befinden sich das Headset, das ansteckbare Mikrofon, ein USB-Ladekabel, ein 3,5-mm-Klinkenkabel und ein Dongle zur 2,4-GHz-Funkverbindung. Cool ist, dass Razer mit dem Klinkenkabel auch an alle denkt, die dem Draht die Treue halten. Der Dongle lässt sich nicht direkt am Endgerät verbinden, sondern muss über ein USB-C-Kabel verbunden werden. Das ist gemäss Razer nötig, um die Latenz auf ein Minimum zu reduzieren. Schade, lässt sich der Dongle nicht direkt an der Konsole anschliessen. Beim PC finde ich die Lösung am Kabel aufgrund von Störsignalen gut, aber bei der Konsole wäre mir der direkte Anschluss für weniger Kabelsalat lieber.

Beim Design bleibt Razer der Vorgängerversion grundsätzlich treu. Mir gefällt das industrielle Design, das dem Headset einen zeitlosen Touch gibt. Zudem finde ich es toll, dass es nicht zu wuchtig daherkommt. Neu sind die magnetischen Seitenteile, die sich schnell und einfach tauschen lassen. Will ich mein Headset personalisieren, ist das nun möglich: Es soll künftig Seitenteile von Drittanbietern zu kaufen geben.

Könnte ich stundenlang tragen
Bereits das V2 Pro war verdammt bequem. Das V3 Pro setzt noch mal einen obendrauf. Razer hat den Bügel verstärkt – der bei der Vorgängerversion anfällig war. Das ist aber nicht die einzige Verbesserung: Die Ohrmuscheln lassen sich nun in beide Richtungen um 15 Grad schwenken. Das sorgt für noch besseren Sitz, wodurch das Headset auch nach stundenlangem Tragen bequem bleibt. Dies, obwohl das V3 Pro mit 365 Gramm ohne Mikrofon – 380 Gramm mit Mik – rund 40 Gramm schwerer ist als die Vorgängerin.
Der gute Sitz dürfte auch am weichen Kopfband liegen, das das Gewicht gleichmässig verteilt. In die ebenfalls gut gepolsterten Muscheln mit 66x45 Millimeter Innengrösse dürften die meisten Ohren passen. Meine zumindest finden angenehm Platz und berühren die Treiber nicht. Ebenfalls toll: Bei der Ummantelung setzt Razer durchgehend auf Stoff statt Kunstleder. Ich finde das deutlich angenehmer, besonders wenn es heiss ist. Noch ein weiterer Pluspunkt: Die Ohrmuschel-Polster lassen sich ersetzen.

Gleichzeitige Funk- und Bluetooth-Verbindung
Bei der Verbindung stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: per Funk mit 2,4 GHz, Bluetooth mit Low-Latency-Modus und 3,5-mm-Klinkenkabel. Besonders toll: Ich kann gleichzeitig per Funk und Bluetooth verbunden sein. Das Headset soll gemäss Razer eine Akkulaufzeit von bis zu 70 Stunden am PC und bis zu 48 Stunden bei Konsolen bieten. Die tatsächliche Laufzeit hängt von der Featurenutzung ab. Per Funkverbindung am PC und gelegentlicher Nutzung am Smartphone mit aktiviertem ANC bin ich auf knapp 30 Stunden gekommen.

Die vorhandenen Bedienelemente ergeben allesamt Sinn und sind gut platziert. Rechts finden sich wie schon bei der Vorgängerin der Ein-/Aus-Knopf, der Schalter zum Stummschalten des Mikrofons und der Lautstärkenregler. Letzterer ist nicht mehr glatt, sondern mit Struktur versehen, was für besseren Grip beim Verstellen sorgt. Rechts kommt der Kopf fürs Aktivieren respektiv Deaktivieren des ANC und ein Drehregler für den Mix zwischen Game- und Chat-Lautstärke hinzu. Bereits vom V2 Pro bekannt ist der Schalter zum Verstellen der Equalizer-Voreinstellungen – neun dieser können übrigens auf dem On-Board-Speicher abgelegt werden.
Basslastiges Headset, das vor allem beim Zocken Laune macht
Die neuen Treiber des V3 Pro bringen mit dem default Preset klassischen V-Shape-Sound: Der Bass und die Höhen werden zu Lasten der Mitten betont. Das ist typisch für Gaming-Headsets und ich finde es beim Zocken auch super. Explosionen klingen so wuchtig und ich kann meine Gegner gut orten. Als Gaming-Headset macht das Blackshark V3 Pro einen hervorragenden Job.

Musikhören mit dem Teil löst bei mir hingegen gemischte Gefühle aus. Bei basslastigem Hip Hop macht es Laune. Bei anderen Genres wie Folk oder Rock hingegen fehlt es mir an Klarheit und einer offenen Soundstage.
Das aktive Noise Cancelling des Headsets ist in Ordnung. Es filtert vor allem zuhause am PC störende Geräusche heraus. Bin ich unterwegs, bemerke ich jedoch den Unterschied zu dedizierten Audiohörern: Vorbeirasende Autos oder der einfahrende Zug sind immer noch hörbar.
Weiterer Schritt nach vorne beim Mikrofon
Im Vorfeld des Tests habe ich viel Negatives über das Mikrofon gelesen und gesehen. Dem kann ich nicht zustimmen, was vielleicht daran liegt, dass ich eine Retail-Version des Headsets habe. Razer verbaut neu eine grössere Kapsel als bei der Vorgängerin, die ein klareres Signal mit weniger Artefakten liefern sollte. Bei den Vorserienmodellen war die Reproduktion des Klangs damit nicht zufriedenstellend. Das scheint Razer nun gefixt zu haben und ich finde den Sound beinahe so gut wie von einem USB-Podcastmikrofon.
Vollständige Software mit Macken
Am PC kannst du das Razer Blackshark V3 Pro mit der Software Synapse konfigurieren. Die Einstellungen lassen keine Wünsche offen: Equalizer für Mikrofon und Sound, ANC-Anpassungen in vier Stufen oder Firmwareupdates. Einziger Wermutstropfen: Die Software läuft noch nicht offiziell unter Linux.

Da ich Linux nutze, habe ich für die Einstellungen meist die Razer Audio App für Android genutzt – wenn sie denn funktioniert. Es gleicht einer Lotterie, ob ich über die App mit dem Headset verbinden kann oder nicht. Wenn es klappt, ist die App zumindest übersichtlich und bietet alles Nötige.
Fazit
Tolles Headset noch besser in der dritten Version
Ich kann nur wiederholen, was ich bereits zum Blackshark V2 Pro geschrieben hat: Es ist ein tolles Headset im oberen Mittelsegment. Es ist komfortabel, bietet alle Annehmlichkeiten, die ich von einem Headset erwarte und klingt beim Zocken gut. Besonders hervorzuheben ist das Mikrofon, das qualitativ beinahe an ein USB-Podcastmikrofon heranreicht.
Beim Vorgängermodell hatte ich kritisiert, dass die gleichzeitige Bluetooth- und Funkverbindung fehlt. Oder dass ich ab und zu die Grösse des Headsets neu einstellen muss, weil es verrutscht. Und auch die Verbindung per Audio-Kabel fehlte dort. Diese Features sind jetzt alle an Bord. Hinzu kommt ANC, das zwar nicht an jenes von Audiohörern wie dem Sony WH-1000XM6 heranreicht, aber fürs Zocken ordentlich performt. Für alle, die ihre Peripherie gerne individualisieren, stehen jetzt auch austauschbare Seitenteile zur Verfügung. Einzige Kritikpunkte sind die dürftige Soundqualität beim Musikhören und dass sich der Dongle nur über ein Kabel am Endgerät anschliessen lässt.
Allen, die auf der Suche nach einem Gaming-Headset mit zahlreichen Features sind, kann ich das Black Shark V3 Pro empfehlen.
Pro
- verdammt bequem
- gute Akkulaufzeit
- hervorragende Mikrofonqualität
- gutes ANC
- gleichzeitige Bluetooth- und Funk-Verbindung
Contra
- zu bassbetont zum Musikhören
- Dongle lässt sich nicht direkt am Endgerät anschliessen



Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.