Samsung Galaxy Watch: Der schönste Klotz von allen
Samsung Galaxy Watch: Der schönste Klotz von allen

Samsung Galaxy Watch: Der schönste Klotz von allen

Luca Fontana
Luca Fontana
Zürich, am 01.10.2018
Bilder: Thomas Kunz

Die Samsung Galaxy Watch kann alles ziemlich gut und nichts wirklich schlecht. Was sie zu bieten hat, und ob sich ein Upgrade für Besitzer des Vorgängers Gear S3 lohnt, erfährst du hier.

August 2018. In New York präsentiert Samsung den Nachfolger der Gear S3 Frontier. Gear S so-und-so, das ist die bis dato übliche Bezeichnung für Samsungs-Smartwatches gewesen. Mit dem Nachfolgermodell, das auf den Namen «Galaxy Watch» hört, endet das. Die smarte Uhr hat aber nicht nur einen neuen Namen, sondern auch einen neuen Prozessor, der besonders energieeffizient sein soll.

Und sie sieht verdammt gut aus.

Style Check: So was von bestanden

Heute, etwas mehr als einen Monat nach der Produktpräsentation, blicke ich auf das 63 Gramm schwere Modell mit einem Gehäusedurchmesser von 46 mm. Dank breitem Handgelenk kein Problem für mich, aber der Klotz ist nichts für zarte Handgelenke.

Dafür sieht die Galaxy Watch sehr edel aus und ist optisch kaum von einer analogen Uhr zu unterscheiden. Das Display imitiert ein Zifferblatt, das tatsächlich 2-3 Millimeter unter dem Gorilla Glas zu liegen scheint. Und wer das übliche Tick-Tack-Geräusch einer analogen Uhr vermisst, kann es auf Wunsch einschalten: Ein sanftes Ticken ertönt dann über die eingebauten Lautsprecher – super!

Auf den ersten Blick kaum von einer analogen Uhr zu unterscheiden
Auf den ersten Blick kaum von einer analogen Uhr zu unterscheiden

Die Smartwatch besitzt ein 1.3 Zoll grosses AMOLED-Display mit einer Auflösung von 360 × 360 Pixeln. Damit ist sie gleich gross wie ihr Vorgängermodell Gear S3 Frontier und etwas kleiner als die Apple Watch Series 4. Die beiden kleineren Modelle besitzen hingegen ein 1.2 Zoll grosses Display.

In punkto Helligkeit habe ich nichts zu bemängeln: Ein Sensor passt die Helligkeit automatisch dem Umgebungslicht an, wodurch das Display immer gut lesbar bleibt – selbst bei direkter Sonneneinstrahlung.

Etwas enttäuscht bin ich hingegen vom Sportarmband. Weil Samsung mit der Galaxy Watch auch ein bisschen Sportuhr sein will, wird das Edelstahl-Gehäuse nur in Kombination mit einem Silikonarmband geliefert. Ich hätte mir etwas edleres gewünscht. Eine Alternative bieten Armbänder von Strap Studio, die übrigens auch bei uns erhältlich sind.

Die Zifferblätter lassen sich austauschen, das Silikonarmband sieht etwas billig aus im Vergleich zum Gehäuse
Die Zifferblätter lassen sich austauschen, das Silikonarmband sieht etwas billig aus im Vergleich zum Gehäuse

Das ist aber Kritik auf hohem Design-Niveau. Meine Redaktionskollegen machen mir seit Tagen Komplimente für die neue, schicke Uhr (ich darf sie leider nicht behalten). Und immer wieder ertappe ich mich dabei, zufrieden auf mein Handgelenk zu starren. So eitel kenne ich mich eigentlich gar nicht.

Wiederum sehr nützlich sind die Home- und Back-Tasten an der rechten Seite des Gehäuses sowie die Lünette auf dem Glas. Damit kann ich bequem zwischen den Apps navigieren und innerhalb einer Seite scrollen. Bedienbarkeit: Top.

Software, Akku und Rechenleistung

Zu Reden gab im Vorfeld des Launches das Betriebssystem. Denn der Name «Galaxy Watch» ist bereits Tage vor der eigentlichen Präsentation durchgesickert. Bislang hat Samsung nur Smartphones unter dem Namen «Galaxy» gelabelt. Beobachter haben deswegen vermutet, dass die Galaxy Watch mit dem Android basierten Wear OS laufen würde.

Dem ist aber nicht so, denn Samsung ist Tizen OS 4.0 treu geblieben. Die Software ist sowohl mit Smartphones, die mit Android 5 oder höher laufen, als auch mit Apples iOS kompatibel. Mit dem Handy gekoppelt wird die smarte Uhr via Bluetooth. Eine 4G-Variante werden wir auch noch anbieten. Wann? Im Moment heisst es Anfang November. Wir werden es dich wissen lassen.

Angetrieben wird die Galaxy Watch von 768 MB Arbeitsspeicher und dem neuen Exynos 9110 Prozessor. Der Zweikern-Prozessor ist mit je 1.15 Ghz getaktet. Samsung selbst sagt, dass der neue Prozessor deutlich energieeffizienter sei als der in den Vorgängermodellen verbaute Exynos 7270, was sich positiv auf die Akkulaufzeit auswirke.

Durch Seiten oder Artikel scrollt man, in dem man swiped oder die Lünette dreht
Durch Seiten oder Artikel scrollt man, in dem man swiped oder die Lünette dreht

Eine Aussage, die ich unterschreibe. Tatsächlich habe ich die Smartwatch nur etwa alle vier bis fünf Tage aufgeladen, trotz intensiver Nutzung. Dramatisch gesunken ist die Lebensdauer erst dann, als ich die ständige Standortfreigabe – sprich: GPS – aktiviert habe. Dass der Akku so sportlich mithält, liegt aber auch an seinem Leistungsvermögen von 472 mAh – also 100 mAh mehr, als noch im Vorgänger vorhanden waren. Die beiden kleineren Galaxy-Watch-Modelle müssen mit einem deutlich kleineren, 270 mAh starken Akku vorlieb nehmen.

Ein starker Prozessor und ein langanhaltender Akku – während meiner zweiwöchigen Testphase hat sich die Smartwatch zu keinem Zeitpunkt langsam oder ruckelig angefühlt. Swipes von einer App zur nächsten sehen geschmeidig aus, sämtliche Apps öffnen sich rasch und reagieren prompt auf Input. Abstürze oder eingefrorene Standbilder? Fehlanzeige.

Kleiner Tipp: Den 4 GB grossen internen Speicher kannst du via Galaxy Wear App mit Musik von deinem Smartphone füllen. Verbindest du dann die Smartwatch mittels Bluetooth mit kabellosen Kopfhörern, wird sie zum Ersatz-MP3-Player. So kannst du ohne Smartphone losjoggen, fitten oder sonstwie aktiv sein und gleichzeitig Musik hören.

Viele, nützliche Apps rund ums aktive Leben

Weil Smartwatches immer öfters auch Sportuhren sind, hat die Galaxy Watch eine Vielzahl an Apps und Funktionen bekommen, die sich hauptsächlich rund um die Samsung Health App drehen.

Die Health-App verfolgt Aktivitäten und Herzfrequenz
Die Health-App verfolgt Aktivitäten und Herzfrequenz

So spuckt sie eine Art «daily briefing» aus, das immer dann auf dem Display erscheint, wenn die Smartwatch morgens ums Handgelenk geschnallt wird. Das Briefing zeigt nützliche Infos wie Datum, Wetter und bevorstehende Termine oder Erinnerungen. Abends, wenn die Uhr wieder abgezogen wird, bekommt man eine Zusammenfassung des Tages, die anzeigt, ob Aktivitätsziele – zum Beispiel gelaufene Schritte oder Anzahl aktive Minuten – erreicht worden sind. Und eine Wettervorhersage für den nächsten Tag gibt’s gleich mit dazu. Nicht schlecht.

Natürlich kann ich via Health App auch Schlafphasen aufzeichnen, den Puls messen und täglich gelaufene Schritte oder Kalorien zählen. Dazu lassen sich ganze 40 Sportaktivitäten wie Joggen, Schwimmen, Radfahren oder Krafttraining tracken – bei der Samsung Gear Sport sind es noch deren 17 Aktivitäten gewesen.

Bis zu 40 Aktivitäten lassen sich auswählen und vier davon für die Schnellauswahl definieren
Bis zu 40 Aktivitäten lassen sich auswählen und vier davon für die Schnellauswahl definieren

Apropos Schwimmen: Die Smartwatch ist IP68 zertifiziert und kann getrost mit ins Nass genommen werden. Eine nützliche Wassersperr-Funktion verhindert, dass die Watch Wasserspritzer versehentlich als Gesten oder Berührungen interpretiert. Marketing Managerin Andrea Jacob hat ein Exemplar bei ihrem wöchentlichen Schwimmtraining mitgenommen und ganz bewusst Äpfel mit Birnen verglichen: In etwa drei Wochen wist du einen Vergleichstest zwischen Galaxy Watch und Garmin fenix 5S Plus zu lesen bekommen.

Das ganze Tracken hat auch seine Schattenseiten. Immer wieder fällt mir auf, dass sich Schritte ohne Uhr am Handgelenk verschwendet anfühlen, weil sie nicht aufgezeichnet werden. Anhand von Biomarkern – von denen ich keinen blassen Schimmer habe, was das für welche sind – misst die Uhr den aktuellen Stresspegel. Jedesmal, wenn ich auf meine Uhr gestresst gewirkt habe, hat sie mich aufgefordert, Dinge wie zum Beispiel Atemübungen zu machen. Selbst während dem Schreiben dieses Artikels bin ich mehrmals dazu gedrängt worden, aktiver zu sein und Torsodrehungen durchzuführen. Dabei bin ich doch die Ruhe in Person, hmpf!

Ich habe gerade einen Stresspegel von «gelb» und keine Ahnung, was das bedeutet...
Ich habe gerade einen Stresspegel von «gelb» und keine Ahnung, was das bedeutet...

Einverstanden, es ist ja alles gut gemeint. Und mein Hüftspeck verrät mir, dass ich für solche Tipps ruhig etwas empfänglicher sein dürfte. Aber das ständige Bimmeln, Vibrieren und Drängeln, aktiver zu sein, nervt. Zum Glück lassen sich die meisten Funktionen – etwa dieser Stressmess-Hokuspokus – deaktivieren.

Integrierter Lautsprecher und Mikrofon

Die Smartwatch besitzt links vom Gehäuse integrierte Lautsprecher und Mikrofon. Damit kann ich Anrufe auf der Galaxy Watch direkt entgegennehmen und à la David Hasselhoff in «Knight Rider» in die Uhr sprechen. Das hat sich beispielsweise beim Autofahren als nützlich erwiesen, weil ich keine Freisprechanlage besitze. Dass beim Autofahren beide Hände am Steuerrad geblieben sind, versteht sich von selbst.

Sich einmal im Leben wie Knight Rider fühlen

Die Lautsprecherqualität wird sicher keine Preise gewinnen, aber das erwartet auch niemand von Lautsprechern, die in einem Uhrengehäuse integriert sind. Für die 4G-Variante, die mit eSIM funktioniert, dürfte die Lautsprecherfunktion besonders nützlich sein, weil so beim Outdoor-Training das Handy getrost Zuhause gelassen werden kann.

Kleine Randnotiz: Ja, dank Mikrofon und Bixby kann die Smartwatch auch sprachgesteuert werden. Und ja, Bixby ist immer noch genauso unnütz wie der längste Beipackzettel der Welt, weil es nur Englisch versteht und mit der Schweiz nichts anzufangen weiss.

Fazit: Fast uneingeschränkte Kaufempfehlung

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich die Smartwatch weiterempfehle, dann wäre meine Antwort: Ja, definitiv, mit einem kleinen «Aber».

Im Galaxy App Store lassen sich weitere Apps wie Spotify oder YouTube runterladen

Das «Aber» betrifft Besitzer des Vorgängermodells Gear S3 Frontier, die mit einem Upgrade liebäugeln. Denn wirklich viel Neues bietet die Galaxy Watch nicht. Beide Modelle sehen praktisch identisch aus, haben dieselbe Grösse und Auflösung. Beide sind gemäss IP68-Zertifizierung, MIL-STD-810G und bis zu 5 ATM gegen Wasser und Staub geschützt. Die Verrippung der Lünette ist hingegen ähnlich fein wie bei der Gear S3 Classic, und unterhalb des Gehäuses befinden sich vier grüne LEDs, die auf die Haut leuchten, um den Puls zu messen.

Samsung scheint sich eher auf vorhandene Stärken konzentriert zu haben. So ist der Akku, der bei mir je nach Nutzung vier bis fünf Tage anhält, eine Wucht. Die Rechenpower unter der Haube wurde verbessert und lässt die bugfreie Software geschmeidig laufen.

So ist die Galaxy Watch eine Smartwatch für all jene, die bisher noch keine besitzen, sich aber dennoch nicht mit (zu) günstigen Wischiwaschi-Einsteiger-Uhren zufrieden geben wollen. Mit ihrem Edelstahl-Design sieht sie verdammt schick aus und ist ausgezeichnet verarbeitet. Die Tizen-Software bietet von Haus aus jede Menge nützliche Funktionen, und die Health-App hält einen auf Trab. Und ja, das AMOLED-Display, das ein echtes Zifferblatt täuschend echt imitiert, ist ein wahrer Hingucker.

Tja, jetzt muss ich nur noch zusehen, dass ich dieses Probiermodell irgendwie behalten darf.

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Luca Fontana
Luca Fontana

Editor, Zürich

Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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