ScanWatch von Withings: die (fast) perfekte hybride Smartwatch
Review

ScanWatch von Withings: die (fast) perfekte hybride Smartwatch

Raphael Knecht
Raphael Knecht
Zürich, am 02.11.2020
ScanWatch heisst das neueste Wearable von Withings. Die hybride Smartwatch soll einen Monat Akkulaufzeit bieten und diverse Vitalfunktionen prüfen. Ich teste, was die Uhr alles kann.

Schrittzähler sind out, Smartwatches in. Die tragbaren Gadgets zeigen längst mehr als nur die Anzahl Schritte oder die Uhrzeit. Pulsmessung und GPS-Tracking gehören schon fast zum Standard. Die ScanWatch liefert laut Hersteller nebst den Basisangaben auch «ein medizinisch genaues EKG, ein Oximeter für die SpO2-Messung und eine aussergewöhnlich lange Akkulaufzeit von bis zu 30 Tagen». Mit der neuen Hybrid-Smartwatch will Withings also nicht nur einen Monat lang ohne Aufladen auskommen, sondern auch gleich den Doktor am Handgelenk liefern. Ich frage mich, ob bei so vielen Features das Wesentliche nicht zu kurz kommt und schnalle mir die Uhr für einen zweiwöchigen Test um.

ScanWatch (42mm, Edelstahl)
Withings ScanWatch (42mm, Edelstahl)

Unboxing: das etwas andere Etui aus Stoff

Die Verpackung ist handlich. Alles andere hätte mich bei einer hybriden Smartwatch im schlanken Format erstaunt. Hybrid ist sie deshalb, weil die Uhr analoges Design einer gewöhnlichen Armbanduhr mit den Features einer Smartwatch vereint. Auf der Vorderseite der Box prangt die Frontansicht der Uhr, deren Name sowie ein grün hinterlegter «clinically validated»-Schriftzug. Laut dem Hersteller haben Experten des UCSF Hypoxie-Forschungslabors, des Hôpital Georges Pompidou, des Centre Cardiologique du Nord und der Ludwig-Maximilians-Universität München bei der Entwicklung der ScanWatch mitgearbeitet. Auf der Rückseite erfahre ich, womit das neueste Gadget von Withings punkten will. In der Box befindet sich nebst einem Quick Guide ein schmuckes Stoffetui in dunklem Grauton. Und sonst nichts.

Das Stoffetui ist eine spezielle Verpackung für eine Armbanduhr.
Das Stoffetui ist eine spezielle Verpackung für eine Armbanduhr.

Ich nehme an, dass ich die Uhr sowie weiteres Zubehör im grauen Etui finde. Die aussergewöhnliche Uhrenverpackung bietet drei Innentaschen. Im mittleren Fach liegt die Uhr, im oberen finde ich ein USB-Kabel inklusive Wireless Charger. Das untere Fach ist leer. Dort könnte ich beispielsweise die Anleitung versorgen – so habe ich alles dabei, was es zur ScanWatch gibt.

Ich habe das Gefühl, dass bei der Verpackung stark auf die Umwelt geachtet wurde. Sowohl der Start Guide wie auch das Etui wirken, als wären sie recyclebar. Normalerweise kommen Uhren in einer Hartschalenbox, um ein kleines Kissen gewickelt und viel Drumherum. Withings fährt hier die Nachhaltigkeitsschiene, was mir gefällt.

Weniger ist mehr: die Uhr, ein Ladekabel, ein Etui und eine Anleitung.
Weniger ist mehr: die Uhr, ein Ladekabel, ein Etui und eine Anleitung.

Installation: spielend einfach und rasend schnell

Im Quick Guide steht wenig. Eigentlich nur, dass ich die Health Mate App herunterladen und dann dort den weiteren Anweisungen folgen soll. Die App gibt's sowohl für iOS als auch für Android. Zuerst will die Applikation, dass ich mich mit meinem Withings-Konto einlogge oder eines erstelle. Danach fragt sie mich nach dem zu installierenden Produkt. Die ScanWatch finde ich in der Rubrik «Fitnessuhren». Ich tippe auf «Installieren», um die gemäss Withings «fortschrittlichste Gesundheitsuhr der Welt» aufzusetzen. Dazu muss ich die Krone zwei Sekunden lang gedrückt halten und die ScanWatch schaltet sich ein. Die App sowie das Mini-Display der Uhr bestätigen, dass sie sich gefunden haben. Mit einem sechsstelligen Code mache ich die beiden unzertrennlich. Zuletzt gebe ich meine Masse ein, damit die ScanWatch weiss, wo sie meine sportlichen Leistungen einstufen muss.

Die ScanWatch ist in Windeseile eingeschaltet, aufgesetzt und ready.
Die ScanWatch ist in Windeseile eingeschaltet, aufgesetzt und ready.

Es folgt eine detaillierte Einführung in die verschiedenen Funktionen der Uhr. Ich erfahre, dass ich durch die Menüs blättern kann, wenn ich an der Krone drehe. Bestätigen lässt sich die Auswahl mit einem Druck auf die Krone. Diese gibt die Befehle digital weiter. Als nächstes erklärt mir die ScanWatch, was ein EKG ist und fragt mich, ob ich eines machen möchte. Dafür wähle ich im Menü den Punkt «EKG», lege meinen linken Arm – an dem trage ich die Uhr – auf den Tisch und platziere die rechte Hand mit Zeigefinger und Mittelfinger auf dem Zifferblatt. Dort befindet sich ein weiterer Sensor, dessen Werte die ScanWatch fürs Erstellen eines EKGs braucht.

Dasselbe mache ich, wenn ich meine Sauerstoffsättigung wissen oder einen Atmungs-Scan erstellen will. Zu guter Letzt prüft die Uhr, ob bei mir Vorhofflimmern vorliegt. Alle meine Resultate liegen im grünen Bereich. Ich brauche mir also vorerst keine Sorgen zu machen.

Die Einführung auf dem Handy zeigt mir, was die ScanWatch kann.
Die Einführung auf dem Handy zeigt mir, was die ScanWatch kann.

Funktionen: Arztpraxis und Trainingsraum immer mit dabei

Die ScanWatch von Withings ist bis 50 Meter respektive 5 ATM wasserdicht, besitzt ein Saphirglas und ein Armband aus Fluorelastomer. Zudem hat der Hersteller das Display im Vergleich zum bisherigen Uhren-Portfolio überarbeitet. Neu ist ein PMOLED-Bildschirm mit einem Durchmesser von 13 Millimetern verbaut, der mehr als 9’000 Pixel und 260 Nits bietet. Die Helligkeit sticht mir auf den ersten Blick ins Auge: Auch wenn der Display im Vergleich zu den 42 Millimetern der Uhr eher klein ist, kann ich alle Angaben einwandfrei lesen. Dass die Uhr wasserdicht ist, kann ich nach intensivem Duschen, Geschirrspülen und Händewaschen bestätigen.

Wenn ich möchte, kann ich auf dem Display eingehende Anrufe, SMS, Whatsapp-Nachrichten, Instagram-Kommentare oder Facebook-Likes anzeigen lassen und sie auch durchblättern. Andere Benachrichtigungen wie Termine oder meine täglichen Statistiken wie Anzahl Schritte, Kalorien, zurückgelegte Distanz, erklommene Stockwerke und Puls flimmern auf Wunsch beim Drehen der Krone ebenso über den Bildschirm.

Die Anzeige von Nachrichten ist klein, aber scharf und hell.
Die Anzeige von Nachrichten ist klein, aber scharf und hell.

Wie die Gesundheitstests der ScanWatch funktionieren, weiss ich dank deren Einführung. Wozu sie gut sind und was sie vorbeugen, erzählt mir die Uhr ebenfalls im Detail. Sie misst zum Beispiel meine Herzfrequenz kontinuierlich, um mich vor unregelmässigem Herzschlag zu warnen. Auch mein Ruhepuls wird gemessen. Das EKG, das ich auf Abruf in 30 Sekunden auf dem Display der Uhr vorliegen habe, kann in der App mit mehr Details dargestellt und zu Untersuchungszwecken gebraucht werden. Ich mache mehrere EKGs in verschiedenen Situationen beziehungsweise zu unterschiedlichen Zeiten und erhalte immer dieselben Ergebnisse. Die Messungen scheinen zu stimmen.

Dank dem zusätzlichen Sensor an der Unterseite kann die ScanWatch auch meine Sauerstoffsättigung messen. Mithilfe von roten und infraroten LEDs sowie lichtempfindlichen Fotodioden erfasst die Uhr die Sauerstoffsättigung im Blut der Venen, die dort verlaufen, wo ich die Uhr trage. Dabei arbeiten die Sensoren mit dem Prinzip der Reflexion respektive Absorption der Lichtwellen. Nach ebenfalls 30 Sekunden erhalte ich meine SpO2-Werte. Hier hat mein Exemplar etwas mehr Mühe beim Messen. Manchmal erhalte ich keine oder ungenaue Werte. Immerhin merkt die Uhr selbst, falls die Werte ungenau sind und gibt einen entsprechenden Hinweis aus. Ich muss meinen Arm ganz still halten. Sobald ich die Finger der anderen Hand nicht exakt ans Gehäuse der Uhr lege, hat die ScanWatch Probleme.

Die Sensoren messen meinen Puls und meine Atmung.
Die Sensoren messen meinen Puls und meine Atmung.

Auch Atemstörungen im Schlaf soll die intelligente Armbanduhr erkennen. Aktiviere ich die Atmungs-Scan-Funktion, misst die Uhr mithilfe Herzfrequenz, Bewegungen, Sauerstoffsättigung sowie Atemfrequenz. So erkennt sie, ob und wann ich beim Schlafen unregelmässig atme. Zusätzlich zeichnet das Wearable von Withings meine Schlafphasen, die Schlafdauer sowie Schlafunterbrechungen auf. Aufgrund dieser Daten kann die Uhr bei Bedarf einen smarten Wecker erstellen, der mich mit Vibrationen weckt, sobald die ScanWatch merkt, dass ich in der Aufwachphase bin.

Die ScanWatch ist ausserdem eine Sportuhr. Die hybride Smartwatch hat mehr als 30 Sportarten vordefiniert. Vom Fussball übers Laufen bis hin zum Schwimmen ist alles dabei. Im entsprechenden Trainingsmodus zeigt sie mir, wie lange ich trainiere, misst meine Herzfrequenz und zeichnet meine Bewegungen auf. Mit aktiviertem Connected GPS sehe ich nach einer Session zudem Details wie zurückgelegte Entfernung, Höhenmeter oder Geschwindigkeit. Übrigens: Connected GPS heisst, dass die Uhr meine Strecke nicht tracken kann. Sie muss mit einem Gerät verbunden sein, das diese Funktionen bietet – beispielsweise mit meinem iPhone. Das muss ich beim Joggen ebenfalls bei mir tragen, um die zurückgelegte Route verfolgen zu können.

Los geht's: zahlreiche Sportarten sind auf der ScanWatch vertreten.
Los geht's: zahlreiche Sportarten sind auf der ScanWatch vertreten.

Pros: Akkulaufzeit, Design und Sportfunktionen

Dass der Akku lange hält, erfahre ich am eigenen Leib. Ich habe die ScanWatch, seit ich sie aus der Verpackung genommen und aktiviert habe, noch nie aufladen müssen. Zu jenem Zeitpunkt sagte mir das Display, der Akku sei zu 48% geladen. Zwei Wochen später sind es noch immer 11 Prozent. Würde ich die Uhr in den Stromsparmodus versetzen, verspricht Withings weitere 20 Tage Akkulaufzeit. In diesem Modus kann ich allerdings nur die Uhrzeit ablesen und meine Aktivitäten aufzeichnen.

Ein Feature, das ich persönlich wichtig finde, ist der Quick Look. Aktiviere ich diese Funktion, ist das Display der Uhr standardmässig aus. Sobald ich mein Handgelenk bewege, um auf die ScanWatch zu schauen, leuchtet der Bildschirm fünf Sekunden lang auf. So muss ich nicht erst die Krone drücken, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Der Akku hält und hält und hält...
Der Akku hält und hält und hält...

Auch die Nicht-Stören-Funktion gefällt mir. Ich kann beispielsweise während eines Meetings der Uhr sagen, sie soll stillhalten und mich mit Nachrichten, Vibrationen oder Sounds verschonen. Die ScanWatch zeigt mir nicht nur die Zeit an, sie misst sie auch. Die Uhr hat einen Wecker, eine Stoppuhr und einen Timer. Praktisch, wenn ich mein Handy nicht zur Hand habe. Das Mini-Zifferblatt unter dem Display, das ich für den Sekundenzeiger respektive die Stoppuhr gehalten habe, ist in Tat und Wahrheit eine prozentuale Fortschrittsanzeige meines Tagesziels.

Eine Uhr, die meine Schritte zählt, ist für mich kein Must-Have. Da die ScanWatch es dennoch tut, nutze ich das Feature spasseshalber trotzdem. Wenn ich mein tief gesetztes Ziel von 7000 Schritten pro Tag nicht erreiche, geht keine Welt unter. Irgendwo in meinem Kopf setzt sich diese Niederlage aber doch fest und ich nehme mir für den nächsten Tag einen Spaziergang vor. Dass die Health Mate App weitere Details liefert, spricht mich als Statistik-Freak ebenfalls an.

Das ist nicht der Sekundenzeiger, sondern mein Fitnessstand.
Das ist nicht der Sekundenzeiger, sondern mein Fitnessstand.

Cons: Medizin-Features und Menüführung

Sie warnt mich bei Vorhofflimmern, erstellt mir jederzeit ein EKG und misst die Sauerstoffsättigung in meinem Blut. Trotzdem würde ich für solche Tests zum Arzt gehen, sollte ich mir ernsthaft Sorgen machen. Es kann zwar sein, dass die Uhr Anzeichen gesundheitlicher Probleme tatsächlich erkennt und ich deshalb zum Doktor gehe. Die Medizin-Features können mich aber auch in falscher Sicherheit wiegen. Wenn mir die ScanWatch keine Warnhinweise gibt, bin ich dann automatisch gesund? Klinisch nachgewiesen oder nicht: Ich finde es riskant, sich beim eigenen Wohlbefinden auf ein Wearable zu verlassen – trotz entsprechendem Hinweis in der Anleitung.

Auch wenn das Display gestochen scharf ist, finde ich die Menüführung der ScanWatch suboptimal. Es ist zwar toll, dass ich alles nur mit Drehen und Drücken der Krone erledigen kann. Dennoch wünsche ich mir eine bessere Aufteilung der Funktionen, beispielsweise mit gegliederten Untermenüs. Denn es dauert, alle Modi und Features mit Drehen durchzublättern. Insbesondere, wenn ich mich aus Versehen verdrücke und von vorne beginnen muss. Das ist bei der Fossil Collider Hybrid HR übersichtlicher gelöst und logischer angeordnet. Dort ist der Bildschirm zwar nicht gestochen scharf und derart hochauflösend, dafür um einiges grösser und übersichtlicher.

Die Menüführung der ScanWatch lässt zu wünschen übrig.
Die Menüführung der ScanWatch lässt zu wünschen übrig.

Fazit: eine Bereicherung für mein Handgelenk

Die ScanWatch fühlt sich gut verarbeitet an. Das Gummiarmband hingegen wirkt auf den ersten Blick billig. Beim Anfassen und Tragen freunde ich mich langsam damit an. Wäre das nicht der Fall, könnte ich im Withings-Shop ein wertigeres Exemplar kaufen. Das Armband sitzt gut und den Teil, der über die Schnalle herausragt, hält eine Schlaufe an Ort und Stelle. Mit dem schwarzen Zifferblatt auf dem 42 Millimeter grossen Edelstahlgehäuse erscheint die hybride Smartwatch elegant und doch diskret. Genau das, was ich an einer Uhr mag. Die ScanWatch ist wahlweise auch mit weissem Zifferblatt und mit 38-Millimeter-Gehäuse erhältlich. Da ich lieber etwas massivere Uhren trage, könnte selbst die grössere Version noch etwas breiter sein. Mit 83 Gramm wiegt die ScanWatch mehr als andere Uhren. Auch das gefällt mir, weil ich es bevorzuge, wenn ich meine Armbanduhr am Handgelenk spüre.

Die medizinischen Zusatzfunktionen finde ich «nice to have», mehr nicht. Ja, es ist spannend zu sehen, was mein EKG sagt. Oder, wie die Sauerstoffsättigung meines Blutes aussieht. Und nein, es ist nicht notwendig, all dies zu wissen. Fühle ich mich nicht gut, gehe ich zum Arzt – Info auf der Uhr hin oder her. Aber: Nützt’s nichts, schadet es auch nicht. Wer weiss, ob die ScanWatch künftig dem einen oder anderen mit einer Vorhofflimmer-Warnung tatsächlich das Leben rettet? So oder so, ich bin von Withings' smartem Zeitmesser begeistert. Sie überzeugt in der Pflicht und in der Kür. Die Menüs lassen sich flüssig wechseln, die Werte sind zuverlässig und der Akku wird kaum müde.

Die (fast) perfekte hybride Smartwatch: Withings' ScanWatch.
Die (fast) perfekte hybride Smartwatch: Withings' ScanWatch.

Ich kann die hybride Smartwatch jedem empfehlen, der auf schlichte Uhren mit dem gewissen Extra an Features und technologischem Fortschritt steht. Da die Fossil Collider Hybrid HR nur zwei Drittel der Withings ScanWatch kostet, würde ich persönlich aber eher zur ersteren greifen. Die Fossil bietet zwar keine EKG-, SpO2- oder Schlafapnoe-Messungen, dafür einen ebenso ausdauernden Akku, eine aufgeräumte Menüführung und einen grösseren Bildschirm.

ScanWatch (42mm, Edelstahl)
Withings ScanWatch (42mm, Edelstahl)

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Raphael Knecht
Raphael Knecht
Senior Editor, Zürich
Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne hüglige Cyclocross-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

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