Scheitern und verstehen: Mein alter iMac und eine neue SSD
HintergrundComputing

Scheitern und verstehen: Mein alter iMac und eine neue SSD

Jan Johannsen
Hamburg, am 15.05.2020
Bei meinem iMac hat sich die Festplatte verabschiedet. Ich will den Rechner aber noch nicht aufgeben und versuche ihn mit einer neuen SSD wiederzubeleben.

Ich gebe zu, angesichts der übrigen Hardware meines iMac von 2011 hat es etwas von Perlen vor die Säue werfen, dort eine SSD einzubauen. Aber sollte es klappen, bin ich nicht nur um eine Erfahrung reicher, sondern habe auch für den Preis der SSD einen All-in-One-Rechner zurück bekommen. Das Design ist zeitlos trotz des etwas dicken Rand beim Display – und der Sound überzeugt immer noch. Die Leistung profitiert hoffentlich von dem schnellen Speichermedium und reicht für ein paar Office-Anwendungen, im Internet surfen und etwas Streaming aus.

Aufmachen und auseinanderbauen

Den Dell Optiplex 7070 Ultra zog ich in meinem Test als Alternative für meinen iMac in Betracht. Aber ein Kommentar bestätigte einen einen Gedanken, der mir auch gekommen war.

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Also, was soll schon schief gehen, wenn ich mich auf anonyme Kommentare im Internet verlasse. Falls es nicht klappt, habe ich schon eine alternative Verwendung für die SSD. Das Geld für die Samsung 860 Evo mit einem Terabyte ist also nicht in den Sand gesetzt.

Bevor ich zur Tat schreite, leihe ich mir passendes Werkzeug. Ein Saugnapf zum Entfernen der Glasscheibe und ein Torx-Schraubenzieher für die sternförmigen Schrauben gehören nicht zum Umfang meiner Werkzeugkiste. Es ist schon einige Jahre her, dass ich selber an einem PC geschraubt habe.

Mit dem Saugnapf ist die Glasscheibe schnell entfernt. Die Magneten halten zwar dagegen, sind am Ende aber chancenlos gegen meine Armmuskulatur. Die Scheibe kommt an einen sicheren Lagerort, bis ich den Festplattenwechsel vollzogen habe.

Saugnapf anbringen und ...
Saugnapf anbringen und ...
... beherzt anheben.
... beherzt anheben.

Das LCD-Panel ist rechts und links jeweils mit vier Schrauben befestigt. Damit ich keine Fingerabdrücke oder andere Spuren auf dem Panel hinterlasse, trage ich bei der Arbeit Handschuhe. Zuhause bekomme ich keinen staubfreien Reinraum hin, trotzdem habe ich zuvor noch einmal durchgesaugt, damit möglichst wenig Staub herumfliegt. Die Schrauben lassen sich auch nach etwa neun Jahren problemlos lösen. Einzig beim Herausziehen machen die Magneten sie mir teilweise streitig.

Schrauben lösen
Schrauben lösen

Nun muss ich das LCD-Panel anzuheben. In den beiden oberen Ecken lässt es sich gut greifen. Ich bin dabei behutsam, da ich mich vorher an der YouTube-Universität weitergebildet habe und weiß, dass vier Kabelverbindungen darauf warten, gelöst zu werden. Der erste Stecker ist etwas hakelig, aber ich bekomme ihn heraus. Die nächsten zwei sind gar kein Problem und auch den vierten bekomme ich heraus, nachdem ich zur Sicherheit nachgeschaut habe, in welche Richtung ich ihn lösen muss. Ich will ja kein Kabel abreißen. Das LCD-Panel benötigt ebenfalls einen sauberen und sicheren Platz zur Lagerung.

Jetzt habe ich freien Zugriff auf die Festplatte. Zwei Schrauben lösen, drei Stecker herausziehen und die alte Festplatte ist raus.

Die alte Festplatte kann weg.
Die alte Festplatte kann weg.

Einbauen und zumachen

Idealerweise hast du einen Einbaurahmen zur Hand, um die 2,5-Zoll-SSD anstelle der 3,5-Zoll-Festplatte zu befestigen. Es gibt aber auch Bastler, die sich mit doppelseitigem Klebeband behelfen. Zur Not kannst du die SSD an den Kabeln frei schweben lassen. Dafür ist sie leicht genug, aber wirklich elegant ist die Lösung nicht. Ein Kabel bleibt ungenutzt. An die SSD kommen nur noch zwei der drei Stecker, die an der HDD waren. Das wird noch wichtig.

So ist die SSD nicht optimal befestigt.
So ist die SSD nicht optimal befestigt.

Nachdem die SSD eingebaut ist, gilt es das LCD-Panel vorsichtig einzulegen. Allerdings kannst du es nicht einfach reinlegen, sondern musst es noch halbhoch halten. Schließlich müssen die vier Kabel wieder verbunden werden. Dabei machte mir nur ein Stecker Probleme. Die lösten sich aber ganz schnell in Luft auf, als ich merkte, dass ich versuche ihn falsch herum einzustecken. Die acht Schrauben links und rechts anziehen, dabei auf die Magneten achten, die die Schrauben gerne an sich reißen. Letzer Schritt: Die Glasscheibe einsetzten.

Alle Kabel wieder eingesteckt.
Alle Kabel wieder eingesteckt.

Das hat bis hierher gut geklappt und mich etwa eine Stunde Zeit gekostet. Nun kommt aber der spannende Moment: Geht der iMac an, erkennt er die SSD als Speicher und schaffe ich es, macOS zu installieren?

Einschalten und installieren

Der iMac startet und hat ein Bild. Ein Erfolgserlebnis: Ich habe also nichts kaputt gemacht und alle Kabel wieder richtig verbunden. Nun stecke ich den bootfähigen USB-Stick mit macOS High Sierra – das ist die neueste Version von macOS, die auf dem iMac von 2011 läuft – ein, den ich zuvor erstellt habe (Anleitung bei Apple). Nach dem Neustart halte ich die cmd-Taste gedrückt, um ins Bootmenü zu gelangen. Hier wähle ich den USB-Stick aus und kann die Neuinstallation des Betriebssystems in Gang setzen.

Das sieht auch gut aus, bis ich das Speichermedium für die Installation auswählen soll. Hier sehe ich nur den USB-Stick. Die SSD erscheint nicht. Da alle Kabel festgesteckt sind und ich davon ausgehe, dass die frisch ausgepackte SSD intakt ist, lautet die Vermutung, dass die 860 Evo für den Controller des iMac zu neu ist und deswegen nicht erkannt wird. Hier war ich im Vorfeld zu naiv und ging davon aus, dass es genügt, wenn der Anschluss passt.

Lüftung und Recycling

Versuchen eine SSD zu bekommen, die alt genug ist, erscheint mir nicht sinnvoll. Vor allem nicht, weil ich inzwischen weiß, wofür das dritte Kabel an der Festplatte dient. Darüber bekommt der iMac die Temperatur der Festplatte übermittelt und passt seine Lüftung an. Ohne diese Daten drehen die Lüfter mit voller Stärke – und das ist zu laut, um den Rechner sinnvoll zu nutzen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Hätte ich mich nicht alleine auf die YouTube-Universität verlassen, hätte ich das mitbekommen können. Aber so habe ich mir nur Videos vom Auseinanderbau angeschaut, aber keine ausführlichen Anleitungen durchgelesen.

Eine klassische Festplatte würde natürlich beide Probleme beheben, verspricht allerdings nicht solch einen Geschwindigkeitsgewinn bei der Nutzung wie eine SSD. Und ohne diesen ist der iMac von 2011 dann doch schon ziemlich lahm.

Damit beende ich das Thema iMac für mich erstmal und bringe die Reste meines All-in-One-Rechners zum Recycling. Die SSD wartet derweil auf eine sinnvolle Nutzung.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen
Content Development Editor, Hamburg
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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