Schmerzfrei auf der roten Welle surfen?

Schmerzfrei auf der roten Welle surfen?

Vanessa Kim
Vanessa Kim
Zürich, am 19.05.2021
Die Periode ist schon nervig genug. Wenn da nicht auch noch die Schmerzen und Krämpfe wären. Ob der «Menstrual Relax EM 50» von Beurer Abhilfe schafft, will ich in diesem Review herausfinden.

Augen zu und durch. Vollgepumpt mit Medikamenten versuche ich trotz meiner schier unerträglichen Unterleibsschmerzen zu funktionieren. Mehr schlecht als recht, aber was sein muss, muss sein. Einmal pro Monat muss ich da durch, und zwar an den stärksten Tagen meiner Periode. Da in meinem Fall die Schmerzen mit zunehmendem Alter immer stärker werden – statt abzuklingen – greife ich immer häufiger zu hoch dosierten Schmerzmitteln. Das kann auf Dauer nicht gesund sein. Darum muss eine medikamentenfreie Lösung her. Eine wie der «Menstrual Relax EM 50» von Beurer, ein Regelschmerz-Pad, das medikamentenfreie Schmerzlinderung verspricht.

Ich muss sofort an Livia denken. Das Elektro-Gadget gegen Regelschmerzen funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Die damalige Testerin und Kollegin Natalie Hemengül hat mir ihr Gerät damals ausgeliehen. Mein Fall war es aber nicht: Da mich der Kabelsalat nervte und das Gerät meine Schmerzen nicht lindern konnte. Trotzdem bin ich neugierig, als ich auf Beurers Mens-Pad stosse. Weil die Kommentare durchs Band positiv sind und das Gadget relativ günstig ist, fackle ich nicht lange.

Das Regelschmerz-Pad von Beurer ist zwar grösser, aber meiner Meinung nach handlicher als…
Das Regelschmerz-Pad von Beurer ist zwar grösser, aber meiner Meinung nach handlicher als…
…das Gerät Livia, weil es separat am Hosenbund befestigt werden muss. Bild: Livia
…das Gerät Livia, weil es separat am Hosenbund befestigt werden muss. Bild: Livia

Das Prinzip des Beurer Menstrual Relax EM 50

Das Elektrotherapie-Gadget basiert auf der Kombination aus Wärme und elektrischem Strom, die für eine medikamentenfreie Schmerzlinderung sorgt. Mit TENS ist die «transkutane elektrische Nervenstimulation» gemeint. Die am Gerät angebrachten Elektroden senden stimulierende Impulse von der Hautoberfläche zu den Nervensträngen und blockieren die Schmerzübertragung ans Gehirn.

Bei der Anwendung stehen mir 15 TENS-Intensitätsstufen und ein Wärmeprogramm – diese Funktion habe ich bei Livia vermisst – mit einer Wärmeentwicklung von bis zu 43 Grad Celsius zur Verfügung. Diese lassen sich entweder zusammen oder einzeln anwenden. Beurer empfiehlt eine Anwendungsdauer von 20 Minuten. Die Abschaltautomatik sorgt dafür, dass diese Zeit eingehalten wird. So brauche ich keinen Timer zu stellen.

Klein, aber fein: Der Lieferumfang ist überschaubar.
Klein, aber fein: Der Lieferumfang ist überschaubar.

Der erste Eindruck

Im Lieferumfang sind nebst dem Menstrual-Relax-Pad ein USB-Kabel und zwei selbsthaftende Gel-Pads enthalten. Diese bringe ich vor dem ersten Gebrauch an den beiden Elektroden an. Ich gehe dabei behutsam vor, da Unebenheiten am gelartigen Film während der Anwendung zu Hautirritationen führen können. Um die Gel-Pads bei Nichtgebrauch vor Staub und Schmutz zu schützen, bewahre ich die blauen Schutzfilme auf, statt sie wegzuwerfen.

Vor der ersten Anwendung bringe ich auf den beiden Elektroden (die silbernen Flächen)…
Vor der ersten Anwendung bringe ich auf den beiden Elektroden (die silbernen Flächen)…
…die beiden mitgelieferten Gel-Pads an. Diese müssen etwa alle drei Monate ersetzt werden respektive sobald sie nicht mehr kleben.
…die beiden mitgelieferten Gel-Pads an. Diese müssen etwa alle drei Monate ersetzt werden respektive sobald sie nicht mehr kleben.

Das weinrote Mens-Pad aus Silikon verfügt über drei Knöpfe inklusive LEDs zur Anzeige: Ein Power-Knopf, mit dem ich zwischen den drei möglichen Modi switche, sowie eine △- und ▽-Taste, die die Stärke der elektrischen Impulse regulieren. Nachdem ich es auf meinen Unterbauch geklebt habe, drücke ich den Power-Knopf. Das Wärmeprogramm heizt auf. Sobald ich den Knopf ein zweites Mal betätige, startet die TENS-Funktion auf der niedrigsten Stufe. Mit einem dritten Klick auf den Startknopf kann man das Wärmeprogramm bei Bedarf deaktivieren. Von den elektrischen Impulsen merke ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Auch nicht, als ich ein zweites respektive ein drittes Mal auf die △-Taste drücke. Erst beim vierten Klick nehme ich ein leichtes Pulsieren wahr. Ich zucke vor lauter Schreck zusammen, weil die Nervenstimulation ungewohnt für mich ist. Nach wenigen Sekunden nehme ich sie als angenehmes Pochen wahr und korrigiere die Stärke nach oben.

Die Intensität soll laut Hersteller so eingestellt sein, dass die Anwendung als wohltuendes Kribbeln empfunden wird. Ich pendle je nach Bedarf zwischen der sechsten und siebten Stufe. Aus Neugierde würde ich mir bei diesem Gerät eine digitale Anzeige wünschen, die mir anzeigt, welche Stufe ich als angenehm empfinde. Stattdessen muss ich beim Betätigen der Tasten mitzählen. Das Gadget ist übrigens so programmiert, dass es nach jedem Gebrauch von Neuem auf der niedrigsten TENS-Intensitätsstufe startet.

Auch in puncto Tragekomfort bin ich vom Produkt überzeugt. Das Silikon fühlt sich sanft auf der Haut an und schmiegt sich flexibel um meinen Unterbauch. Es ist sogar mehrmals vorgekommen, dass ich vergessen habe, das Regelschmerz-Pad nach Ablauf der Timers abzulegen. Ich spüre es beim Tragen kaum und kann damit sogar problemlos spazieren gehen. Die Gel-Pads sorgen dafür, dass das rund 50 Gramm schwere Gerät an meinem Unterleib haften bleibt. Der Hosenbund gibt zusätzlichen Halt. Bei Livia haben mich damals die Kabel gestört: Während ich das Gerät selbst am Hosenbund befestigen musste, klebten die beiden Elektroden separat an meinem Bauch. Hier hatte ich das ständig das Gefühl, dass die mit Kabeln verbundenen Einzelteile herunterfallen, wenn ich nicht vorsichtig bin.

Nach vier Tagen Anwendung sieht das Gel-Pad etwas mitgenommen aus. Je sorgfältiger ich damit umgehe, desto länger bleiben die Pads sauber und selbsthaftend.
Nach vier Tagen Anwendung sieht das Gel-Pad etwas mitgenommen aus. Je sorgfältiger ich damit umgehe, desto länger bleiben die Pads sauber und selbsthaftend.

Eine Anweisung, wie oft ich das Gadget über den Tag verteilt benutzen soll, finde ich nicht. Nur die Empfehlung, dass ich zwischen den einzelnen «Behandlungen» mindestens 30 Minuten pausieren soll. Ich halte mich an den Community-Tipp von marse10. Sie benutzt das Gerät viermal täglich, um ihre Schmerzen zu lindern. Ich befolge diesen Rat. Mein zusätzlicher Tipp: An ganz schmerzhaften Tagen lege ich zwischendurch zusätzlich ein bis drei Einsätze nur mit dem Wärmeprogramm ein, da es meine Verspannungen zusätzlich löst. Das Mens-Pad wirkt: Statt zu ursprünglich zwei bis drei, greife ich nur noch zu einem Schmerzmittel pro Tag. Dieses nehme ich vor dem Schlafengehen ein, damit ich in der Nacht vor lauter Schmerzen nicht aufwache.

Zu bemängeln habe ich nur, dass die Akkulaufzeit viel zu kurz ist. Nach vier Durchgängen – mit oder ohne TENS – ist Schluss. Mit meinen zusätzlichen Wärmeeinheiten muss ich das Gerät zweimal pro Tag aufladen. Wenn ich zu Hause oder im Büro bin, kann ich das problemlos mittels USB-Kabel an meinem Notebook tun. Unterwegs wird’s allerdings schwierig.

Fazit

Eins vorweg: Das Gerät ist kein Wundermittel. Völlig schmerzfrei surfe ich damit nicht auf der roten Welle. Meine Schmerzen und Krämpfe sind damit aber geringer und das will was heissen. Normalerweise würde ich meine Regelschmerzen auf einer Skala von eins bis zehn als eine Zehn beschreiben. Mit diesem Gadget bin ich etwa bei einer Vier und kann meine Medikamentendosis mehr als halbieren. Sobald ich ein leichtes Ziehen wahrnehme, bringe ich das Gerät an meinem Unterbauch an und «pulsiere» den Schmerz weg.

Mein persönliches Highlight ist das Wärmeprogramm. Endlich habe ich statt einer sperrigen Bettflasche ein mobiles und wärmendes Mens-Pad, das ich bei Bedarf jederzeit verwenden kann. Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass ich die Gel-Pads rund alle zwei bis drei Monate ersetzen muss. So kommen zu den einmaligen Ausgaben weitere Kosten hinzu und der zu Beginn von mir als «relativ günstig» bezeichnete Verkaufspreis relativiert sich. Dafür ist das Gerät preiswerter als Livia.

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Vanessa Kim
Vanessa Kim

Editor, Zürich

Wenn ich mal nicht als Open-Water-Diver unter Wasser bin, dann tauche ich in die Welt der Fashion ein. Auf den Strassen von Paris, Mailand und New York halte ich nach den neuesten Trends Ausschau und zeige dir, wie du sie fernab vom Modezirkus alltagstauglich umsetzt.

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