Sex-Spielzeuge aus dem 3D-Drucker – Eine Bauanleitung und die Tücken des Bioproofing
Hintergrund

Sex-Spielzeuge aus dem 3D-Drucker – Eine Bauanleitung und die Tücken des Bioproofing

Mariana Hurtado
Mariana Hurtado
Bern, am 03.05.2017
Der Markt für Erwachsenenspielzeuge bietet eine riesige Auswahl, die zuweilen überwältigend sein kann. Es kann aber nichts so persönlich sein wie ein selbstgemachtes Stück. Weil die Community es vorgeschlagen hat, bin ich in die Welt der 3D-gedruckten Sexpielzeuge und des Bioproofing abgetaucht.

Im Januar hatte ich darüber geschrieben, wie das Projekt, einen 3D-Drucker zu bauen, mich und meinen Freund näher zusammengebracht hat. Offenbar haben ein paar Leser mehr erwartet, als nur eine unschuldige, zusammenschweissende Erfahrung. Ja, ich rede von dir, Taconaut.

Und ich dachte schon ihr würdet uns eine Anleitung geben um sowas zu drucken und vielleicht sogar Cloud-tauglich zu machen.

Taconaut hat Recht, man kann seine eigenen Sextoys drucken. Es gibt sogar Wege, wie man sie nicht nur hygienisch, sondern auch komplett bioproof (ungefährlich für den Körper) machen kann. Lasst mich euch erzählen wie.

Weniger kreative Alternativen

Bevor wir zu tief in das Thema abtauchen, möchte ich noch hervorheben, dass es andere Optionen gibt, um sein eigenes Sexpielzeug herzustellen. Das Clone-A-Willy-Kit zum Beispiel kommt mit allem Nötigen, um eine Nachbildung deines liebsten Stückes zu machen. Je nach gewählten Kit kann es entweder mit Schokolade oder mit platinvernetztem Silikon in verschiedenen Farben gefüllt werden. Inklusive Vibrator.

Dieses Kit hat natürlich den Nachteil, dass man ein hilfsbereites Modell braucht und es in der Herstellung nicht ganz einfach ist. Bester Fall: Was du siehst ist was du kriegst. Schlechtester Fall: Du musst den ganzen Prozess nochmals wiederholen. Obwohl das Erstellen des Abdrucks nicht mehr als zehn Minuten dauert, braucht das Silikon etwa 24 Stunden, um zu trocknen. Eine lange Wartezeit, um herauszufinden, ob es wirklich geklappt hat.

Es gibt auch Schokoladen-Clone-A-Pussy-Kits vom selben Hersteller. Das hat jedoch keinen anderen Zweck, als gegessen zu werden. Nicht, dass daran etwas auszusetzen wäre. Aber für unsere Zwecke ist das nutzlos, weil der Schoggidrucker meines Wissens noch nicht erfunden worden ist.

Falls du nicht dein komplett eigenes Spielzeug modellieren möchtest, habe ich einige Optionen auf Thingiverse.com gefunden. Eine noch viel bessere Seite ist Sexshop3D.com, wo du alle möglichen Modelle kaufen und grossartige Tipps zu Materialien, Prozessen und Sicherheit findest. Nicht nur das, du kannst sogar deine eigenen Erfindungen verkaufen. Was ich tun werde.

Die Sicherheit geht vor

Von Hundespielzeug bis zu Küchenutensilien, als allererstes willst du sicherstellen, dass dein Objekt bioproof ist. Die Alternative wäre ungesund oder gar gefährlich: Du könntest dich, deinen Partner oder deinen Hund vergiften. Wir haben hier ein potentiell gesundheitsschädliches Material das auf menschliches Fleisch trifft. Und menschliches Fleisch ist sensibel.

Sieht zwar okay aus, ist bisher aus gesundheitlichen Gründen nur ein Proof-of-Concept

Sicherheit ist also das oberste Gebot. Einfach einen Schnuller für das Baby, ein Armband für dein Kind, irgendein kurzlebiges Kauspielzeug für deinen Hund oder ein Sexspielzeug drucken zu können wäre ziemlich cool, nicht? Zudem ist das einfach: Drucker kalibrieren, Auftrag erteilen und dann zu Bett gehen. Beim Aufstehen ist das Ding fertig gedruckt.

Aber wie kriegen wir das hin in der wundervollen Welt des 3D-Druckens, fragst du dich? Glücklicherweise sind die Optionen vielfältig in der Do-It-Yourself-Welt. Hier sind die populärsten Alternativen, die je nach Projekt zur Auswahl stehen:

  • Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS)
  • Silikonüberzug
  • Negativ-Form

Vielleicht bist du schon vertraut mit ABS. Es ist nicht nur das zweitbeliebteste Filament für Heim-3D-Drucker (nach PLA), sondern auch das Material, das in jedem modernen Legostein steckt. Weil es beim alltäglichen Gebrauch keine giftigen Materialien abgibt, ist es eine sichere Wahl für Alltagsgegenstände. Wenn nicht Silikon oder Gummi zum Einsatz kommt, ist ABS seit Jahrzehnten die erste Wahl für die Sexspielzeug-Industrie. Und die wissen, was sie tun. Ihr tägliches Brot ist «Plastik trifft auf Fleisch», die Industrie ist gut reguliert und unter stetigem prüfenden Blick von Kunden.

Weil ich immer noch ziemlich neu bin in der Welt des 3D-Druckens, ist das Kalibrieren noch immer ein Albtraum. Das Kalibrieren der Einstellungen für ABS ist noch viel schlimmer. Deshalb halte ich mich für dieses Projekt an mein gutes altes Polylactide (PLA).

Obwohl PLA biologisch abbaubar ist, ist es nicht auf der Liste der lebensmittelkonformen Werkstoffen der meisten Regulierungsbehörden aufgeführt. Dort findest du heraus, ob etwas mit deinen Lebensmitteln verträglich ist. Und wenn du nicht willst, dass etwas mit deinem Essen in Berührung kommt, dann willst du es definitiv nirgendwo in der Nähe deiner Lendengegend. Oder sonst irgendwo an deinem Körper.

Ehrlich gesagt habe ich nirgends irgendeine Information gefunden, die dagegen sprechen würde, es für ein Sexspielzeug zu benutzen. Aber wenn es auf dem Markt keinerlei Produkte aus PLA gibt, wird das seinen guten Grund haben. Da das Projekt für diesen Artikel nur ein Prototyp und nicht für den persönlichen Gebrauch gedacht ist, mache ich mir aber keine Sorgen. Ich rate aber davon ab, PLA zu benutzen. Wenn du wirklich dein eigenes Sexspielzeug drucken willst, dann gehe auf Nummer sicher und benutze ABS.

Falls du etwas anderes im Sinn hast oder was Ähnliches wie das Clone-A-Willy-Kit willst, dann kannst du natürlich auch eine Negativform für Silikon mit dem 3D-Drucker produzieren. Anschliessend kannst du die Rohmaterialien des Kits für deine Negativform benützen und schon hast du einen bioproofen Abguss deines Sextoys.

Es muss betont werden, wie wichtig es ist, eine perfekt glatte Oberfläche zu haben. Der 3D-Drucker trägt das Material in Schichten auf, deshalb werden auch im perfektesten Modell kleine Lücken und Rillen sein. Kein Objekt kommt gebrauchsfertig aus dem Drucker. Du musst also sicherstellen, dass du dich beim Gebrauch weder verletzt noch vergiftest.

Sogar nach ausgiebigem Schleifen oder einem chemischen Bad, um die Oberfläche glatt zu kriegen, können einige winzige Löcher übrig bleiben. Diese sind ideale Orte für Bakterien, um sich zu verstecken und zu vermehren. Das will bei einem solch persönlichen Objekt tunlichst vermieden werden. Deshalb bestehe ich darauf, mehrere Schichten lebensmittelverträgliches Silikonspray aufzutragen oder es mit Silikongummi zu überziehen.

Forschung im Feld

Wenn es um Sexspielzeug geht, muss ich zugeben, dass ich mich nicht sehr gut auskenne. Um das zu beheben, habe ich eine halbe Stunde in meinem lokalen Sexshop verbracht. Und ich muss sagen, mir war nicht bewusst, was für eine Fülle an verschiedenen Produkten es gibt.

Was mir aufgefallen ist, sind die Vibrationsmuster, die bei den meisten Vibratoren die genau gleichen acht Geschwindigkeitseinstellungen sind. Bei den Rabbit-Modellen sind die Vibrationsmuster auf den Hasen-Teil beschränkt, während der Kopf in drei verschiedenen Geschwindigkeiten rotiert.

Im hinteren Teil des Vibrators ist ein kleinerer Bullet-Vibrator untergebracht. Damit ersparen wir uns die Neuerfindung eines Vibrationsmotors.

Ein Spielzeug stach aus der Menge hervor. Ich muss zugeben, es hat sich sehr angenehm angefühlt, jedenfalls in meiner Hand. Ich rede von der Stronic-Linie von Fun Factory. Anstelle von Rotationen oder Vibrationen simuliert diese tatsächlich eine Stoss-Bewegung, und die ist ziemlich energisch. Kudos, kleines Spielzeug! Das Silikon war im Vergleich zu den anderen Vibratoren nicht besonders weich, aber die Bewegung übertrifft das, was ich von einem Sexspielzeug erwartet hatte. Ich musste das mit euch teilen.

Wieso sollte man sich bei all den Alternativen, die zurzeit angeboten werden, auf anatomische Korrektheit beschränken? Es gibt genügend Produkte da draussen, die mit eleganten, abstrakten Formen eine Welt voller Vergnügen versprechen. Es muss aber erwähnt werden, dass diese Spielzeuge auch auf der teuren Seite angesiedelt sind.

Ich habe den Shop dann verlassen, wie ich gekommen bin: Mit leeren Händen. Aber nun kann ich voller Stolz sagen, dass ich eine Idee davon habe, was momentan auf dem Markt angeboten wird.

Kommen wir zur Sache

Bevor ich mit dem 3D-Modell begonnen habe, musste ich die Limitierungen meines Druckers berücksichtigen. Er kann wegen dem fehlenden Lüfter an der Düse nicht in der Luft oder steilere Winkel als 45° drucken. Auch die Materialien und die gewünschte Funktionalität haben beim Design eine grosse Rolle gespielt. Mit all diesen Dingen im Kopf habe ich mich entschieden, den Liv 2 von Lelo als meine Hauptinspiration für dieses Projekt zu nehmen.

Nach einem langen Wochenende habe ich also ein System modelliert, das einen Bullet-Vibrator fest verbaut hat. Nicht nur das, der Bullet sollte auch mit einem Knopf aktiviert werden können, den ich in der Verschlusskappe integriert habe, damit ich das fertige Sex Toy zwischen Einsätzen nicht auseinander nehmen muss.

Nach drei Drucken des oberen Teils – was jeweils drei Stunden dauert – hatte ich endlich eine Version, die mir gefiel. Die Verschlusskappe benötigte fünf Versuche, bis der Knopf perfekt funktionierte. Glücklicherweise braucht der Verschluss nur eine Stunde pro Versuch.

Dann gings an den Feinschliff. Bei solchen Objekten kann ich nicht genug betonen, wie wichtig eine nicht-poröse Oberfläche ist. Also habe ich die wenigen Löcher mit einem UV-härtendem Plastik gefüllt. Das ist ideal für Anwendungen, die widerstandsfähig sein müssen gegen wechselnde Temperaturen, Vibrationen oder Umwelteinflüsse. Und es ist bioproof.

Sobald die Oberfläche komplett geschlossen war, habe ich die Teile abgeschmirgelt, einige Male mit Silikonspray beschichtet und das wars. Aber genug geredet, schau es dir einfach an:

Nie im Leben würde ich mich dabei filmen, wie ich das Ding abschmirgle.

Alles in allem war es ein lustiges Projekt. Das Modellieren hat mir mehr Spass gemacht als die eigentliche Produktion – aber einen funktionierenden Knopf zu haben war doch sehr cool.

Falls ich das jemals ordentlich wiederholen sollte, werde ich es direkt aus dem Drucker mit Clone-A-Willy-Silikon beschichten und gut ist.

3D Drucker
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Duplicator i3 Plus
Wanhao Duplicator i3 Plus
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Einfach zu bedienen und dennoch leistungsfähig genug für Anfänger und Profis.

Du bist dran

Falls du das selbst ausprobieren willst: Ich habe den einfachsten Bullet-Vibrator verwendet, den ich bei Galaxus gefunden habe. Für den Drucker gibt es eine Fülle von Modellen. Meinen gibt es hier. Und wie zuvor erwähnt, ich empfehle das platinvernetzte Silikon von Clone A Willy für einen professionellen und sicheren Finish.

Nun weisst du's. Du kannst dein ganz eigenes Sexspielzeug in deinem gemütlichen zu Hause machen. Also lass deiner Fantasie freien Lauf und fang an zu drucken! Vergiss nicht, vor und nach jeder Benützung einen Toy Cleaner zu verwenden. Viel Spass!

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Mariana Hurtado
Mariana Hurtado
Grafik-Designerin, Bern
Grafik-Designerin, Pokémon-Trainerin, tech-savvy und keine Schriftstellerin. Seit 2014 bin ich in der Schweiz. Ich führe einen steten Kampf gegen schlechtes Design.

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