Smartes Licht mit WiZ Connected: Die günstige Hue-Alternative im Test

Smartes Licht mit WiZ Connected: Die günstige Hue-Alternative im Test

Michael Restin
Michael Restin
Zürich, am 15.04.2021
Verglichen mit Philips Hue ist WiZ Connected ein kleines Licht. Aber es leuchtet eine dunkle Nische aus, denn ein Wi-Fi-System hat dem Signify-Konzern bislang gefehlt. Welche Kunden gehen ihm damit ins Netz?

Alles ganz einfach. Dieses Versprechen, tausendfach gehört und nicht immer gehalten, schickt auch WiZ voraus. Einfach die Leuchtmittel einsetzen und mit deinem WLAN verbinden – schon bist du in der Welt des «smarten» Lichts angekommen. Von überall zu bedienen, programmierbar und farbenprächtig soll es sein. Genau wie all die anderen Systeme, die mit leuchtenden Versprechen um Kundschaft buhlen. Denn Licht ist verlockend. Für viele ist es der erste und sichtbarste Schritt hin zum Smarthome. Mit dem Kauf legst du dich oft auf ein bestimmtes Ökosystem fest, das sich nur begrenzt mit Produkten anderer Hersteller kombinieren lässt. Bist du als Neukunde gewonnen – Jackpot! Dann hat die Marke deiner Wahl leichtes Spiel. Vermutlich wirst du dabei bleiben, wenn du dein Zuhause nach und nach aufrüstest.

WiZ will es Einsteigern einfach machen.
WiZ will es Einsteigern einfach machen.

Zumindest auf einen Standard legst du dich fest. Bist du beim Marktführer Philips Hue gelandet und hast in eine Bridge investiert, die mit deinem Router verbunden wird, vernetzen sich Lichter, Schalter und Sensoren nach dem ZigBee-Standard. Per Bluetooth können die Grundfunktionen der Leuchtmittel inzwischen auch gesteuert werden, doch die ganze Hue-Welt eröffnet sich dir nur mit dem Hub. Es gibt Produkte und Integrationsmöglichkeiten wie Sand am Meer. Dafür sorgt Signify, die seit 2016 selbständige Licht-Tochter von Philips, mit knapp 40 000 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist ein Gigant. Trotzdem fand CEO Eric Rondolat, dass die 2019 getätigte Übernahme von WiZ Connected eine «perfekte Ergänzung» sei. Das in Hong Kong ansässige Unternehmen hatte damals ganze 53 Mitarbeiter. Was hatten diese 53, das dem Riesen noch gefehlt hat? Ihre Produkte nutzen mit WLAN einen naheliegenden Weg, die Beleuchtung zu vernetzen und steuerbar zu machen. Wer keine Bridge an den Router hängen und nicht nur Basics per Bluetooth bedienen will, könnte also mit WiZ glücklich werden. Damit schliesst Signify eine Lücke im Sortiment und bietet eine günstige Alternative zu Hue an. Vorausgesetzt, es ist wirklich alles ganz einfach.

Vorteil WLAN, Nachteil WLAN

Der grösste Vorteil liegt auf der Hand: WLAN ist in der Regel schon da und schleudert deine Daten ohnehin bis in den letzten Winkel der Wohnung. Warum also für die Leuchten eine extra Bridge installieren, wenn es auch ohne geht? Wir binden ständig neue Geräte in unser Netzwerk ein und verlassen uns darauf, dass es funktioniert. Klappt auch meistens. Doch während für Netflix in 4K riesige Datenmengen anfallen, lassen sich einfache Lichtbefehle eigentlich effizienter senden und empfangen. ZigBee ist beispielsweise deutlich stromsparender, was sich im Standby-Verbrauch bemerkbar macht. Eine WiZ Colors Glühbirne zieht ausgeschaltet mit 0,9 Watt gut doppelt so viel wie ihr Pendant von Hue, haben die Home Pioneers ermittelt. Auf WLAN alleine will sich WiZ übrigens nicht verlassen, weshalb die Produkte mit einem Dual-Chip für WLAN und Bluetooth ausgestattet sind. Zum einen hilft Bluetooth beim Anlernen neuer Produkte, andererseits sollen sich die Leuchtmittel künftig zusätzlich über Bluetooth untereinander vernetzen. So sind sie nicht nur vom WLAN abhängig und auch in entlegenen Ecken steuerbar. WiZ nennt das treffend «ROBUST» und wird kompatiblen Produkten ein entsprechendes Update verpassen. Das Gehirn jedes Leuchtmittels ist ein 2MB-Flash-Speicher, der Updates verwaltet und Einstellungen speichert.

Die Installation

Um die WiZ-Leuchten mit deinem WLAN bekannt zu machen, musst du sie in der App (iOS/Android) anlernen. Das habe ich bei Konkurrent LIFX als nicht ganz unproblematisch in Erinnerung. Bei meiner ersten Erfahrung mit WLAN-Leuchtmitteln habe ich mehrere Versuche gebraucht, bis Smartphone und Lampen sich dort gefunden haben, wo sie hingehören: sie funktionieren nur im 2,4-GHz-Band, das einen grössere Reichweite hat. Viele Router funken zusätzlich auf 5 GHz, und in diesem zweiten Netz kannst du dich beim automatischen Hin und Her des Installationsprozesses herrlich verheddern.

Bluetooth hilft: Leuchtmittel zu verbinden, ist bei WiZ wirklich einfach.
Bluetooth hilft: Leuchtmittel zu verbinden, ist bei WiZ wirklich einfach.

Bei WiZ ist das gut gelöst: Zwar scheitere ich auch hier an der «intelligenten Kopplung» mehrerer Lichter gleichzeitig. Aber für Menschen mit diesem Problem gibt es die manuelle Kopplung der Lichter. Zuerst vertraust du der App den Schlüssel zum (richtigen!) WLAN an, dann wirst du vorbildlich durch die Installation geführt. Die Lampe gibt über pulsierende Lichtsignale Feedback, ob alles nach Plan läuft, saugt sich die benötigten Informationen und ist nach kurzer Zeit betriebsbereit. Erster Eindruck: Nicht ganz so fancy wie LIFX, das tolle Hardware und eine bunte App hat, aber vorbildlich gelöst.

Die App

Dieser Eindruck bestätigt sich im Laufe der Zeit. WiZ ist nicht auf Showeffekte aus, aber viele Dinge sind pragmatisch und praktisch. Das fängt bei der in schlichtem Weiss gehaltenen App an, in der ich mich sofort zurechtfinde. Räume einrichten, Gruppen erstellen, Lichtfarbe definieren – all das wirft wenig Fragen auf und funktioniert frustfrei. Dazu kannst du Zeitpläne erstellen, im Urlaubsmodus Anwesenheit simulieren und aus vorgegebenen Modi von «Romantik» bis «Mojito» wählen, die für rosarotes oder zartgrünes Licht stehen.

Keine Designspielereien, aber eine klare Struktur: Die App macht einen guten Eindruck.
Keine Designspielereien, aber eine klare Struktur: Die App macht einen guten Eindruck.

So weit, so normal. Mir gefällt besonders, dass die App nicht auf technischen Overkill mit fünfundzwanzig Untermenüs setzt, sondern die Brücke zur ohnehin in der Wohnung vorhandenen Hardware schlägt. Es gibt ja noch Menschen, die das Licht schlicht und einfach über den guten alten Schalter an der Wand bedienen und dabei keine Überraschung erleben wollen. Meine Frau zum Beispiel will morgens keine mojitogrüne Partyfunzel über dem Frühstückstisch. Ob die letzte Einstellung gespeichert bleibt oder neutrales Licht angeht, lässt sich bei WiZ wie auch bei anderen Herstellern definieren. Aber mit der «WiZclick» genannten Option in der App bekommt dein Wandschalter eine zusätzliche Funktion. Schaltest du das Licht einmal an, erstrahlt es im ersten Lieblingsmodus. Also zum Beispiel warmweiss bei voller Helligkeit. Schaltest du zweimal schnell hintereinander, kannst du den zweiten Lieblingsmodus aktivieren.

Die Lichtstimmung lässt sich deinem Tagesrhythmus anpassen.
Die Lichtstimmung lässt sich deinem Tagesrhythmus anpassen.

Ein weiteres Feature ist, dass dir der Energieverbrauch deiner WiZ-Lampen in der App angezeigt wird. Um die Beleuchtung deinem persönlichen Energielevel anzupassen, lässt sie sich deiner inneren Uhr entsprechend einstellen. Morgens weckt sie dich mit Tageslicht, abends wird es schummrig. Ganz nach deinen Vorstellungen. Ausserdem kannst du die Steuerung für Gäste oder Familienmitglieder freigeben, falls du nicht alleine übers Licht herrschen willst. Wirklich vermisst habe ich nur eine Funktion, die ich bei Hue schätzen gelernt habe: Dass sich das Licht Sommer wie Winter automatisch zur aktuellen Dämmerungszeit einschaltet.

Integrationsmöglichkeiten und Fernbedienung

Mit dem Google Assistant, Alexa, Siri Shortcuts, IFTTT und anderen Anbindungen stehen dir viele Möglichkeiten offen, WiZ zu personalisieren und zu steuern. Apple HomeKit gehört allerdings nicht dazu. Ich habe es mit Google Home probiert, was bei mir nicht immer problemlos funktioniert. Manchmal stimmt die gewünschte Farbe nicht, manchmal folgen auf verstandene Befehle keine Taten.

«Klar, mache ich!» Dann passiert nichts. Der Google Assistant ist in Verbindung mit WiZ manchmal beängstigend menschlich.
«Klar, mache ich!» Dann passiert nichts. Der Google Assistant ist in Verbindung mit WiZ manchmal beängstigend menschlich.

Wer auf Sprachsteuerung steht, bekommt das vielleicht besser in den Griff. Ich nutze sie normalerweise nicht. Wie weit du dich in dieses Netz aus Abhängigkeiten begeben und Konto um Konto, Cloud um Cloud verknüpfen willst, musst du selbst entscheiden. Natürlich hast du auch bei WiZ ein Konto und der Hersteller versucht, Sicherheitsbedenken mit diesen Sätzen zu zerstreuen: «Deine Privatsphäre ist über anonyme Anmeldungen und TLS 1.2 verschlüsselte Cloud-Verbindungen geschützt. Die WiZ-API, die auf Amazon Web Services gehostet wird, erfordert eine sichere Authentifizierung durch OAuth 2.0. Transparente und erzwungene Upgrades sorgen dafür, dass alle der WiZ-Lampen mit den neuesten Sicherheits-Patches auf dem neuesten Stand sind.» Ganz ehrlich: Bei mir passiert im Kopf das hier, wenn ich solche Sätze lese.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Wie 99,9 Prozent der User akzeptiere ich AGBs und installiere Updates, wann immer ich über eines stolpere. Ansonsten hoffe ich, dass alles gut geht.

Das Sortiment

Ein Gefühl von direkter Kontrolle kannst du dir mit der WiZmote zulegen. Damit hast du eine Fernbedienung in der Hand. Sie ist nicht ganz so schick wie der Hue Switch und hat auch keine Wandhalterung. Aber sie ist günstig, sieht ordentlich aus und funktioniert nach dem Anlernen auch dann, wenn dein WLAN mal ausfallen sollte, da sie direkt mit den Leuchtmitteln kommuniziert. Das macht der Bewegungssensor genauso. Was von WiZ erhältlich ist, dürfte die Grundbedürfnisse abdecken: Standard-Modelle in weiss und bunt, länglich und rund, dazu Filament-Leuchten, LED-Strips und Tischlampen – das ist nicht schlecht für den Anfang.

Vintage Filament (E27, 6.50 W)
–20%
39,90statt 49,90
WiZ Vintage Filament (E27, 6.50 W)

Erleuchtungen im Alltag

Die Leuchtmittel selbst sind schlicht und reagieren sehr schnell auf Befehle. Die volle Helligkeit ist sofort da – es sei denn, du definierst in der App einen Zeitraum für sanftes Einblenden. Das ist in 0,25-Sekunden-Schritten möglich. WiZ dimmt zwar gefühlt nicht ganz so smooth wie von Hue gewohnt, aber das System punktet durch Zuverlässigkeit und die zuvor beschriebenen Funktionen wie WiZclick, die praktisch sind, wenn das Smartphone einmal nicht griffbereit ist. Aussetzer und nervige Wartezeiten habe ich nicht registriert. Selbst wenn sie mal vom Strom getrennt waren, werden die Leuchtmittel schnell wieder erkannt. Die Farben der WiZ Color sind nicht so knallig wie bei LIFX, dazwischen liegen Welten. Das gilt allerdings auch für den Preis. Unter uns: Ich stelle die Lampen im Alltag selten auf Mojito, vernünftige Weisstöne sind mir lieber. In diesem Punkt hat mich die sehr helle WiZ White mit 1521 Lumen (2700-6500 Kelvin) beeindruckt. Ich habe mir den Spass gemacht und in einem abgedunkelten Raum mit der App Lux Light Meter verglichen, wie viel Helligkeit bei verschiedenen Leuchtmitteln aus 50 Zentimetern Abstand im Tageslicht-Modus auf der Tischfläche ankommt.

Wer es hell mag, ist mit  der WiZ White gut bedient.
Wer es hell mag, ist mit der WiZ White gut bedient.

Das mag nur ungefähr stimmen, deckt sich aber mit meinem Eindruck. Mir ist dieser Punkt wichtig, denn ich mag zwar das Licht meiner Hue White Ambiance im Wohnzimmer, doch an finsteren Tagen sind sie mir etwas zu schummrig. Ich finde WiZ bei den Standards richtig stark. Für kleines Geld bekommst du angenehmes, helles Licht. Auch die bunte Variante, die es ebenfalls mit 13 Watt und 1521 Lumen gibt, geht für den Preis voll in Ordnung, spricht mich aber weniger an. Bunt soll bei mir nur das Ambilight am Fernseher sein, das Hue mit der Sync Box und entsprechenden Leuchtmitteln zaubert. Da ist WiZ aussen vor, eine vergleichbare Funktion oder gar eine Einbindung in die Hue-Welt gibt es nicht. WiZ wurde nach der Übernahme durch Signify im günstigen Segment angesiedelt und zielt auf Einsteiger, nicht auf High-End-Verwöhnte. Also auf alle, die bei Hue bislang aussen vor waren.

Fazit: (Sch)licht und einfach

In Zukunft wird es wahrscheinlich mehr Kund*innen geben, die ZigBee für einen Comic-Helden und Z-Wave für eine Turnschuhmarke halten. Menschen, die sich nicht gross für die Technik und das System hinter den Produkten interessieren und schon fast vergessen haben, wo ihr Router steht. Normalos statt Nerds, die das Licht zwischendurch einfach mal über den Wandschalter bedienen, sich aber mehr Möglichkeiten wünschen. Die erwarten Plug-and-play ohne weitere Hardware. Das bietet WLAN, das bietet WiZ. Die Einbindung ist einfach, die App übersichtlich und die Möglichkeiten sind für die Zielgruppe mehr als ausreichend. Da zum WLAN auch noch die Bluetooth-Vernetzung kommt, solltest du vor Ausfällen relativ sicher sein. Dinge wie den Farbzauber kann die Konkurrenz besser. Während LIFX mehr das Spielkind in dir anspricht und Hue eine kostspielige Welt für sich ist, bietet WiZ Licht für Erwachsene. Ein vernünftiges System zu vernünftigen Preisen, das mit den Ansprüchen in vernünftigem Rahmen wachsen kann. Es ist wirklich simpel. Und für Signify geht die Rechnung auf. Falls die Kunden dem Konzern nicht ins (WLAN-)Netz gehen, gehört mit Hue die erste Alternative ohnehin zur Familie.

26 Personen gefällt dieser Artikel


Michael Restin
Michael Restin

Editor, Zürich

Sportwissenschaftler, Hochleistungspapi und Homeofficer im Dienste Ihrer Majestät der Schildkröte.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren