
Ratgeber
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von Florian Bodoky

Musikstücke in Einzelspuren zerlegen geht mit KI einfach und zuverlässig. Ein kostenloses und brauchbares Tool ist der Ultimate Vocal Remover, der mehr kann als nur den Gesang isolieren.
Künstliche Intelligenz bringt Musikschaffenden nicht nur Ärger – es gibt auch nützliche Anwendungen. Eine davon ist die automatische Trennung eines Stücks in Gesang und einzelne Instrumente. Das ist sehr praktisch, wenn es darum geht, ein Stück zu analysieren und nachzuspielen. Du kannst dein Instrument vom Rest isolieren. Dadurch hörst du viel besser, welche Noten gespielt werden. Umgekehrt kannst du auch dein Instrument aus dem Mix entfernen, um den perfekten Übungstrack zu erzeugen. Besonders beliebt ist das für den Gesang – Stichwort Karaoke.
Tools dieser Art heissen Stem Splitter. Es gibt unzählige Websites und Apps dafür. Doch fast alle sind entweder kostenpflichtig (uh, noch ein Abo!) oder haben massive Einschränkungen.
Doch ein Tool ist unlimitiert kostenlos und erfüllt den Zweck: Den Ultimate Vocal Remover gibt es für Linux, Mac und Windows. Wer sich dankbar zeigen will, spendiert einen Kaffee.
Hinweis für Mac-User: Wahrscheinlich kannst du die App wegen Apples rigiden Sicherheitsvorkehrungen zunächst nicht öffnen. Dieses Problem behebst du, indem du in den Systemeinstellungen unter «Datenschutz & Sicherheit» nach unten scrollst und bei Ultimate Vocal Remover auf «Dennoch öffnen» klickst. Von da an öffnet die App anstandslos.


Mit «Select Input» gibst du das Stück an, das du auftrennen möchtest. Du kannst auch mehrere Files auswählen. Gleich darunter definierst du den Ausgabeordner. Danach wählst du die Prozessmethode. «VR Architecture» und «MDX-Net» teilen das Stück in Gesang und Instrumente auf. Es werden also zwei Audio-Dateien erzeugt. «Demucs» ist das, was du brauchst, wenn du ein Instrument isolieren willst. Diese Methode trennt das Stück in Bass, Schlagzeug, Gesang und restliche Instrumente. Es werden somit vier Audio-Files generiert.
Zu all diesen Methoden existieren unterschiedliche KI-Modelle zur Extraktion. Diese können mit dem Drop-Down-Menü gleich darunter ausgewählt oder heruntergeladen werden. Es reicht aber, wenn du einfach die Default-Einstellung nimmst.
Der «Ensemble Mode» ist keine eigene Methode, sondern ermöglicht, mehrere Methoden zu kombinieren. Mit den «Audio Tools» kannst du unter anderem die Geschwindigkeit und Tonhöhe ändern.
Die Einzelspuren klingen für sich alleine oft schlecht, und ausserdem verlierst du schnell die Orientierung. Sie sollten also neu zusammengemixt werden. Um beispielsweise zu hören, welche Basstöne gespielt werden, möchte ich nicht nur den Bass-Track, sondern auch die übrigen Parts drin haben – aber viel leiser als der Bass, so dass dieser perfekt zu hören ist. Daher fügst du die Einzelspuren am besten in einer Audio-Software wie Audacity zusammen.

Ziehe die Dateien ins Programmfenster – sie erscheinen dann als einzelne Spuren. Mit dem Plus-Minus-Regler im linken Bereich der Spur kannst du die Lautstärke anpassen. Sobald dir der Mix passt, wählst du «Datei > Audio exportieren». Natürlich kannst du das Audacity-Projekt auch speichern, um den Mix später zu ändern. In anderen Programmen wie GarageBand funktioniert es ähnlich.
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.
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