Social Distancing im Fitnessstudio: weniger Mensch, mehr Workout
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Social Distancing im Fitnessstudio: weniger Mensch, mehr Workout

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 14.05.2020
Nach zwei Monaten Lockdown öffneten am Montag die Fitnessstudios. Mit Auflagen. Ein erster Augenschein.

Klack, klack. Ich liebe dieses Geräusch. Es motiviert mich. Der Sound, wenn ich die Gewichtsscheiben bis zum Anschlag auf die Langhantel schiebe. Klack, klack.

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Kürzlich ist mir klar geworden, dass ich dieses Geräusch und das damit verbundene Training im Fitnessstudio vermisse. Ähnlich dürfte es wohl vielen Abo-Besitzern in den letzten zwei Monaten ergangen sein. Rund eine Million Mitglieder schwitzen in den 1200 Fitnessstudios. Seit Montag dürfen sie ihre Kunden unter gewissen Auflagen wieder trainieren lassen. Das leidige Warten hat ein Ende und ich leide wieder.

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Viele Auflagen

Auch mein Fitnessstudio ist offen. Allerdings bleibt der gesamte Wellnessbereich vorerst noch geschlossen. Und auch Gruppenkurse finden zurzeit nicht statt. Vielleicht ab dem 8. Juni, bei weiteren Lockerungen. Worauf muss ich mich nun konkret einstellen? In einer Mail hat mein Gym sein Schutzkonzept «kurz» vorgestellt. 21 Punkte umfasst die Liste. Soll ich das vor dem Training auswendig lernen? Oder bleibe ich lieber zuhause und mache weiterhin Bodyweight-Übungen? Ich entscheide mich für Variante drei und gehe unvorbereitet ins Fitnessstudio. Bin gespannt, was mich da erwartet.

Fast wie immer, aber nur fast

Im Eingangsbereich die neuerdings üblichen Schutzmassnahmen: Die Mitarbeiterinnen sitzen hinter Plexiglas und ich desinfiziere meine Hände. Nach dem Drehkreuz ist alles wie immer. Fast. Ich ziehe mich in der Garderobe um. Bin dabei alleine. Da ich bereits in den Sportklamotten gekommen bin, geht das rasch. Habe die 21-Punkte-Liste dann doch durchgelesen. Darin wird unter anderem empfohlen, bereits umgezogen zum Training zu erscheinen. Kaum aus der Garderobe stehe ich vor dem Bereich für das Krafttraining und einem Schild, auf dem die wichtigsten Verhaltensregeln zusammengefasst sind.

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Ich gehe einen Stock höher und schaue mich bei Laufband, Ergometer und Co. um. Es ist kurz nach zwölf Uhr mittags, üblicherweise Stosszeit. Heute schwitzen nur wenige beim Cardiotraining. Jedes zweite Gerät ist gesperrt und entsprechend markiert.

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Ich wärme mich kurz auf dem Laufband auf und beginne anschliessend mit dem Krafttraining. Back Squat, Deadlift, Bench Press und so weiter. Die ersten Minuten fühlen sich seltsam eingerostet an. Kein Wunder, nach zwei Monaten Bodyweight-Training ohne Gewichte. Aber die Muskeln haben ein gutes Gedächtnis und das seltsame Gefühl verschwindet rasch. Das ist gut. Ebenso wie die Tatsache, dass die wenigen Anwesenden wenn immer möglich Abstand halten. Und ihre Geräte vor und nach Gebrauch mit Desinfektionsmittel reinigen. Dazu stehen im ganzen Fitnessstudio verteilt kleine Tische mit dem Material bereit.

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Nach eineinhalb Stunden ist Schluss. Ich wechsle in der beinahe leeren Garderobe rasch die Schuhe und das verschwitzte Shirt, wobei ich mich an eine weitere Empfehlung aus der 21-Punkte-Liste halte und auf das Duschen verzichte. Das hole ich zuhause nach. Einer der wenigen Anwesenden spricht mich an: «Endlich geht's wieder los. Bin froh, dass wieder offen ist.» Das bin ich auch. Wünsche dem Kollegen ein gutes Training und gehe nach Hause. Nicht, ohne meine Hände beim Ausgang ein weiteres mal zu desinfizieren.

Fazit

Weniger Gedränge in der Garderobe, mehr Platz zwischen den Geräten und diese sind sauber. Okay, das sollte eigentlich immer so sein. Ist es aber leider oft nicht. Oder hast du jedes mal Sitzbank, Barebell und alle Griffe, die du du sonst noch angefasst hast, vor und nach einer Übung geputzt? Wohl kaum. Ich übrigens auch nicht.

Vielleicht sollte ich hier schreiben, dass das Training heute schrecklich war. Damit du morgen zuhause bleibst. Schwitzende Gesichter hinter Masken. Statt Schweiss, der stechende Geruch des Desinfektionsmittels in der Nase. Sowas in der Art. Von mir aus kann es gerne so bleiben, wie es jetzt ist. Social Distancing im Fitnessstudio: weniger Mensch, mehr Workout.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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