Neue Liebe: das Velo?
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Neue Liebe: das Velo?

Patrick Bardelli
Patrick Bardelli
Zürich, am 04.02.2021
Ich sattle um: verabschiede mich von meiner alten Liebe dem Laufen und schwinge mich in den Sattel. Das heisst, ich würde gerne, denn mir fehlt so ziemlich alles, was es zum Velofahren braucht. Zum Beispiel ein Velo.

In den letzten Jahren hat sich bei mir zuhause ein Berg an Laufausrüstung aufgetürmt. Unzählige Laufschuhe stapeln sich in unzähligen Schuhschäften. Unzählige Shirts, Shorts, Tights und Socken verstopfen die Kleiderschränke. Egal, ob Sommer oder Winter, Wind oder Regen, Strasse oder Trail: Ich bin so ziemlich für alle Laufeventualitäten gewappnet.

Die Schuhparade: Sind auch ein paar Nichtlaufschuhe dabei.
Die Schuhparade: Sind auch ein paar Nichtlaufschuhe dabei.

Doch nun ist velofahren statt laufen angesagt. Warum? In zwei Worten: Knie kaputt.

*Liebeserklärung** an das Laufen
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Liebeserklärung an das Laufen

Was ich nicht habe: ein Velo ...

Ich grabe mich also durch meine Schuhschäfte und Kleiderschränke auf der Suche nach velotauglicher Ausrüstung und finde: nichts. Das ist nicht gut. Noch weniger gut ist die Tatsache, dass ich gar kein brauchbares Velo habe. Irgendwo im Keller rostet ein 30-jähriges Mountainbike gemütlich vor sich hin und auch das alte Hello-Kitty-Bike meiner Tochter hat nur einen nostalgischen Erinnerungswert. Für schweisstreibende Bergtouren und rasante Abfahrten, wie ich sie vor meinem geistigen Auge sehe, taugt es eher nicht. Kurz: Velofahren war die letzten Jahre nicht mein Ding. Das soll sich nun ändern.

In Laufausrüstung auf dem Hello Kitty? Nein, so wird das nichts.
In Laufausrüstung auf dem Hello Kitty? Nein, so wird das nichts.

... und alles andere, was es zum Velofahren braucht

Ich brauche ein Velo. Und die entsprechende Ausrüstung dazu. Vom Helm bis zu den Schuhen. Einmal alles bitte. Aber eins nach dem anderen. Zuerst das Velo. Was für eins soll es denn sein? Ein Mountainbike oder ein Rennvelo? Eine Kombination aus beidem wäre hübsch. Ein Bike, das nicht zu schwer ist, auf der Strasse funktioniert, aber auch auf Kies- oder Waldwegen nicht gleich den Geist aufgibt. Gibt's sowas überhaupt? Natürlich: das Gravelbike.

Auf Wikipedia lese ich dazu: Ziel der Entwicklung der Gravelbikes, zu Deutsch Schotter-Rad, war es, ein Rad zu bauen, mit dem neben normalen Strassen auch unbefestigte Wege befahren werden können. Ein Gravelbike im engeren Sinne ist ein Rad für komfortables wie auch schnelles Fahren auf Kies und Schotter.

Jawohl. Das ist mein Bike der Wahl. Also tschüss Hello Kitty und hallo Gravelbike.

Adieu Kätzchen.
Adieu Kätzchen.

Und nun?

Nun ist es jedoch so, dass nicht nur unsere Smartphones in China zusammengeschraubt werden, sondern auch alles andere. Zum Beispiel unsere Velos. Oder zumindest eine Vielzahl deren Komponenten stammt aus dem Land des Lächelns. Und so stehen aktuell unzählige Container in den Häfen von Shanghai und Co, gefüllt mit Rahmen, Sattelstützen oder Vorderradstäbchen, äh, -gabeln und warten darauf, in See zu stechen. Zuerst gehen aber Schutzmasken und weiteres aktuell wichtigeres Material auf die Reise.

Da sich dieses Warten in die Länge zieht, sind viele Bikes bei uns zur Zeit gar nicht oder nur in ungeeigneten Grössen zu haben. Ganz ähnlich sieht es auch bezüglich Fitness-Geräten und weiteren Sportartikeln aus. Sportskollege Restin recherchiert übrigens gerade zum Thema «China und die Verfügbarkeit von Sportartikeln». Er klappert die Lieferkette ab, erzählt, wer da mit welchen Problemen zu kämpfen hat und wie stark die Nachfrage gestiegen ist. Sein Beitrag dazu erscheint in Kürze.

Ob ich in Kürze zu meinem Gravelbike komme, wird sich zeigen. Ich gebe mein Bestes. Bis es so weit ist, bleibt mir nur der Garten und ein Hello Kitty in pretty pink zum Üben. Das 30-jährige Mountainbike im Keller rühre ich nicht an, aus Angst, es zerfällt zu rostrotem Staub.

Es bleibt vorerst doch beim Kindervelo.
Es bleibt vorerst doch beim Kindervelo.

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Patrick Bardelli
Patrick Bardelli

Senior Editor, Zürich

Es zählt nicht, wie gut du bist, wenn du gut bist. Sondern wie gut du bist, wenn du schlecht bist.

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