Sony Walkman NW-A35: HiRes im Taschenformat
Review

Sony Walkman NW-A35: HiRes im Taschenformat

Hans-Jürg Baum
Hans-Jürg Baum
Zürich, am 07.04.2017
Für anspruchsvolle Musikhörer(innen), die ihre Lieblingsmusik auch unterwegs nicht über ein Smartphone verstümmelt anhören wollen, bringt Sony mit dem Walkman NW-A35HN einen preiswerten High-Resolution-Audio-Player. Was er kann, zeigt der Test.

Die in fünf Farben erhältlichen Sony-Walkmänner NW-A35 und NW-A35HN unterscheiden sich hauptsächlich durch das HN in der Typenbezeichnung und dem Preis. Bei der HN-Version gehört ein InEar-Kopfhörer mit Noise Cancelling dazu. Als preisgünstige Geräte besitzen sie als drahtlose Vernetzungsmöglichkeit Bluetooth mit dem hauseigenen LDAC-Klangverbesserungssystem, aber kein WiFi. Als tröstende Zugabe gibts ein UKW-Radio.

Dieser kleine, unscheinbare gerade mal knapp 100 Gramm leichte Player ist mit einem 3,1-Zoll-Touchscreen ausgerüstet und spielt mit einer Akku-Füllung je nach Betriebsart zwischen 22 und 45 Stunden. Der interne Speicher bietet zwar lediglich 16 GB Speicherplatz, doch mittels microSD-Karten kann eine riesige Audio-Sammlung angelegt werden. Nur so als Info: Das HiRes-Album «Tracker» von Knopfler mit 192 kHz/32 Bit benötigt 2,91 GB Speicherplatz, «Portraits / The Clarinet Album» von Andreas Ottensamer mit 96 kHz/24 Bit immerhin 1 GB. Daraus ist zu ersehen, dass leistungsfähige microSD-Karten gerade für eine High-Resolution-Audiosammlung ein absolutes Muss sind.

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NW-A35HN (16GB, Gelb, Bluetooth)
Sony NW-A35HN (16GB, Gelb, Bluetooth)
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NW-A35 (16GB, Schwarz, Bluetooth)
Sony NW-A35 (16GB, Schwarz, Bluetooth)
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Nach einer etwas langen Aufstartphase von rund 45 Sekunden wurde der Player am iMac mit OS 10.9.5 sofort erkannt. Dabei wurden der interne Speicher und die microSD-Karte separat angezeigt. So konnte problemlos begonnen werden, den Player mit den verschiedensten Alben zu beladen. Zudem gibt es für Windows und Mac die Programme MediaGo und Content Transfer, mit denen der Transfer auf den Player mit Unterstützung der Gracenote CD DataBase geschieht.

Die Bedienung ist recht einfach und relativ rasch hat man die fast unendlich vielen Abspiel-Features und auch des UKW-Radio dieses Players im Griff. Als erster Schritt in der Erprobung wurde die neuste Firmware installiert. Damit wurde unter anderem die Schnelligkeit der Bedienung via Touchscreen erhöht.

Spielwiese für Klangtüftler

Farbenfroh: Diese Walkmänner sind in den Farben Blaugrün, Zinnoberrot, Schwarz, Limonengelb und Bordeaux-Pink erhältlich.

Sony ist in Sachen Klangverbesserungsmöglichkeiten unglaublich fantasievoll und behauptet Sachen, mit denen man technisch nicht so versierte Musikhörer beeindrucken, Fachleute jedoch zum Schmunzeln bringen kann.

Als Besonderheit erwähnt Sony die eingebauten fünf PSCAP-Kondensatoren, die dem S-Master-HX-Digitalverstärker genügend Power für brisante Impulse zur Verfügung stellen sollen. Und als Gegensatz zum erwähnten Digitalverstärker schreibt Sony zur DC-Phasen-Linearisierung: «Diese Funktion passt niederfrequente Phasenverschiebungen an, um die Audiomerkmale von analogen Verstärkern zu reproduzieren.»

Mit DSEE HX (diese Funktion reproduziert das klare Klangspektrum, das häufig verloren geht) wird in einer Art Upscaling das Original auf HiRes-Audio hochgerechnet. Das ClarAudio+ (passt Soundeinstellungen automatisch an und sorgt für ein bereicherndes Hörerlebnis) ist auch so eine Einstellung, die weder mit dem mitgelieferten Hörer noch anderen im Hörtest den Musikgenuss echt steigern konnte.

Weiter geht es mit Clear Phase (nur für den mitgelieferten InEar-Hörer), VPT (diverse Surround-Modi, von Studio, Club, Konzertsaal und Matrix), Dynamic Normalizer (gleicht Lautstärken unterschiedlich lauter Titel an) und diversen anderen technischen Highlights. Doch neben diesen teils zweifelhaften oder kaum hörbaren Spielereien für Klangtüftler gibt es auch noch einen sehr nützlichen grafischen 6-Band-Equalizer zur Korrektur von dumpfen, grellen oder bassarmen Aufnahmen.

Weitaus wichtiger aber sind die abspielbaren Formate wie FLAC, und dies bis zu 192 kHz/24Bit, DSD bis zu 2,8 MHz, AAC, MP3, ALAC, HE-AAC, Linear PCM und WMA.

Sonderzüglein bei Bluetooth

Das Sony-eigene Bluetooth-Klangverbesserungssystem LDAC funktioniert nur mit neueren Sony-Geräten, die ebenfalls diesem System huldigen wie zum Beispiel diese kleine Aktivbox von Sony.

Man wird sich zu Recht fragen, was das klanglich nicht sehr hochstehende Bluetooth in einem High-Resolution-Player zu suchen hat. Bekannt ist das allgemein eingeführte aptX-Verfahren zur Verbesserung der Klangqualität bei Bluetooth. Das aptX garantiert in der Tat eine praktisch CD-ähnliche Klangqualität, aber kein High-Resolution-Niveau.

So hat sich Sony ein eigenes Bluetooth-Klangverbesserungssystem mit der Bezeichnung LDAC konstruiert und schreibt dazu : «Durch die Übertragung bei der maximal möglichen Übertragungsrate (990 Kbit/s) können Sie mit LDAC High-Resolution-Audio-Inhalte in nahezu High-Resolution-Qualität hören». Dabei fällt auf, dass sogar Sony von «nahezu High-Resolution-Qualität» schreibt. Klar, dass nicht nur der Player, sondern auch das Wiedergabegerät, sei es ein Kopfhörer, eine Aktivbox oder sonst was, das Bluetooth-LDAC-System unterstützen muss.

Das LDAC mit seiner «nahezu High-Resolution-Qualität» funktioniert nur mit neusten Sony-Bluetooth-Geräten und nicht mit Fremdprodukten. Sony lässt damit in Sachen Bluetooth auch Besitzer des zum Test verwendeten Sennheiser Momentum Wireless mit aptX im Regen stehen. Nicht besser ergeht es dem noch lange nicht veralteten und ebenfalls mit aptX bestückten und bei avguide getesteten Sony MDR-ZX770BN. High-Resolution-Aufnahmen werden auf das Niveau vom normalen Bluetooth 4.2 heruntertransformiert. Dieses ist zwar heute gar nicht so schlecht, aber alles andere als audiophil. Ein edler Zug von Sony wäre es gewesen, neben dem LDAC auch noch das aptX zu integrieren. Für Audiophile gilt hier also: Es lebe das Kabel!

Guter Klang – mässiges Noise Cancelling

Die dem NW-A35HN mitgelieferten InEar-Hörer klingen gut, das Noise Cancelling ist jedoch nicht sehr effizient.

Der dem Walkman NW-A35HN beigelegte kabelgebundene In-Ear-Hörer MDR-NW750NE im Wert von rund 60 Franken klingt für einen Hörer dieser Bauart gar nicht übel und schirmt auch passiv den Umgebungslärm recht gut ab.

Das Noise Cancelling funktioniert hier auf eine ganz spezielle Art und nur gerade im Zusammenspiel mit diesem Player. Dieser Hörer ist passiv, aber mit Mikrofonen zur Aufnahme des Umgebungslärms ausgerüstet. Die Signale dieser Mikrofone werden via Kabel zum Walkman geleitet, was man am zusätzlichen Kontakt der Jack-Stecker erkennt. Im Player selber übernimmt eine Elektronik die Herstellung und Beimischung eines Korrektursignals, das den Lärm im Hörer ausblenden soll.

Die Wirkung dieses Noise Cancelling ist zwar spürbar, aber sehr bescheiden und damit dem günstigen Preis entsprechend. So sollte man sich überlegen, ob es eventuell doch besser ist, den NW-A35 ohne den InEar-Hörer zu kaufen und das gesparte Geld beim Kauf eines teureren Kopfhörers mit einem effizienteren Lärmkiller zu investieren.

Mehr als nur ein Achtungserfolg

Nun stand die Frage im Raum: Würde der NW-A35HN gegenüber dem, was heute in Sache High Resolution möglich ist, einen jämmerlichen Abklatsch bieten, oder sich sogar gegen echte audiophile Geräte behaupten können? Abgehört wurden ausgewählte High Resolution via Kabel und den Kopfhörern B&W P5 und Sennheiser Momentum.

So hatte der NW-A35HN gegen folgende Kombination anzutreten: MacBook Pro mit Audirvana Plus Player und dem USB DAC ami DS5 mit integriertem Kopfhörerverstärker. Also sicher kein fairer, aber hochinteressanter Vergleich. Abgehört wurden diverse High-Resolution-Aufnahmen, darunter Andreas Ottensamers «Portraits - The Clarinet Album», Joshua Bell mit Violin-Bachwerken und Knopflers «Tracker».

Bei Ottensamers «Clarinet Album» machten sich die beiden Systeme recht starke Konkurrenz und der Sony liess sich in Sachen Klangschönheit und räumlicher Projektion keine Schwächen anmerken. Zuweilen glaubte man, feststellen zu können, dass der Walkman geringfügig weicher, die High-End-Anlage etwas straffer wirkte.

Obwohl der Walkman die 32 Bit bei Knopfers «Tracker» auf 24 Bit herunterrechnete, war er in der Lage, bei mässig lauten Pegeln noch knackige Spitzen-Impulse draufzusetzen. Knopflers Stimme erklang charakterstark, die Räumlichkeit und Stimmung dieser exzellenten Studio-Aufnahme konnte überzeugen.

Doch bei Joshua Bells Violin-Klänge kamen bei der «Chaconne» der Partita No.2 von J.S. Bach klar hörbare Unterschiede zu Gehör. Die Referenzanlage zeichnete Bells eine Million Dollar teure Stradivari mit zauberhaften Klangfarben, und einer unerhörten Feinzeichnung. Man glaubte, das alte, edle mit einem geheimnisumwitterten Lack behandelte Stradivari-Holz vibrieren sehen zu können. Da konnte der Walkman nicht mehr mithalten, zeichnete weniger präzis und machte aus der Stradivari eine normale Meistergeige. Doch verdiente sich der NW-A35HN immerhin ein «Sehr gut» und konnte so einen echten Achtungserfolg verbuchen.

Fazit

Die Sony-High-Resolution-Player NW-A35 und NW-A35HN sind, trotz günstigem Preis, gelungene Geräte, die anspruchsvollen Musikhörern auch ohne WiFi & Co. viel Freude bereiten können. Wünschenswert wären allerdings ein Bluetooth mit aptX und beim InEar-Hörer des NW-A35HN ein wirkungsvolleres Noise Cancelling.

Profil NW-A35HN:

Preisgünstiger High-Resolution-Audioplayer mit beigelegtem InEar-Hörer und bemerkenswert guter Klangqualität.

Pro:

  • sehr guter Klang
  • viele Abspielmöglichkeiten
  • Bluetooth LDAC
  • InEar-Hörer mit gutem Klang
  • MicroSD-Card-Speicher
  • preisgünstig

Contra:

  • Kein Bluetooth aptX
  • Noise Cancelling nicht sehr effizient
  • kein WiFi
  • etwas lange Aufstartphase

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Hans-Jürg Baum
Hans-Jürg Baum
Zürich
Als dipl. Musiker, EL. Ing. HTL und Gündungsmitglied der Internetplattform www.avguide.ch, interessiert mich Elektronik vor allem dann, wenn sie Musik in höchster Qualität macht. So ist das Testen – sprich anhören, ausmessen und beschreiben von Lautsprechern, Verstärkern, Kopfhörern, HighResolution-Audio-Playern etc. – meine Leidenschaft. Daneben gilt für mich als aktiver Bass-Player: Ohne Bass keine Spass!

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