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Florian Bodoky
Ratgeber

Soundcore Liberty 5 Pro und Pro Max: Bassmonster mit top Noise Cancelling

Mit den Liberty 5 Pro und Pro Max will Soundcore mehr sein als nur die Preis-Leistungs-Alternative. Das gelingt – für ANC-Fetischisten und Bassliebhaberinnen. Die Pro Max liefern eine Extraportion AI-Funktionen, sind aber teurer.

Die Anker-Subbrand versucht seit 2018, sich mit Speakern und Kopfhörern auf dem Markt zu behaupten. Bis anhin hat sie vor allem mit viel Leistung für wenig Geld auf sich aufmerksam gemacht. Nun will sie mit dem Liberty 5 Pro und dem Liberty 5 Pro Max aus diesem Trott ausbrechen. Einerseits versucht Soundcore das Ladecase als eigenständige Tech-Kategorie mit Vorzügen zu etablieren. Andererseits hat das Unternehmen den KI-Chip «Thus» entwickelt, der mehr Rechenleistung auf den Kopfhörern ermöglichen soll – etwa zum Dekomprimieren von Musik. Wird die Liberty-5-Pro-Serie dadurch zum ernsthaften Konkurrenten oder ist das nur Marketinggeschwafel?

Klobige Gehäuse und die Fummelei beim Einsetzen

Das Erste, was mir im Test auffällt, ist das Gewicht und die Grösse der Ladecases. Besonders das der Pro Max zieht mit seinem wuchtigen 1,78 Zoll grossen AMOLED-Touchscreen und 85 Gramm Gewicht spürbar an der Hosentasche. 69 Gramm sind es bei den Pro. Soundcore setzt bei beiden Modellen auf einen horizontalen Schiebemechanismus, um an die Ohrhörer zu gelangen. Allerdings: Das Zurücklegen der Buds in die Ladeschale ist zuweilen fummelige Millimeterarbeit.

Das Case ist der grosse Unterschied zwischen den beiden Modellen.
Das Case ist der grosse Unterschied zwischen den beiden Modellen.

Weil die Aussparungen im Case vor allem beim Pro eng bemessen sind und die Magnete die Hörer nicht immer an die richtige Position ziehen, muss ich die Stöpsel anfangs drehen und wenden, bis der Ladekontakt greift. Das Case samt Schiebedeckel und die Kopfhörer selbst sind stark verarbeitet und stabil.

Unerschütterlicher Halt

Beim Design verabschiedet sich Soundcore vom klassischen Stiel-Design und setzt auf eine abgerundete Bohnenform, die stark an die Konkurrenz von Bose erinnert. Was mir persönlich extrem gut gefällt: Trotz der ungewöhnlichen Form rutschen die Stöpsel richtig tief in meinen Gehörgang hinein. Ich mag diesen tiefen, festen Sitz sehr. Er wird durch zusätzliche Silikonfinnen unterstützt, die sich in die Ohrmuschel klemmen. Das hat funktionale Vorteile: Die Hörer sitzen absolut unerschütterlich im Ohr, halten jedem Sprint oder Workout stand und dichten den Gehörgang mechanisch extrem gut ab. Wer jedoch schmale Gehörgänge hat, wird diesen intensiven Halt nach einiger Zeit vielleicht Druck spüren. Hier wurde der kompromisslose Halt priorisiert.

Trotz der ungewöhnlichen Form halten die Buds gut in den Ohren.
Trotz der ungewöhnlichen Form halten die Buds gut in den Ohren.

Das macht die Liberty 5 Pro zum guten Gym-Begleiter. Umso mehr, als dass sie eine IP55-Zertifizierung aufweisen und somit eine ordentliche Resistenz gegen Staub und Wasser. Die Touch-Steuerung ist unterschiedlich zuverlässig. Das Wischen über die Oberfläche zur Lautstärkeregelung klappt zwar ordentlich, aber die Touch-Bedienung für Start, Stopp oder Songwechsel leidet unter der kleinen Sensorfläche. Es passiert mir im Test regelmässig, dass Befehle nicht registriert oder erst mit einer Verzögerung ausgeführt wurden. Da hilft es, wenn das Gehäuse stabil sitzt, sonst gäbe es womöglich noch mehr Probleme. Cool ist dafür die Offline-Sprachsteuerung. Weil Befehle wie «Volume Up» oder «Next Song» dank dem neuen Thus-Chip direkt auf dem Gerät verarbeitet werden, reagiert das System blitzschnell und fehlerfrei. Das funktioniert in meinem Alltag beim Kochen oder Trainieren deutlich besser.

Der Sound: sehr basslastige Musik auf Kosten der Natürlichkeit

Kam im Liberty 4 noch ein Dual-Treiber-System zum Einsatz (6-mm-Tweeter, 11-mm-Tieftöner), schrumpft die Hardware hier auf einen einzelnen 9,2-Millimeter-Treiber zusammen. Die Musik ist stark basslastig abgestimmt. Der Tiefbass ist unterhalb von 200 Hertz massiv angehoben und drückt permanent dominant in den Vordergrund. Bei ohnehin bassstarken Elektronik- oder Hip-Hop-Tracks liefert das zwar ordentlich Punch, sorgt jedoch bei komplexeren, filigranen Aufnahmen für ein verzogenes Klangbild. Die Mitten wirken zwar sauber und präsent, Stimmen werden klar wiedergegeben. Die allerhöchsten Frequenzen oberhalb von 12 Kilohertz geht aber spürbar die Luft aus. Becken und Hi-Hats klingen dadurch weniger brillant, sondern geschlossen. Dies kann ich aber mit dem EQ in der App regeln. Erst als ich den Bass manuell zähme und die Höhen anhebe, bin ich mit der Balance und der Detailauflösung zufrieden. Die «KI-Klangverbesserung» würde ich allerdings vernachlässigen: Das Signal wird lauter, sonst verändert sich wenig. Der Sound klingt künstlicher als ohne dieses Feature.

Das Mikrofon-Wunder und ein krank gutes ANC

Das verbaute Noise Cancelling performt abartig. Es eliminiert vor allem tieffrequentes Brummen in Zügen oder auf Strassen zuverlässig. In Kombination mit dem tiefen Sitz im Ohr dichten die Buds die Umwelt so vehement ab, dass fast kein störendes Geräusch mehr durchdringt. Das ist eine Ansage an die Konkurrenz. Der Transparenzmodus erfüllt seinen Zweck, kämpft jedoch mit einem hörbaren Grundrauschen. Ebenfalls stark arbeitet das verbaute Mikrofon-System. Soundcore kombiniert acht klassische Mikrofone mit zwei Bone-Conduction-Sensoren, die die Schwingungen des Kiefers beim Sprechen erfassen. Das Ergebnis ist eine Filterung von Hintergrundgeräuschen, die ihresgleichen sucht. Ich kann neben einer Baustelle oder auf einem windigen Bahnhofsperron stehen – trotzdem hört mein gegenüber fast ausschliesslich deine Stimme. Der Preis dafür ist ein leicht künstlicher, komprimierter Klang. Aber: Die Verständlichkeit ist hervorragend.

Soundsample der Mikrofone

Die Liberty 5 Pro Max sind ein Codec- und Akku-Powerhouse

Geladen wird per USB-C oder kabellos via Qi-Pad. Bluetooth 6.1 sorgt für eine stabile Reichweite und das Gerät unterstützt neben SBC und AAC auch den hochauflösenden LDAC-Codec. Mit dem Multipoint-Feature kann ich die Hörer mit bis zu drei Geräten gleichzeitig koppeln. Aber: Sobald ich die Dreifach-Verbindung aktiviere, verweigert das System den hochauflösenden LDAC-Betrieb und zwingt dich zurück auf Standard-Codecs. Wenn ich maximale Audioqualität will, muss ich mich auf zwei gleichzeitig gekoppelte Geräte beschränken. Auch der Akku überzeugt, mit aktiviertem adaptiven Noise Cancelling halten die Ohrhörer solide 6,5 Stunden durch. Schalte ich die Geräuschunterdrückung ab, klettert die Laufzeit auf hervorragende 12 Stunden. Das Ladecase lädt die Buds noch dreimal voll, was im Idealfall bis zu 50 Stunden Gesamtlaufzeit bedeutet. Auch die Schnellladefunktion überzeugt. Fünf Minuten in der Box reichen für fast vier Stunden Musikgenuss bei deaktiviertem ANC.

Gehäuse mit Display und AI-Funktionen: Braucht’s das?

Der normale Liberty 5 Pro besitzt ein schmales 1-Zoll-Display auf der Vorderseite. Ich kann darauf den Akkustand ablesen oder per Wischgeste den ANC-Modus umschalten. Das finde ich im Alltag praktisch, weil ich nicht für jede Kleinigkeit das Smartphone entsperren muss. Der Liberty 5 Pro Max klotzt dagegen mit einem 1,78 Zoll grossen AMOLED-Touchscreen, der die gesamte Oberseite des Schiebedeckels einnimmt. Ich bekomme hier Menüs für Equalizer, Kamera-Fernbedienungen und Hintergrundbilder. Das Display sieht schick aus, reagiert bei mir im Alltag aber oft träge und verlangt nach nachdrücklichen Wischgesten. Vor allem sollte man sich fragen: Warum sollte man die Equalizer-Profile auf einem Case-Bildschirm durchscrollen, wenn das Smartphone ohnehin meistens in der Hand liegt? Die Max-Version soll zusätzlich mit KI-Funktionen punkten, allen voran der AI-Note-Taker. Das Case kann über ein eigenes Mikrofon Meetings oder Vorträge im Raum mitschneiden. Ein integrierter KI-Chip verarbeitet die Daten und die Soundcore-App liefert dir anschliessend ein schriftliches Transkript samt automatischer Zusammenfassung.

AI-Funktionen en masse. Eine gute Idee, aber sie kommen im Alltag selten zum Einsatz.
AI-Funktionen en masse. Eine gute Idee, aber sie kommen im Alltag selten zum Einsatz.

Das funktioniert gut – aber nicht mit Schweizerdeutsch. Der Haken an der Diktierfunktion versteckt sich im Kleingedruckten. Das Ganze ist an ein Abo-Modell gekoppelt. Soundcore spendiert dir 120 Transkriptionsminuten pro Monat gratis. Wer die Funktion im Berufs- oder Uni-Alltag ernsthaft nutzen will, muss monatlich für Zusatzminuten bezahlen.

Fazit: Lohnt sich der Aufpreis für die Max?

Die Liberty 5 gibt es als Pro und als Pro Max Version. Standardmässig sind beide Modelle basslastig. Das lässt sich mit dem EQ aber beheben. Beim Tragekomfort, der Telefoniequalität und vor allem beim Noise Cancelling spielen die Hörer ganz vorne mit. Auch beim Akku sind sie gleichauf. Der grosse Unterschied liegt beim Display und den AI-Funktionen. Diese sind aus meiner Sicht zwar noch cool und funktionieren gut, werden im Alltag wohl von den wenigsten Nutzerinnen und Nutzer wirklich gebraucht. Der Soundcore Liberty 5 Pro Max lohnt sich daher nur für wenige. Dafür muss man ein klobiges, schweres Ladecase in Kauf nehmen – und den höheren Preis, samt monatliche Abo-Gebühren für die AI-Transkription. Wirklich sinnvoll ist die Max-Variante nur dann, wenn man Interviews oder Vorlesungen mitschneiden will. Ansonsten würde ich die Pro kaufen – die Akku-Anzeige reicht.

Produktbild soundcore Liberty 5 Pro (6.50 h, Kabelgebunden, Kabellos)
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soundcore Liberty 5 Pro

6.50 h, Kabelgebunden, Kabellos

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soundcore Liberty 5 Pro Max

ANC, 6.50 h, Kabellos

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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